Das Anthropozän gestalten!

Zur Machbarkeit planetarischer Vernunft

Ein erster Einblick in das Projekt, an dem ich gerade arbeite.  Ich hoffe, damit in nicht allzu fernen Zukunft eine brauchbare Handreichung für alle vorlegen zu können, die meinen, dass die Parole „System change instead of Climate change“ über das Stadium einer linksidentitären Provokation hinaus gelangen sollte, dies aber eine etwas nähere Auseinandersetzung mit der Frage erfordert, wie vermieden werden kann, dass aus einem Gutgemeint erneut ein Schlechtgelaufen wird. Kritik, Ideen, Fragen aller Art herzlichst erwünscht.  Benötigt wird beizeiten auch Hilfe bei der Übersetzung ins Englische.

Worum geht es?

Dieses Buch soll ermutigen, über das Ende der Geschichte kapitalistischer Vernunft hinaus zu denken und einen offenen Diskurs über Notwendigkeit, Realisierungs- und Rationalitätsbedingungen eines organisierten Übergangs zu „öko-kommunistisch“1 bestimmten Produktionsbedingungen zu wagen.

Warum?

Die menschliche Gestaltungskraft ist zum prägenden Faktor des biologi­schen, geologischen und atmo­sphärischen Geschehens auf der Erde ge­worden. In den Geowissenschaften wird diskutiert, diese Ver­änderungen als eine neue Periode der Erdgeschichte zu verstehen, das Anthropozän, das Erdzeitalter des Menschen. Das ist keine frohe Botschaft, die vom Sieg menschlicher Vernunft über die zivilisationsge­fährdende Gewalt eines unbe­herrschten Naturzustands kündet. Die gesellschaftli­chen Mechanismen, die dem vernunftbegabten Wesen eine solche Wirkmacht be­schert haben, treten den han­delnden Individuen und deren Institutionen im Gegenteil als eine ihnen fremde Naturgewalt gegenüber, die sie unterjocht, statt von ihnen beherrscht zu werden.2

Marx vor nunmehr über 150 Jahren formulierte Zustandsbeschrei­bung scheint verblüffend aktuell.

„Die soziale Macht, d.h. die vervielfachte Pro­duktionskraft, die durch das in der Teilung der Arbeit bedingte Zusammen­wirken der verschiedenen Individuen entsteht, erscheint diesen Individuen, weil das Zusammenwirken selbst nicht freiwillig, sondern naturwüchsig ist, nicht als ihre eig­ne, vereinte Macht, sondern als eine fremde, außer ihnen stehende Gewalt, von der sie nicht wissen wo­her und wohin, die sie also nicht mehr beherrschen können, die im Gegenteil nun eine eigentümliche, vom Wollen und Laufen der Menschen unabhängige, ja dies Wollen und Laufen erst dirigierende Rei­henfolge von Phasen und Entwicklungsstufen durchläuft.“3

Wir erleben heute eine bedrohliche Zuspitzung dieses paradoxen Zustands. Die inzwischen weltweit interagierenden Subjekte des anthropogenen Zusammenwirkens, Individuen, Institutionen oder Assoziationen, verfügen über eine schier unendlich erscheinende Vielfalt an Möglichkeiten, vernunftgeleitete Entscheidungen zu treffen. Ihre „kombinierte Produktivkraft“ konnten sie dabei ins Unermessliche steigern. Moderne Wissenschaft und Demokratie erlauben Aufklärung auch über die Kehrseiten unserer menschlichen Siege über die Natur. Doch ungeachtet all unserer Kenntnisse über das Zerstörungsvermögen, das ein nahezu ungebremstes Wachstum menschlicher Kraft und Herrlichkeit bis heute akkumuliert hat, scheint es nach wie vor ein Ding der Unmöglichkeit, das anthropogene Zusammenwirken insgesamt nach Maßgaben sozialer oder ökologischer Vernunft zu gestalten. Unser globalisiertes Zusammenwirken ist uns immer noch nicht zur „eig­nen, vereinte Macht“ geworden. Mensch und Natur bleiben den stets bedrohlicheren Launen der Naturgewalt ausgesetzt, als die sich ihr eigenes Zusammenspiel gestaltet.

