RosaLux Schwerpunktheft zu Marx

Lesenswert auch das Marx Dossier des ND

https://www.neues-deutschland.de/dossiers/331.html

 

Bin gespannt.

rosalux-marx

WORK IN PROGRESS

Werde hier nach und nach Gedanken zu Aspekte in einzelnen Beiträgen äußern, die mir bemerkenswert bzw. diskussionswürdig erscheinen. Einwände sind erwünscht.

1.)

Axel Demirovic schrieb in seinem Beitrag: „Zwischen Wissenschaft und Weltauffassung, Marx’ Theorie und die Philosophie der Praxis“

„Marx ist kritisch gegenüber jenen Wissenschaftlern, die gesinnungstüchtig den bürgerlichen Standpunkt vertreten und die wissenschaftliche Wahrheit verraten. Aber die Theorie von Marx ist auch keine wertneutrale, empirisch-analytische Wissenschaftsdisziplin. Sie ergreift in aller Entschiedenheit Partei für die gesellschaftliche Arbeit, die Erzeugung der gemeinsamen Welt, die Emanzipation
der Menschheit.“
Das Wesen der Parteinahme und der erstrebten Emanzipation könnten schon noch etwas treffender charakterisiert sein. Meines Erachtens ging es Marx wesentlich um Voraussetzungen einer (öko-) kommunistischen Aufhebung des von ihm (und Engels) konstatierten  Widerspruches zwischen der Gesellschaflichkeit der Arbeit und der privateigentümlichen Form ihrer Aneignung.

 

2.) Und das Ziel?

Das Ziel ist es, dass Wahrheit zur Basis vitaler Handlungen und Element der Koordination der intellektuellen und moralischen Verhältnisse der Menschen wird, also eines geschichtlich neuen moralisch-intellektuellen Blocks.

Sätze wie dieser werden mir wohl ewig ein Rätsel bleiben müssen.   Irgendwie soll es einen „neuen moralisch-intellektuellen Block“ geben und eine geheimnisvolle „Wahrheit“ soll  beim Koordinieren der intellektuellen und moralischen Verhältnisse der Menschen  helfen. Aha.  Und was ist der Block?

Dieser zeichnet sich dadurch aus, dass die bislang von ihren intellektuellen Funktionen getrennten Individuen ihre reale Gegenwart kohärent denken und die Heterogenität von Theorie und Praxis überwinden, indem sie ihr Zusammenleben von der alle Tätigkeiten umfassenden Kooperation her rational organisieren.

Hmmm. Ich bin also von meinen intellektuellen Funktionen getrennt. Ich denke meine reale Gegenwart nicht koherent. Um das tun zu können, muss ich die Uneinheitlichkeit von Theorie und Praxis überwinden.  Nunja. Und wie? Indem ich mein Zusammenleben mit den Globalisierten dieser Erde rational organisiere – also in der Form umfassender Kooperationen. Ja, so könnte am Ende ein Schuh draus werden Man muss nur den Nippel durch die Lasche ziehen.

Das wäre eine folgenreiche Veränderung, denn der Zusammenhang, das Gemeinsame, würde nicht mehr durch die Wertbestimmung der gesellschaftlichen Arbeit vermittelt in der Form abstrakter Arbeit erfahren und begriffen,

Huch? Welches Gemeinsame wird bitteschön durch den notwendigen Arbeitsaufwand vermittelt und in der Form abstrakter Arbeit erfahren und begriffen?  Verstehe ich nicht.  Der Punkt ist doch, dass  das kapitalistische Für- und Voneinander auf Lohnarbeit zum Zwecke der privaten, also nicht gemeinschaftlich mitbestimmten Aneignung der so geschaffenen Gebrauchs- und Tauschwerte basiert (und nicht etwa auf Unwahrheit) und dass es Gründe für die Etablierung eines kooperativ vermittelten Für- und Voneinander  geben mag, bei der Produktionszwecke, -standards und die für deren Erfüllung aufzubringenden Kosten sozialer bzw. ökologischer Art gemeinschaftlich er- und vermittelt bzw. kontrolliiert würden.

also in der Konkurrenz und in den Konflikten zwischen Einzelnen der verhärteten Kollektiven, für die Weltanschauungen, Deutungsmuster, Interpretationen immer noch Momente der sozialen Kämpfe sind. Das Allgemeine wäre den emanzipierten Individuen und ihrem versöhnten Stoffwechsel mit der Natur unterworfen.

Und sodann mit der Kurbel ganz nach oben drehen.  Wer`s etwas anschaulicher möchte, lese Kate Raworths Donat Ökonomie.

3.) Michael Brie zitierte i n seinem Beitrag „»… vor allem revolutionär« marx und die Strategiefrage (ab S. 22)“ die folgende Passage aus „die Judenfrage“

»Alle Emanzipation ist Zurückführung der menschlichen Welt, der Verhältnisse, auf den Menschen selbst […] Erst wenn der wirkliche individuelle Mensch […] in seinem empirischen Leben, in seiner individuellen Arbeit, in seinen individuellen Verhältnissen Gattungswesen geworden ist, erst wenn der Mensch seine ›forces propres‹ als gesellschaftliche Kräfte erkannt und organisiert hat und daher die gesellschaftliche Kraft nicht mehr in der Gestalt der politischen Kraft von sich trennt, erst dann ist die menschliche Emanzipation vollbracht.«

(Marx Zur Judenfrage 1843, 370)

Sich als Individuen in einer der menschlichen Gattungsnatur eigentümlichen Weise weiter zu entwickeln, hieße in meinen Augen, Verallgemeinerung der spezifisch menschliche Fähigkeit, sich aus freien Stücken und in vorausschauender Weise (das Ergebnis bereits vorher im Kopfe vorwegnehmend) nützlich zu machen und für die Ergebnisse des eigenen Tun und Lassens tatsächlich auch gerade stehen zu können (die artgerechte Haltung der Menschen ist ihr aufrechter Gang). Das heißt  Verallgemeinerung der Fähigkeit, die sich daraus erwachsenen Verantwortung für einen nachhaltig pfleglichen Stoffaustausch mit der Natur wahrzunehmen. Beides verlangt, dass wir uns als vereinigte Menschheit formieren. Nur so können wir (Re-) Produktionsbeziehungen gestalten, die weltweit allen ein gutes Leben ermöglichen ohne dass dies die Grundlagen des guten Lebens aller untergräbt.

Dass im Verlaufe einer Entwicklung,  in der mehr und mehr Angelegenheiten auf Grundlage (umwelt-) bewusst getroffener Übereinkünfte geregelt werden können, immer weniger Zwang notwendig sein würde, dürfte einleuchten. Dass dabei alle Staatlichhkeit im Sinne einer besonderen Instanz, die für alle gleichermaßen verbindliche Regeln bestimmt und garantiert und die verschiedenen Interessen vermittelt, „absterben“ könne, kann ich mir allerdings nicht recht vorstellen.

 

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