Über den sehr unterschiedlichen Gebrauchswert des Gebrauchswerts und der Gebrauchswerte (3/3)

25. September 2017

Teil I | Teil II

Teil III meiner Auseinandersetzung mit  dem Beitrag Franz Schandls Beitrag (das unschuldige Ding) zum Schwerpunkt des „wertkritischen“ Magazin Streifzüge  70/2017 zur möglichen Bedeutung des  Gebrauchswerts für eine Theorie der Befreiung. 

Sich die Gebrauchswertseite der gegenwärtigen Vergesellschaftsbedingungen genauer anzuschauen und daraufhin den Gebrauchswert diesbezüglicher Reflexionen von Marx  für die Konstruktion vernünftiger Wegweiser aus dem kapitalistischen Chaos kritisch zu betrachten, ist ein Verdienst des Streifzüge Schwerpunktes. Bisher bleibt es mir allerdings ein Rätsel, worauf das Ganze hinauslaufen soll. Ich vermute Probleme mit zwei Dogmen, die in weiten Teilen einer sich „marxistisch“ verstehenden Weltanschaung eine Rolle spielen,  nämlich, dass 1.) im Kapitalismus Bedürfnisse (nach Verfügung über Gebrauchswerte) keine Rolle spielen und 2.) dass es darauf ankäme, die Bedürfnisse zur Macht zu verhelfen.

Wie in den Teilen I/III und  II/III gehe ich abschnittsweise vor Den Rest des Beitrags lesen »


Anti-Anti-Kommunismus?

9. Februar 2017

Leider hatte ich den Vortrag von Michael Koltan über „Liberalismus als antikommunistische Ideologie“ mit dem die „Jour Fixe Initiative“ ihren Zyklus zum Themenkomplex „Anti! Kommunismus“ begann, verpasst und die Wahrnehmung des zweiten Termins fiel meinem sonntäglichen  Erholungsbedürfnisses zum Opfer. Das Thema ist mir wichtig, und den Veranstaltern ist ein differenziertes Herangehen zuzutrauen. Von einer Auseinandersetzung mit den dort vorgetragenen Position verspreche ich mir Fortschritte mit der eigenen Positionsfindung in der Sache. Da die Initiative den Vortrag nicht zum Download bereit hält, halte ich mich erst einmal an den generellen Einladungstext für die Vortragsreihe.

Millionen waren es weltweit, die sich Kommunisten nannten, Militante, Parteimitglieder, Wähler oder Gesinnungsfreunde. Heute sind die meisten von ihnen verstummt und ihre Geschichte ist aus dem Gedächtnis gelöscht. Es gibt keinen Kommunismus mehr, der Antikommunismus aber wütet noch immer und zwar nicht als rationales Konzept sondern als Schimpfwort und nicht als Sache sondern als Aggression. Warum das alles? Ist dieser hohle Antikommunismus nicht vielleicht Angst? Warum hat man Angst? Und wovor?

Aus: Vittorio Foa, Miriam Mafai, Alfredo Reichlin, „Il silenzio dei comunisti“, übersetzt von Eberhard Spreng und Francesca Spinazzi.

Richtet sich das tatsächlich gegen „Antikommunismus“ als Schimpfwort? Oder ist das ein Versehen, und das gemeinte Schimpfwort ist die antikommunistische Schmähung alles „Kommunistischen“? Tatsächlich gäbe es gute Gründe gegen die Verwendung des Begriffs „Antikommunismus“ als Schimpfwort. Es ist tendenziell wissenschaftsfeindlich und allein deshalb nicht sehr kommunistisch. In meinem Verständnis besteht das Kommunistische nicht zuletzt in der Kunst der Wahrnehmung (und gegebenenfalls Herstellung und emanzipationsproduktiven Verarbeitung) gerade versteckter Dispositive der Entwicklung kommunistisch bestimmter Interaktionsbedingungen. Und wer  ernsthaft über deren Notwendigkeit, Möglichkeit und möglichen bzw. notwendigen Gestalt nachdenkt, sollte es nicht wundern, sie auch in bestimmten Formen des Antikommunismus zu entdecken, dass also ein erklärter, d.h. subjektiv als solcher gesehener „Anti-Kommunismus“ eben auch Kommunismuspotenzial enthalten kann.

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Was kann das „trumputinistische“ Projekt einer Entzivilisierung des Kapitalismus stoppen?