In diesem Zustand taumelt das menschliche „Laufen und Wollen“ in die geologische Menschenzeit. Mit welcher Perspektive? Was könnte Wege in ein soziales Zeitalter der menschheitlichen Selbstbeherrschung ebnen? Hilft der Rückgriff auf Marx Vision einer Menschheit, die es den weltweit interagierenden Individuen, Gruppierungen und Institutionen gestattet, ihren „Stoffwechsel mit der Na­tur rationell re­geln, unter ihre gemeinschaftliche Kontrolle bringen, statt von ihm als von einer blinden Macht beherrscht zu werden; ihn mit dem geringsten Kraftauf­wand und unter den ihrer menschlichen Natur würdigsten und adäquatesten Bedingungen vollziehn4?

Als jemand, der sich seit den Zeiten seines politischen Erwachsenwerdens in den 1970er Jahren für die ökologischen Dimensio­nen des Menschseins interessiert und sich insbesondere nach Nutzung des zweiten Bildungswegs und Aufnahme seines Studiums der Soziologie in den 1980er Jahren, immer wieder intensiv mit dem Marx-Engels Werk auseinanderset­zen konnte, überrascht mich der akute Gebrauchswert der vor nunmehr über 150 Jahren formulierten Perspektive nicht.

Marx Bemerkung war kei­neswegs das zufällige Ergebnis einer idealisti­schen Schöngeisterei, die sich kunstvoll um das eigene Wunschdenken rankt. Das Metier des Forscherges­panns Marx und Engels waren die materiellen, das heißt, die durch bloße Denk­arbeit nicht ohne Weite­res veränderbaren Bedingungen des anthropogenen Tuns und Lassens. Ihr Interesse galt den grundlegenden Funktion und zeitgenössischen Problemen kapitalistischer Produktionsbedingungen, und es richtete sich insbesondere auf die darin angelegten Bedingungen ihrer „Negation“, d.h. sie fragen, was die Entwicklung des Kapitalismus an einen Punkt bringen könnte, an dem es maßgeblichen Teilen der Gesellschaft weltweit notwendig, denk- und auch machbar erscheinen könnte, zu einer Organisation des gesellschaftlichen Zusammenwirkens überzugehen, die es ihnen erlaubte, die Produktionsbedingungen unter ihre gemeinschaftliche Kontrolle zu bringen. Das unterscheidet das marx-engelssche Herangehen von der verbreiteten Vorstellung einer vom richtigen oder falschen Denken gelenkten Geschichte von der im Verlaufe dieser Arbeit noch öfter zu reden sein wird. Von Marx (und Engels5) lernen heißt aus meiner Sicht, zu erkennen, dass sich Vor­stellungen darüber, was ein gutes, menschliches oder ökologisch korrektes Leben sein soll (was dafür zu tun wäre oder auch, was die Richtigkeit dieser Vorstellun­gen zeigt) nicht zum Zeitgeist avancieren können, ohne dass sie sich als ein probates Mittel der Unterordnung unter die ökonomischen Handlungsnot­wendigkeiten und -erwartungen erweisen, wie sie aus den his­torisch jeweils vorherrschenden Formen der Arbeitstei­lung und der in dem Rahmen entwickelten Produktivkräfte unwillkürlich hervorgehen.

„Die Menschen sind die Produzenten ihrer Vorstellungen, Ideen pp., aber die wirklichen, wirkenden Men­schen, wie sie bedingt sind durch eine be­stimmte Entwicklung ihrer Produktivkräfte und des denselben entsprechen­den Verkehrs bis zu seinen weitesten Formationen hinauf. Das Bewußtsein kann nie etwas Andres sein als das bewußte Sein, und das Sein der Men­schen ist ihr wirklicher Lebensprozeß.6

