Blöder Titel, gute Gäste und ein FAZke.

5. Mai 2021

Noch nicht zuende geschaut.


Wieder ein Lichtblick!

30. April 2021

Versuch, Hartmut Rosas Lob der UNVERFÜGBARKEIT zu verstehen (3)

15. März 2021

Zu Teil 1 und Teil 2

Jetzt liegt das hier schon so lange im Entwurf Ordner, und nun soll das auch so veröffentlicht sein, das heißt unvollendet. Werde wohl auch keine Zeit mehr in den Versuch investieren, Hartmut Rosa zu verstehen. Mein Eindruck bleibt deshalb unüberprüft, dass das Weiterlesen wahrscheinlich der Mühe nicht wert sein würde. War wild entschlossen, Rosas Traktat so gutwillig es geht zu behandeln und jedes Stück versteckten (Öko-)Kommunismus zu feiern. Aber mir wurde es schnell schlicht zu bunt.

Die ganze Geschichte mit der „Resonanz“ kommt mir ein wenig wie eine Luftballonversion von Axel Honneths „Anerkennung“ vor. Aber das liegt vielleicht an meiner philosophischen Bildungsferne und meine Unlust, weiter zu lesen.

Um nicht ganz zu verschwinden, solange ich an meinem Projekt zur Machbarkeit planetarischer Vernunft laborieren, werde ich demnächst ein paar andere Dinge hier aufgreifen wie die rechtsdrehende Hysterie über die sogenannte „Identitätspoltik“, was Klimapolitisch Sache ist usw. – etwa zu dem Interview mit Maja Göpel in der Taz Future Zwei, dass der öffentlichen Reflexion wirklich lohnt.

Aber erst einmal der Rest vom Schützenfest:

Wir erinnern uns: Hartmut Rosa liebt authentischen Winterzauber mit echtem Schnee und er erinnert daran, wie schön es ist, dass man nie im Voraus weiß, wie Fußballspiele ausgehen oder ob man einmal Krebs bekommt. Nun soll es also darum gehen, wie er diese Phänomene bzw. die Gedanken, die sie bei ihm auslösen, in eine soziologische Unverfügbarkeitstheorie einordnet.

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Versuch, Hartmut Rosas Lob der UNVERFÜGBARKEIT zu verstehen (2)

1. Januar 2021

Zu Teil 1

Außer dass ich durch die grüne Marx-Brille auf Hartmut Rosas Werk blicke, interessiert mich, was es womöglich für die Entwicklung der Fähigkeit beitragen könnte, mit der beginnenden Klimakrise fertig zu werden. Heißt: aus meiner Sicht sollte eine im Jahre 2010 veröffentlichte soziologische Arbeit über UNVERFÜGBARKEIT als Erstes beschreiben, welche Art freie Verfügbarkeiten über Ressourcen (und Mittel, sie zu verarbeiten) zu der gefährlichen Anreicherung der Erdatmosphäre mit „Treibhausgasen“ und anderen Gefährdungen ökologischer Grundlagen der weiteren Zivilisationsentwicklung geführt hat. Vor allem aber wäre herauszuarbeiten, wie die Entwicklung und die Verfügbarkeit über menschlichen und außermenschlichen Ressourcen geregelt werden müsste, damit die Produktion dessen, was für ein gutes Leben weltweit benötigt wird, nicht zugleich die Grundlagen des guten Lebens aller zerstört.

Vielleicht kommt Hartmut Rosa noch dahin, aber erst einmal scheint seine Sorge eher dem Verlust an Unvorhergesehenem als solchem und einem möglichen Verlust der Freude daran zu gelten, was „ohne unser Zutun“ zum Geschenk werden kann – wie etwa unverhoffter Schneefall. Dass Wintersportgeschäftsleute über unromantische Entzauberungsmaschinen verfügen wie etwa „Schneekanonen“ und „Kunstschnee, der auch noch bei 15 Grad plus durchhält“ (S.7), missfällt Rosa. Und ja, dem könnte ich beipflichten, denn auch aus Klimaschutzgründen müsste dem Schneekanonenvergnügen wohl Einhalt geboten werden. Allerdings wäre dann darüber zu reden, was die neue Unverfügbarkeit von an Schneefall unabhängigen Wintersportkulturangeboten und den damit im Zusammenhang stehenden Verlusten an Wintervergnügungen (Profite, Arbeitsplätze, Steuereinnahmen usw.) anrichten könnten und was die beste Art wäre, daraus das Beste zu machen. (Es möglich zu machen, dass weniger energieintensive Geschäftsfelder, Freizeitvergnügen usw. angeboten werden, oder wie es möglich gemacht werden kann, dass für ein gutes Leben weltweit weniger gearbeitet werden muss?)

