Die Produktions- und Austauschformen passen nicht mehr zur Produktivkraftentwicklung. Die darauf nicht zugeschnittene alte Gesellschaftsordnung wird zum Problem

4. März 2009

Friedriich Engels

Die erwachende Einsicht, daß die bestehenden gesellschaftlichen Einrichtungen unvernünftig und ungerecht sind, daß Vernunft Unsinn, Wohltat Plage geworden, ist nur ein Anzeichen davon, daß in den Produktionsmethoden und Austauschformen in aller Stille Veränderungen vor sich gegangen sind, zu denen die auf frühere ökonomische Bedingungen zugeschnittne gesellschaftliche Ordnung nicht mehr stimmt.

Engels: Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft,

MEW Bd. 19, S. 210

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In der Entwicklung der Produktivkräfte tritt eine Stufe ein, auf welcher Produktionskräfte und Verkehrsmittel hervorgerufen werden, welche unter den bestehenden Verhältnissen nur Unheil anrichten, welche keine Produktionskräfte mehr sind, sondern Destruktionskräfte (Maschinerie, Geld)…

Marx/Engels: Die deutsche Ideologie. MEW Bd. 3,  S. 69

Auf einer gewissen Stufe ihrer Entwicklung geraten die materiellen Produktivkräfte der Gesellschaft in Widerspruch mit den vorhandenen Produktionsverhältnissen oder, was nur ein juristischer Ausdruck dafür ist, mit den Eigentumsverhältnissen, innerhalb deren sie sich bisher bewegt hatten.

Aus Entwicklungsformen der Produktivkräfte schlagen diese Verhältnisse in Fesseln derselben um. Es tritt dann eine Epoche sozialer Revolution ein.

Marx: Zur Kritik der politischen Ökonomie, MEW Bd. 13, S. 8-9

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RosaLux Schwerpunktheft zu Marx

30. Januar 2018

Bin gespannt.

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WORK IN PROGRESS

Werde hier nach und nach Gedanken zu Aspekte in einzelnen Beiträgen äußern, die mir bemerkenswert bzw. diskussionswürdig erscheinen. Einwände sind erwünscht.

1.)

Axel Demirovic schrieb in seinem Beitrag: „Zwischen Wissenschaft und Weltauffassung, Marx’ Theorie und die Philosophie der Praxis“

„Marx ist kritisch gegenüber jenen Wissenschaftlern, die gesinnungstüchtig den bürgerlichen Standpunkt vertreten und die wissenschaftliche Wahrheit verraten. Aber die Theorie von Marx ist auch keine wertneutrale, empirisch-analytische Wissenschaftsdisziplin. Sie ergreift in aller Entschiedenheit Partei für die gesellschaftliche Arbeit, die Erzeugung der gemeinsamen Welt, die Emanzipation
der Menschheit.“
Das Wesen der Parteinahme und der erstrebten Emanzipation könnten schon noch etwas treffender charakterisiert sein. Meines Erachtens ging es Marx wesentlich um Voraussetzungen einer (öko-) kommunistischen Aufhebung des von ihm (und Engels) konstatierten  Widerspruches zwischen der Gesellschaflichkeit der Arbeit und der privateigentümlichen Form ihrer Aneignung.

 

2.) Und das Ziel?

Das Ziel ist es, dass Wahrheit zur Basis vitaler Handlungen und Element der Koordination der intellektuellen und moralischen Verhältnisse der Menschen wird, also eines geschichtlich neuen moralisch-intellektuellen Blocks.

Sätze wie dieser werden mir wohl ewig ein Rätsel bleiben müssen.   Irgendwie soll es einen „neuen moralisch-intellektuellen Block“ geben und eine geheimnisvolle „Wahrheit“ soll  beim Koordinieren der intellektuellen und moralischen Verhältnisse der Menschen  helfen. Aha.  Und was ist der Block?

Dieser zeichnet sich dadurch aus, dass die bislang von ihren intellektuellen Funktionen getrennten Individuen ihre reale Gegenwart kohärent denken und die Heterogenität von Theorie und Praxis überwinden, indem sie ihr Zusammenleben von der alle Tätigkeiten umfassenden Kooperation her rational organisieren.

Hmmm. Ich bin also von meinen intellektuellen Funktionen getrennt. Ich denke meine reale Gegenwart nicht koherent. Um das tun zu können, muss ich die Uneinheitlichkeit von Theorie und Praxis überwinden.  Nunja. Und wie? Indem ich mein Zusammenleben mit den Globalisierten dieser Erde rational organisiere – also in der Form umfassender Kooperationen. Ja, so könnte am Ende ein Schuh draus werden Man muss nur den Nippel durch die Lasche ziehen.

Das wäre eine folgenreiche Veränderung, denn der Zusammenhang, das Gemeinsame, würde nicht mehr durch die Wertbestimmung der gesellschaftlichen Arbeit vermittelt in der Form abstrakter Arbeit erfahren und begriffen,

Huch? Welches Gemeinsame wird bitteschön durch den notwendigen Arbeitsaufwand vermittelt und in der Form abstrakter Arbeit erfahren und begriffen?  Verstehe ich nicht.  Der Punkt ist doch, dass  das kapitalistische Für- und Voneinander auf Lohnarbeit zum Zwecke der privaten, also nicht gemeinschaftlich mitbestimmten Aneignung der so geschaffenen Gebrauchs- und Tauschwerte basiert (und nicht etwa auf Unwahrheit) und dass es Gründe für die Etablierung eines kooperativ vermittelten Für- und Voneinander  geben mag, bei der Produktionszwecke, -standards und die für deren Erfüllung aufzubringenden Kosten sozialer bzw. ökologischer Art gemeinschaftlich er- und vermittelt bzw. kontrolliiert würden.

also in der Konkurrenz und in den Konflikten zwischen Einzelnen der verhärteten Kollektiven, für die Weltanschauungen, Deutungsmuster, Interpretationen immer noch Momente der sozialen Kämpfe sind. Das Allgemeine wäre den emanzipierten Individuen und ihrem versöhnten Stoffwechsel mit der Natur unterworfen.

Und sodann mit der Kurbel ganz nach oben drehen.  Wer`s etwas anschaulicher möchte, lese Kate Raworths Donat Ökonomie.

3.) Michael Brie zitierte i n seinem Beitrag „»… vor allem revolutionär« marx und die Strategiefrage (ab S. 22)“ die folgende Passage aus „die Judenfrage“

»Alle Emanzipation ist Zurückführung der menschlichen Welt, der Verhältnisse, auf den Menschen selbst […] Erst wenn der wirkliche individuelle Mensch […] in seinem empirischen Leben, in seiner individuellen Arbeit, in seinen individuellen Verhältnissen Gattungswesen geworden ist, erst wenn der Mensch seine ›forces propres‹ als gesellschaftliche Kräfte erkannt und organisiert hat und daher die gesellschaftliche Kraft nicht mehr in der Gestalt der politischen Kraft von sich trennt, erst dann ist die menschliche Emanzipationvollbracht.«

(Marx Zur Judenfrage 1843, 370)

Uns zu adäquaten Individuen der Gattung Mensch zu entwickeln hieße  meines Erachtens Verallgemeinerung der spezifisch menschliche Fähigkeit, sich in vorausschauender Weise (das Ergebnis bereits vorher im Kopfe vorwegnehmend) nützlich zu machen und für die Ergebnisse des eigenen Tun und Lassens gerade stehen zu können (die artgerechte Haltung der Menschen ist ihr aufrechter Gang) , außerdem Verallgemeinerung der sich aus dieser Fähigkeit ergebene Verantwortung für einen nachhaltig pfleglichen Stoffaustausch mit der Natur wahrzunehmen (wahrnehmen zu können). Beides setzt voraus, dass wir uns als vereiniigte Menscheit formieren. Nur so können wir (Re-) Produktionsbeziehungen gestalten, die weltweit allen ein gutes Leben ermöglicht ohne dass dies die Grundlagen des guten Lebens aller untergräbt.