Die epochalen Unterschiede in der Art, wie sich diese Lebensprozesse jeweils gestalten, bildeten sich nach Marx bisher urwüchsig und auf die Menschheitsentwicklung als Ganzes bezogen ziellos, aber keineswegs zufällig. Am Ende verlangte der in einer Epoche er­reichte Grad der Produktivkraftentwicklung, das heißt, das in den zeitgenös­sischen Produktions- Transport- und Vergesell­schaftungstechniken, im Know How der Produktionsagenten usw. angelegte Produktions- und Aneignungsvermögen, die Art, wie, wo, von und für wen dieses Potenzial eingesetzt und weiter entwickelt wird. Diese „Produktionsverhältnisse“ bilden wiederum die Grundlage der gesellschaftlichen Organisation und mit ihr auch ihr Selbstverständnis. Die in der Menschheitsgeschichte jeweils vorherrschenden Produktionsbedingungen unterscheiden sich im Wesentlichen im Ausmaß und in der Art der Arbeitsteilung, das heißt, inwie­weit und wie in der jeweiligen Epoche Produktion und Transport, Organisati­on, Für- und Vorsorge, Wissenser- und -vermittlung, Ideenproduktion und -an­wendung, notwendi­ge Schutzmaßnahmen usw. geteilt und auf welcher Grundlage dabei über das Recht und das tatsächliche Vermögen entschieden wird, sich das dabei Produzierte anzueignen. Wer also ein anderes Denken über gesellschaftlich notwendige Ziele, Prioritäten usw. etabliert sehen möchte, sollte nach den materiellen Voraussetzungen der Möglichkeit schauen, Formen der gesellschaftlichen Arbeitsteilung zu etablieren, die das gewünschte Denken verlangen bzw. das Erdachte tatsächlich Wirklichkeit werden zu lassen. Vereinfacht gesagt:

„Steht es den Menschen frei, diese oder jene Gesellschaftsform zu wählen? Kei­neswegs. Setzen Sie einen bestimmten Entwick­lungsstand der Produktiv­kräfte der Menschen voraus, und Sie erhalten eine bestimmte Form des Ver­kehrs [commerce] und der Konsumtion. Setzen Sie bestimmte Stufen der Entwicklung der Produktion, des Verkehrs und der Konsumtion voraus, und Sie erhalten eine entsprechende soziale Ordnung, eine entsprechende Or­ganisation der Familie, der Stände oder der Klassen, mit einem Wort, eine entspre­chende Gesellschaft [société civile]. Setzen Sie eine solche Gesell­schaft voraus, und Sie erhalten eine entsprechende politische Ordnung [état politique], die nur der offizielle Ausdruck der Gesellschaft ist.“7 Vereinfacht gesagt: „Die Handmühle ergibt eine Gesellschaft mit Feudalherren, die Dampfmühle eine Gesellschaft mit industriellen Kapitalisten.“„

Ergeben heute also Digitalisierung, Internet und Nutzung regenerativer Energiequellen eine Gesellschaft mit „öko-kommunistisch“ interagierenden Weltbürger*in­nen, die ihren planetarischen Stoffwechsel untereinander und mit der sie umgebenden Natur auf Grundlage weltge­meinschaftlich erarbeiteter und verfolgter Ziele und Standards organisieren? Selbstredend verspricht das vereinfacht Gesagte keinen Automatismus. Notwendigkeit, Vernunft und Erfolgsbedingungen einer solchen Perspektive können ebenso wenig aus Theorien abgeleitet werden, wie aus guten Ab­sichten oder fixen Menschenbildern. Was Marx als universal gelehrter Wissenschaftler, Theoretiker, Journalist und politischer Organisator über die Funktionsweisen, Probleme und Entwicklungsmöglichkeiten kapitalistischer Produktions- bzw. Austauschbeziehungen und über darin angelegte Bedingungen der Möglichkeit, sie am Ende Geschichte werden zu lassen, herausfand, kann helfen, in einer erkenntnisproduktiven Weise Grundlagen und Entwicklungsbedingungen gesellschaftlicher Perspektiven zu ergründen, kann deren Ergebnisse aber nicht vorwegnehmen.

