Kohei Saito: Marx Ökologie in seiner unvollendeten Kritik des Kapitalismus

10. November 2017

Manchmal findet man den Wald vor lauter Bäumen nicht. Mit dem Buch von Kohei Saito ging es mir umgekehrt. In der Monthly Review hatte ich schon einen Beitrag von Kohei Saito über „Marx ökologische Notizbücher“ gelesen und  so erfahren dass er an einer Veröffentlichung arbeitete. Ausgesprochen vielversprechend! Marx hatte sich nach der Veröffentlichung des ersten Kapital Bandes zunehmend mit naturwissenschaftlichen und eben auch mit ökologischen Problemen auseinandergesetzt.  Als ich Saitos Buch  neulich annonciert sah in der MR (Marx Ecosocialism) war die Freude groß, ich  entschied mich umgehen, es zu bestellen und fragte mich, wann wohl eine deutsche Ausgabe erscheinen wird.

Ha, während der neulich von der Rosa Luxemburg Stiftung  ausgerichteten „Marx-Herbstschule“ erfuhr ich nun, dass es natürich zuerst auf deutsch erschienen war und das bereits vor über einem Jahr! Du meine Güte. Habe mich wohl etwas sehr abgekapselt. Irgend etwas muss ich unbedingt ändern.

Ok, so habe ich also bald – hoffentlich – beide Ausgaben auf dem Schreibtisch und damit  gleichzeitig ein tolles Mittel, mit dem Englischen voran zu kommen.  Nur sind beide Ausgaben bereits vergriffen!

Wie schön ist da meine heutige Entdeckung, dass Academica das Werk zum kostenlosen Download anbietet. Juhuuu.

Zu früh gefreut… Es ist nur ein Apetizer, nach 22 Seiten ist Schluss.

Nun heißt es weiter, abzuwarten.

Wieder Jubel: Die deutsche Fassung ist nun angekommen! Ich freue mich.

1-021bcf02da[1]

Eine erste Anmerkung:

Wie das 1. Kapitel dieser Arbeit zeigen wird, behandelt Marx schon 1844 die Beziehung zwischen Mensch und Natur als zentrales Thema seiner Entfremdungstheorie. Er findet in der radikalen Auflösung der ursprünglichen Einheit zwischen Mensch und Natur die Entstehung des modernen entfremdeten Lebens und setzt dem die emanzipatorische Idee der Wiedervereinigung von Mensch und Natur als »Humanismus = Naturalismus« entgegen.

S. 14

Die Idee einer (öko-kommunistischen) WIEDERvereinigung  von Mensch und Natur gilt nicht wenigen Marx- bzw. Marxismuskritikern als idealisierende Setzung eines ursprünglich gegebenen Idealzustandes, und die Aussicht auf  die Wiederherstellung dieses Ideals als geschichtsphilosophisches Heilsversprechen. Das gilt es m.E. aber zu hinterfragen. (Und es ist auf den ersten Blick zu sehen, dass das Buch von Saito dafür auch eine große Menge wertvoller Anhaltspunkte enthalten dürfte).

Tatsächlich nahm Marx ausdrücklich Abschied von einem IDEALISTISCHEN Verständnis von Dialektik nach dem sich die gesellschaftlichen Widersprüche in Begriffen zeigen, die Ideale repräsentieren und es darauf ankäme, die Illusion ihrer Widersruchsfreiheit mittels Reflektion immer neuer Faccetten der sie – mehr oder minder – zum Ausdruck bringenden Wirklichkeit in immer neuen Analyseschritten zu negieren um die so enthüllten Widersprüche am Ende auf einer nun realistischen Basis aufzuheben. Aus der ursprünglich Illusion von Widerspruchsfreiheit (Reinheit und Wirklichkeitstreue der Idee) würde so schließlich eine vom Widerspruch tatsächlich befreite Identität von Idee und Wirklichkeit (wobei wohl darüber gestritten wird, ob mit einer neuer Wirklichkeit. oder, wie Marx behauptet, nur einer neuen Interpretations von Wirklichkeit). Der am Ende nicht mehr vom falschen Leben beschmutzte Begriff  einer Wirklichkeit kehre dann, so die Vorstellung der idealistischen Dialektik,  „zu sich selbst“, d.h.  zu wirklicher Widerspruchsfreiheit „zurück“. Als Forderung an die gesellschaftliche Praxis (Tätigkeit zur Veränderung der gesellschaftlichen Wirklichkeit) ergäbe sich daraus, die Diskrepanz zwischen Ideal und Wirklichkeit aufzuheben.