11. November 2016

Ein aggressiv nationalchauvinistischer, und familienpolitisch reaktionärer Populismus geht um. Über die „sozialen Medien“ drängt Verachtung alles Mitmenschlichen in den öffentlichen Raum und nährt die Vorstellung, Demokratie sei das Recht einer entfesselten Meute, Repräsentanten und Verteidiger der Demokratie öffentlich den Tod an den Hals zu wünschen. Der sich mit unschuldigem Augenaufschlag als volksnaher Sorgenentsorger ausgebende Rechtspopulismus bietet Anknüpfungspunkte zum Hitlerismus, was aber nicht heißt, dass seine sich gegenwärtige herausbildende Gestalt eines trumputinistisch-republikanischen Mischwesens nicht bedrückend genug ist. Wir erleben derzeit, wie sich eine von Putins feudal-kapitalistischer Lügenrepublik gepuschte Internationale des Anti-Liberalismus anschickt, einmal wieder mit dem Projekt Weltgeschichte zu schreiben, den Kapitalismus von seinem zivilisatorischen Schnickschnack zu befreien.

Spätestens nach der Wahl Donald Trumps zum US Präsidenten muss man der Gefahr ins Auge sehen, dass die weltweite Entzivilisierung des Kapitalismus forciert wird und sehr schnell zu einem Grad voran schreiten könnte, ab dem alles Mitmenschliche, Vernünftige, Demokratische, Rücksichts-, Sorgen-, Liebe- und Lustvolle, kreativ Fantastische, alle wissenschaftliche Neugierde und Experimentierfreudigkeit, das stille Vergnügen an der Erkenntnisgewinnung und über Sachlichkeit garantierenden Regeln in einen sich selbst verstärkenden Sog der Entzivilisierung gerät. Gleich dem wilden Tanz eines stramm aufgeblasenen und urplötzlich sich selbst überlassenen Luftballons könnten dann die zunehmend entfesselten Triebkräfte der privateigentümlichen Vergesellschaftung ein letztes Mal furios über sich hinaus schießen – um am Ende als nutzlose Hülle um ein Nichts ins Bodenlose zu fallen. Die Aussicht auf ein solches Ende der menschlichen Kulturgeschichte ist alles andere als ein Grund zur Vorfreude. Sozialismus, verstanden als Übergang zu einem (welt-) gesellschaftlichen Für- und Voneinander, das auf Basis „öko-kommunistischer“ (Re-) Produktionsbeziehungen funktioniert, braucht die Luft zum Atmen, die gegenwärtig in der Tat nur ein halbwegs zivilisierter Kapitalismus mit leidlich demokratischer Verfasstheit und Menschenrechten garantieren kann. Und der (sozialistische) Übergang ins Zeitalter ökologisch reflektierter Mitmenschlichkeit braucht einen besonders langen Atem.

Was heißt das für mein öffentliches Nachdenken über Notwendigkeit, Möglichkeit, Gestalt und Vernunft einer an Marx/Engels (öko-) kommunistischen Humanismus (bzw. ökohumanistischen Kommunismus) anknüpfenden Transformationsperspektive?

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Zu Axel Honneths Idee des Sozialismus (2)

4. Oktober 2016

Im ersten Teil meiner Auseinandersetzung mit Axel Honneths Bemühung, durch die von ihm vorgeschlagene Neubestimmung der ’sozialistischen Idee‘ „nachzuweisen, dass im Sozialismus durchaus noch ein lebendiger Funken steckt“ (1)  hatte ich dargelegt, warum ich es für keine gute Idee des Philosophen halte, dass er die mögliche Bedeutung der historischen Erfahrungen mit der wenig rühmlichen Realität bisheriger Sozialismusversuche aus seinen Überlegungen ganz ausklammert. Das Gleiche ließe sich zum Fehlen sämtlicher Bezüge zu konkreten gesellschaftlichen Widersprüchen, Ansätzen, Bewegungen der Gegenwart sagen oder zu aktuellen Debatten innerhalb des im weitesten Sinne „marxistischen“ Spektrums. Auf keine der ca. 150 Seiten seiner Ausführungen gibt es auch nur eine Andeutung, dass Ökologie eine Rolle spielen könnte oder sollte.

Der Angesprochene würde vielleicht mit der Forderung kontern, seinem Versuch doch bitte mit hermeneutischem Wohlwollen‘ zu begegnen, sprich, zu akzeptieren, dass sich seine skizzenhaften  Überlegungen auf einem notwendig hohen Abstraktionsniveau bewegen und es darauf ankäme, das in seinen Gedanken steckende Potenzial herauszuarbeiten, es eigenständig weiter zu denken und produktiv zu nutzen.