„Da, wo die Spekulation aufhört, beim wirklichen Leben, beginnt also die wirkliche, positive Wissenschaft, die Darstellung der praktischen Betätigung, des praktischen Entwicklungsprozesses der Men­schen. Die Phrasen vom Bewusstsein hören auf, wirkliches Wissen muss an ihre Stelle treten.“8

Die Richtigkeit von Hypothesen, Prognosen, Kritik usw. muss anhand von empirisch erfassten Daten oder von Funktionsanalysen der gegebenen bzw. erwartbaren Interaktionsbedingungen belegt bzw. plausibel erklärt und gegen Kritik argumentativ verteidigt werden können. Marx wird das Wissen nicht liefern, das uns verraten könnte, ob die Menschheit tatsächlich einmal im Begehren vereint sein wird, ihren Stoffwechsel mit der Na­tur „unter den ihrer menschlichen Natur adäquatesten Bedingungen vollziehn“ zu können und ob sie jemals zu der Erkenntnis gelangen wird, dass sie ihr planetarisches Wirken „unter ihre gemeinschaftliche Kontrolle bringen“ müsste, wenn das keine Utopie bleiben soll. 

Ohne Weiteres ist dieses Wissen derzeit aber auch dem wirklichen Leben nicht zu entlocken. Da Machbarkeit und Vernunft einer solchen Perspektive nicht a priori zu „falsifizieren“ sind, scheint manchen auch jede sozialwissenschaftliche Bearbeitung dieser Frage dazu verdammt, im Spekulativen zu verharren. Dass zukünftige Ereignisse mittels wissenschaftlicher Ergründung notwendiger Voraussetzungen, Möglichkeit oder Wahrscheinlichkeiten ihres Eintreffens nicht annähernd so zuverlässig und präzise vorhergesagt werden können, wie schnöde Wahrsagerei es mit Leichtigkeit aus einem Kaffeesatz herauszulesen verspricht, beweist allerdings nicht, dass auf Zukunftsfragen gerichtete Gesellschaftswissenschaft von vornherein nichts als Ideologie hervorbringen kann. Um mehr als nur halbwegs plausibel klingende Einschätzungen über vielleicht wünschenswerte Entwicklungsperspektiven hervorbringen zu können, müssen wir selbstredend etwas anders fragen. Zwar kann in der Tat keine Wissenschaft der Welt voraussagen, ob und wenn ja, wann die Völker der Welt zu der Einsicht gelangen werden, dass sie ihren planetarischen Stoffaustausch unter ihre gemeinschaftliche Kontrolle zu bringen haben, wenn es ihnen tatsächlich gelingen soll, die Naturgewalt, als die ihr kapitalistisches Wollen und Tun zum prägenden Faktor des biologi­schen, geologischen und atmo­sphärischen Geschehens auf der Erde geworden ist, zur planetarischen Vernunft zu bringen.

Durchaus verorten lassen sich aber Grundlagen, Entwicklungsbedingungen und mögliche Verlaufsformen gesellschaftlicher Problemlagen, die die Herausbildung einer entsprechend einsichtigen Menschheit nicht nur notwendig, sondern unter Umständen auch möglich machen können. Dafür wäre beispielsweise herauszuarbeiten, mit welchen wann und wo zu ergreifenden Maßnahmen, (die welche und wessen Anstrengungen und Ressourcen stofflicher und finanzieller Natur bedürfen), es mit welcher Wahrscheinlichkeit möglich gemacht werden kann, allein die in den Dokumenten und Programmen der Vereinten Nationen bereits als zu lösende Menschheitsprobleme anerkannten Herausforderungen zu bewältigen. Das wären etwa Maßnahmen, mit denen es tatsächlich gelingen könnte, positive Rückkopplungseffekte im Erdklimasystem und damit eine sich selbst verstärkende Beschleunigung der Erderwärmung zu vermeiden. Gleiches lässt sich zu Bemühungen sagen, den Verlust an biologischer Vielfalt, Bodenfruchtbarkeit, Fischreichtum, Wäldern usw. zu stoppen oder einen menschenwürdigen Umgang mit den Problemen derjenigen zu finden, sich vom kapitalismusgetriebenen Fortschritt – oft einhergehend mit politischer oder militärische Gewalt – um ihre gewohnten Existenzbedingungen gebracht sehen und deren Schicksale sich in in Statistiken und und Berichten über Massenmigration, Landflucht, unkontrolliert wachsende Elendsquartiere, Erwerbsarbeitslosigkeit, Hunger und Hungerlöhne einordnen. Es wären die bereits in Erscheinung tretenden und die noch zu erwartende Hemmnisse und Zielkonflikte herauszuarbeiten, die das Erreichen vereinbarter Ziele schwer oder unmöglich machen können, und es müsste nach Möglichkeiten geschaut werden, diese zu überwinden. Es wäre herauszuarbeiten, welche Art und welches Maß an Entwicklungsgerechtigkeit und Demokratisierung die Erreichbarkeit der als notwendig erkannten Ziele verlangt. Müssen neue Formen der demokratischen Teilhabe gefunden werden, damit das als Teil des Problems erkannte Wollen und Tun mehr Teil der Problemlösung werden kann? Braucht es neue Formen der Konfliktbewältigung, damit die Ressourcen, die die Anwendung und Androhung militärischer Gewalt gegenwärtig weltweit verschlingen, eingespart und dafür eingesetzt werden können, all diese Herausforderungen zu meistern?

Wissenschaftlich fundierte Antworten auf diese Fragen könnten helfen, zu entsprechend zweck- oder sachgerechten (und insofern rationalen1) Entscheidungen über Arten und Reihenfolgen der jeweils zu erreichenden Ziele, der dafür zu erledigenden Zwischenschritte, der zu ergreifenden Maßnahmen und zu etablierenden Regeln bzw. Formen der Setzung von Forschungsprioritäten, Entscheidungsfindung, Kommunikation, Arbeitsteilung oder Ressourcenallokation zu kommen. Je mehr Klarheit über das geschaffen werden kann, was an gesellschaftlichen Zielen auf welche Weise zu erreichen ist, desto eher gelingt ein entsprechend emanzipationsproduktiver Blick auf das Problemlösungspotenzial der Bewegungen, Institutionen, Prozesse, Vorstellungen, Forderungen, Vorhaben, Bemühungen, usw. die bereits in Richtung des als notwendig Erkannten unterwegs sind oder sich unter Umständen in diese Richtung bewegen ließen. Die große Frage wäre dann, wie die Lücke geschlossen werden kann, die sich dem forschenden Blick dabei offenbaren dürfte zwischen dem, was den bisherigen Analysen gemäß unbedingt zu erreichen, und dem, was den Subjekten des realen Geschehens auf absehbarer Zeit in diese Richtung tatsächlich möglich ist.

Die noch viel größere Frage scheint aber zu sein, was geschähe, wenn die so ermittelte Faktenlage tatsächlich nur noch den einen Schluss zuließe: Höchste Zeit, dass die Völker der Welt ihr Zusammenwirken jetzt auf eine Weise organisieren, die es den globalisierten Individuen (Assoziationen und Institutionen) gestattete, die geologische Menschenzeit zur weltgemeinschaftlich gestalteten Epoche der organisierten Mitmenschlichkeit und ökologischen Vernunft zu machen. Sollte nicht Wissenschaft der Gesellschaft erlauben, sachgerechte Diskurse über die Notwendigkeit, Vernunft und Erreichbarkeit auch solcher Ziele zu ermöglichen, die gegenwärtig als Utopie und folglich nicht der Rede Wert gelten, weil das wirkliche Leben bisher wenig Veranlassung oder Gelegenheit geboten hat, über diese Ziele auch nur nachzudenken? Die Erfahrung zeigt allerdings, dass mit dem bloßen In-der-Welt-Sein wissenschaftlich gewonnener Einsichten keineswegs die gesellschaftlichen Voraussetzungen dieser Möglichkeit geschaffen sind. Tatsächlich stellt sich also die Frage, ob das Erforschen der „wirklichen Voraussetzungen“ der Machbarkeit planetarischer Vernunft, „von denen man nur in der Einbildung abstrahieren kann“ nicht vergebliche Liebesmüh bleiben muss, solange „die wirklichen Individuen, ihre Aktion und ihre materiellen Lebensbedingungen2 nicht bereits als eine vernunftbegabte Einheit funktionieren.

Dass und warum das gegenwärtige Kapitalistischsein nahezu alles Menschlichen (insbesondere auch das der menschlichen Fähigkeit zum vernunftgeleiteten Handeln3) die weltweit zusammenwirkenden „wirklichen Individuen“ (Assoziationen und Institutionen) davor bewahrt, ihr globalisiertes Wollen und Tun mit einem einen gemeinschaftlich verantworteten planetarischen Problembewusstsein (und den dazu gehörigen planetarischen Problemlösungskonzepten) auszustatten, werden wir hier in der gebotenen Sorgfalt darlegen. Dabei wird sich allerdings nicht nur zeigen, warum das dabei zu vergegenwärtigte Wissen um die strukturellen Grundlagen des gegenwärtigen Ausbleibens einer massenhaften Nachfrage nach eben diesem Wissen, diese fehlende Nachfrage nicht einfach schaffen kann. Wir werden auch sehen, zu welchen Fehlschlüssen diese ernüchternde Einsicht verleiteten kann, wenn außer Acht gelassen ist, dass wie alles „Sein“ auch das kapitalistisch bestimmte mit all seinen mehr oder weniger guten Gründen, Entscheidungen zu treffen, diese zu planen und herbeizuführen, zu überdenken, sie möglicherweise zu verwerfen, deren mögliche und schließlich tatsächlich zu beobachtende Wirkungen zu reflektieren, diese zu verantworten, daraus Schlüsse für künftige Entscheidungsprozesse zu ziehen usw. in Wirklichkeit das beständige Werden und Vergehen historischer Kräfte, Interessen, Regeln, Zwänge, Erwartungen, Werturteile, Erfahrungen, Gewohnheiten, Möglichkeiten, Erkenntnisse oder auch Spekulationen oft gegensätzlicher Natur ist.

Das gilt auch für die marxsche Schlussfolgerung aus der einmal gewonnenen Erkenntnis, dass die kapitalistischen Verhältnisse ohne Weiteres kein „massenhaftes kommunistisches Bewusstseins“4 hervorbringen, sondern dass „sowohl zur massenhaften Erzeugung dieses kommunistischen Bewußtseins wie zur Durchsetzung der Sache selbst eine massenhafte Veränderung der Menschen nötig ist, die nur in einer praktischen Bewegung, in einer Revolution vor sich gehen kann“.

Fortsetzung folgt

1Zur Möglichkeit eines rationalen Verständnisses von Rationalität bzw. Vernunft, siehe S.

2„Die Voraussetzungen, mit denen wir beginnen, sind keine willkürlichen, keine Dogmen, es sind wirkliche Voraussetzungen, von denen man nur in der Einbildung abstrahieren kann. Es sind die wirklichen Individuen, ihre Aktion und ihre materiellen Lebensbedingungen, sowohl die vorgefundenen wie die durch ihre eigne Aktion erzeugten. Diese Voraussetzungen sind also auf rein empirischem Wege konstatierbar.“ Marx/Engels: Die deutsche Ideologie; MEW Bd. 3, S. 20

3Vernunftgeleitetes Handeln ist her verstanden als Fähigkeit, im Wissen um die voraussichtlichen Ergebnisse und mit der Erwartung, für diese gerade stehen zu können, zu handeln, und ein solches Handeln auf Basis der dabei gemachten Erfahrungen wiederholen, nachmachen, verbessern oder auch vermeiden bzw. all das zweckgerecht beurteilen zu können. Vergl.

