Das Anthropozän gestalten!

Zur Machbarkeit planetarischer Vernunft.

Ein erster Einblick in das Projekt, an dem ich gerade arbeite.  Kritik, Ideen, Fragen aller Art herzlichst erwünscht. 

Worum geht es?

Dieses Buch soll ermutigen, über das Ende der Geschichte kapitalistischer Vernunft hinaus zu denken und einen offenen Diskurs über Notwendigkeit, Realisierungs- und Rationalitätsbedingungen eines organisierten Übergangs zu „öko-kommunistisch“ bestimmten Produktionsbedingungen zu wagen.

Warum?

Die menschliche Gestaltungskraft ist zum prägenden Faktor des biologi­schen, geologischen und atmo­sphärischen Geschehens auf der Erde ge­worden. In den Geowissenschaften wird diskutiert, diese Ver­änderungen als eine neue Periode der Erdgeschichte zu verstehen, das Anthropozän, das Erdzeitalter des Menschen. Das ist keine frohe Botschaft, die vom Sieg menschlicher Vernunft über die zivilisationsge­fährdende Gewalt eines unbe­herrschten Naturzustands kündet. Die gesellschaftli­chen Mechanismen, die dem vernunftbegabten Wesen eine solche Wirkmacht be­schert haben, treten den han­delnden Individuen und deren Institutionen im Gegenteil als eine Naturgewalt gegenüber, die sie „unterjocht, statt von ihnen beherrscht zu werden.1

Marx vor nunmehr über 150 Jahren formulierte Zustandsbeschrei­bung scheint verblüffend aktuell.

Die soziale Macht, d.h. die vervielfachte Pro­duktionskraft, die durch das in der Teilung der Arbeit bedingte Zusammen­wirken der verschiedenen Individuen entsteht, erscheint diesen Individuen, weil das Zusammenwirken selbst nicht freiwillig, sondern naturwüchsig ist, nicht als ihre eig­ne, vereinte Macht, sondern als eine fremde, außer ihnen stehende Gewalt, von der sie nicht wissen wo­her und wohin, die sie also nicht mehr beherrschen können, die im Gegenteil nun eine eigentümliche, vom Wollen und Laufen der Menschen unabhängige, ja dies Wollen und Laufen erst dirigierende Rei­henfolge von Phasen und Entwicklungsstufen durchläuft.“2

Wir erleben heute eine bedrohliche Zuspitzung dieses paradoxen Zustands. Die inzwischen weltweit interagierenden Subjekte des anthropogenen Zusammenwirkens, Individuen, Institutionen oder Assoziationen, verfügen über eine schier unendlich erscheinende Vielfalt an Möglichkeiten, vernunftgeleitete Entscheidungen zu treffen. Ihre kombinierte Produktivkraft“ konnten sie dabei ins Unermessliche steigern. Moderne Wissenschaft und Demokratie erlauben Aufklärung auch über die Kehrseiten unserer menschlichen Siege über die Natur. Doch ungeachtet all unserer Kenntnisse über das Zerstörungsvermögen, das ein nahezu ungebremstes Wachstum menschlicher Kraft und Herrlichkeit bis heute akkumuliert hat, scheint es nach wie vor ein Ding der Unmöglichkeit, das anthropogene Zusammenwirken insgesamt nach Maßgaben sozialer oder ökologischer Vernunft zu gestalten. Unser globalisiertes Zusammenwirken ist uns immer noch nicht zureig­nen, vereinte Macht“ geworden. Mensch und Natur bleiben den stets bedrohlicheren Launen der Naturgewalt ausgesetzt, als die sich ihr eigenes Zusammenspiel gestaltet.

In diesem Zustand taumelt das menschliche „Laufen und Wollen“ in die geologische Menschenzeit. Mit welcher Perspektive? Was könnte Wege in ein soziales Zeitalter der menschheitlichen Selbstbeherrschung ebnen? Hilft der Rückgriff auf Marx Vision einer Menschheit, die es den weltweit interagierenden Individuen, Gruppierungen und Institutionen gestattet, ihren „Stoffwechsel mit der Na­tur rationell re­geln, unter ihre gemeinschaftliche Kontrolle bringen, statt von ihm als von einer blinden Macht beherrscht zu werden; ihn mit dem geringsten Kraftauf­wand und unter den ihrer menschlichen Natur würdigsten und adäquatesten Bedingungen vollziehn3?