Dass im Verlaufe einer Entwicklung in der mehr und mehr Angelegennheiten auf Grundlage (umwelt-) bewusst getroffener Übereinkünfte geregelt werden können, immer weniger Zwang notwendig sein würde, dürfte einleuchten. Dass dabei alle Staatlichhkeit im Sinne einer besonderen Instanz, die Regeln bestimmt und garantiert und die verschiedenen Interessen dabei vermittelt, „absterben“ könne, kann ich mir allerdings nicht recht vorstellen.


Nieder mit dem Gebrauchswertbegriff?

8. Januar 2018

Warum sich mit begriffsfetischistischem Moralismus nichts Vernünftiges anfangen lässt.

Die Streifzüge 70/2017 standen im Zeichen von Bemühungen einer kritische (Neu-) Betrachtung des „Gebrauchswerts“, wie er von Marx gesehen wurde, also einerseits in einer allgemeinen, überhistorische Geltung beanspruchende Bestimmung als etwas, über das Menschen oder deren Institutionen verfügen möchten und andererseits, als etwas, das in Lohnarbeit unter der Regie kapitalistischer Selbstbereicherungsagenturen her- und bereitgestellt wird und das deshalb gekauft (gegen Geldbesitz  ausgetauscht) werden  muss, um über deren Einsatz frei (= privat) verfügen zu können während die Selbstbereicherungsagenturen, die die materiellen Träger des Gebrauchswerts (die Tauschwert und Gebrauchswert inkorperierenden Waren) haben produzieren lassen um sich deren Tauschwert (in der Form des Tauschwertträgers Geld) aneignen zu können, zu diesem Zweck die unter ihrer Regie erarbeiteten Gebrauchswertträger verkaufen (gegen Geldbesitz eintauschen)  müssen.

Die Frage nach dem Gebrauchswert des Gebrauchswerts als einer der Erkenntnisgewinnung dienlichen Kategorie bzw. von Gebrauchswerten als reale   Gegenstände menschlichen Begehrens, und wie die historisch jeweils vorherrschenden Produktionsweisen (und die darauf aufbauenden Gesellschaftsformationen), d.h. die  historisch jeweils vorherrschenden Formen der Vermittlung von Produktion, Verbrauch, Pflege, Entwicklung, Regulation etc. das Begehren und dessen Gegenstände  formen, ist verdienstvoll. In dieser Sache gilt es im besonderen Maße, anti-kapitalistische Mythen zu hinterfragen, die einer nüchternen Analyse der kapitalistischer Erfolgsgeschichte und warum bzw. wie diese nun an ihr Ende gerät, eher im Wege stehen.  Der dem feindbildhungigen Anti-Kapitalismus eigene Mythos, dass im Kapitalismus Gebrauchswerte und damit Bedürfnisse egal seien und auch keinerlei ökonomische Relevanz haben, weil „es“ hier allein um die private Anhäufung von Tauschwerten bzw. „des Profits“ oder schlimmer noch „allein um Profimaximierung“ ginge . Dass das so nicht stimmt wusste bereits Roman Rosdolwsky, dessen 1959 in KYKLOS Internationale Zeitschrift für Sozialwissenschaften, (Vol. XII 1959, Basel, S. 27-56 ) erschienene Betrachtung der Gebrauchswert bei Karl Marx  (Untertitel: „Eine Kritik der bisherigen Marx-Interpretation“) in dem Streifzüge-Schwerpunktheft zu finden ist.  Näheres hier 

 Rosdolwsky hatte die ökonomische Relevanz des Warengebrauchswerts  hervorgehoben und dahingehende Missinterpretationen vulgärmarxistischer Betrachtungen enthüllt. Während sein Bemühen um wissenschaftlich korrektes Herangehen unverkennbar ist, erweckt der Streifzüge und Exit-Autor  Knut Hüller bereits in der Überschrift den Eindruck, es ginge ihm um eine  Säuberung der Begriffslandschaft im Sinne „theoretical correctness“.

Sie auch: Über den sehr unterschiedlichen Gebrauchswert des Gebrauchswerts und der Gebrauchswerte

Teil I | Teil II  Teil III

Wider den Gebrauchswert(begriff) ist ein am 27 Juli 2017 veröffentlichter Beitrag von Knut Hüller übertitelt, und er eröffnet seine Reflexionen mit einer Frage.  

  1. Gibt es einen Gebrauchswert ohne Ware? Wie hängen Gebrauchswerte mit der Ware zusammen, sind sie überhaupt ohne Wert resp. Tauschwert zu denken?

„Gebrauchswert“ ist keine Eigenschaft von Dingen, sondern eine Betrachtungsweise, also eine Kategorie. Diese Kategorie entstand in der Warengesellschaft, genauer in deren zentraler Ideologie, genannt Politische Ökonomie. Als Bestandteil dieser Ideologie beschreibt sie nicht ein Ding, sondern die (warenförmige) Art des Umgangs mit Dingen, und zwar auf eine in der Warengesellschaft entstandene verdrehte Art und Weise. Sie ist deshalb nicht von der Warengesellschaft zu trennen und wird mit ihr verschwinden. Mit physischen Eigenschaften von Dingen (egal ob Waren oder nicht) hat sie wenig zu tun.

Nunja, Kategorien sind nicht wirklich Sichtweisen.  Sie sind sprachliche Werkzeuge, die es uns möglich machen, Gesehenes in bestimmter Hinsicht zu unterscheiden oder in unterschiedlichen Dingen Gemeinsames wahrzunehmen. Und es sagt erst einmal nichts über Brauchbarkeit einer Sache, eines Versprechens usw. aus, in welchem Zusammenhang diese Brauchbarkeit einmal entstanden ist. Das gilt auch für den (möglichen) Gebrauchswert der Kategorie „Gebrauchswert“ für eine ordentliche Theorie der Befreiung aus der privateigentümlichen Borniertheit.  Gestalt und Bedeutung dessen, was der Kategorie „Gebrauchswert“ entspricht, kann wechseln, so wie unter der Kategorie Obst sowohl Äpfel als auch Birnen fallen.

Marx benutzte den Begriff Gebrauchswert als Kategorie bekanntlich einmal in einer überhistorischen Bestimmung, nämlich schlicht als ein Potenzial über das zu verfügen sich Menschen einen Nutzen versprechen. (So wie auch Löwinnen in einer hinkenden Gazelle einen möglichen Gebrauchswert sehen.) Und dieser Gebrauchswert ist natürlich IMMER ein soziales Phänomen, das allerdings wie alle soziale Phänomene eine materielle Grundlage bzw. eine physikalische Komponente hat. Gebrauchswerte sind weder NUR „Eigenschaft von Dingen“ noch LEDIGLICH  „eine Betrachtungsweise“ (bzw. Wahrnehmung dieser Eigenschaft und Begehren, sie nutzen zu können), er ist stets eine Kombination aus beidem. Er ist Betrachtung der Eigenschaft eines Dinges  (einer Leistung, eines Versprechens usw.) als etwas, über das verfügen zu können, einen Nutzen verspricht. Das gilt für ganz unterschiedlichen Gesellschaften mit sehr verschiedenen Produktionsbedingungen, auch wenn sich Qualität und Quantität sowohl des Begehrten als auch des Begehrens auf Grundlage unterschiedlicher Produktionsweisen natürlich sehr unterscheiden.