4Auf das marxsche Kommunismus-Verständnis, dessen

1 Marx: Kritik des Gothaer Programms, MEW Bd. 19, S. 28

2Marx: Das Kapital, WEM 23, S. 415

3 Marx: Das Kapital, MEW Bd. 23, S. 765

4Die genauen Mechanismen dieser Reichtumsdopplung und was diese für die gesellschaftliche Entwicklung bedeuten, habe ich mich bemüht, im Kapitel … auf Seite .. in der gebührenden Sorgfalt und Gründlichkeit darzulegen

5Sich an Marx Sichtweise angelehnt, einem „moralistischen“ Herangehen entgegenzustellen, heiß selbstverständlich nicht, gegen Moral zu sein oder sich grundsätzlich gegen die

6Ideologisch verstanden als Vorstellung, deren Richtigkeit und Wahrheit nicht überprüft wird. Näheres auf Seite

7Siehe S.

8 Marx/Engels: Die deutsche Ideologie, MEW Bd. 3, S. 34

9Ebd.

10Marx: Zur Kritik der politischen Ökonomie, MEW Bd. 13, S. 8-9

[Die Fußnoten sind hier noch nicht korrekt wiedergegeben]

1 Marx: Zur Kritik der politischen Ökonomie, MEW Bd. 13, S. 9

1 Marx: Kritik des Gothaer Programms, MEW Bd. 19, S. 28

2 Marx: Zur Kritik der politischen Ökonomie, MEW Bd. 13, S. 9

3 Marx: Zur Kritik der politischen Ökonomie, MEW Bd. 13, S. 9

Marx: Zur Kritik der politischen Ökonomie, MEW Bd. 13, S. 9

1„Die Voraussetzungen, mit denen wir beginnen, sind keine willkürlichen, keine Dogmen, es sind wirkliche Voraussetzungen, von denen man nur in der Einbildung abstrahieren kann. Es sind die wirklichen Individuen, ihre Aktion und ihre materiellen Lebensbedingungen, sowohl die vorgefundenen wie die durch ihre eigne Aktion erzeugten. Diese Voraussetzungen sind also auf rein empirischem Wege konstatierbar.“ Marx/Engels: Die deutsche Ideologie; MEW Bd. 3, S. 20

2Siehe …

3Marx

4 Marx/Engels: Die deutsche Ideologie, MEW Bd. 3, S. 70

5 Marx/Engels: Manifest der kommunistischen Partei, MEW Bd. 4, S. 465

6Siehe

1Diejenigen meiner Mitmenschen, die aus, wie ich finde und noch näher ausführen werde, durchaus verständlichen Gründen eine so große Abneigung gegen alles empfinden, das auch nur im Entferntesten nach einem Reaktivierungsversuch „des Kommunismus “ ausschauen könnte, mögen das Wörtchen „öko-kommunistisch“ an dieser Stelle durch „weltgemeinschaftlich“ ersetzen. Zu meiner Entscheidung, Marx Perspektive einer gemeinschaftlichen Kontrolle des anthropogenen Stoffaustausches als die eines „öko-kommunistisch bestimmten“ Gestaltung des Anthropozäns vorzustellen, siehe .

2 Vergl. Marx/Engels: Die deutsche Ideologie. MEW Bd. 3, S. 33

3 Marx/Engels: Die deutsche Ideologie, MEW Bd. 3, S. 34

Marx/Engels: Manifest der kommunistischen Partei, MEW Bd. 4, S. 465

4 Marx: Das Kapital, MEW Bd. 25, S. 828

5Siehe …

6„Die Voraussetzungen, mit denen wir beginnen, sind keine willkürlichen, keine Dogmen, es sind wirkliche Voraussetzungen, von denen man nur in der Einbildung abstrahieren kann. Es sind die wirklichen Individuen, ihre Aktion und ihre materiellen Lebensbedingungen, sowohl die vorgefundenen wie die durch ihre eigne Aktion erzeugten. Diese Voraussetzungen sind also auf rein empirischem Wege konstatierbar.“ Marx/Engels: Die deutsche Ideologie; MEW Bd. 3, S. 20

7Siehe …

8Marx

9 Marx/Engels: Die deutsche Ideologie, MEW Bd. 3, S. 70

13 Marx: Zur Kritik der politischen Ökonomie, MEW Bd. 13, S. 9

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