Als jemand, der sich seit den Zeiten seines politischen Erwachsenwerdens in den 1970er Jahren für die ökologischen Dimensio­nen des Menschseins interessiert und sich insbesondere nach Nutzung des zweiten Bildungswegs und Aufnahme seines Studiums der Soziologie in den 1980er Jahren, immer wieder intensiv mit dem Marx-Engels Werk auseinanderset­zen konnte, überrascht mich der akute Gebrauchswert der vor nunmehr über 150 Jahren formulierten Perspektive nicht.

Marx Bemerkung war kei­neswegs das zufällige Ergebnis einer idealisti­schen Schöngeisterei, die sich kunstvoll um das eigene Wunschdenken rankt. Das Metier des Forscherges­panns Marx und Engels waren die materiellen, das heißt, die durch bloße Denk­arbeit nicht ohne Weite­res veränderbaren Bedingungen des kapitalistisch bestimmten Tuns und Lassens. Ihr Interesse galt nicht nur den grundlegenden Funktion und zeitgenössischen Problemen kapitalistischer Produktionsbedingungen, es richtete sich insbesondere auf die darin angelegten Bedingungen ihrer „Negation“, d.h. sie fragen, was die Entwicklung des Kapitalismus an einen Punkt bringen könnte, an dem es maßgeblichen Teilen der Gesellschaft weltweit notwendig, denk- und auch machbar erscheinen könnte, zu einer Organisation des gesellschaftlichen Zusammenwirkens überzugehen, die es ihnen erlaubte, die Produktionsbedingungen unter ihre gemeinschaftliche Kontrolle zu bringen. Das unterscheidet das marx-engelssche Herangehen von der verbreiteten Vorstellung einer vom richtigen oder falschen Denken gelenkten Geschichte4 von der im Verlaufe dieser Arbeit noch öfter zu reden sein wird. Von Marx (und Engels5) lernen heißt aus meiner Sicht, zu erkennen, dass sich Vor­stellungen darüber, was ein gutes, menschliches oder ökologisch korrektes Leben sein soll (was dafür zu tun wäre oder auch, was die Richtigkeit dieser Vorstellun­gen zeigt) nicht zum Zeitgeist avancieren können, ohne dass sie sich als ein probates Mittel der Unterordnung unter die ökonomischen Handlungsnot­wendigkeiten und -erwartungen erweisen, wie sie aus den his­torisch jeweils vorherrschenden Formen der Arbeitstei­lung unwillkürlich hervorgehen.

„Die Menschen sind die Produzenten ihrer Vorstellungen, Ideen pp., aber die wirklichen, wirkenden Men­schen, wie sie bedingt sind durch eine be­stimmte Entwicklung ihrer Produktivkräfte und des denselben entsprechen­den Verkehrs bis zu seinen weitesten Formationen hinauf. Das Bewußtsein kann nie etwas Andres sein als das bewußte Sein, und das Sein der Men­schen ist ihr wirklicher Lebensprozeß.6

Die epochalen Unterschiede in der Art, wie sich diese Lebensprozesse jeweils gestalten, bildeten sich nach Marx bisher urwüchsig und auf die Menschheitsentwicklung als Ganzes bezogen ziellos, aber keineswegs zufällig. Am Ende verlangte der in einer Epoche er­reichte Grad der Produktivkraftentwicklung, das heißt, das in den zeitgenös­sischen Produktions- Transport- und Vergesell­schaftungstechniken, im Know How der Produktionsagenten usw. angelegte Produktions- und Aneignungsvermögen, die Art, wie, wo, von und für wen dieses Potenzial eingesetzt und weiter entwickelt wird. Diese „Produktionsverhältnisse“ bilden wiederum die Grundlage der gesellschaftlichen Organisation und mit ihr auch ihr Selbstverständnis. Die in der Menschheitsgeschichte jeweils vorherrschenden Produktionsbedingungen unterscheiden sich im Wesentlichen im Ausmaß und in der Art der Arbeitsteilung, das heißt, inwie­weit und wie in der jeweiligen Epoche Produktion und Transport, Organisati­on, Für- und Vorsorge, Wissenser- und -vermittlung, Ideenproduktion und -an­wendung, notwendi­ge Schutzmaßnahmen usw. geteilt und auf welcher Grundlage dabei über das Recht und das tatsächliche Vermögen entschieden wird, sich das dabei Produzierte anzueignen. Wer also ein anderes Denken über gesellschaftlich notwendige Ziele, Prioritäten usw. etabliert sehen möchte, sollte nach den materiellen Voraussetzungen der Möglichkeit schauen, Formen der gesellschaftlichen Arbeitsteilung zu etablieren, die das gewünschte Denken verlangen. Vereinfacht gesagt:

„Steht es den Menschen frei, diese oder jene Gesellschaftsform zu wählen? Kei­neswegs. Setzen Sie einen bestimmten Entwick­lungsstand der Produktiv­kräfte der Menschen voraus, und Sie erhalten eine bestimmte Form des Ver­kehrs [commerce] und der Konsumtion. Setzen Sie bestimmte Stufen der Entwicklung der Produktion, des Verkehrs und der Konsumtion voraus, und Sie erhalten eine entsprechende soziale Ordnung, eine entsprechende Or­ganisation der Familie, der Stände oder der Klassen, mit einem Wort, eine entspre­chende Gesellschaft [société civile]. Setzen Sie eine solche Gesell­schaft voraus, und Sie erhalten eine entsprechende politische Ordnung [état politique], die nur der offizielle Ausdruck der Gesellschaft ist.“7 Vereinfacht gesagt: „Die Handmühle ergibt eine Gesellschaft mit Feudalherren, die Dampfmühle eine Gesellschaft mit industriellen Kapitalisten.“

Ergeben heute also Digitalisierung, Internet und Nutzung regenerativer Energiequellen eine Gesellschaft mit „öko-kommunistisch“ interagierenden Weltbürger*in­nen, die ihren planetarischen Stoffwechsel untereinander und mit der sie umgebenden Natur auf Grundlage weltge­meinschaftlich erarbeiteter und verfolgter Ziele und Standards organisieren? Selbstredend stellt das vereinfacht Gesagte keinen Automatismus dar. Notwendigkeit, Vernunft und Erfolgsbedingungen einer solchen Perspektive können ebenso wenig aus Theorien abgeleitet werden, wie aus guten Ab­sichten oder fixen Menschenbildern. Was Marx als universal gelehrter Wissenschaftler, Theoretiker, Journalist und politischer Organisator über die Funktionsweisen, Probleme und Entwicklungsmöglichkeiten kapitalistischer Produktions- bzw. Austauschbeziehungen und über darin angelegte Bedingungen der Möglichkeit, sie am Ende Geschichte werden zu lassen, herausfand, kann helfen, die Erforschung der gegenwärtigen Situation und was daraus zu machen wäre, zu systematisieren, kann das eigene Forschen aber nicht ersetzen.

„Da, wo die Spekulation aufhört, beim wirklichen Leben, beginnt also die wirkliche, positive Wissenschaft, die Darstellung der praktischen Betätigung, des praktischen Entwicklungsprozesses der Men­schen. Die Phrasen vom Bewusstsein hören auf, wirkliches Wissen muss an ihre Stelle treten.“8

Die Richtigkeit von Hypothesen, Prognosen, Kritik usw. muss anhand von empirisch erfassten Daten oder von Funktionsanalysen der gegebenen bzw. erwartbaren Interaktionsbedingungen belegt bzw. plausibel erklärt und gegen Kritik argumentativ verteidigt werden können. Marx wird das Wissen nicht liefern, das uns verraten könnte, ob die Menschheit tatsächlich einmal im Begehren vereint sein wird, ihren Stoffwechsel mit der Na­tur „unter den ihrer menschlichen Natur adäquatesten Bedingungen vollziehn“ zu können und ob sie jemals zu der Erkenntnis gelangen wird, dass sie ihr planetarisches Wirken „unter ihre gemeinschaftliche Kontrolle bringen“ müsste, wenn das keine Utopie bleiben soll. 