Marx Kritik an dem Konzept war, dass nicht Begriffe Wirklichkeit sondern umgekehrt die Wirklichkeit deren Wahrnehmung bzw. Deutung hervorbringen. Aufklärung über Erscheinungen eines falschen Lebens, die bestimmten Begriffen (wie etwa Gott)  bzw. Idealen (z.B. Gottesfürchtigkeit) oder Vorstellungen (etwa:  Gott und Frömmigkeit werden uns retten) eigen sind, können nicht einfach mittels Aufklärung durch realistischere, die eigenen Interessen vielleicht besser zum Ausdruck bringende Begriffe, Ideale oder Vorstellungen über deren Mächtigkeit ersetzt werden.

Für den post-philosophischen Marx entstehen, halten oder ändern sich Begriffe wie etwa auch Humanismus oder Naturalismus (das gilt selbstverständlich auch für Kommunismus oder Sozialismus) niemals frei vom „falschen Leben“ und es könne deshalb nicht darum gehen, etwa eine verloren geglaubte „Totalität“ wiederherzustellen,  wie sie „eigentlich“ im Begriff bzw. der damit ausgedrückten Idee,  etwa der von  der Einheit von Humanismus und Naturalismus (der Behauptung Humanismus = Naturalismus) stecke. Das bedeutet nun aber wiederum nicht, dass dem „reifen Marx“ zufolge diesen Begriffen lediglich eine gewisse praktische Bedeutung als Orientierung verleihende Ideale zukommen dürfen, aber in einer WISSENSCHAFTLICHEN Reflexion bzw. einer THEORIE der möglichen (notwendigen und wünschenswerten)  Ablösung der kapitalistischen Interaktionsbedingungen durch eine sozialistische Ära des Übergangs zu (öko-) kommunistisch bestimmten  Interaktionsbedingungen nichts zu suchen hätten, wie Althusser in den 1960er Jahren in seinem Band „Für Marx“ behauptete.

Es wäre vielmehr zu fragen, welche Wirklichkeit mit der Behauptung einer „urspünglichen Identität von Humanismus und Humanismus“ bzw. einer „ursprünglichen Harmonie zwischen Mensch und Natur“ gemeint sein könnte und was es damit TATSÄCHICH auf sich haben könnte, d.h. jenseits romantischer Projektionen.  In Betracht zu ziehen wären beispielsweise die von Marx als „urkommunistsch“ oder „regionalen Kommunismus“ bezeichneten Mensch-Natur-Verhältnisse „prähistorischer“ Gesellschaften, die an ihr sehr begrenztes Territorium gekettet und also existenziell (einschließlich des Blickes auf die Kinder und Enkel) auf eine nachhaltige Bewirtschaftung und Entwicklung ihrer Naturumwelt (Naturmitwelt) angewiesen waren.  Nicht zuletzt die von Hans-Peter Harstick herausgegebenen „Ethnologischen Exzerpthefte“, auf die Saito verweist, zeigen, dass Marx die Frage keineswegs als kommunistischer Romantiker angegangen war, wie es vielfach unterstellt wird, sondern das ihn auch diesbezüglich lebenslang die wissenschaftlicher Neugierde angetrieben hatte. Der Text des späten Engels über den Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen“ (mit dem Marx konform ging) zeigte, dass auch die Frage des „Gattungswesens“ bein der beiden keineswegs bei einem kruden Essentialismus stehen geblieben war.