Rosa scheint allerdings an dieser Stelle (S. 8) mehr daran gelegen, der Unverfügbarkeit an und für sich zu einem besseren Ruf zu verhelfen. Schließlich sieht er aus der Begegnung mit ihr „aber Lebendigkeit, Berührung und wirkliche Erfahrung“ (S.8) erwachsen.“

Das Wörtchen „aber“ deutet darauf hin, dass Rosa es für eher ausgeschlossen hält, dass aus der Verfügbarkeit über Schneekanonen und Kunstschnee „Lebendigkeit, Berührung und wirkliche Erfahrung“ hervorgehen können. Diese Behauptung wäre allerdings leicht zu widerlegen. Schließlich ist es doch gerade das Problem, dass die mit technologischen Mitteln geschaffene Erweiterung der Möglichkeiten, im Schnee „Lebendigkeit, Berührung und wirkliche Erfahrung“ zu finden, es so schwierig macht, die Verfügbarkeit des dazu nötigen Equipments trotz ihres riesigen Energiehungers und der gewaltigen Schäden, die das anrichtet, einzuschränken oder ganz zu verunmöglichen.

Es sieht ein wenig so aus, als kommt es dem Autor zunächst einmal nicht so sehr auf die tatsächliche Stimmigkeit seiner Aussagen an, sondern auf die Einstimmung auf die eigene Weltsicht, hervorgezaubert durch die Allgemeinheit seiner Aussage, die bei vielen das Gefühl zu hinterlassen vermag, dass auf jeden Fall etwas dran ist. Wie bei einem Horoskop fällt jedem und jeder garantiert irgend etwas selbst Erlebtes oder Empfundenes ein, das die Wahrheit der Aussage zu bestätigen scheint.

Die nächste Aussage bestärkt mein diesbezügliches Gefühl.

„Eine Welt die vollständig gewusst, geplant und beherrscht wäre, wäre eine tote Welt. Das ist keine metaphysische Einsicht, sondern eine Alltagserfahrung“.

Das ist in zweifacher Hinsicht unsinnig. Eine vollständig gewusste, geplante und beherrschte Welt kann es nicht geben – weder tot noch lebendig. Niemand, der bei Verstand ist, würde das Gegenteil behaupten oder anstreben wollen. Alltagserfahrung kann nur sein, dass das Wissen über die Welt ebenso wie das Planen und Beherrschen weltlicher Ereignisse oder Entwicklungen stets begrenzt ist, auch wenn die Grenzen des Machbaren immer wieder auch erweitert werden können. Ob eine unmöglich zu erreichende menschliche Fähigkeit den Tod oder die Lebendigkeit der Welt bedeutet, lässt sich durch Alltagserfahrungen allerdings definitiv nicht bestätigen.

Was bringt uns das Wissen um die nie gänzlich aufzuhebende Begrenztheit des Wissens um die Dinge, die jetzt und in naher Zukunft zu tun oder zu unterlassen wären, um das im Pariser Übereinkommen festgelegte Ziel tatsächlich erreichen zu können, die globale Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad, möglichst 1,5 Grad seit der Industrialisierung zu begrenzen? Nichts. Es ist bedeutungslos. Welche Bedeutung haben „Lebendigkeit, Berührung und wirkliche Erfahrung“, die der gegenwärtigen Unverfügbarkeit eines Überblicks über die diesbezüglich verfügbaren oder gegebenenfalls verfügbar zu machenden Alternativen erwachsen? Keine guten. In dem Kontext sinnvolle „Lebendigkeit, Berührung und wirkliche Erfahrung“ wären doch wohl eher solche, die aus einem globalen Dialog über diesbezüglich zu treffende (zu finanzierende und effektiv zu nutzende) Forschungsschwerpunkte hervorgehen. Dass das, was Regierungen, Verbände Unternehmen, Medien usw. zur Bewältigung der Klimakrise überlegen, beschließen, tun und unterlassen, niemals ganz und ganz planbar oder planbar gemacht werden kann und niemals gänzlich nach Plan verlaufen dürfte ist ebenso ein Nonsens-Wissen wie die Gewissheit sinnlos, dass sich die Welt nicht vollständig beherrschen lässt.