Die Frage wissenschaftlich lösen zu wollen, stößt allerdings schnell auf die Schwierigkeit, dass dieses Wissen derzeit auch dem wirklichen Leben nicht zu entlocken ist. Wir können uns allerdings nach Anzeichen des Heranreifens eines solchen Begehrens umschauen. Wir werden dann etwa finden, dass zunehmend mehr Menschen mit anscheinend wachsender Verzweiflung ein „Umdenken“ in Richtung Mitmenschlichkeit und ökologischer Vernunft verlangen. Wir können nach dem genauen Inhalt, der möglichen Gestalt, Notwendigkeit und Machbarkeit dieses „Umdenkens“ fragen. Wer Marx Einschätzung plausibel findet, dass sich die Menschheit immer nur Aufgaben stellt, die sie lösen kann, da, so seine Begründung, „die Aufgabe selbst nur entspringt, wo die materiellen Bedingungen ihrer Lösung schon vorhanden oder wenigstens im Prozeß ihres Werdens begriffen sind“, mag sich inspiriert fühlen, nach den „materiellen“ Voraussetzungen des für falsch oder richtig erachteten Denkens zu schauen. Das hieße, die ökonomische Grundstruktur des (welt-) gesellschaftlichen Tun und Lassens unter die Lupe zu nehmen, die zwar das Feld dessen absteckt, was es in der darauf aufbauenden Gesellschaft zu bedenken gibt, selbst aber nicht ohne weiteres weg- oder umdenkbar ist. Die große Frage dabei wäre die nach Mechanismen

Baustelle

Baustelle

 Es gilt zu verstehen, dass „das Umdenken“ in Richtung Mitmenschlichkeit und ökologische Vernunft, das in diesen Tagen zunehmend mehr Menschen mit wachsender Verzweiflung einfordern, stets nur in dem Maße zum wirklich wirksamen Element einer wirklichen, das heißt, einer wirklich menschheitsgeschichtlichen Weichenstellung werden kann, soweit die technologischen und die sozialen Fertigkeiten tatsächlich entwickelt oder zumindest „im Prozess ihres Werdens begriffen“ sind, deren Verfügbarkeit es den Menschen weltweit machbar erscheinen lassen könnte, sich als eine handlungsfähige Kraft zu formieren, der es tatsächlich gelingen könnte, ihre in Umfang und Geschwindigkeit beständig wachsende Fähigkeit, Naturresourcen in Güter und Dienstleistungsangebote zu verwandeln, zur planetarischen Vernunft zu bringen.

Baustelle

Den marxschen „Materialismus“ in Dienst zu nehmen heißt hier also nicht etwa, der fixen Idee zu verfallen, einen „historisch-materialistischen Nachweis“ der Sinnlosigkeit von Idealen und der Lachhaftigkeit „des Idealismus“ präsentieren zu müssen und darüber „aufkzulären“, dass der Menschheit nur die Hoffnung bleibt, irgendwann, irgendwie, irgendwo vom sich hinterrücks einstellenden Fortschritt in eine menschengerechtere Ära geführt zu werden. Schon gar nicht sehe ich den marx-engelsschen Materialismus als Anweisung, die ewige Wahrhaftigkeit, Notwendigkeit, Logik, Funktionalität oder Vernünftigkeit einer utopischen Ordnung zu beweisen, die heute nur in der Vorstellung Einzelner existieren kann und deshalb auf absehbare Zeit keine Überprüfung in der gesellschaftlichen Praxis zu fürchten hat. Ein solch krasses Missverständnis des marx-engelsschen Bemühens, das zu ihrer Zeit aufkommende Verlangen nach einer kommunistischen Produktionsordnung mit einem wissenschaftlichen Herangehen zur Vernunft zu bringen, gilt Generationen von „Marxkritikern“ als eindeutiger Beweis, dass der ganze Marxismus mit echter Wissenschaft nichts zu tun habe und mehr einer Religion gleichkäme.

