Zu Roman Rosdolskys „Der Gebrauchswert bei Karl Marx“ (2/2)

7. November 2017

Zweiter Teil meines lauten Nachdenkens über den im Streifzüge Magazin dankenswerterweise veröffentlichten Beitrag von Roman Rosdolsky.

Streifzüge70/2017 hatte im Rahmen des Heftschwerpunktes zum möglichen Gebrauchswert des Gebrauchswertes für eine Theorie der Befreiung den Beitrag der Gebrauchswert bei Karl Marx von Roman Rosdolsky wiedergegeben.  Der historische Beitrag mit dem Untertitel

Eine Kritik der bisherigen Marx-Interpretation

war 1959 in KYKLOS erschienen. Internationale Zeitschrift für Sozialwissenschaften, Vol. XII 1959, Basel, S. 27-56 (redaktionell gekürzte Fassung)

 

In seiner „Gleichgültigkeit gegen die ökonomische Formbestimmung“ liegt der Gebrauchswert „jenseits des Betrachtungskreises der politischen Ökonomie. In ihren Kreis fällt nur, wo er selbst Formbestimmung.“

Mit anderen Worten: ob dem Gebrauchswert eine ökonomische Bedeutung zukomme, oder nicht, lässt sich nur nach seiner Beziehung zu den sozialen Produktionsverhältnissen beurteilen. Sofern er diese Verhältnisse beeinflusst oder selbst von ihnen beeinflusst wird, ist er gewiss eine ökonomische Kategorie. Sonst aber – in seiner bloß „natürlichen“ Eigenschaft – fällt er aus dem Bereich der Nationalökonomie heraus.

Oder, wie es weiter im Text der Grundrisse heißt:

„Die politische Ökonomie hat es mit den spezifischen gesellschaftlichen Formen des Reichtums oder vielmehr der Produktion des Reichtums zu tun. Der Stoff derselben, sei es subjektiv, wie Arbeit, oder objektiv, wie Gegenstände für die Befriedigung natürlicher oder geschichtlicher Bedürfnisse, erscheint zunächst allen Produktionsepochen gemeinsam. Dieser Stoff erscheint daher zunächst als bloße Voraussetzung, die ganz außerhalb der Betrachtung der politischen Ökonomie liegt, und erst dann in die Sphäre der Betrachtung fällt, wenn er modifiziert wird durch die Formverhältnisse oder als sie modifizierend erscheint.

(MEW 42, S. 741; vgl. auch die Parallelstelle, MEW 42, S. 767)

Alles richtig. Bin jetzt wirklich gespannt, wie es weiter geht.

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Zu Roman Rosdolskys „Der Gebrauchswert bei Karl Marx“ (1/2)

28. Oktober 2017

Streifzüge70/2017 hatte im Rahmen des Heftschwerpunktes zum möglichen Gebrauchswert des Gebrauchswertes für eine Theorie der Befreiung den Beitrag der Gebrauchswert bei Karl Marx von Roman Rosdolsky wiedergegeben.  Der historische Beitrag mit dem Untertitel

Eine Kritik der bisherigen Marx-Interpretation

war 1959 in KYKLOS erschienen. Internationale Zeitschrift für Sozialwissenschaften, Vol. XII 1959, Basel, S. 27-56 (redaktionell gekürzte Fassung)

Zu Roman Rosdolskys „Der Gebrauchswert bei Karl Marx“ (2/2)

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Über den sehr unterschiedlichen Gebrauchswert des Gebrauchswerts und der Gebrauchswerte (3/3)

25. September 2017

Teil I | Teil II

Teil III meiner Auseinandersetzung mit  dem Beitrag Franz Schandls Beitrag (das unschuldige Ding) zum Schwerpunkt des „wertkritischen“ Magazin Streifzüge  70/2017 zur möglichen Bedeutung des  Gebrauchswerts für eine Theorie der Befreiung. 

Sich die Gebrauchswertseite der gegenwärtigen Vergesellschaftsbedingungen genauer anzuschauen und daraufhin den Gebrauchswert diesbezüglicher Reflexionen von Marx  für die Konstruktion vernünftiger Wegweiser aus dem kapitalistischen Chaos kritisch zu betrachten, ist ein Verdienst des Streifzüge Schwerpunktes. Bisher bleibt es mir allerdings ein Rätsel, worauf das Ganze hinauslaufen soll. Ich vermute Probleme mit zwei Dogmen, die in weiten Teilen einer sich „marxistisch“ verstehenden Weltanschaung eine Rolle spielen,  nämlich, dass 1.) im Kapitalismus Bedürfnisse (nach Verfügung über Gebrauchswerte) keine Rolle spielen und 2.) dass es darauf ankäme, die Bedürfnisse zur Macht zu verhelfen.

Wie in den Teilen I/III und  II/III gehe ich abschnittsweise vor Den Rest des Beitrags lesen »


Über den sehr unterschiedlichen Gebrauchswert des Gebrauchswerts und der Gebrauchswerte (2/3)

14. September 2017

Teil III

Im ersten Teil meiner Auseinandersetzung mit Franz Schandels Beitrag zum Streifzüge-Schwerkunft „Gebrauchswerte“ das unschuldige Ding entdeckten wir unter anderem Schandls Verwechsung von Kategorie und Wirklichkeit, und sahen Anzeichen einer Moralisierung von Begriffen der Wahrnehmung wie es auch im Folgenden recht klar zum Ausdruck kommt.

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Über den sehr unterschiedlichen Gebrauchswert des Gebrauchswerts und der Gebrauchswerte (1/2)

11. September 2017

Zu Teil 2 geht es HIER

Schwerpunkt des „wertkritischen“ Magazin Streifzüge  70/2017 ist die mögliche Bedeutung des  Gebrauchswerts für eine Theorie der Befreiung. 

Macht neugierig.  Schauen wir mal:

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Ordnung, Freiheit, Kommunismus! (1/2)

8. August 2017

Von der (Un-) Ordnung kapitalistischer Freiheiten zur Freiheitsordnung eines (öko-) humanistisch bestimmten Kommunismus zu gelangen, verlangt die Freiheit, einen geordneten Übergang zu denken und mit Bedacht anzugehen.

Zum Teil II HIER klicken

Der Transformationsexperte Michael Brie hatte einen Abend der gegenwärtigen Veranstaltungsreihe der Your Fixe Initiative gestaltet. Die Reihe ist verschiedenen Facetten des „Antikommunismus“ gewidmet. (Siehe meine Reflexionen über Anti-Anti-Kommunismus?). Fragen des Brie-Abends waren, inwieweit der als Vater des Konservativismus gesehene Edmund Burke,  als Ideengeber des gegenwärtigen Rechtspopulismus fungiert (Stephen Bannon soll ein eifriger Burke Leser sein), und was Linke bzw. Soziaist*innen von Burkes Gedanken über Ordnung und Freiheit lernen könnten.

Im Ankündigungstext heißt es::

Burkes Schrift will das Konzept einer Ordnung großer bürgerlicher und politischer Ungleichheit mit der Idee der Freiheit versöhnen. Bis heute muss sich die Linke an den von Burke gestellten Herausforderungen messen lassen, oder sie wird wieder für zu leicht befunden werden.

Die vom Referenten hervorgehobene Punkte waren Burkes Erschrecken über die in der Französischen Revolution erlebte „Frechheit“ des Volkes, sich der als  gottgegeben  vorgestellten Ordnung zu widersetzten, einfach die Nationalgarde zu überrennen, das Königspaar Marie Antoinette  und Ludwig den VI  nach Paris zu beordern usw. usf. und die für den modernen Konservativismus paradigmatischen Schlüsse, die er aus dem Ereignissen zog.  Für Burke führten die mit der französischen Revolution proklamierte Einheit von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit zur ochlokratischen Ordnung (Herrschaft des Pöbels), die, gelänge es nicht, ihr erfolgreich entgegen zu treten, die Grundfeste aller natürlichen Ordnung zerstören würde, nämlich das Eigentum. Ordnung und Recht müssten deshalb stets vor Freiheit der Masse gehen bzw. müsse Freiheit stets von einer Ordnung eingehegt werden, die keine egalitäre Ordnung sein kann, sondern nur eine, in der eine dazu qualifizierte Elite aus Eigentümer und  Angehörige einer Bildungselite das Sagen habe.

Was die Linken bzw. Sozialist*innen von Burkes lernen könnten, bzw. worin genau die von ihnen zu bestehende „Herausforderung“ bestünde, wurde nicht wirklich klar. Brie wies darauf hin, dass „Freiheit“ ein von der sozialistischen Linken bisher vernachlässigtes Ideal gewesen sei. Dem widersprachen andere mit dem Hinweis, dass „Freiheit“ für die sich nach Ende der 1960er Jahre im Westen  formierende neue Linke im Gegenteil die alles bestimmende Leitidee war bzw. noch ist. Der  Referent gestand dies ein und ergänzte, dass der Anarchismus schließlich auch Teil der sozialistischen Linken sei.

Mein Problem: Stehen solcherart unbestimmte „Freiheit“ gegen eine ebenso unbestimmte „Ordnung“ (bzw. ebenso unbestimmte Staatlichkeit), verlieren sich Fragen nach Voraussetzungen, Charakter und Formen eines erfolgreichen Übergangs zu einer (öko-) kommunistisch bestimmten Ordnung des globalen Produktionsgeschehens (und welche Freiheiten oder Notwendigkeit das unter welchen Umständen für wen bedeuteten bzw. möglich machen soll).

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Anti-Anti-Kommunismus?

9. Februar 2017

Leider hatte ich den Vortrag von Michael Koltan über „Liberalismus als antikommunistische Ideologie“ mit dem die „Jour Fixe Initiative“ ihren Zyklus zum Themenkomplex „Anti! Kommunismus“ begann, verpasst und die Wahrnehmung des zweiten Termins fiel meinem sonntäglichen  Erholungsbedürfnisses zum Opfer. Das Thema ist mir wichtig, und den Veranstaltern ist ein differenziertes Herangehen zuzutrauen. Von einer Auseinandersetzung mit den dort vorgetragenen Position verspreche ich mir Fortschritte mit der eigenen Positionsfindung in der Sache. Da die Initiative den Vortrag nicht zum Download bereit hält, halte ich mich erst einmal an den generellen Einladungstext für die Vortragsreihe.

Millionen waren es weltweit, die sich Kommunisten nannten, Militante, Parteimitglieder, Wähler oder Gesinnungsfreunde. Heute sind die meisten von ihnen verstummt und ihre Geschichte ist aus dem Gedächtnis gelöscht. Es gibt keinen Kommunismus mehr, der Antikommunismus aber wütet noch immer und zwar nicht als rationales Konzept sondern als Schimpfwort und nicht als Sache sondern als Aggression. Warum das alles? Ist dieser hohle Antikommunismus nicht vielleicht Angst? Warum hat man Angst? Und wovor?

Aus: Vittorio Foa, Miriam Mafai, Alfredo Reichlin, „Il silenzio dei comunisti“, übersetzt von Eberhard Spreng und Francesca Spinazzi.

Richtet sich das tatsächlich gegen „Antikommunismus“ als Schimpfwort? Oder ist das ein Versehen, und das gemeinte Schimpfwort ist die antikommunistische Schmähung alles „Kommunistischen“? Tatsächlich gäbe es gute Gründe gegen die Verwendung des Begriffs „Antikommunismus“ als Schimpfwort. Es ist tendenziell wissenschaftsfeindlich und allein deshalb nicht sehr kommunistisch. In meinem Verständnis besteht das Kommunistische nicht zuletzt in der Kunst der Wahrnehmung (und gegebenenfalls Herstellung und emanzipationsproduktiven Verarbeitung) gerade versteckter Dispositive der Entwicklung kommunistisch bestimmter Interaktionsbedingungen. Und wer  ernsthaft über deren Notwendigkeit, Möglichkeit und möglichen bzw. notwendigen Gestalt nachdenkt, sollte es nicht wundern, sie auch in bestimmten Formen des Antikommunismus zu entdecken, dass also ein erklärter, d.h. subjektiv als solcher gesehener „Anti-Kommunismus“ eben auch Kommunismuspotenzial enthalten kann.

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