Beispielsweise ist die Bedeutung (Rolle, Funktion) der Gebrauchswerte von WAREN  davon bestimmt, dass sie von privaten Unternehmen mittels Lohnarbeit und eigener   Produktionsmittel zum Zwecke der eigenen Selbstbereicherung produziert werden und die Selbstbereicherung den erfolgreichen Verkauf der Gebrauchswertträger (deren Eintausch gegen Geld) erfordert, also die Aneignung ihrer Tauschwerte, und die, die tatsächlich über die Gebrauchswerte ihrer Gebrauchswerte Willen verfügen wollen, für die legale Möglichkeit ihrer Aneignung (sie zu nutzen) Geld zahlen müssen. Und dabei ist etwa zu bedenken: Die Menge des zu zahlenden Geldes, (dessen Gebrauchswert den Tauschwert des begehrten Gebrauchswertträgers zum Ausdruck bringt) ist NICHT von der subjektiven Wertschätzung der beteiligten Warentauscher abhängig. Käufer von Gebrauchswertträgern können unter den Angeboten verschiedener Anbieter das Angebot wählen, das ihnen für das zu veräußernde Geld den meisten Gebrauchswert verspricht. Eben aus diesem Grund schwanken die Preise unter der Voraussetzung freier Konkurrenz und als Ware frei erwerbbarer Lohnarbeit  um einen Wert, der vom Arbeitsaufwand generiert wird, der für die Herstellung des Gebrauchswert im GESELLSCHAFTLICHEN Durchschnitt notwendigerweise aufzubringen ist. Produktivitätsfortschritte senken den gesellschaftlichen Tauschwert der Gebrauchswertträger ganz unabhängig von deren subjektiven Wertschätzung. Allerdings gehen mit den Produktivitätsfortschritten meist eine qualitative Aufwertung einher, und erfordert diese mehr Arbeit wird der Wertverfall konterkariert. Die Behauptung, dass der Gebrauchswert von Waren mit deren physischen Eigenschaften nichts zu schaffen habe, ist also falsch wie es übrigens auch falsch wäre zu behaupten,  dass die Tauschwerte mit den physischen Eigenschaften nichts zu schaffen haben. Die haben etwas damit zu schaffen insofern insofern deren Her- und Bereitstellung mehr oder weniger Arbeit erfordert.

  1. Sind Nutzen und Nützlichkeit positive Begriffe oder gar analytische Kategorien?

„Nutzen“ (englisch „utility“) ist die modernste Form der „Gebrauchswert“-Kategorie. Mit dem Begriff des Gebrauchswerts verband die klassische Ökonomie (und verbindet bis heute die marxistische) „objektiv“ und unveränderlich gedachte Eigenschaften materieller Dinge (oder moderner: „physischer Mengen“). Die Weiterentwicklung zum neoklassischen „Nutzen“begriff verlagerte den Inhalt dieser Kategorie auf die Subjektebene: sie beschreibt statt „objektiver“ Eigenschaften nun deren (eingebildete) Wirkungen auf Subjekte. Darin drückt sich u.a. die Fortentwicklung des Kapitalismus über seine industrielle Phase hinaus aus.

Es gibt Fragen, die sich beim allerbesten Willen nicht sinnvoll beantworten lassen. Denn was soll das sein, ein „positiver Begriff“?  So einer wie die im anti-kapitalistischen Jargon so beliebten Begriffe „emanzipatorisch“ oder „befreite Gesellschaft“? Diese mögen  die Sehnsucht nach einem paradiesischen Jenseits des Kapitalismus sehr gut in Schwingungen versetzen, aber  helfen auch über den Mangel an realtätstauglichen Vorstellungen hinweg, wovon es sich zu emanzipieren gilt und wohin genau und die Reise gehen soll. Besteht der Nutzen oder Nützlichkeit von „positiven Begriffen“ etwa darin, das Ersehnte im Unbestimmten zu belassen? Das würde erklären, warum „Nutzen“ und „Nützlichkeit“ zu „negativen Begriffen“ erklärt werden.

Die Grenzen zwischen Theologie (bzw. von Ideologie im Allgemeinen) und Theorie verschwimmen, wo Begriffe ohne jeden Kontext mit „positiver“ oder „negativer“ Bedeutung aufgeladen werden.  Sie wirken als scheinbar mit eigenem Geist beseelte Subjekte. Als solche wird ihnen die gottgleiche Autorität zugesprochen, über richtig und falsch, gut und böse bzw. positiv oder negativ zu entscheiden.  Natürlich „wissen“ linke Nützlichkeitskritiker, dass „die Nützlichkeit“ oder „der Nutzen“  Menschenwerk sind. Naklar sind die  von bürgerlichen Ideologen am Begriffshimmel installiert worden um  dem Kapitalismus bzw. den  kapitalistisch produzierten und angebotenen Gütern einen Nutzen bzw. Nützlichkeit andichten zu können.  Und der Marxismus? Der will der Industriegesellschaft Nützlichkeit andichten. Deshalb habe „auch der Marxismus mit dem Begriff des Gebrauchswerts objektiv und unveränderlich gedachte Eigenschaften materieller Dinge“ behauptet. Dass diese „Marx-Kritik“ nur die eigene Ahnungslosigkeit vom Gegenstand der Kritik verrät, ist klar, aber auch die erste Behauptung führt in die Irre.  Beides reist jedenfalls die Grenze nieder zwischen der sehr berechtigten Kritik am Utilitarismus (nicht zuletzt von Max und von ihm beeinflussten Autoren) also an eine  realpolitisch-positivistische Bestimmung von Nützlichkeit auf Grundlage der Perspektiven kapitalistisch vereinzelter Einzelner, und der ebenso berechtigten Frage nach Wegen, zugleich individuell als auch gesamtgesellschaftlich bzw. ökologisch rationale Bestimmungen nicht nur von Nützlichkeit zu ermöglichen als auch nach der  individuellen, gesellschaftlichen bzw ökologischen Rationalität der (individuellen, gesamtgesellschaftlichen bzw. ökologischen) Kosten der Herstellung und Pflege, des Genusses, Abfallentsorgung oder -weiterverwertung der materiellen Träger des Nützlichkeitspotenials zu fragen.  Statt (öko-) kommunistische Perspektiven zu ergründen läuft so das Ganze auf eine Art atheistische Theologie hinaus!

  1. Was macht der Terminus „Wert“ im Gebrauchswert? Ist die Herrschaft des Werts den Gebrauchswerten oktroyiert oder inhärent?