Wie es dem historisch wirklichen Wirken wirklich wirksamer Marxisten am Ende tatsächlich gelang, Marx‘ „wissenschaftlichen Sozialismus“ in so etwas wie eine Staatsreligion zu verwandeln, in der wissenschaftlich gewonnene Erkenntnisse wenig, fromme Bekenntnisse zur Unfehlbarkeit der staatsparteilichen Direktiven und der zu ihrer Rechtfertigung herangezogenen Dogmen dafür um so mehr zählten, wird uns noch näher beschäftigen. An dieser Stelle sei zunächst Marx (und Engels) Intention hervorgehoben. Es galt, auf Basis wissenschaftlicher Analysen der ökonomischen Grundlagen der gegebenen Ordnung die Möglichkeitsbedingungen einer historischen Situation zu ergründen, die den Gedanken an eine „kommunistische“ (gemeinschaftlich bestimmte) Organisation des menschlichen Zusammenwirkens auf breiter gesellschaftlicher Ebene überhaupt erst denkbar machen könnte. Wirklichkeit werden könne ein solcher „Kommunismus“ nach Marx nur als Resultat eine länger währenden Periode des Übergangs von der gegebenen Produktionsordnung in die neue. Marx verstand unter „Sozialismus“ also keine ganz neue Gesellschaft, die den Kapitalismus auf der Stelle abzuschaffen und also quasi mit dem Resultat des Übergangs zu beginnen hätte. Für das Team Marx & Engels war Sozialismus“ vielmehr ein Stadium der Menschheitsgeschichte. Und es spricht nichts dafür, dass das Gespann es für möglich gehalten hätte, dass die reale Existenz dieses Stadiums mittels wissenschaftlicher Weltanschauung „falsifiziert“ werden könnte. Das könnten nur handfeste Belege, die allgemein nachvollziehbar (und natürlich auch jederzeit öffentlich anzweifelbar) darüber Auskunft geben können, inwieweit die Entwicklung der Fähigkeit, Produktion und Aneignung (Pflege, Organisation Weiterentwicklung) der Lebensgestaltungs- und Produtionsmittel gemeinschaftlich zu bestimmen, tatsächlich zum weltweit vorherrschenden Prozess der gesellschaftlichen Entwicklung geworden ist. Auch das Eintreten in eine solche Phase der Menschheitsgeschichte ist nach Marx keineswegs zu jeder Zeit möglich und könnte etwa durch eine erfolgreich dozierte Weltanschauung einfach herbeirevolutioniert werden. 

Eine Gesellschaftsformation geht nie unter, bevor alle Produktivkräfte entwickelt sind, für die sie weit genug ist, und neue höhere Produktionsverhältnisse treten nie an die Stelle, bevor die materiellen Existenzbedingungen derselben im Schoß der alten Gesellschaft selbst ausgebrütet worden sind.

Bevor die Menschheit als eine solche auch nur auf den Gedanken kommen kann, die Entwicklung der unterschiedlichen Bedürfnisse und Fähigkeiten auf die Schaffung der Möglichkeit hin auszurichten, weltgemeinschaftlich über das Woher und Wohin der anthropogenen Produktions- und Aneignungsbedingungen bestimmen zu können, (bevor also im Sinne der maxschen Perspektive der „sozialistische“ Übergang zu „kommunistisch“ bestimmten Produktionsordnung zum weltgesellschaftlich vorherrschenden Entwicklungsprozess werden kann), müssen nach Marx Notwendigkeit und Machbarkeit einer solchen Phase der Menschheitsgeschichte im „Schoße der alten Gesellschaft“ heranreifen.

Aus einer noch so wissenschaftlich korrekten und erfolgreichen Gewinnung von Erkenntnissen wird sich also kein Zaubertrank brauen lassen, mit dem sich das gesellschaftliche Wollen und Tun aus den historisch möglichen Behauptungsbedingungen herauslösen ließe. Allerdings kann der forschende Blick auf die der menschlichen Willkür weitgehend entzogenen Mechanismen des anthropogenen Werdens und Gedeihens (oder Verderbens) helfen, zu verstehen, auf welcher Grundlage und unter welchen Umstände, wann, wie, wo und warum sich Möglichkeiten der gezielten Einflussnahme auftun können. Um so besser das gelingt, desto zeitiger und vielleicht wirkmächtiger und im Ergebnis gescheiter ließe sich ein öffentliches Nachdenken darüber gestalten, wie neue Spielräume der menschlichen Einflussnahme auf das weltgesellchaftliche Werden gewonnen, ausgebaut und zugunsten einer Entwicklung genutzt werden könnten, an deren Ende die heute noch wage und utopistisch erscheinende Idee eines nach Maßgaben der Mitmenschlichkeit und der ökologischen Vernunft gestaltbaren Anthropozäns zu einem für die Menschen weltweit selbstverständlichen Moment ihres alltäglichn „Seins“ werden kann. 