Man mag Marx Erwartung einer weltkommunistischen „Negation“ der mit der historischen Negation der „urkommunistischen“ Fesselung gemeinschaftlich organisierten  Stoffwechsels miteinender und mit der Naturumwelt an eine von Generation zu Generation vererbten Gemeindelokalität in die Welt gekommenen „Entfremdung“ voneinender, von den Naturbedingungen und dem „menschlichen Gattungswesen“ für eine fixe Idee halten, die den prinzipiell stets offenen Geschichtsverlauf in ein Dialektikschema (Negation, Negation der Negation bzw. deren Aufhebung auf einer neuen Stufenleiter) presst. Und tatsächlich zeigt nicht zuletzt die Geschichte des so genannten „real existierenden Sozialismus“, dass solch ein ideologischer Schematismus tatsächlich angewandt und Marx Erwartung (man müsste heute „seine Hypothese sagen) vielfach als fester Wille eines allmächtigen Geschichtsgeistes interpretiert wurde, als dessen Jünger sich zu küren berechtigt, einen „kommunistischen Gottesstaat“ zu materialisieren. Dennoch, oder vielmehr gerade deshalb erscheit es mir wesentlich sinnvoller, systematisch und nachvollziehbar Beweggründe und Anhaltspunkte eines solchen Geschichtsdialektik und was ihr entgegen steht bzw. entgegenstehen könnte zusammen zu tragen und zu erörtern.

Werde diesen Gedankenstrang an anderer Stelle weiter ausführen, Wichtig ist in diesem Zusammenhang etwa die Frage der spezifisch menschlichen Natur als „Einheit von Humanismus = Naturalismus“ zu behandeln, was auch von nicht wenigen Marxisten vielfach als längst überholter Essentialismus  abgetann wird. Dabei lässt sich m.E. plausibel zeigen, dass die Weiterentwicklung der der menschichen Natur gegebenen Fähigkeit zur zielgerichteten Her- und Bereitstellung eines als Nutzen bzw. Gewinns erfahrbaren Mittels der Bedürfnisbefredigung (einschließlich der Fähigkeit, aus den Fehlern vergangeger Versuche zu lernen)  notwendig die (öko-komunistische) Aufhebung von Entfremdung (dem Zwang zur Erfüllung fremder Zwecke) erfordert und dies etwa heißt, dass die kapitalistisch vereinzelten Einzelnen sich zum Zwecke ihrer Ent-Entfremdung als sich freiwillig und entsprechend der individuellen Fähigkeiten und Bedprfniisse als eine vereinigte Menschheit formieren, mit dere Hilfe sie sich in die Lage versetzen, den globalen Stoffaustausch gemeinschaftlich zu verantworten und damit zu errechen, dass ihnen nicht länger die eigenen Produktionsbedingungen als eine Naturgewalt gegenübersteht, diie sie nicht beherrschen können. Eben das wäre die Voraussetzung einer Entideologiisierung des Verständnisses von Naturbedürfnissen und -fähigkeiten und fortgesetzter Menschwerdung.

Aber nun mache ich mich endlich ans Lesen: Kohei Saito: Natur gegen Kapital – Marx in seiner unvollendeten Kritik des Kapitalismus., erschienen im Campusverlag Frakfort / New York

 


Zu Roman Rosdolskys „Der Gebrauchswert bei Karl Marx“ (2/2)

7. November 2017

Zweiter Teil meines lauten Nachdenkens über den im Streifzüge Magazin dankenswerterweise veröffentlichten Beitrag von Roman Rosdolsky.

Streifzüge70/2017 hatte im Rahmen des Heftschwerpunktes zum möglichen Gebrauchswert des Gebrauchswertes für eine Theorie der Befreiung den Beitrag der Gebrauchswert bei Karl Marx von Roman Rosdolsky wiedergegeben.  Der historische Beitrag mit dem Untertitel

Eine Kritik der bisherigen Marx-Interpretation

war 1959 in KYKLOS erschienen. Internationale Zeitschrift für Sozialwissenschaften, Vol. XII 1959, Basel, S. 27-56 (redaktionell gekürzte Fassung)

 

In seiner „Gleichgültigkeit gegen die ökonomische Formbestimmung“ liegt der Gebrauchswert „jenseits des Betrachtungskreises der politischen Ökonomie. In ihren Kreis fällt nur, wo er selbst Formbestimmung.“

Mit anderen Worten: ob dem Gebrauchswert eine ökonomische Bedeutung zukomme, oder nicht, lässt sich nur nach seiner Beziehung zu den sozialen Produktionsverhältnissen beurteilen. Sofern er diese Verhältnisse beeinflusst oder selbst von ihnen beeinflusst wird, ist er gewiss eine ökonomische Kategorie. Sonst aber – in seiner bloß „natürlichen“ Eigenschaft – fällt er aus dem Bereich der Nationalökonomie heraus.

Oder, wie es weiter im Text der Grundrisse heißt:

„Die politische Ökonomie hat es mit den spezifischen gesellschaftlichen Formen des Reichtums oder vielmehr der Produktion des Reichtums zu tun. Der Stoff derselben, sei es subjektiv, wie Arbeit, oder objektiv, wie Gegenstände für die Befriedigung natürlicher oder geschichtlicher Bedürfnisse, erscheint zunächst allen Produktionsepochen gemeinsam. Dieser Stoff erscheint daher zunächst als bloße Voraussetzung, die ganz außerhalb der Betrachtung der politischen Ökonomie liegt, und erst dann in die Sphäre der Betrachtung fällt, wenn er modifiziert wird durch die Formverhältnisse oder als sie modifizierend erscheint.

(MEW 42, S. 741; vgl. auch die Parallelstelle, MEW 42, S. 767)

Alles richtig. Bin jetzt wirklich gespannt, wie es weiter geht.

Den Rest des Beitrags lesen »


Zu Roman Rosdolskys „Der Gebrauchswert bei Karl Marx“ (1/2)

28. Oktober 2017

Streifzüge70/2017 hatte im Rahmen des Heftschwerpunktes zum möglichen Gebrauchswert des Gebrauchswertes für eine Theorie der Befreiung den Beitrag der Gebrauchswert bei Karl Marx von Roman Rosdolsky wiedergegeben.  Der historische Beitrag mit dem Untertitel

Eine Kritik der bisherigen Marx-Interpretation

war 1959 in KYKLOS erschienen. Internationale Zeitschrift für Sozialwissenschaften, Vol. XII 1959, Basel, S. 27-56 (redaktionell gekürzte Fassung)

Den Rest des Beitrags lesen »


Über den sehr unterschiedlichen Gebrauchswert des Gebrauchswerts und der Gebrauchswerte (3/3)

25. September 2017

Teil I | Teil II

Teil III meiner Auseinandersetzung mit  dem Beitrag Franz Schandls Beitrag (das unschuldige Ding) zum Schwerpunkt des „wertkritischen“ Magazin Streifzüge  70/2017 zur möglichen Bedeutung des  Gebrauchswerts für eine Theorie der Befreiung. 

Sich die Gebrauchswertseite der gegenwärtigen Vergesellschaftsbedingungen genauer anzuschauen und daraufhin den Gebrauchswert diesbezüglicher Reflexionen von Marx  für die Konstruktion vernünftiger Wegweiser aus dem kapitalistischen Chaos kritisch zu betrachten, ist ein Verdienst des Streifzüge Schwerpunktes. Bisher bleibt es mir allerdings ein Rätsel, worauf das Ganze hinauslaufen soll. Ich vermute Probleme mit zwei Dogmen, die in weiten Teilen einer sich „marxistisch“ verstehenden Weltanschaung eine Rolle spielen,  nämlich, dass 1.) im Kapitalismus Bedürfnisse (nach Verfügung über Gebrauchswerte) keine Rolle spielen und 2.) dass es darauf ankäme, die Bedürfnisse zur Macht zu verhelfen.

Wie in den Teilen I/III und  II/III gehe ich abschnittsweise vor Den Rest des Beitrags lesen »


Über den sehr unterschiedlichen Gebrauchswert des Gebrauchswerts und der Gebrauchswerte (2/3)

14. September 2017

Teil III

Im ersten Teil meiner Auseinandersetzung mit Franz Schandels Beitrag zum Streifzüge-Schwerkunft „Gebrauchswerte“ das unschuldige Ding entdeckten wir unter anderem Schandls Verwechsung von Kategorie und Wirklichkeit, und sahen Anzeichen einer Moralisierung von Begriffen der Wahrnehmung wie es auch im Folgenden recht klar zum Ausdruck kommt.

Den Rest des Beitrags lesen »


Über den sehr unterschiedlichen Gebrauchswert des Gebrauchswerts und der Gebrauchswerte (1/2)

11. September 2017

Zu Teil 2 geht es HIER

Schwerpunkt des „wertkritischen“ Magazin Streifzüge  70/2017 ist die mögliche Bedeutung des  Gebrauchswerts für eine Theorie der Befreiung. 

Macht neugierig.  Schauen wir mal:

Den Rest des Beitrags lesen »


Ordnung, Freiheit, Kommunismus! (1/2)

8. August 2017

Von der (Un-) Ordnung kapitalistischer Freiheiten zur Freiheitsordnung eines (öko-) humanistisch bestimmten Kommunismus zu gelangen, verlangt die Freiheit, einen geordneten Übergang zu denken und mit Bedacht anzugehen.

Der Transformationsexperte Michael Brie hatte einen Abend der gegenwärtigen Veranstaltungsreihe der Your Fixe Initiative gestaltet. Die Reihe ist verschiedenen Facetten des „Antikommunismus“ gewidmet. (Siehe meine Reflexionen über Anti-Anti-Kommunismus?). Fragen des Brie-Abends waren, inwieweit der als Vater des Konservativismus gesehene Edmund Burke,  als Ideengeber des gegenwärtigen Rechtspopulismus fungiert (Stephen Bannon soll ein eifriger Burke Leser sein), und was Linke bzw. Soziaist*innen von Burkes Gedanken über Ordnung und Freiheit lernen könnten.

Im Ankündigungstext heißt es::

Burkes Schrift will das Konzept einer Ordnung großer bürgerlicher und politischer Ungleichheit mit der Idee der Freiheit versöhnen. Bis heute muss sich die Linke an den von Burke gestellten Herausforderungen messen lassen, oder sie wird wieder für zu leicht befunden werden.

Die vom Referenten hervorgehobene Punkte waren Burkes Erschrecken über die in der Französischen Revolution erlebte „Frechheit“ des Volkes, sich der als  gottgegeben  vorgestellten Ordnung zu widersetzten, einfach die Nationalgarde zu überrennen, das Königspaar Marie Antoinette  und Ludwig den VI  nach Paris zu beordern usw. usf. und die für den modernen Konservativismus paradigmatischen Schlüsse, die er aus dem Ereignissen zog.  Für Burke führten die mit der französischen Revolution proklamierte Einheit von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit zur ochlokratischen Ordnung (Herrschaft des Pöbels), die, gelänge es nicht, ihr erfolgreich entgegen zu treten, die Grundfeste aller natürlichen Ordnung zerstören würde, nämlich das Eigentum. Ordnung und Recht müssten deshalb stets vor Freiheit der Masse gehen bzw. müsse Freiheit stets von einer Ordnung eingehegt werden, die keine egalitäre Ordnung sein kann, sondern nur eine, in der eine dazu qualifizierte Elite aus Eigentümer und  Angehörige einer Bildungselite das Sagen habe.

Was die Linken bzw. Sozialist*innen von Burkes lernen könnten, bzw. worin genau die von ihnen zu bestehende „Herausforderung“ bestünde, wurde nicht wirklich klar. Brie wies darauf hin, dass „Freiheit“ ein von der sozialistischen Linken bisher vernachlässigtes Ideal gewesen sei. Dem widersprachen andere mit dem Hinweis, dass „Freiheit“ für die sich nach Ende der 1960er Jahre im Westen  formierende neue Linke im Gegenteil die alles bestimmende Leitidee war bzw. noch ist. Der  Referent gestand dies ein und ergänzte, dass der Anarchismus schließlich auch Teil der sozialistischen Linken sei.

Mein Problem: Stehen solcherart unbestimmte „Freiheit“ gegen eine ebenso unbestimmte „Ordnung“ (bzw. ebenso unbestimmte Staatlichkeit), verlieren sich Fragen nach Voraussetzungen, Charakter und Formen eines erfolgreichen Übergangs zu einer (öko-) kommunistisch bestimmten Ordnung des globalen Produktionsgeschehens (und welche Freiheiten oder Notwendigkeit das unter welchen Umständen für wen bedeuteten bzw. möglich machen soll).

Den Rest des Beitrags lesen »