Dass sich Erfolg im Fußball trotz aller Verwissenschaftlichung des Trainings und trotz Millionensummen für einzelne Spielertalente nicht vollkommen planen lassen, ist schön. Und gut. Aber die Klimakrise ist kein Spiel. Und die von der Konkurrenz angestachelten Höchstleistungen sind hier gerade das Problem. Vollkommen klar sollte aber doch wohl sein, dass wir Pläne zu entwickeln haben, wie wir die Planlosigkeit und Unbeherrschbarkeit des derzeitigen Weltwirtschaftens überwinden, mit der sich die Welt der Menschen derzeit in den vollkommenen Warensinn treibt.

Fortsetzung folgt in Bälde


Versuch, Hartmut Rosas Lob der „UNVERFÜGBARKEIT“ zu verstehen (1)

30. Dezember 2020

Zu Teil 2

Hartmut Rosas Plädoyer für mehr „Resonanz“ oder für eine Resonanzgesellschaft scheint derzeit in aller Munde und so muss es nicht überraschen, dass es mir innerhalb nur einer Woche gleich zweimal in persönlichen Zusammenhängen begegnete. Zunächst war ein langjähriger Freund während eines ausgedehnten Spaziergangs unter anderem auf Rosas Resonanztheorie zu sprechen gekommen und hatte seine Freude darüber zum Ausdruck gebracht, dass dessen systemtheoretischer Ansatz Wege der Ententfremdung und der Emanzipation aus dem „Bloßes-Mittel-zum-Zweck-anderer-Sein“ aufzuzeigen scheint, die ohne bürokratischen Zentralismus auskommen. Nur wenige Tage danach drückte mir eine Freundin Rosas neues Buch mit dem Titel UNVERFÜGBARKEIT in der Hand. Es war ihr empfohlen worden, doch nach nur wenigen Seiten war sie zu dem Ergebnis gekommen, dass sich für sie die Mühe des Durchackerns wahrscheinlich nicht lohnen würde.

Nun wollte ich mir eh Rosas kritische Würdigung des marx-engelsschen Verständnis von Entfremdung (und Wege, sie aufzuheben) anschauen, also ok. Schön. Einige Einwände gegen Rosas Theorie waren mir bereits vorher begegnet, wie dass Resonanz für schlimme Dinge (Klimawandelleugnerei, Faschismus usw.) nicht gerade wünschenswert sei. Doch versicherte mir mein Freund, dass Rosa überzeugende Argumente dagegen ins Feld führt, die zeigen, dass solche temporären Resonanzen in einer Resonanzgesellschaft nach seiner (Rosas) Vorstellung gerade keine Chance haben würden, die Gesellschaft als Ganze in den Abgrund zu ziehen. Ich bleibe skeptisch, und ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass meine Erwartungen geradezu himmelhoch jauchzen.

Wie auch immer ist Hartmut Rosas Büchlein über „UNVERFÜGBARKEIT“ mir eine willkommene Gelegenheit, meinen in letzter Zeit arg vernachlässigten Weblog neues Leben einzuhauchen, zumal Facebook mich gerade wegen angeblicher Putintroll-Beleidigung („Tri, tra Troll Lallla, Putins Kasper ist schon da“) zu einer Zeitstrafe von 30 Tagen verdonnert hat (was im Übrigen auch dem eigenen Buchprojekt sehr guttut).

Ich werde das in kleineren Häppchen genießen – und kommentieren.

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Das Anthropozän gestalten!

16. Mai 2020

Zur Machbarkeit planetarischer Vernunft

Ein erster Einblick in das Projekt, an dem ich gerade arbeite.  Ich hoffe, damit in nicht allzu fernen Zukunft eine brauchbare Handreichung für alle vorlegen zu können, die meinen, dass die Parole „System change instead of Climate change“ über das Stadium einer linksidentitären Provokation hinaus gelangen sollte, dies aber eine etwas nähere Auseinandersetzung mit der Frage erfordert, wie vermieden werden kann, dass aus einem Gutgemeint erneut ein Schlechtgelaufen wird. Kritik, Ideen, Fragen aller Art herzlichst erwünscht.  Benötigt wird beizeiten auch Hilfe bei der Übersetzung ins Englische.

Worum geht es?

Dieses Buch soll ermutigen, über das Ende der Geschichte kapitalistischer Vernunft hinaus zu denken und einen offenen Diskurs über Notwendigkeit, Realisierungs- und Rationalitätsbedingungen eines organisierten Übergangs zu „öko-kommunistisch“1 bestimmten Produktionsbedingungen zu wagen.

Warum?

Die menschliche Gestaltungskraft ist zum prägenden Faktor des biologi­schen, geologischen und atmo­sphärischen Geschehens auf der Erde ge­worden. In den Geowissenschaften wird diskutiert, diese Ver­änderungen als eine neue Periode der Erdgeschichte zu verstehen, das Anthropozän, das Erdzeitalter des Menschen. Das ist keine frohe Botschaft, die vom Sieg menschlicher Vernunft über die zivilisationsge­fährdende Gewalt eines unbe­herrschten Naturzustands kündet. Die gesellschaftli­chen Mechanismen, die dem vernunftbegabten Wesen eine solche Wirkmacht be­schert haben, treten den han­delnden Individuen und deren Institutionen im Gegenteil als eine ihnen fremde Naturgewalt gegenüber, die sie unterjocht, statt von ihnen beherrscht zu werden.2

Marx vor nunmehr über 150 Jahren formulierte Zustandsbeschrei­bung scheint verblüffend aktuell.

„Die soziale Macht, d.h. die vervielfachte Pro­duktionskraft, die durch das in der Teilung der Arbeit bedingte Zusammen­wirken der verschiedenen Individuen entsteht, erscheint diesen Individuen, weil das Zusammenwirken selbst nicht freiwillig, sondern naturwüchsig ist, nicht als ihre eig­ne, vereinte Macht, sondern als eine fremde, außer ihnen stehende Gewalt, von der sie nicht wissen wo­her und wohin, die sie also nicht mehr beherrschen können, die im Gegenteil nun eine eigentümliche, vom Wollen und Laufen der Menschen unabhängige, ja dies Wollen und Laufen erst dirigierende Rei­henfolge von Phasen und Entwicklungsstufen durchläuft.“3

Wir erleben heute eine bedrohliche Zuspitzung dieses paradoxen Zustands. Die inzwischen weltweit interagierenden Subjekte des anthropogenen Zusammenwirkens, Individuen, Institutionen oder Assoziationen, verfügen über eine schier unendlich erscheinende Vielfalt an Möglichkeiten, vernunftgeleitete Entscheidungen zu treffen. Ihre „kombinierte Produktivkraft“ konnten sie dabei ins Unermessliche steigern. Moderne Wissenschaft und Demokratie erlauben Aufklärung auch über die Kehrseiten unserer menschlichen Siege über die Natur. Doch ungeachtet all unserer Kenntnisse über das Zerstörungsvermögen, das ein nahezu ungebremstes Wachstum menschlicher Kraft und Herrlichkeit bis heute akkumuliert hat, scheint es nach wie vor ein Ding der Unmöglichkeit, das anthropogene Zusammenwirken insgesamt nach Maßgaben sozialer oder ökologischer Vernunft zu gestalten. Unser globalisiertes Zusammenwirken ist uns immer noch nicht zur „eig­nen, vereinte Macht“ geworden. Mensch und Natur bleiben den stets bedrohlicheren Launen der Naturgewalt ausgesetzt, als die sich ihr eigenes Zusammenspiel gestaltet.

In diesem Zustand taumelt das menschliche „Laufen und Wollen“ in die geologische Menschenzeit. Mit welcher Perspektive? Was könnte Wege in ein soziales Zeitalter der menschheitlichen Selbstbeherrschung ebnen? Hilft der Rückgriff auf Marx Vision einer Menschheit, die es den weltweit interagierenden Individuen, Gruppierungen und Institutionen gestattet, ihren „Stoffwechsel mit der Na­tur rationell re­geln, unter ihre gemeinschaftliche Kontrolle bringen, statt von ihm als von einer blinden Macht beherrscht zu werden; ihn mit dem geringsten Kraftauf­wand und unter den ihrer menschlichen Natur würdigsten und adäquatesten Bedingungen vollziehn4?

Als jemand, der sich seit den Zeiten seines politischen Erwachsenwerdens in den 1970er Jahren für die ökologischen Dimensio­nen des Menschseins interessiert und sich insbesondere nach Nutzung des zweiten Bildungswegs und Aufnahme seines Studiums der Soziologie in den 1980er Jahren, immer wieder intensiv mit dem Marx-Engels Werk auseinanderset­zen konnte, überrascht mich der akute Gebrauchswert der vor nunmehr über 150 Jahren formulierten Perspektive nicht.

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Naomi Klein über einen lauernden Ökofaschismus: „Wir sind nicht nur im Wortsinne sondern auch politisch entflammbar“

4. Februar 2020

Nach dem Beitrag von Timothy Snyder über „den nächsten Genozid“ hatte ich unlängst einen weiteren Beitrag zur Frage aus dem Netz gefischt und ins Deutsche übersetzt in dem die Frage behandelt ist:

Müssen wir uns auf eine Zeit vorbereiten, in der der Rechtspopulismus seine „Klimaleugnerei“ als Mittel der Ausbeutung verbreiteter Verdrängungsbedürfnisse oder auch als Mittel der Auffüllung interner Schwatzgeldkassen aufgibt, und einen faschistischen Klimaschutz propagiert?

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Über Sozialismus reden statt sich auf anti-kapitalistischer Identitätssuche zu verlieren

21. Januar 2020

Habe den Blog in letzter Zeit arg vernachlässigt. Das liegt einerseits daran, dass ich einiges an Zeit in mein Projekt „Das Anthropozän gestalten – was kommt nach dem Ende der Geschichte kapitalistischer Vernunft?)“ investiere, zum anderen daran, dass sich die mir in meiner Facebook-Timeline tagtäglich darbietende Variation an Zeitung- und Zeitschriftenartikeln, sich für mich zu einem Mittel entwickelt hat, das Weltgeschehen, sehr eng zu verfolgen und auch mit Menschen im Austausch zu stehen, die ich schätzen gelert habe, obwohl oder auch gerade weil sie in vielem sehr andere Meinungen vertreten.

Das gilt insbesondere für die Sozialismusfrage, bzw. die Frage, was es bedeutet, dass diese in der Regel allerhöchstens noch als untot zwischen den Zeilen geistert. .

Ein Problem (außer die Schwierigkeiten eines efrnünftigen Zeitmanagements) scheint zu sein, dass die Dinge, die einem dort ab und zu durch die Tasten gehen, nur sehr temoprär aufflackern und dann für die weitere Aufarbeitung nicht mehr zur Verfügung stehen.

So hier:

Es bedarft dringend einer öffentlichen Debatte darüber, was Sozialismus bzw. Ökosozialismus sein, und welche aktuelle Brisanz das, was darunter jeweils verstanden wird, haben oder nicht haben soll.

Ich verstehe unter Sozialismus bzw. Ökosozialismus angelehnt an Marx Verständnis im Wesentlicheneine Perionde des Übergangs von kapitalistisch zu öko-kommunistisch bestimmten Interaktionsbedingungen und dem damit einhergehenden Stoffaustausch mit der Natur.

Es kann dabei nicht um das Durchsetzen einer ausgedachten (also nur in der Fantasie existierenden) Alternative gehen, sondern nur um die Stärkung und zunehmend systematischer und zielbewusster betriebene Weiterentwicklung bestehender Entwicklungspotenziale, die in diese Richtung weisen bzw. weiterentwickelbar erscheinen. Die sind in sehr unterschiedlicher Weise im aktuellen gesellschaftlichen bzw. politischen Geschehen zu beobachten. Dazu gehören Konzepte, wie die eines Stoffaustausches von der Wiege bis zur Wiege, die UN Nachhaltigkeitsziele, Ideen der Gemeinschaftsökonomie, die Postwachstumsdebatten, die Commons-Bewegung, das Übereinkommen von Paris, Fridays for Future, die Bewegung für einen Green New Deal und auch, was sich innerhalb der Welt des Kapitals tut.

Bedeutet das Verzicht?

Schaffen wir tatsächlich, ein weltgemeinschaftlich bestimmtes Ressourcen bzw. Nachhaltigkeitsmanagement zur Grundlage des Weltwirtschaftens zu machen, das einen fairen Interessensausgleich schafft, kann die Welt vermutlich auf über 90 Prozent der Militärausgaben verzichten.

Worauf wir auf keinen Fall verzichten sollten? Ich würde sagen, Menschenrechte zur Geltung zu bringen an erster Stelle. Und es muss darber geredet werden, wie eine solche Transformation bewerkstelligt werden kann, ohne dass sie in einen Weltbürgerkrieg endet. – auch etwas, auf das wir gern verzichten können.


Der nächste Genozid

3. Dezember 2019

2015, noch über ein Jahr vor der Präsidentschaft des großen Trumputins war eine Op Ed (Opinion Edition) in der der New York Times von Timothy Snyder erschienen, in der Syder vor der Gefahr warnt, dass in der Zukunft eine „ökologische Panik“ eine neuen Ära des staatlich organisierten Massenmordens auslösen könnte.

Ich finde den Beitrag außerordentlich lesens- weil bedenkenswert. Habe mir erlaubt, den Text nach bestem Wisssen und Gewissen ins Deutsche übertragen.

Timoth Snyder is a professor of history at Yale University and the author of “Black Earth: The Holocaust Follow The New York Times Opinion section on Facebook and Twitter, and sign up for the Opinion Today newsletter.

Der nächste Genozid

Von Timothy Snyder (ins Deutsche übersetzt von hhh)

  • Sept. 12, 2015
  • New Haven — Bevor er den Schuss abfeuerte, hob der Einsatzgruppenleiter das jüdische Kind in die Luft und sagte: „Du musst sterben, damit wir leben können.” Als das Töten weiterging, rationalisierten andere Deutsche die Ermordung jüdischer Kinder in der selben Weise: die oder wir.

Wir stellen uns die Nazi-Endlösung heute als eine Art dunkler Höhepunkt des technologischen Zeitalters vor. Tatsächlich geschah das Töten in einem engen Zusammenhang mit einem Krieg um Ressourcen. Der Krieg, der entscheidend war, für das Ausmaß des deutschens Zugriff auf Juden, wurde geführt, weil Hitler glaubte, dass Deutschland mehr Land und Nahrung braucht um zu überleben und um seinen Lebensstandard zu erhalten — und dass Juden und deren Ideen eine Bedrohung für Deutschlands Expasionspläne darstellen.

Der Holocaust mag uns als ein ferner Schrecken der Vergangenheit erscheinen, dessen Lektion wir längst gelernt haben. Aber die traurige Wahrheit ist, dass auch in unserer Ära Ängste gibt, die das Bedürfnis nach Sündenböcken und Feindbildern schüren. So könnten gegenwärtige Umweltbelastungen Hitlers Hitlers Ideen um neue Varianten ergänzen, insbesondere in Ländern mit verbreiteten Ängsten über die Möglichkeit, auch in Zukunft die Ernährung ihrer wachsenden Bevölkerung oder weiterhin ständige Verbesserungen des Lebensstandards sicher zu stellen.

Das Streben nach deutscher Vorherrschaft verlange nach einer Verleugnung von Wissenschaft. Hitlers Alternative zur Wissenschaft war die Idee vom Lebensraum. Deutschland brauche ein Europäisches Reich weil nicht eine Verbesserung der Landbearbeitungstechnik sondern nur die Eroberung von neuem Lebensraum im Osten die Hoffnung böte, das Deutsche Volk zu ernähren. In seinem „zweitem Buch“, das er 1928 verfasst hatte, aber das erst nach seinem Tod veröffentlicht wurde, beharrte Hitler darauf, dass der Hunger schließlich alle Verbesserungen des Anbaus überflügeln würde und „die wissenschaftlichen Methoden des Landmanagements“ bereits gescheitert seien. Er behauptete, dass keine der damit erreichbaren Verbesserungen es möglich machen könne, dass sich die Deutschen von ihrem eigenen Territorium ernähren. Insbesondere leugnete Hiltler – fälschlicherweise – , dass Bewässerung, Hybridsorten und Kunstdünger die Beziehungen zwischen Mensch und dem nutzbaren Boden verändern könnten.

Durch Wissenschaft Frieden und menschlichem Reichtum zu erlangen, behauptete Hitler in „Mein Kampf“, sei ein Ablenkungsmanöver der Juden, um die Deutschen davon abzuhalten, die Notwendigkeit des Krieges zu erkennen. „Es ist immer der Jude“, argumentierte Hitler, der danach trachtet und auch Erfolg damit hat, ein solch tödliches Denken zu säen.

So exotisch es klingen mag, aber das Konzept des Lebensraums ist weniger von unserer eigenen Art des Denkens entfernt, als wir es vielleicht wahrhaben wollen. Während des 1. Weltkrieges erlitt das von Importen landwirtschaftlicher Güter abhängige Deutschland eine Blockade und sah sich mit wirklichen Problemen hinsichtlich der Ernährungssicherheit konfrontiert. Hitler transformierte die daraus entstandenen Ängste in seine Vision der Eroberung totaler Ernährungssicherheit. „Lebensraum“ verbindet den Vernichtungskrieg mit der Frage nach Wegen zur Verbesserung des Lebensstils. Der oberste Nazi-Propagandist Joseph Goebbels konnte daher das Ziel des Vernichtungskrieges als „ein großes Frühstück, ein großes Mittagsmal und ein großes Abendessen“ definieren. Er verschmelzt damit Lebensstil mit Leben. Um deutschen Lebensraum zu expandieren, beabsichtigte Hitler, die Ukraine der Sowjetunion zu entreißen, 30 Millionen Osteuropäer hungern zu lassen und die Nahrung nach Deutschland zu transportieren. Als Deutschland 1941 die Sowjetunion 1941 eroberte, hatte die Operation zwei Ziele: die Kontrolle über die fruchtbaren Böden der Ukraine und die Zerstörung des jüdischen Lebens in dem Gebiet. Es war diese Invasion, die wehrlose jüdische Kinder der Gnade der mordenden Einsatzgruppen preisgab.

Der Klimawandel droht eine neue ökologische Panik zu provozieren. Bis jetzt haben die ärmeren Menschen in Afrika und im Mittleren Osten die Hautlast dieser Entwicklung zu erleiden. Der Massenmord an mindestens 500.000 Rwanderer im Jahr 1994 folgte einem mehrjährigen Rückgang der agrarischen Produktion. Hutus ermordeten Tutsis nicht nur als ethnischem Hass, sondern auch, um ihnen ihr Land zu nehmen, wie vele der am Genozid bBeteiligten später zugaben.

Im Sudan hatte 2003 eine Dürre Araber dazu getrieben, in das Land der afrikanischen Viehhalter einzudringen. Die Regierung des Sudans schlug sich auf die Seite der Araber und verfolgten eine Politik der Vertreibung der Zaghawa, Masalit and Fur Völker aus Dafur und dessen Umgebung.

Auch hat der Klimawandel Unsicherheiten im Hinblick auf die Ernährungssicherheit zurück in das Zentrum der Politik von Großmächten gebracht. Das heutige China ist wie Deutschland vor dem Krieg eine Industriemacht, die außerstande ist, die Ernährung seiner Bevölkerung mit Feldfrüchten aus dem eigenen Territorium sicher zu stellen und ist deshalb von den unberechenbaren Launen internationaler Märkten abhängig.

Das könnte die Bevölkerung Chinas anfällig machen für ein Revival der Idee vom Lebensraum. Die Regierung Chinas muss eine Balance finden zwischen seiner noch recht nahen Geschichte des Hungers seiner Bevölkerung und des gegenwärtigen Versprechens auf ewig wachsender Prosperität – während sie mit zunehmend ungünstigen Umweltbedingungen konfrontiert ist. Die Gefahr ist nicht, dass die Chinesen in naher Zukunft tatsächlich verhungern könnten, so wie es das während der 1930er Jahre auch nicht den Deutschen gedroht hätte. Das Risiko besteht darin, dass ein entwickeltes Industrieland mit einer gewissen militärischen Stärke, wie einst Hitlerdeutschland in eine ökologische Panik geraten und drastische Schritte zur Verteidigung seines gewohnten Lebensstandards ergreifen könnte.

Wie könnte sich ein solches Szenario entfalten? China hat bereits ein Zehntel der landwirtschaftlichen Nutzfläche der Ukraine gepachtet und kauft Nahrungsmittel auf, wann immer Lieferengpässe erwartet werden können. Chinesische Panikkäufe während der Dürre von 2010 verhalfen dem Mittleren Osten zu Brotaufständen. Chinas Führung betrachtet Afrika bereits als eine Langzeitressource für Nahrung. Obwohl noch viele Afrikaner selbst hungern, ist es fruchtbar. Es enthält zirka die Hälfte der weltweiten Reserven an nutzbarer aber nicht genutzter Agrarfläche. Wie China sind auch die Vereinten Arabischen Emirate und Südorea an fruchtbare Regionen im Sudan interessiert – und auch Japan, Katar und Saudi Arabien haben sich der Riege der Interessenten für den Kauf oder die Pacht von Land quer durch Afrika angeschlossen.

Nationen, die Land brauchen würden wahrscheinlich mit taktvollen Verhandlungen über das zu pachtende oder zu kaufende Land beginnen; aber unter der Bedingung von akutem Versorgungsstress könnten solche Agrarexportzonen zu Kolonien werden, die gewaltsam verteidigt würden.

Hitler verbreitete ökologische Panik indem er behauptete, dass nur Land Deutschland Sicherheit bringen würde und indem er der Wissenschaft entgegentrat, die Alternativen zum Krieg versprach. Durch Verschmutzung der Erdatmosphäre mit Treibhausgasen haben die USA mehr als jede andere Nation für die Entstehung einer uns womöglich bevorstehenden ökologischen Panik beigetragen, und sie ist jetzt das einzige Land, in der der Klimawissenschaft immer noch Widerstand von Seiten bestimmter politischer und wirtschaftlicher Führungskräfte ausgesetzt ist. Diese Leugner neigen dazu, die empirischen Befunde der Wissenschaft als eine Verschwörung dazustellen und die Gültigkeit von Wissenschaft generell in Frage zu stellen – eine intellektuelle Haltung die der Haltung Hitlers unangenehm nahe kommt.

Die vollen Konsequenzen des Klimawandels mögen Amerika erst Jahrzehnte nachdem die Erwärmung bereits in anderen Regionen Verwüstungen angerichtet hat, erreichen. Und dann könnte es zu spät sein, um mit Wissenschaft und Technologie das Ruder noch herum zu reißen. Bis dahin wird in den Vereinigten Staaten der Weg zur Demagogie ökologischer Panik geebnet sein, während die Amerikaner noch Jahre damit zubringen können, rund um die Welt ökologische Desaster zu verbreiten.

Im schroffen Gegensatz dazu nimmt die Europäische Union die globale Erwärmung sehr ernst, aber ihre Existenz ist bedroht. In Afrika und dem Mittleren Osten schreitet die Erwärmung unterdessen voran und wüten Kriege. Menschen verlassen die Region als Kriegsflüchtlinge oder aus wirtschaftlichen Gründen und nehmen als Flüchtlinge lebensgefährliche Reisen auf sich um nach Europa zu gelangen. Als Reaktion darauf verlangen Europäische Populisten eine strikte Verteidigung der nationalen Grenzen und ein Ende der Union. Viele dieser populistischen Parteien unterstützen Russland, das offen eine Spaltungs- und Eroberungspolitik mit dem Ziel der Desintegration Europas verfolgt.

Die russische Intervention in der Ukraine im Jahr 2014 hat bereits die Friedensordnung erschüttert, die die Europäer längst begannen als garantiert zu betrachten. Der Kreml, der wirtschaftlich von Erdgaslieferungen nach Europa abhängig ist, ist nun auf der Suche nach Möglichkeiten, Gasgeschäfte nach und nach mit einzelnen europäischen Staaten abzuschließen um auf diese Weise die europäische Einheit aufzuweichen und seinen eigenen Einfluss auszuweiten. Inzwischen wachst Präsident Putin die Kufen für eine nostalgische Schlittenfahrt in die 1930er Jahre während russische Nationalisten Homosexuelle, Kosmopoliten und Juden beschuldigen, eine Anti-Kriegsstimmung zu verbreiten. Beides verheißt nichts Gutes für die Zukunft der Europäische Union – oder Russlands.

Eine Ära des Massenmords würde sich nicht mit einer Sprache ankündigen, die uns vertraut ist. Das Nazi-Szenario von 1941 wird nicht in der exakt gleichen Form auferstehen, aber einig ihrer wesentlichen Elemente haben sich bereits herausgeschält. Es ist nicht schwer sich den ethnischen Massenmord in Afrika vorzustellen, wo er bereits stattfand, oder den Triumph eines gewalttätigen Totalitarismus in den austrocknenden Regionen des Mittleren Ostens durch eine Abart des Islamismus, oder Chinas Kampf um Ressourcen in Afrika oder in Russland oder Osteuropa, der die Vertreibung der die dort bereits lebenden Bevölkerung einschließt, oder eine weltweite ökologische Panik nachdem Amerika sich von der Klimawissenschaft lossagt und die Europäische Union auseinander bricht.

Heute stehen wird der gleichen grundlegenden Wahl zwischen Wissenschaft und Ideologie, der einst Deutschland gegenüberstand. Werden wir die empirischen Beweise akzeptieren und neue Technologie n der Energiegewinnung unterstützen, oder lassen wir es zu, dass Wellen ökologischer Panik durch die Welt schwappen?

Wissenschaft abzulehnen ruft die Geister der Vergangenheit die unsere Zukunft gefährden.


Wieder ein Lichtblick: Fridays for Future

13. März 2019

Meine Einträge hier sind in der letzten Zeit etwas seltener geworden. Das ist aber nur vorrübergehend so. Arbeite etwas intensiver am Publikationaprojekt „Wir müssen das Anthopozän gestalten – Möglichkeiten der Erdung einer vielleicht rettenden Utopie“ (Arbeitstitel).

Aber meine Begeisterung über die Schülerstreiks unter dem Titel Fridays for Future und nun den Aufruf Sience for Future soll der Welt nicht verborgen bleiben.

Hier ersteinmal die Pressekonferenz der  Scientists for Future.

GT Rede auf der COP 24 in Katowice

WELT-DOKUMENT: „Fridays for Future“-Aktivisten Greta Thunberg spicht bei EU-Konress

 

Benni Bärmann auf Keimform

Der globale Streik als globales Commoning