Die materiellen Voraussetzungen der Möglichkeit eines solchen Stadiums der Menschheitsgeschichte zu untersuchen, scheint heute um so dringlicher geboten, als gegenwärtig tagtäglich deutlicher wird, dass die weitere Fortsetzung der kapitalistischen Erfolgsgeschichte die Möglichkeiten einer vernunftgeleiteten Steuerung des planetarischen Wirkens keineswegs verbessern, sondern im Gegenteil dramatisch verschlechtern dürfte. Der Menschheit bleibt nicht viel Zeit, um zu einem Wendepunkt ihrer Geschichte zu gelangen, an dem sich die Menschen weltweit im Begehren vereinigen, den elenden Zustand zu beenden, der sie gegenwärtig als eine unbeherrschte Naturgewalt ins erdgeschichtliche Zeitalter des Menschen taumeln lässt.

Was heißt das für diese Arbeit?

Ab hier beginnt die Baustelle. 

 

I.

Es ist nach den Grundlagen der augenscheinlichen Unmöglichkeit zu schauen, die schier unendlich erscheinende Anzahl und Vielfalt vernunftgeleiteter Entscheidungen, die heute das historisch Menschenmögliche in stets steigendem Tempo zu immer erstaunlicherer Leistungsfähigkeit treiben, dahingehend zu bündeln, dass das individuelle Wollen und Tun zum selbstbewussten Element einer vernunftgeleiteten Gestaltung des Anthropozän werden kann. Es sind die ökonomischen Mechanismen zu verstehen, die in modernen Gesellschaften, die auf kapitalistischer Grundlage funktionieren, im Allgemeinen Produktion, Distribution, Aneignung und Weiterentwicklung der in der Gesellschaft benötigten Produktions- und Lebensgestaltungsmittel regeln und die bestimmen, wie und in welchem Umfang die Reproduktion und Pflege der dafür notwendigen „Ressourcen“ (sozialer und ökologischer Natur) geschieht bzw. unterbleibt.

Wir müssen verstehen, wie die kapitalistische Art der Seperation und des Zusammenfügens von Produktion und Transport, Organisati­on, Für- und Vorsorge, Wissenser- und -vermittlung, Ideenproduktion, -an­wendung und pflege, notwendi­ge Schutzmaßnahmen usw die Möglichkeiten und die Grenzen der Möglichkeit bestimmen, gesellschaftliche Ziele und den damit verbundenen Stoffaustausch mit der Natur in einer vernunftgeleiteten Weise zu verfolgen. Das verlangt ein gewisses Grundverständnis der privaten Produktion für den Verkauf (der Warenproduktion) und des mehr oder minder versteckten Klassencharakters, der der kapitalistischen Form von Warenproduktion eigen ist.  und warum die Trägerinnen und Träger der entsprechenden Klassenbedürfnisse und -fähigkeiten ihre strukturellen, das heißt,  ihre auf Basis der gegebenen Produktionsbedingungen nicht auflösbaren Interessensgegensätze nicht nach selbst bestimmten Regeln ausgetragen können. Es ist zu erklären warum im Gegensatz etwa zu grundherrlichen Gesellschaften der feudalistischen Epoche der Kapitalismus  das Setzen und das Durchsetzen der Regeln, mit denen die ihm eigenen Interessensgegensätze in einer für alle hallbwegs akzeptablen Weise ausgetragen werden können, besonderen Staatsaparaten übertragen muss, die relativ unabhängig vom ökonomischen Geschehen operieren können. Das zeigt uns dass die kapitalistschen Produktionsbedingungen die politischen, rechtlichen, oder auch kulturellen Mechanismen einschließen, die das kapitalistische Wirtschaften überhaupt erst möglich machen, die es zu stabilisieren, die deren Konfliktpotenzial zu zivilisieren und die für deren Weiterentwicklung zu sorgen haben. Es ist die widerspüchliche Einheit von Staat und Gesellschaft, die die kapitalistische Formation der gegenwärtigen Weltgesellschaft so erfolgreich, effizient, innovativ, geil und modern – und anscheinend so alternativlos machen, dass die meisten Menschen sich bis heute eher ein Ende der Welt als ein Ende des Kapitalismus vorstellen können.

II.