Also gut: Für Honneth hat die Idee des Sozialismus eine eigene Geschichte, deren moderne Periode damit begann, dass…

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Facing the Anthropocene

3. Oktober 2016

Die Fortsetzung meiner Auseinandersetzung mit Axel Honneths Versuch einer Neubestimmung der „Idee des Sozialismus“ als eine Art Weiterentwicklung von Freiheit, Gleichheit, Geschwisterlichkeit hat mich an einen Punkt geführt, wo mir eine grundsätzliche Reflexion über Freiheit und Gleichheit als Konstruktionsbedingungen kapitalistischer Interaktionszwänge angebracht schien, und daran werde  ich wohl noch etwas laborieren.

Die hier eingetretene Stille ist also nur vorübergehen. Sie soll auch für einen Moment unterbrochen werden durch die Wiedergabe dieses Vortrags von Ian Angus.

Habe den Vortrag  inzwischen  auch life gehört, im Rahmen einer Konferenz über Marx and Nature.

Die Konferenz kann hier nachvollzogen werden.

Day school: Marxism and Nature

Werde mich demnächst hier mit einigen Aspekten auseinandersetzen (deutsch und englisch)

Der Eröffnungsvortrag:


Kapitalismuskritik ohne (ökokommunistische) Transformationsperspektive?

26. November 2015

Ein herrschaftsfreier Diskurs über die Notwendigkeit der Etablierung einer als solche tatsächlich handlungsfähigen Menschheit, die es den Globalisierten dieser Erde möglich machte, ihre Produktivkräfte auf öko-kommunistische Art zu entwickeln und anzuwenden, ist nicht ganz einfach. Schwierig macht das nicht nur das verbreitete Bedürfnis nach der Illusion eines richtigen Lebens im falschen, wie sie dem Antikommunismus zugrunde liegt, oder die bitteren Erfahrungen mit sieben Jahrzehnten realer Existenz einer weithin als  „Kommunismus“ missverstandenen Gespensterstunde.  Auch gängige Varianten des Anti-Kapitalismus machen die Sache nicht einfacher.

Ein häufig vorgebrachtes Antika-Dogma besagt, dass jegliche „positive Philosophie“ korrumpiert und die Reinheit der eigenen Perspektive nur erhalten werden kann, wenn man sich auf Kritik des Kapitalismus beschränkt. Es muss alles verdammt werden, was die Menschen dazu verführen könnte, „mitzumachen“ und sich, weil sie etwas ausrichten möchten, im Kapitalismus einrichten.

Eine solche, an mich gerichtete Kritik habe ich zum Anlass genommen, das mühselige (und wenig erquickliche) Durcharbeiten verschiedener Reflexionen der Kommunismusfrage (wie die drei Bände von „die Idee des Kommunismus“) einmal für eine Zeit zu unterbrechen, und ohne groß nach links oder rechts zu schauen, mein bisheriges Verständnis einer (öko-) kommunistischen Transformationsperspektive zusammenzutragen. Ich gehe im Folgen u.a. der Frage nach, wie an Marx ökohumanistischen Kommunismus  (bzw. ökokommunistischen Humanismus) anknüpfend kommunistische Philosophie möglich ist, die eben keine Ideologie ist im Sinne einer dogmatischen Setzung, die auf Wissenschaft verzichtet, und Analyse des Zusammenspiels von Produktivkräften und Produktionsverhältnissen einbezieht. Die Sache endet mit 13 Thesen zur Notwendigkeit, Möglichkeit und möglichen Gestalt einer ökokommunistischen Transformationsperspektive.

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Zu Christoph Jünkes Reflexionen über die Deutsche Linke und der lange Schatten des Stalinismus

21. Mai 2015
Unter dem Titel VERGANGENHEIT,DIE NICHT VERGEHT – Reflexionen über die Deutsche Linke und der lange Schatten des Stalinismus hat Christoph Jünke einen Text für die von der Rosa Luxemburg Stiftung herausgegebene Reihe Standpunkte veröffentlicht (Standpunkte 16/2015)
Der Titel macht neugierig. Bemühungen um eine Perspektive sozialer Emanzipation, die an Marx/Engels ökohumanistischen Kommunismus anknüpfen, dürfte von einer solcherart bestimmten Reflexion profitieren.
Gut, dass die Rosa Luxemburg Stiftung den Text  Online gestellt hat. Das erleichtert die Auseinandersetzung.

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