„Wert“ und „Gebrauchswert“ sind ein für das warenförmige Denken typisches Paar von Begriffen: keiner kann ohne den anderen existieren, sie stehen sich ausschließend gegenüber, und sie kämpfen um die Oberhand („Herrschaft“, „oktroyiert“). Andere solche Paare sind schwarz/weiß, Teufel/Gott, böse/gut, radikal/gemäßigt, Diktatur/Demokratie, Revolutionär/Revisionist, Ketzer/Rechtgläubiger etc. Das alltäglichste Paar sind Käufer/Verkäufer; beide kämpfen im Markt um den (ökonomisch: „Gleichgewichts-“) Preis, wobei stets der eine verliert, was der andere gewinnt. Wegen dieses Basisantagonismus gelang es bereits dem Begründer der Lehre vom „für alle guten“ Kapitalismus nicht, bis zu einem Wohlstand der gesamten Menschheit vorzudringen. Er schaffte es nur bis zum Wohlstand von (miteinander darum kämpfenden) Nationen.

Es kömmt nach Meinung des Autors anscheinend doch nicht darauf an, die kapitalistische Art der Vermittlung von Bedürfnissen, Arbeits- Produktions- und Entwicklungsvermögen, der dabei benutzten Naturumwelt usw. zu verändern , d.h. Übergänge zu öko-kommunistisch bestimmten Interaktionsbedingungen zu organisieren. Stattdessen: nieder mit den falschen Gedanken! Gedanken sollen nicht mehr warenförmig sein!  Aber was mag das sein? Ein warenförmiger Gedanke? Was sein Gebrauchswert? Ist er zu kaufen? Was ist sein Preis? Hoffentlich teuer, denn so ein warenförmiger Gedanke hat, wie wir erfahren,  stets ein Gegenüber ohne den er nicht existieren kann, echt schlimm: schwarz gegen weiß, Teufel gegen Gott, böse gegen gut, radikal gegen gemäßigt, Diktatur gegen Demokratie, Revolutionär gegen Revisionist, Ketzer gegen Rechtgläubiger etc.  Aha. Dass der warenförmige Gedanke weiß statt schwarz ist, revisionistisch statt revolutionär, göttlich statt  des Teufels, scheint aber immerhin klar.

Etwas wertvoll finden ist böse, weil gegen dass das weniger wertvolle diskriminiert?

Der Gebrauchswert von Waren ist allerdings kein falscher bzw. böser Gedanke. Noch einmal: Privateigentümliches Produzieren von Gebrauchswert für andere zum Zwecke der Selbstbereicherung mittels Tausch des Gebrauchswertträgers gegen die Überware Geld ist eine der kapitalistischen Ära angehörige gesellschaftliche Realität, die sich nicht einfach aus dem Kopfe schlagen lässt. Das per Lohnarbeit und Kapital her- und bereitgestellte Gebrauchswertpotenzial  muss für andere einen privat (und eben nicht gemeinschaftlich) bestimmten Gebrauchswert haben damit die Existenzbedingung der Kapitalvermögenden (Selbstbereicherung) bzw. der Arbeitsvermögenden (Lebensmittel einkaufen zu können) erfüllt werden kann. Die von ihnen her- und bereitgestellten Gebrauchswertträger müssen Eigenschaften aufweisen, die in anderen das Begehren weckt, über sie verfügen und im Tausch gegen Geld erwerben zu können. Tausch- und Gebrauchswerte von Waren sind also auch keine Gegensätze, sondern zwei  Funktionsmerkmale kapitalistisch produzierter Güter, die einander ergänzen bzw. bedingen. Das heute zu überwindene und auch prinzipiell überwindbare Problem ist, dass die privaten Bedürfnisse, Existenz- und Bereicherungsbedingungen vereinzelter Einzelner nicht unbedingt gesamtgesellschaftlich bzw. ökologsch vernünftig sind .

Zu negativ?

Immerhin lässt sich aus der Klage, dass Adam Smith nur den Wohlstand der Nationen im Sinn hatte und nicht den der ganzen Menschheit,  die Sehnsucht nach der Möglichkeit unmittelbar gesellschaftlicher Produktion entsprechend weltgemeinschaftlich bestimmter Entwicklungsziele herauslesen. Wäre also eine Einigung darauf möglich, dass die Notwendigkeit, die Bedingungen der Möglichkeit und die nachhaltige Wünschbarkeit solch einer Transformation der basalen Interaktionsbedingungen zu untersuchen  wären?

  1. Macht der Begriff eines Gebrauchswerts überhaupt Sinn? Sind Gebrauchswerte universeller Natur, zumindest von hoher ontologischer Härte, unbeeindruckt von verschiedensten Produktionsverhältnissen, eine eherne und unhintergehbare Größe von Aristoteles bis hinein in den Kommunismus? Gibt es etwa einen Unterschied zwischen einem Gebrauchswert und einem Gut?

Meistens (auch weiter oben) ist nicht von „einem“, sondern von „dem“ Gebrauchswert die Rede. Der unbestimmte Artikel löst hier (beabsichtigt?) einen weiteren Kernbestandteil des wertförmigen Denkens zumindest teilweise auf: es kennt keine Vielfalt. Es betrachtet die (Waren-)Dinge am liebsten nur unter dem Gesichtspunkt ihres Tauschwerts. Ökonomen treiben diese Beschränktheit auf die Spitze, indem sie ganze Bibliotheken mit Versuchen füllen, „ihm“ auch noch eindeutige („alternativlose“) Zahlenwerte zuzuschreiben. „Den“ Gebrauchswert mit dem verräterischen bestimmten Artikel versucht man in gleicher Weise zu denken. Die Vielfalt der realen Welt bleibt dieser Art Denken verborgen. Ohne warenförmige Brille betrachtet kann ein Stück Eisen in zahllosen Funktionen auftreten, in der einen heute und in der anderen morgen: als Ballast, als Baustoff oder als Magnet, um einige bekannte Verwendungen zu nennen. Und natürlich als Instrument zum Töten von Menschen. Eine spezielle Vielfalt von Eigenschaften macht es zum „Eisen“; fehlte der Magnetismus, würde man möglicherweise „Aluminium“ denken.

Ich lasse einmal das unlösbare Rätsel beiseite, was man sich unter „warenförmige Brillen“ vorstellen soll oder warum das entsprechend bekrittelte „wertförmige Denken“ keine Vielfalt kennt und Menschen tötet.

Zur Frage:

Macht der Begriff eines Gebrauchswerts überhaupt Sinn?“ 

Das ist wieder so eine Frage: Woran sind „Sinn machende Begriffe“ zu erkennen?  Ohne Akteure zu benennen, deren jeweilige Möglichkeiten und Fähigkeiten, die von ihnen jeweils verfolgten Zwecke usw. sind Sinnfragen definitiv sinnlos.

Sinnvoll zu beantworten wäre vielleicht die Frage, inwieweit der Begriff „Gebrauchswert“ für die Gewinnung von  Erkenntnissen über die Rationalitäsbedingungen (und -grenzen) der bürgerlichen Produktionsweise zu gebrauchen ist,  bzw. für die Gewinnung brauchbarer Erkenntnissen über die Bedingungen (die Ermöglichungs- und Rationalitätsbedingungen) ihrer Transformation in (öko-) kommunistisch bestimmte  (Re-) Produktionsbedingungen. Aber das wäre dann natürlich – ohgottogott –  die  Frage nach deren „verdummter Nützlichkeit“.  Übergeht man allerdings das „linke“ Gebot der Vermeidgung allen Begehrens nach Nützlichkeit, ließe sich ein sinnvoller Gebrauch des Wortes „Gebrauchswert“ für eine Theorie der sozialen Emanzipation aus der kapitalistischen Selbstbereicherungsökonomie sehr wohl finden.

Das menschliche Verlagen, über etwas verfügen zu können, dessen Gebrauch einen Nutzen verspricht, und deshalb für die Begehrenden (potenziellen) „Gebrauchswert“ hat, gibt es in allen gesellschaftlichen Entwicklungsstadien bzw. Gesellschaftsformen, aber natürlich unterscheidet es (das Verlangen, bzw. er, der Gebrauchswert) sich je nach den historisch bzw. regional oder auch für einzelne Bevölkerungsgruppen jeweils vorherrschenden Aneignungs- und Produktionsbedingungen, dem Stand der Produktivkkraftentwicklung, der auf die materiellen Produtionsbedingungen aufbauenden Vorstellungen von richtig und falsch usw. Die jeweils vorherrschenden Behauptungsbedingungen formen Art und Qualität des Begehrens und die Qualität des Begehrten, die sozialen bzw. ökologischen Implikationen seiner Her- und Bereitstellung, Pflege oder Entsorgung usw.

Noch einmal: Kapitalistische Interaktionsbedingungen basieren bekanntlich auf dem Wettbewerb privater Selbstbereicherungsagenturen um die Fähigkeit, Gebrauchswerte für andere,  her- und bereitstellen zu lassen,  die um darüber verfügen zu können, ihrerseits etwas hergeben müssen, das sie privat besitzen, das wiederum für diejenigen einen Gebrauchswert hat, die das Begehrte  (das potenzielle Verfügungsobjekt) besitzen, weil sie es privat (statt gemeinsam mit denen, für die Ergebnisse der Mühen sind) haben produzieren lassen.

Aller Gebrauchswert existiert immer nur in Abhängkeit zu den Bedürfnissen, Möglichkeiten, Fähigkeiten usw. der sozialen Akteure, denen es nach seinem (potenziellen) Gebrauch verlangt. Das gilt übrigens auch für den Gebrauchswert des Geldes, das bei der kapitalistischen Art der Aneignung von Gebrauchswerten aller Verkaufsgegenstände (=Waren) zum Einsatz kommt, für deren Her- und Bereitstellung andere Arbeit verausgaben mussten. Für die Nochnichtbesitzer der in den Selbstbereicherungsagenturen erarbeiteten Güter- und Dienstleitungsangebote, besteht der Gebrauchswert ihres Geldes darin, es den Besitzern der von ihnen begehrten Gebrauchswertträgern übereignen zu können, um im Tausch das Recht zu erwerben,über die in den Gebrauchswertträgern angelegten Gebrauchswerte nun frei (= privat) verfügen zu können, d.h. im Wesentlichen ohne Notwendigkeit der Rücksichtnahme auf die gesamtgesellschaftliche bzw. ökologische Vernunft des Ganzen Waren einzukaufen, mit deren Hilfe die eigene Existenz gesichert bzw. schön gekauft werden kann.  Der Gebrauchswert des Geldes ist also auf Seiten derer, die nach einem Gebrauchswert verlangen, dessen Tauschwert, weil dessen Besitz befähigt, ihn gegen begehrte Mittel der eigenen Existenzsicherung bzw. Bereicherung eintauschen zu können.

Für die Selbstbereicherungsagenturen „macht“ der mittels Arbeit unter ihrer Regie her- und bereitgestellte Gebrauchswert für andere den „Sinn“, das für den Kauf von Rohstoffen, Halbfertigprodukten, Produktionsmitteln und Arbeitsvermögen investierte Bereicherungsvermögen zu vermehren, d.h. sich den durch die Arbeit am Gebrauchswertzuwachs generierten Tauschwertzuwachs anzueignen.

Dass das so funktioniert liegt etwa am Gebrauchswert der Freiheit Arbeitsvermögender. Deren Freiheit von der Möglichkeit, selbst im größeren Umfang Produktionsmittel einzusetzen um die selbst bzw. gemeinsam benötigten Mittel der Existenzsicherung und Bereicherung  her- und bereitzustellen, bzw. deren Freiheit von der Notwendigkeit, als ein Sklave oder Leibeigener selbst  organischer Teil des Produktionsmitteleigentums anderer zu sein, korrespondiert mit deren Freiheit, selbst zu bestimmen, welcher Selbstbereicherungsagentur sie den Gebrauchswert ihres Arbeitsvermögens als eine Ware anbieten, die, dieser Ware als Mittel der eigenen Existenzsicherung und Bereicherung bedarf und bereit und in der Lage ist,  sich deren Gebrauchswert im Tausch gegen Geld anzueignen.  Nur-Arbeitsvermögende, die in diesem Moment das Geld aneignen, versetzt dessen Gebrauchswert wiederum in die Lage,  trotz ihrer Produktionsmittellosigkeit an die Mittel zu kommen, mit deren Hilfe sie ihre physische und psychische Existenz  als Arbeitsvermögende sichern und in diesem Rahmen (!) das eigene Leben zu bereichern.

Die Freiheit der kapital- bzw.  Selbstbereicherungsvermögenden, Arbeitsvermögen einzukaufen, das ihnen entsprechend ihrer Bedürfnisse Träger von Gebrauchswerten für Dritte produziert, die für sie selbst den Gebrauchswert haben, durch Arbeit generierte Tauschwerte darzustellen, d.h. sie zu Geld machen zu können,  (weil die, die ihrer bedürfen oder zu bedürfen meinen, ihr Geld hergeben müssen um darüber verfügen zu können) hat für das Funktionieren des Ganzen wiederum den Gebrauchswert, auf ein Über- oder Unterangebot bestimmter Gebrauchswerte, (welche  die Preise deren Träger und damit die Möglichkeit des „Geldmachens“ steigen oder fallen lassen) durch eine Verminderung und Vermehrung  ihres Einsatzes an Arbeitsvermögen zu reagieren.

Idealtypisch gleiche Produktivität unter den Konkurrenten und absolut freier Wettbewerb vorausgesetzt, können bei einem Unterangebot eines Gebrauchswerts Preise über und bei einem Überangebot nur unter den Wert erreicht werden, der zu erzielen wäre, wäre exakt das im gesellschaftlichen Durchschnitt notwendige Maß an Arbeitsvermögen  zum Einsatz gekommen. Überduchschnittliche Möglichkeiten, durch das Her- und Bereitstellenlassen von Gebrauchswerten für Dritte Geld zu machen veranlasst  die Selbstbereicherungsagenturen (unter den genannten Voraussetzungen) mehr Arbeitsvermögen einzusetzen und unterdurchschnittliche Möglichkeiten veranlasst sie weniger einzusetzten. Die freie Konkurrenz der Selbstbereicherungsagenturen. Die Freiheit der Arbeitsvermögenden von der Möglichkeit, eigenständig Produktionsmittel in Gang zu setzen, um die notwendigen Gebrauchswerte zu schaffen oder selbst – als Sklave –   Produktionsmitteleigentum anderer zu sein) sorgt also dafür, dass die Preise um einen gesellschaftlichen Tauschwert oszillieren, der zu erzielen wäre, würde sich Angebot und Nachfrage exakt die Waage halten.

Allerdings schließen sich einerseits freier Wettbewerb von auf Basis von privatem Produktionsmittelbesitz operierenden Selbstbereicherngsagenturen um die Möglichkeit, mittels eingekauftem Arbeitsvermögen begehrte Mittel der Existenzsicherung und Bereicherung produzieren zu lassen und möglichst selbstbereicherungsproduktiv zu Geld zu machen und andererseits gleichbleibende und unter des konkurrierenden Selbstbereicherungsagenturen gleiche Produktivität praktisch aus.

Wer unter den Konkurrenten produktiver produzieren kann, sprich in der Lage ist, mit dem gleichen Einsatz an Arbeitsvermögen mehr Gebrauchswerteinheiten  her- und bereitzustellen als die Konkurrenz es vermag, kann selbst bei Preisen unter dem gesellschaftlichen Durchschnittstauschwert selbst mehr Tauschwert (Kaufkraft, Geld usw.) aneignen als notwendig wäre, um die eigene Existenz (als Selbstbereicherugsagentur) zu sichern.

Wer umgekehrt NICHT in der Lage ist, zumindest gleich produktiv wie die Konkurrenz zu produziert, kann seine Existenz selbst bei einem Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage, bzw. bei Preisen, die sich entsprechend des gesellschaftlichen Durchschnitts an notwendigem Arbeitsaufwand einpendeln NICHT sichern.

Die miteinander konkurrierenden Unternehmen sind deshalb „bei Strafe ihres Untergangs“ genötigt, den Gebrauchswert exklusiver Konkurrenzvorteile aller Art in den Blick zu nehmen, seien es exklusive Möglichkeiten des Raubbaus an Natur und menschlichem Arbeitsvermögen, oder eine besonders günstige Lage hinsichtlich Verkehrsanbindung,  Absatzmärkten, Steuervorteile oder gut ausgebildetes und motiviertes Arbeitsvermögen vorzufinden oder aber dass deren Träger (die Arbeitsvermögenden)  sich mehr Bescheidenheit hinsichtlich des Tauschwertes ihrer Ware leisten können oder dazu mehr genötigt sind als die, die die Konkurrenz vorfindet. Einen entscheidenden Hebel der Selbstbereicherung hält ein Unternehmen in der Hand, das in der Lage ist, effektivere Produktionsmittel als die Konkurrenz einsetzten zu können und das also mit weniger Einsatz an Arbeitsvermögen, mehr Gebrauchswertpotenzial anbieten kann, das sich zu Geld machen lässt, und so am Ende für sich selbst selbst bei individuell geringeren Preisen (die den Konkurrenzvorteil garantieren) überdurchschnittlich viel Geldzuwachs aneignen kann, was dann wieder die Möglichkeit des Erwerbs weiter Konkurrenzvorteile erleichtert.

Konkurrenzvorteile auf Basis qualitativer Gebrauchswertunterschiede

Ein nicht weniger wirksamer Hebel  der Generierung von „Extraprofit“ durch einen exklusiven bzw. relativen Konkurrenzvorteil ist die Fähigkeit, Gebrauchswerte anbieten zu können. die von der Konkurrenz zumindest für eine gewisse Zeit nicht ohne weiteres reproduzierbar sind und so der übliche Ausgleichsmechanismus des freien Wettbewerbs außer Kraft gesetzt ist. Der freie Wettbewerb um das für die Verbraucher*innen günstigste Angebot kann so nicht mehr das Einpendeln der Warenpreise um einen Wert erzwingen, der dem zur Her- und Bereitstellung des betreffenden Gebrauchswertes –  unter diesen Bedingungen – gesellschaftlich notwendigen Arbeitsaufwands entsprechen würde.

Die zivilisationsgeschichtliche Entwicklung gewinnt bei diesem nicht nachlassenden Kampf um Konkurrenzvorteile eine sich selbst beständig beschleunigende Steigerung der menschlichen Fähigkeit zur Her- und Bereitstellung bzw. dem Genuss von – privateigentümlich bestimmten – Gebrauchswerten.  Immer mehr (Re-) Produktionssubjekte (Menschen, die konsumieren,  Selbstbereicherungsagenturen zu ihrem Bereicherungsgewinn verhelfen oder dessen Gebrauchswert zu schätzen wissen, in staatlichen Instanzen arbeiten etc. stehen immer mehr Gebrauchswertträger zur Verfügung. Neue Produkte und Branchen entstehen. Trotz bzw. auf Grundlage zunächst Raum greifender Vereinfachung, Standardisierung, Entqualifizierung erfordern und ermöglichen die Her- und Bereitstellung bzw. Genuss von Gebrauchswerten am Ende einen stets höheren Grad an Bildung und (welt-) bürgerliche Reflektiertheit.

Die sich anschließende Frage ist allerdings die nach der historischen Notwendigkeit, Möglichkeit und Gebotenheit eines Übergangs zu (öko-) kommunistisch „Sinn machenden“ Gebrauchswerten. Ein weites und nun unbedingt zu beackerndes Feld. Jetzt nur soviel. Ein spezifisch (öko-) kommunistisches Begehren nach Verfügung über  Ergebnisse menschlicher Arbeit (bzw. mittels Arbeit zu erschießende Naturressourcen) wäre unmittelbar  mit Fragen nach der gesamtgesellschaftlichen bzw. ökologischen Vernunft ihrer Her-und Bereitstellung bzw. ihres Genusses verknüpf, bzw. mit der Frage,  womit sich diese  herstellen ließe.


Freiheit, Gleichheit (Öko-) Kommunismus! (2/2)

23. November 2017

Zweiter Teil meines assoziativen Nachdenkens über Freiheit, Gleichheit, (Öko-) Kommunismus im Anschluss eines im Rahmen der jour fixe Reihe zum Thema Antikapitalismus gehaltenen Vortrags von Michael Brie über die Idee des Erzkonservativen Burgs, Ordnung (des Eigentums) über Freiheit (des Pöbels) zu setzen.

Zum ersten Teil

Die spanndende Frage scheint zu sein: Können sich Liberale aus der geistigen Gefangenschaft befreien, für die ihr Mythos von der unbegrenzter Eigenverantwortlichkeit steht wie eine feste Burg?

Vom Standpunkt der Utopie einer planetarischen Ordnung, die hintreichend gesamtgesellschaftliche bzw. ökologische Vernunft erlaubte, ist  der liberale Grundmythos einer unbegrenzten Eigenverantwortlichkeit einerseits Ausdruck einer strukturellen Unfähigkeit kapitalistisch vergesellschafteter Individuen oder Institutionen, gemeinsame Verantwortung wahrzunehmen, andererseits mag er das starke Bedürnis  nach Überwindung der Grenzen zum Ausdruck bringen, die der eigenen Vernünftigkeit und Würde gesetzt sind, solange die kapitalistische „Entfremdung“ anhällt.  Die Frage hier wäre also die nach den in diesem fast religiös anmutenden Mythos möglicherweise angelegten Dispositiven der  eigenverantwortlichen Wahrnehmung gemeinsamer (d.h. kommunistisch bestimmter) Verantwortung.

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Kohei Saito: Marx Ökologie in seiner unvollendeten Kritik des Kapitalismus

10. November 2017

Manchmal findet man den Wald vor lauter Bäumen nicht. Mit dem Buch von Kohei Saito ging es mir umgekehrt. In der Monthly Review hatte ich schon einen Beitrag von Kohei Saito über „Marx ökologische Notizbücher“ gelesen und  so erfahren dass er an einer Veröffentlichung arbeitete. Ausgesprochen vielversprechend! Marx hatte sich nach der Veröffentlichung des ersten Kapital Bandes zunehmend mit naturwissenschaftlichen und eben auch mit ökologischen Problemen auseinandergesetzt.  Als ich Saitos Buch  neulich annonciert sah in der MR (Marx Ecosocialism) war die Freude groß, ich  entschied mich umgehen, es zu bestellen und fragte mich, wann wohl eine deutsche Ausgabe erscheinen wird.

Ha, während der neulich von der Rosa Luxemburg Stiftung  ausgerichteten „Marx-Herbstschule“ erfuhr ich nun, dass es natürich zuerst auf deutsch erschienen war und das bereits vor über einem Jahr! Du meine Güte. Habe mich wohl etwas sehr abgekapselt. Irgend etwas muss ich unbedingt ändern.

Ok, so habe ich also bald – hoffentlich – beide Ausgaben auf dem Schreibtisch und damit  gleichzeitig ein tolles Mittel, mit dem Englischen voran zu kommen.  Nur sind beide Ausgaben bereits vergriffen!

Wie schön ist da meine heutige Entdeckung, dass Academica das Werk zum kostenlosen Download anbietet. Juhuuu.

Zu früh gefreut… Es ist nur ein Apetizer, nach 22 Seiten ist Schluss.

Nun heißt es weiter, abzuwarten.

Wieder Jubel: Die deutsche Fassung ist nun angekommen! Ich freue mich.

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Eine erste Anmerkung:

Wie das 1. Kapitel dieser Arbeit zeigen wird, behandelt Marx schon 1844 die Beziehung zwischen Mensch und Natur als zentrales Thema seiner Entfremdungstheorie. Er findet in der radikalen Auflösung der ursprünglichen Einheit zwischen Mensch und Natur die Entstehung des modernen entfremdeten Lebens und setzt dem die emanzipatorische Idee der Wiedervereinigung von Mensch und Natur als »Humanismus = Naturalismus« entgegen.

S. 14

Die Idee einer (öko-kommunistischen) WIEDERvereinigung  von Mensch und Natur gilt nicht wenigen Marx- bzw. Marxismuskritikern als idealisierende Setzung eines ursprünglich gegebenen Idealzustandes, und die Aussicht auf  die Wiederherstellung dieses Ideals als geschichtsphilosophisches Heilsversprechen. Das gilt es m.E. aber zu hinterfragen. (Und es ist auf den ersten Blick zu sehen, dass das Buch von Saito dafür auch eine große Menge wertvoller Anhaltspunkte enthalten dürfte).

Tatsächlich nahm Marx ausdrücklich Abschied von einem IDEALISTISCHEN Verständnis von Dialektik nach dem sich die gesellschaftlichen Widersprüche in Begriffen zeigen, die Ideale repräsentieren und es darauf ankäme, die Illusion ihrer Widersruchsfreiheit mittels Reflektion immer neuer Faccetten der sie – mehr oder minder – zum Ausdruck bringenden Wirklichkeit in immer neuen Analyseschritten zu negieren um die so enthüllten Widersprüche am Ende auf einer nun realistischen Basis aufzuheben. Aus der ursprünglich Illusion von Widerspruchsfreiheit (Reinheit und Wirklichkeitstreue der Idee) würde so schließlich eine vom Widerspruch tatsächlich befreite Identität von Idee und Wirklichkeit (wobei wohl darüber gestritten wird, ob mit einer neuer Wirklichkeit. oder, wie Marx behauptet, nur einer neuen Interpretations von Wirklichkeit). Der am Ende nicht mehr vom falschen Leben beschmutzte Begriff  einer Wirklichkeit kehre dann, so die Vorstellung der idealistischen Dialektik,  „zu sich selbst“, d.h.  zu wirklicher Widerspruchsfreiheit „zurück“. Als Forderung an die gesellschaftliche Praxis (Tätigkeit zur Veränderung der gesellschaftlichen Wirklichkeit) ergäbe sich daraus, die Diskrepanz zwischen Ideal und Wirklichkeit aufzuheben.

Marx Kritik an dem Konzept war, dass nicht Begriffe Wirklichkeit sondern umgekehrt die Wirklichkeit deren Wahrnehmung bzw. Deutung hervorbringen. Aufklärung über Erscheinungen eines falschen Lebens, die bestimmten Begriffen (wie etwa Gott)  bzw. Idealen (z.B. Gottesfürchtigkeit) oder Vorstellungen (etwa:  Gott und Frömmigkeit werden uns retten) eigen sind, können nicht einfach mittels Aufklärung durch realistischere, die eigenen Interessen vielleicht besser zum Ausdruck bringende Begriffe, Ideale oder Vorstellungen über deren Mächtigkeit ersetzt werden.

Für den post-philosophischen Marx entstehen, halten oder ändern sich Begriffe wie etwa auch Humanismus oder Naturalismus (das gilt selbstverständlich auch für Kommunismus oder Sozialismus) niemals frei vom „falschen Leben“ und es könne deshalb nicht darum gehen, etwa eine verloren geglaubte „Totalität“ wiederherzustellen,  wie sie „eigentlich“ im Begriff bzw. der damit ausgedrückten Idee,  etwa der von  der Einheit von Humanismus und Naturalismus (der Behauptung Humanismus = Naturalismus) stecke. Das bedeutet nun aber wiederum nicht, dass dem „reifen Marx“ zufolge diesen Begriffen lediglich eine gewisse praktische Bedeutung als Orientierung verleihende Ideale zukommen dürfen, aber in einer WISSENSCHAFTLICHEN Reflexion bzw. einer THEORIE der möglichen (notwendigen und wünschenswerten)  Ablösung der kapitalistischen Interaktionsbedingungen durch eine sozialistische Ära des Übergangs zu (öko-) kommunistisch bestimmten  Interaktionsbedingungen nichts zu suchen hätten, wie Althusser in den 1960er Jahren in seinem Band „Für Marx“ behauptete.

Es wäre vielmehr zu fragen, welche Wirklichkeit mit der Behauptung einer „urspünglichen Identität von Humanismus und Humanismus“ bzw. einer „ursprünglichen Harmonie zwischen Mensch und Natur“ gemeint sein könnte und was es damit TATSÄCHICH auf sich haben könnte, d.h. jenseits romantischer Projektionen.  In Betracht zu ziehen wären beispielsweise die von Marx als „urkommunistsch“ oder „regionalen Kommunismus“ bezeichneten Mensch-Natur-Verhältnisse „prähistorischer“ Gesellschaften, die an ihr sehr begrenztes Territorium gekettet und also existenziell (einschließlich des Blickes auf die Kinder und Enkel) auf eine nachhaltige Bewirtschaftung und Entwicklung ihrer Naturumwelt (Naturmitwelt) angewiesen waren.  Nicht zuletzt die von Hans-Peter Harstick herausgegebenen „Ethnologischen Exzerpthefte“, auf die Saito verweist, zeigen, dass Marx die Frage keineswegs als kommunistischer Romantiker angegangen war, wie es vielfach unterstellt wird, sondern das ihn auch diesbezüglich lebenslang die wissenschaftlicher Neugierde angetrieben hatte. Der Text des späten Engels über den Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen“ (mit dem Marx konform ging) zeigte, dass auch die Frage des „Gattungswesens“ bein der beiden keineswegs bei einem kruden Essentialismus stehen geblieben war.

Man mag Marx Erwartung einer weltkommunistischen „Negation“ der mit der historischen Negation der „urkommunistischen“ Fesselung gemeinschaftlich organisierten  Stoffwechsels miteinender und mit der Naturumwelt an eine von Generation zu Generation vererbten Gemeindelokalität in die Welt gekommenen „Entfremdung“ voneinender, von den Naturbedingungen und dem „menschlichen Gattungswesen“ für eine fixe Idee halten, die den prinzipiell stets offenen Geschichtsverlauf in ein Dialektikschema (Negation, Negation der Negation bzw. deren Aufhebung auf einer neuen Stufenleiter) presst. Und tatsächlich zeigt nicht zuletzt die Geschichte des so genannten „real existierenden Sozialismus“, dass solch ein ideologischer Schematismus tatsächlich angewandt und Marx Erwartung (man müsste heute „seine Hypothese sagen) vielfach als fester Wille eines allmächtigen Geschichtsgeistes interpretiert wurde, als dessen Jünger sich zu küren berechtigt, einen „kommunistischen Gottesstaat“ zu materialisieren. Dennoch, oder vielmehr gerade deshalb erscheit es mir wesentlich sinnvoller, systematisch und nachvollziehbar Beweggründe und Anhaltspunkte eines solchen Geschichtsdialektik und was ihr entgegen steht bzw. entgegenstehen könnte zusammen zu tragen und zu erörtern.

Werde diesen Gedankenstrang an anderer Stelle weiter ausführen, Wichtig ist in diesem Zusammenhang etwa die Frage der spezifisch menschlichen Natur als „Einheit von Humanismus = Naturalismus“ zu behandeln, was auch von nicht wenigen Marxisten vielfach als längst überholter Essentialismus  abgetann wird. Dabei lässt sich m.E. plausibel zeigen, dass die Weiterentwicklung der der menschichen Natur gegebenen Fähigkeit zur zielgerichteten Her- und Bereitstellung eines als Nutzen bzw. Gewinns erfahrbaren Mittels der Bedürfnisbefredigung (einschließlich der Fähigkeit, aus den Fehlern vergangeger Versuche zu lernen)  notwendig die (öko-komunistische) Aufhebung von Entfremdung (dem Zwang zur Erfüllung fremder Zwecke) erfordert und dies etwa heißt, dass die kapitalistisch vereinzelten Einzelnen sich zum Zwecke ihrer Ent-Entfremdung als sich freiwillig und entsprechend der individuellen Fähigkeiten und Bedprfniisse als eine vereinigte Menschheit formieren, mit dere Hilfe sie sich in die Lage versetzen, den globalen Stoffaustausch gemeinschaftlich zu verantworten und damit zu errechen, dass ihnen nicht länger die eigenen Produktionsbedingungen als eine Naturgewalt gegenübersteht, diie sie nicht beherrschen können. Eben das wäre die Voraussetzung einer Entideologiisierung des Verständnisses von Naturbedürfnissen und -fähigkeiten und fortgesetzter Menschwerdung.

Aber nun mache ich mich endlich ans Lesen: Kohei Saito: Natur gegen Kapital – Marx in seiner unvollendeten Kritik des Kapitalismus., erschienen im Campusverlag Frakfort / New York

 


Zu Roman Rosdolskys „Der Gebrauchswert bei Karl Marx“ (2/2)

7. November 2017

Zweiter Teil meines lauten Nachdenkens über den im Streifzüge Magazin dankenswerterweise veröffentlichten Beitrag von Roman Rosdolsky.

Streifzüge70/2017 hatte im Rahmen des Heftschwerpunktes zum möglichen Gebrauchswert des Gebrauchswertes für eine Theorie der Befreiung den Beitrag der Gebrauchswert bei Karl Marx von Roman Rosdolsky wiedergegeben.  Der historische Beitrag mit dem Untertitel

Eine Kritik der bisherigen Marx-Interpretation

war 1959 in KYKLOS erschienen. Internationale Zeitschrift für Sozialwissenschaften, Vol. XII 1959, Basel, S. 27-56 (redaktionell gekürzte Fassung)

 

In seiner „Gleichgültigkeit gegen die ökonomische Formbestimmung“ liegt der Gebrauchswert „jenseits des Betrachtungskreises der politischen Ökonomie. In ihren Kreis fällt nur, wo er selbst Formbestimmung.“

Mit anderen Worten: ob dem Gebrauchswert eine ökonomische Bedeutung zukomme, oder nicht, lässt sich nur nach seiner Beziehung zu den sozialen Produktionsverhältnissen beurteilen. Sofern er diese Verhältnisse beeinflusst oder selbst von ihnen beeinflusst wird, ist er gewiss eine ökonomische Kategorie. Sonst aber – in seiner bloß „natürlichen“ Eigenschaft – fällt er aus dem Bereich der Nationalökonomie heraus.

Oder, wie es weiter im Text der Grundrisse heißt:

„Die politische Ökonomie hat es mit den spezifischen gesellschaftlichen Formen des Reichtums oder vielmehr der Produktion des Reichtums zu tun. Der Stoff derselben, sei es subjektiv, wie Arbeit, oder objektiv, wie Gegenstände für die Befriedigung natürlicher oder geschichtlicher Bedürfnisse, erscheint zunächst allen Produktionsepochen gemeinsam. Dieser Stoff erscheint daher zunächst als bloße Voraussetzung, die ganz außerhalb der Betrachtung der politischen Ökonomie liegt, und erst dann in die Sphäre der Betrachtung fällt, wenn er modifiziert wird durch die Formverhältnisse oder als sie modifizierend erscheint.

(MEW 42, S. 741; vgl. auch die Parallelstelle, MEW 42, S. 767)

Alles richtig. Bin jetzt wirklich gespannt, wie es weiter geht.

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Zu Roman Rosdolskys „Der Gebrauchswert bei Karl Marx“ (1/2)

28. Oktober 2017

Streifzüge70/2017 hatte im Rahmen des Heftschwerpunktes zum möglichen Gebrauchswert des Gebrauchswertes für eine Theorie der Befreiung den Beitrag der Gebrauchswert bei Karl Marx von Roman Rosdolsky wiedergegeben.  Der historische Beitrag mit dem Untertitel

Eine Kritik der bisherigen Marx-Interpretation

war 1959 in KYKLOS erschienen. Internationale Zeitschrift für Sozialwissenschaften, Vol. XII 1959, Basel, S. 27-56 (redaktionell gekürzte Fassung)

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Über den sehr unterschiedlichen Gebrauchswert des Gebrauchswerts und der Gebrauchswerte (3/3)

25. September 2017

Teil I | Teil II

Teil III meiner Auseinandersetzung mit  dem Beitrag Franz Schandls Beitrag (das unschuldige Ding) zum Schwerpunkt des „wertkritischen“ Magazin Streifzüge  70/2017 zur möglichen Bedeutung des  Gebrauchswerts für eine Theorie der Befreiung. 

Sich die Gebrauchswertseite der gegenwärtigen Vergesellschaftsbedingungen genauer anzuschauen und daraufhin den Gebrauchswert diesbezüglicher Reflexionen von Marx  für die Konstruktion vernünftiger Wegweiser aus dem kapitalistischen Chaos kritisch zu betrachten, ist ein Verdienst des Streifzüge Schwerpunktes. Bisher bleibt es mir allerdings ein Rätsel, worauf das Ganze hinauslaufen soll. Ich vermute Probleme mit zwei Dogmen, die in weiten Teilen einer sich „marxistisch“ verstehenden Weltanschaung eine Rolle spielen,  nämlich, dass 1.) im Kapitalismus Bedürfnisse (nach Verfügung über Gebrauchswerte) keine Rolle spielen und 2.) dass es darauf ankäme, die Bedürfnisse zur Macht zu verhelfen.

Wie in den Teilen I/III und  II/III gehe ich abschnittsweise vor Den Rest des Beitrags lesen »