Die Gesamtheit der kapitalismusgetriebenen Weltveränderungen in Betracht zu ziehen, die die Wohlstandsgewinne und Zivilisationsfortschritte der sogenannten „Moderne“ hervor gebracht haben muss allerdings auch heißen, auf die menschenverachtenden, blutigen und von ökologischer Rücksichtslosigkeit geprägten Kehrseiten der kapitalistischen Modernität zu schauen. Wir können nicht wissen, aber auf der Grundlage geschaffenen Wissens können wir beeinflussen, welche Seiten der kapitalistischen Madaille prägend und für den menschheitsgeschichtlichen Verlauf entscheidend werden wird, sollten den frohen Erwartungen einer sich auf Basis kapitalistischer Innovatioskraft, Effizienz und staatlich geprüfter Vernunft unvermeidlich immerfort reicher, bunter, aufgeklärter und klüger gestaltenden Zukunft einmal buchstäblich der Boden entzogen sein. Buchstäblich, weil allein das gewaltige Ausmaß in dem gegenwärtig fruchtbarer Boden verloren geht, weil ….. zeigt, dass es nur noch eine Frage der Zeit sein kann, bis der in den Funktionsmechanismen des Kapitalismus strukturell angelege Grundoptimismus der liberalen Moderne in einer tiefen Sinnkrise geraten müsste.

Der Gedanke an ein sich näherndes Ende des liberalen Zukunftsoptimismus scheint schwer zu fassen, obwohl die dazu notwendigen Informationen tagtäglich der Tagespresse, Nachrichtenmagazinen oder einschlägigen Fernsehsendungen zu entnehmen sind und mit dem frei zugänglichen Lexikon Wikipedia heute allen Menschen mit Internetzugang ein schier unendlich erscheinender Wissenspool zur Verfügung steht mit dessen Hilfe einfach nur Eins wie Klimakrise und Zwei wie Verlust an Biodiversität, Primärwald, Meersfruchtbarkeit zusammengezählt werden bräuchte. Der forschende Blick auf die kapitalistischen Funktionszusammenhänge (und dem sich daraus ergebenden Entwicklungspotenzial) wird uns helfen, dem Rätsel auf die Spur zu kommen. Er führt uns zu den Kernelementen der kapitalistischen Fortschrittsmaschinerie. Obwohl oder, wie es das liberale Glaubensbekenntnis lehrt, gerade weil in kapitalistisch formierten Gesellschaften Produktion, Distribution, Aneignung und Pflege des gesellschaftlichen Bedarfs an Lebensgestaltungs- und Produktionsmitteln weitgehend privaten Institutionen überlassen ist, die sich als solche um keinerlei Menschheitsbelange zu kümmern haben, und gerade weil der privateigentümliche Lebenssinn (die wesentliche Existenzbedingung)  dieser Institutionen die schnöde Selbstbereicherung ist, muss der so institutionierte private Eigennutz der Gesellschaft der Welt beständig neue Zivilisations- und Wohlstandsgewinne bescheren. Wir werden sehen wie und warum die kapitalistische Verwandlung privaten Eigennutzes in menschheitsgeschichtliche Kraft und Herrlichkeit tatsächlich funktioniert und sogar immer erfolgreicher funktionieren muss. Und wir werden sehen, wie gerade diese Verdammnis zum Erfolg es ist, die die sich auf diese Weise nützlich machende Naturgewalt, als die sich kapitalistischen Fortschrittsmaschinerie darstellt, nötigt, nach und nach alle Springquellen des irdischen Reichtums zu zerstören und damit das Ende der Geschichte ihrer historischen Rationalität einzuleiten.

 

 

 

was die private Verfügung über die gesellschaftlichen Produktionsmittel eine spezifische Klasse Aneignungsvermögen  ,  Warenproduktion und Warenaustausch, Geld, Mehrwert und Profot Zwangsgesetze der Konkurrenz spielen, warum das unterschiedliche und  Wir werden shen, wie und warum das tatsächlich funktioniert. An dieser Stelle sei bereits Das ist so, weil die privateigentümliche Selbstbereicherung  die Her- und Bereitstellung eines in der Gesellschaft nachgefragten Trägers von Nutzpotezial verlangt, einer Ware, die diejenige, die über deren „Gebrauchswert“ verfügen möchten, kaufen, sprich, gegen Geld eingetauschen müssen. Der gesellschaftliche Tauschwert des zu zahlenden Geldes zeigt sich in der Gestalt des begehrten Nutzpotenzialträgers (der Warenquatität und -qualität) und ist dem der Ware äquivalent. Wir wir sehen werden, bringt er er den Arbeitsaufwand zum Ausdruck, der für die Reproduktion der entsprechenden Ware im gesellschaftlichen Durschschnitt zu verausgaben ist. Die private Produktion in der Gesellschaft nachgefragter des der Arbeitsaufwand  dass t  denn die Zwangsgesetze der Konkurrenz nötigen die privaten Produktionsagenten, mit stets weniger Arbeitsaufwand mehr und „geilere“ Mittel der menschlichen Lebensgestaltung oder Bereicherung  her- und bereit zu stellen,

 

Wir werden sehen, wie dieses Grundprinzip,  in einem Fort Zeitressourcen freisetzt, die die so inganggesetzte Fortschrittsmaschinerie ebenso ununterbrochen  einsaugt um

Wir werden sehen, wie sich diese grundlegende Automatik die kapitalistische Fortschrittsmacherei die gesellschaftliche Produktivkraft

 

Es gibt übrigens allen Grund, die gegenwärtig durchaus wahrnehmbaren Zeichen einer sich tatsächlich anbahnenden Krise des liberalen Glaubens an die Unendlichkeit einer Zaubers mit Sorge zu betrachten.

 

wie ert und  in den Formen des gegenwärtigen Liberalismus, Konservativismus und Sozialdemokratismus in ihren jeweiligen Farbschattierungen gleichermaßen präsent ist.

 

 

III

 

Am Ende verlangte der in einer Epoche er­reichte Grad der Produktivkraftentwicklung, das heißt, das in den zeitgenös­sischen Produktions- Transport- und Vergesell­schaftungstechniken, im Know How der Produktionsagenten usw. angelegte Produktions- und Aneignungsvermögen, die Art, wie, wo, von und für wen dieses Potenzial eingesetzt und weiter entwickelt wird. 

in dessen Licht all die möglicherweise real existierenden Notlagen, Ungerechtigkeiten, Gewaltausbrüche, Krisen und Katastrophen der kapitalistischen Ära nur vorübergehende Abweichungen vom letztlichen unvermeidlichen Trend zu immer mehr Freiheit, Wohlstand und Nachhaltigkeit sein können.

und einen offenen Diskurs über Notwendigkeit, Realisierungs- und Rationalitätsbedingungen eines organisierten Übergangs zu „öko-kommunistisch“ bestimmten Produktionsbedingungen zu wagen

und ein „linker“ Anti-Liberalismus

 

III. Emanzipation von der bloßen Unerträglichkeit  

Mit Kapitalismuskritik allein wäre allerdings nichts gewonnen. Mich interessiert, was diese so fundameltal verankerte, wirkmächtige und durchaus beliebte Weltmacht des Unvermögens, den anthropogenen Stoffaustausch in einer der menschlichen Natur adäquaten Weise zu gestalten, oder in Marx Worten, was diese „»Entfremdung«, um den Philosophen verständlich zu bleiben“ nicht nur  zu einer „unerträglichen Macht“ werden lassen könnte, „d.h. eine Macht, gegen die man revolutioniert“, sonndern auch, …

 

 

1 Marx/Engels: Die deutsche Ideologie. MEW Bd. 3, S. 34-35

2Ebd.

1 Vergl. Marx/Engels: Die deutsche Ideologie, MEW Bd. 3, S. 33

2Marx/Engels: Die deutsche Ideologie. MEW Bd. 3, S. 34

3 Bd. 25, S. 828

4 Eine eingehende Auseinandersetzung mit diesem Phänomen erfolgt im Kapitel … ab Seite

5Wenn ich fortan Marx als Referenz wähle, ist kein weiterer Beitrag zu

6 Marx/Engels: Die deutsche Ideologie, vgl. MEW Bd. 3, S. 26

7 Marx an Engels . 8. Januar 1868 MEW 32, S. 12

8 K. Marx, Deutsche Ideologie, MEW 3, 26f.

9 Marx: Zur Kritik der politischen Ökonomie, MEW Bd. 13, S. 9

10Dazu sieh Seite

11 Marx/Engels: Die deutsche Ideologie,MEW Bd. 3, S. 34-35

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: