Das Anthroprozän gestalten!

Zur Machbarkeit planetarischer Vernunft.

Ein erster Einblick in das Projekt, an dem ich gerade arbeite.  Kritik, Ideen, Fragen aller Art herzlichst erwünscht. 

Worum geht es?

Dieses Buch soll ermutigen, über das Ende der Geschichte kapitalistischer Vernunft hinaus zu denken und einen offenen Diskurs über Notwendigkeit, Realisierungs- und Rationalitätsbedingungen eines organisierten Übergangs zu „öko-kommunistisch“ bestimmten Produktionsbedingungen zu wagen.

Warum?

Die menschliche Gestaltungskraft ist zum prägenden Faktor des biologi­schen, geologischen und atmo­sphärischen Geschehens auf der Erde ge­worden. In den Geowissenschaften wird diskutiert, diese Ver­änderungen als eine neue Periode der Erdgeschichte zu verstehen, das Anthropozän, das Erdzeitalter des Menschen. Das ist keine frohe Botschaft, die vom Sieg menschlicher Vernunft über die zivilisationsge­fährdende Gewalt eines unbe­herrschten Naturzustands kündet. Die gesellschaftli­chen Mechanismen, die dem vernunftbegabten Wesen eine solche Wirkmacht be­schert haben, treten den han­delnden Individuen und deren Institutionen im Gegenteil als eine Naturgewalt gegenüber, die sie „unterjocht, statt von ihnen beherrscht zu werden.1

Marx vor nunmehr über 150 Jahren formulierte Zustandsbeschrei­bung scheint verblüffend aktuell.

Die soziale Macht, d.h. die vervielfachte Pro­duktionskraft, die durch das in der Teilung der Arbeit bedingte Zusammen­wirken der verschiedenen Individuen entsteht, erscheint diesen Individuen, weil das Zusammenwirken selbst nicht freiwillig, sondern naturwüchsig ist, nicht als ihre eig­ne, vereinte Macht, sondern als eine fremde, außer ihnen stehende Gewalt, von der sie nicht wissen wo­her und wohin, die sie also nicht mehr beherrschen können, die im Gegenteil nun eine eigentümliche, vom Wollen und Laufen der Menschen unabhängige, ja dies Wollen und Laufen erst dirigierende Rei­henfolge von Phasen und Entwicklungsstufen durchläuft.“2

Wir erleben heute eine bedrohliche Zuspitzung dieses paradoxen Zustands. Die inzwischen weltweit interagierenden Subjekte des Weltgeschehens, Individuen, Institutionen oder Assoziationen, verfügen über eine schier unendlich erscheinende Vielfalt an Möglichkeiten, vernunftgeleitete Entscheidungen zu treffen. Ihre kombinierte Produktivkraft“ konnten sie dabei ins Unermessliche steigern. Moderne Wissenschaft und Demokratie erlauben Aufklärung auch über die Kehrseiten unserer menschlichen Siege über die Natur. Doch ungeachtet all unserer Kenntnisse über das Zersörungsvermögen, das ein nahezu ungebremstes Wachstum menschlicher Kraft und Herrlichkeit bis heute akkumuliert hat, scheint es nach wie vor ein Ding der Unmöglichkeit, das anthropogene Zusammenwirken insgesamt nach Maßgaben sozialer oder ökologischer Vernunft zu gestalten. Unser globalisiertes Zusammenwirken ist uns immer noch nicht zureig­nen, vereinte Macht“ geworden. Mensch und Natur bleiben den stets bedrohlicheren Launen der Naturgewalt ausgesetzt, als die sich ihr eigenes Zusammenspiel gestaltet.

In diesem Zustand taumelt das menschliche „Laufen und Wollen“ in die geologische Menschenzeit. Mit welcher Perspektive? Was könnte Wege in ein soziales Zeitalter der menschheitlichen Selbstbeherrschung ebnen? Hilft der Rückgriff auf Marx Vision einer Menschheit, die es den weltweit interagierenden Individuen, Gruppierungen und Institutionen gestattet, ihren „Stoffwechsel mit der Na­tur rationell re­geln, unter ihre gemeinschaftliche Kontrolle bringen, statt von ihm als von einer blinden Macht beherrscht zu werden; ihn mit dem geringsten Kraftauf­wand und unter den ihrer menschlichen Natur würdigsten und adäquatesten Bedingungen vollziehn3?

Als jemand, der sich seit den Zeiten seines politischen Erwachsenwerdens in den 1970er Jahren für die ökologischen Dimensio­nen des Menschseins interessiert und sich insbesondere nach Nutzung des zweiten Bildungswegs und Aufnahme seines Studiums der Soziologie in den 1980er Jahren, immer wieder intensiv mit dem Marx-Engels Werk auseinanderset­zen konnte, überrascht mich der akute Gebrauchswert der vor nunmehr über 150 Jahren formulierten Perspektive nicht.

Marx Bemerkung war kei­neswegs das zufällige Ergebnis einer idealisti­schen Schöngeisterei, die sich kunstvoll um das eigene Wunschdenken rankt. Das Metier des Forscherges­panns Marx und Engels waren die materiellen, das heißt, die durch bloße Denk­arbeit nicht ohne Weite­res veränderbaren Bedingungen des kapitalistisch bestimmten Tuns und Lassens. Ihr Interesse galt nicht nur den grundlegenden Funktion und zeitgenössischen Problemen kapitalistischer Produktionsbedingungen, es richtete sich insbesondere auf die darin angelegten Bedingungen der „Negation“ dieser Bedingungen, d.h. sie fragen, was die Entwicklung ihres Gestaltungspotenzials an einen Punkt geraten lassen könnte, der es maßgeblichen Teilen der Gesellschaft notwendig, denk- und auch machbar erscheinen lassen könnte, zu einer gesellschaftlichen Ordnung auf Grundlage von Produktionsbedingungen überzugehen, die ihnen die gemeinschaftliche Kontrolle der Produktionsbedingungen erlaubte. Das unterscheidet das marx-engelssche Herangehen von der verbreiteten Vorstellung einer vom richtigen oder falschen Denken gelenkten Geschichte4 von der im Verlaufe dieser Arbeit noch öfter zu reden sein wird. Von Marx (und Engels5) lernen heißt aus meiner Sicht, zu erkennen, dass sich Vor­stellungen darüber, was ein gutes, menschliches oder ökologisch korrektes Leben sein soll (was dafür zu tun wäre oder auch, was die Richtigkeit dieser Vorstellun­gen zeigt) nicht zum Zeitgeist avancieren können, ohne dass sie sich als ein probates Mittel der Unterordnung unter die ökonomischen Handlungsnot­wendigkeiten und -erwartungen erweisen, wie sie aus den his­torisch jeweils vorherrschenden Formen der Arbeitstei­lung unwillkürlich hervorgehen.

„Die Menschen sind die Produzenten ihrer Vorstellungen, Ideen pp., aber die wirklichen, wirkenden Men­schen, wie sie bedingt sind durch eine be­stimmte Entwicklung ihrer Produktivkräfte und des denselben entsprechen­den Verkehrs bis zu seinen weitesten Formationen hinauf. Das Bewußtsein kann nie etwas Andres sein als das bewußte Sein, und das Sein der Men­schen ist ihr wirklicher Lebensprozeß.6

Die epochalen Unterschiede in der Art, wie sich diese Lebensprozesse jeweils gestalten, bildeten sich nach Marx bisher urwüchsig und auf die Menschheitsentwicklung als Ganzes bezogen ziellos, aber keineswegs zufällig. Am Ende verlangte der in einer Epoche er­reichte Grad der Produktivkraftentwicklung, das heißt, das in den zeitgenös­sischen Produktions- Transport- und Vergesell­schaftungstechniken, im Know How der Produktionsagenten usw. angelegte Produktions- und Aneignungsvermögen, die Art, wie, wo, von und für wen dieses Potenzial eingesetzt und weiter entwickelt wird. Diese „Produktionsverhältnisse“ bilden wiederum die Grundlage der gesellschaftlichen Organisation und mit ihr auch ihr Selbstverständnis. Die in der Menschheitsgeschichte jeweils vorherrschenden Produktionsbedingungen unterscheiden sich im Wesentlichen im Ausmaß und in der Art der Arbeitsteilung, das heißt, inwie­weit und wie in der jeweiligen Epoche Produktion und Transport, Organisati­on, Für- und Vorsorge, Wissenser- und -ver-mittlung, Ideenproduktion, -an­wendung und pflege, notwendi­ge Schutzmaßnahmen usw. geteilt und auf welcher Grundlage dabei über das Recht und das tatsächliche Vermögen entschieden wird, sich das dabei Produzierte anzueignen. Wer also ein anderes Denken über gesellschaftlich notwendige Ziele, Prioritäten usw. etabliert sehen möchte, sollte nach den materiellen Voraussetzungen der Möglichkeit schauen, Formen der gesellschaftlichen Arbeitsteilung zu etablieren, die das gewünschte Denken verlangen. Vereinfacht gesagt:

„Steht es den Menschen frei, diese oder jene Gesellschaftsform zu wählen? Kei­neswegs. Setzen Sie einen bestimmten Entwick­lungsstand der Produktiv­kräfte der Menschen voraus, und Sie erhalten eine bestimmte Form des Ver­kehrs [commerce] und der Konsumtion. Setzen Sie bestimmte Stufen der Entwicklung der Produktion, des Verkehrs und der Konsumtion voraus, und Sie erhalten eine entsprechende soziale Ordnung, eine entsprechende Or­ganisation der Familie, der Stände oder der Klassen, mit einem Wort, eine entspre­chende Gesellschaft [société civile]. Setzen Sie eine solche Gesell­schaft voraus, und Sie erhalten eine entsprechende politische Ordnung [état politique], die nur der offizielle Ausdruck der Gesellschaft ist.“7 Vereinfacht gesagt: „Die Handmühle ergibt eine Gesellschaft mit Feudalherren, die Dampfmühle eine Gesellschaft mit industriellen Kapitalisten.“

Ergeben heute also Digitalisierung, Internet und Nutzung regenerativer Energiequellen eine Gesellschaft mit „öko-kommunistisch“ interagierenden Weltbürger*in­nen, die ihren planetarischen Stoffwechsel untereinander und mit der sie umgebenden Natur auf Grundlage weltge­meinschaftlich erarbeiteter und verfolgter Ziele und Standards organisieren? Selbstredend stellt das vereinfacht Gesagte keinen Automatismus dar. Notwendigkeit, Vernunft und Erfolgsbedingungen einer solchen Perspektive können ebenso wenig aus Theorien abgeleitet werden, wie aus guten Ab­sichten oder fixen Menschenbildern. Was Marx als universal gelehrter Wissenschaftler, Theoretiker, Journalist und politischer Organisator über die Funktionsweisen, Probleme und Entwicklungsmöglichkeiten kapitalistischer Produktions- bzw. Austauschbeziehungen und über darin angelegte Bedingungen der Möglichkeit, sie am Ende Geschichte werden zu lassen, herausfand, kann helfen, die Erforschung der gegenwärtigen Situation und was daraus zu machen wäre, zu systematisieren, kann das eigene Forschen aber nicht ersetzen.

„Da, wo die Spekulation aufhört, beim wirklichen Leben, beginnt also die wirkliche, positive Wissenschaft, die Darstellung der praktischen Betätigung, des praktischen Entwick-lungsprozesses der Men­schen. Die Phrasen vom Bewusstsein hören auf, wirkliches Wissen muss an ihre Stelle treten.“8

Die Richtigkeit von Hypothesen, Prognosen, Kritik usw. muss anhand von empirisch erfassten Daten oder von Funktionsanalysen der gegebenen bzw. erwartbaren Interaktionsbedingungen belegt bzw. plausibel erklärt und gegen Kritik argumentativ verteidigt werden können.

Marx wird das Wissen nicht liefern, das uns verraten könnte, ob die Menschheit tatsächlich einmal im Begehren vereint sein wird, ihren Stoffwechsel mit der Na­tur „unter den ihrer menschlichen Natur adäquatesten Bedingungen vollziehnzu können und ob sie jemals zu der Erkenntnis gelangen wird, dass sie ihr planetarisches Wirken unter ihre gemeinschaftliche Kontrolle bringen“ müsste, wenn das keine Utopie bleiben soll. Wir können nicht einmal mit Sicherheit wissen, ob sich die Menschheit tatsächlich, wie Marx bemerkte, immer nur Aufgaben stellt, die sie lösen kann, da, so seine Begründung, „die Aufgabe selbst nur entspringt, wo die materiellen Bedingungen ihrer Lösung schon vorhanden oder wenigstens im Prozeß ihres Werdens begriffen sind“9 Nur scheint die bisherige Geschichte die Plausibilität dieser Ansicht zu bestätigen. Nicht zuletzt der sowjetkommunistische“ Fehlschlag1 erscheint mir als Bestätigung von Marx Warnung, dass nur der Mangel verallgemeinert“ werden kann und also mit der Notdurft auch der Streit um das Notwendige wieder beginnen“11 muss, solange die technologischen oder sozialen Voraussetzungen der Möglichkeit eines organisierten Übergangs zu einer tatsächlich weltgemeinschaftlichen bestimmten Gestaltung des Produktionsgeschehens nicht wirklich in Sicht sind. Das führt uns zurück zu dem aus meiner Sicht wesentlichen Gebrauchswert des marxschen Herangehens in der heutigen Sitution. Es gilt zu verstehen, dass „das Umdenken“ in Richtung Mitmenschlichkeit und ökologische Vernunft, das in diesen Tagen zunehmend mehr Menschen mit wachsender Verzweiflung einfordern, stets nur in dem Maße zum wirklich wirksamen Element einer wirklichen, das heißt, einer wirklich menschheitsgeschichtlichen Weichenstellung werden kann, soweit die technologischen und die sozialen Fertigkeiten tatsächlich entwickelt oder zumindest „im Prozess ihres Werdens begriffen“ sind, deren Verfügbarkeit es den Menschen weltweit machbar erscheinen lassen könnte, sich als eine handlungsfähige Kraft zu formieren, der es tatsächlich gelingen könnte, ihre in Umfang und Geschwindigkeit beständig wachsende Fähigkeit, Naturresourcen in Güter und Dienstleistungsangebote zu verwandeln, zur planetarischen Vernunft zu bringen.

Den marxschen „Materialismus“ in Dienst zu nehmen heißt hier also nicht etwa, der fixen Idee zu verfallen, einen „historisch-materialistischen Nachweis“ der Sinnlosigkeit von Idealen und der Lachhaftigkeit „des Idealismus“ präsentieren zu müssen und darüber „aufkzulären“, dass der Menschheit nur die Hoffnung bleibt, irgendwann, irgendwie, irgendwo vom sich hinterrücks einstellenden Fortschritt in eine menschengerechtere Ära geführt zu werden. Schon gar nicht sehe ich den marx-engelsschen Materialismus als Anweisung, die ewige Wahrhaftigkeit, Notwendigkeit, Logik, Funktionalität oder Vernünftigkeit einer utopischen Ordnung zu beweisen, die heute nur in der Vorstellung Einzelner existieren kann und deshalb auf absehbare Zeit keine Überprüfung in der gesellschaftlichen Praxis zu fürchten hat. Ein solch krasses Missverständnis des marx-engelsschen Bemühens, das zu ihrer Zeit aufkommende Verlangen nach einer kommunistischen Produktionsordnung mit einem wissenschaftlichen Herangehen zur Vernunft zu bringen, gilt Generationen von „Marxkritikern“ als eindeutiger Beweis, dass der ganze Marxismus mit echter Wissenschaft nichts zu tun habe und mehr einer Religion gleichkäme.

Wie es dem historisch wirklichen Wirken wirklich wirksamer Marxisten am Ende tatsächlich gelang, Marx‘ „wissenschaftlichen Sozialismus“ in so etwas wie eine Staatsreligion zu verwandeln, in der wissenschaftlich gewonnene Erkenntnisse wenig, fromme Bekenntnisse zur Unfehlbarkeit der staatsparteilichen Direktiven und der zu ihrer Rechtfertigung herangezogenen Dogmen dafür um so mehr zählten, wird uns noch näher beschäftigen. An dieser Stelle sei zunächst Marx (und Engels) Intention hervorgehoben. Es galt, auf Basis wissenschaftlicher Analysen der ökonomischen Grundlagen der gegebenen Ordnung die Möglichkeitsbedingungen einer historischen Situation zu ergründen, die den Gedanken an eine „kommunistische“ (gemeinschaftlich bestimmte) Organisation des menschlichen Zusammenwirkens auf breiter gesellschaftlicher Ebene überhaupt erst denkbar machen könnte. Wirklichkeit werden könne ein solcher „Kommunismus“ nach Marx nur als Resultat eine länger währenden Periode des Übergangs von der gegebenen Produktionsordnung in die neue. Marx verstand unter „Sozialismus“ also keine ganz neue Gesellschaft, die den Kapitalismus auf der Stelle abzuschaffen und also quasi mit dem Resultat des Übergangs zu beginnen hätte. Für das Team Marx & Engels war Sozialismus“ vielmehr ein Stadium der Menschheitsgeschichte. Und es spricht nichts dafür, dass das Gespann es für möglich gehalten hätte, dass die reale Existenz dieses Stadiums mittels wissenschaftlicher Weltanschauung „falsifiziert“ werden könnte. Das könnten nur handfeste Belege, die allgemein nachvollziehbar (und natürlich auch jederzeit öffentlich anzweifelbar) darüber Auskunft geben können, inwieweit die Entwicklung der Fähigkeit, Produktion und Aneignung (Pflege, Organisation Weiterentwicklung) der Lebensgestaltungs- und Produtionsmittel gemeinschaftlich zu bestimmen, tatsächlich zum weltweit vorherrschenden Prozess der gesellschaftlichen Entwicklung geworden ist. Auch das Eintreten in eine solche Phase der Menschheitsgeschichte ist nach Marx keineswegs zu jeder Zeit möglich und könnte etwa durch eine erfolgreich dozierte Weltanschauung einfach herbeirevolutioniert werden. 

Eine Gesellschaftsformation geht nie unter, bevor alle Produktivkräfte entwickelt sind, für die sie weit genug ist, und neue höhere Produktionsverhältnisse treten nie an die Stelle, bevor die materiellen Existenzbedingungen derselben im Schoß der alten Gesellschaft selbst ausgebrütet worden sind.

Bevor die Menschheit als eine solche auch nur auf den Gedanken kommen kann, die Entwicklung der unterschiedlichen Bedürfnisse und Fähigkeiten auf die Schaffung der Möglichkeit hin auszurichten, weltgemeinschaftlich über das Woher und Wohin der anthropogenen Produktions- und Aneignungsbedingungen bestimmen zu können, (bevor also im Sinne der maxschen Perspektive der „sozialistische“ Übergang zu „kommunistisch“ bestimmten Produktionsordnung zum weltgesellschaftlich vorherrschenden Entwicklungsprozess werden kann), müssen nach Marx Notwendigkeit und Machbarkeit einer solchen Phase der Menschheitsgeschichte im „Schoße der alten Gesellschaft“ heranreifen.

Ein noch so wissenschaftlich korrektes und noch so erfolgreiches Erkenntnissammeln wird aus den gewonnenen Erkenntnissen also keinen Zaubertrank brauen können, mit dem sich das gesellschaftliche Wollen und Tun aus den historisch möglichen Behauptungsbedingungen herauslösen ließe. Allerdings kann der forschende Blick auf die der menschlichen Willkür weitgehend entzogenen Mechanismen des anthropogenen Werdens und Gedeihens (oder Verderbens) helfen, zu verstehen, auf welcher Grundlage und unter welchen Umstände, wann, wie, wo und warum Möglichkeiten der gezielten Einflussnahme auftun können. Um so besser das gelingt, desto zeitiger und vielleicht wirkmächtiger und im Ergebnis gescheiter ließe sich ein öffentliches Nachdenken darüber gestalten, wie neue Spielräume der menschlichen Einflussnahme auf das weltgesellchaftliche Werden gewonnen, ausgebaut und zugunsten einer Entwicklung genutzt werden könnten, an deren Ende die heute noch wage und utopistisch erscheinende Idee eines nach Maßgaben der Mitmenschlichkeit und der ökologischen Vernunft gestaltbaren Anthropozäns zu einem für die Menschen weltweit selbstverständlichen Moment ihres alltäglichn „Seins“ werden kann. 

Die materiellen Voraussetzungen der Möglichkeit eines solchen Stadiums der Menschheitsgeschichte zu untersuchen, scheint heute um so dringlicher geboten, als gegenwärtig tagtäglich deutlicher wird, dass die weitere Fortsetzung der kapitalistischen Erfolgsgeschichte die Möglichkeiten einer vernunftgeleiteten Steuerung des planetarischen Wirkens keineswegs verbessern, sondern im Gegenteil dramatisch verschlechtern müsste. Sehr viel spricht dafür, dass nicht viel Zeit für die Herausbildung einer Menschheit bleibt, sich im Begehren zu vereinigten, den elenden Zustand zu beenden, der sie als eine unbeherrschte Naturgewalt ins erdgeschichtliche Zeitalter des Menschen taumeln lässt.

Was heißt das für diese Arbeit?

Es ist nach den Grundlagen der augenscheinlichen Unmöglichkeit zu schauen, die schier unendlich erscheinende Anzahl und Vielfalt vernunftgeleiteter Entscheidungen, die heute das historisch Menschenmögliche in stets steigendem Tempo zu immer erstaunlicherer Leistungsfähigkeit treiben, dahingehend zu bündeln, dass das individuelle Wollen und Tun zum selbstbewussten Element einer vernunftgeleiteten Gestaltung des Anthropozän werden kann. Dazu ist es notwendig, die ökonomischen Mechanismen zu verstehen, die in modernen Gesellschaften, die auf kapitalistischer Grundlage funktionieren, im Allgemeinen Produktion, Distribution, Aneignung und Weiterentwicklung der in der Gesellschaft benötigten Produktions- und Lebensgestaltungsmittel regeln und die bestimmen, wie und in welchem Umfang die Reproduktion und Pflege der dafür notwendigen „Ressourcen“ (sozialer und ökologischer Natur) geschieht bzw. unterbleibt. Die Betrachtung muss notwendigerweise die politischen, rechtlichen, oder auch kulturellen Mechanismen einschließen, die das kapitalistische Wirtschaften und deren Weiterentwicklung erst möglich machen, es stabilisieren und deren gewaltiges Konfliktpotenzial zivilisieren. Wir fragen also nach den Strukturelementen, die die kapitalistische Formation der gegenwärtigen Weltgesellschaft so erfolgreich, effizient, innovativ, geil und modern – und anscheinend so alternativlos machen, dass die meisten Menschen sich bis heute eher ein Ende der Welt als ein Ende des Kapitalismus vorstellen können.

II.
Wir haben allerdings die Gesamtheit der kapitalismusgetriebenen Weltveränderungen  in Betracht zu ziehen, die die Wohlstandsgewinne und Zivilisationsfortschritte der sogenannten „Moderne“ hervor gebracht haben. Diesbezügliches Schaffen von wirklichem Wissen geht nicht ohne forschende Blicke auch auf die menschenverachtenden, blutigen und von ökologischer Rücksichtslosigkeit geprägten Kehrseiten der Medaille, die im Lichte der unleugbaren Errungenschaften kapitalistischer Modernität so verführerisch zu glänzen vermag. Wir können nicht wissen, aber auf der Grundlage geschaffenen Wissens können wir möglicherweise beeinflussen, welche dieser Seiten der kapitalistischen Madaille prägend und für den menschheitsgeschichtlichen Verlauf entscheiden werden wird, sollten einmal, und das könnte bald sein, der Möglichkeit menschheitsgeschichtlicher Ergebnisrationalität auf der gegebenen (kapitalistischen) Grundlage buchstäblich der Boden entzogen sein. Der gewaltige Verlust an Bodenfruchtbarkeit, den die Welt bereits erlebt, ist einer der vielen Gründe, warum die strukturelle Unhaltbarkeit des liberalen Versprechens sehr bald zur Alltagserfahrung auch der bisher nicht im Schatten lebenden werden muss.  Noch wirkt der Zauber des Versprechens, dass die nationalstaatlich geschützte freie Konkurrenz privater Produktionsagenturen, trotz, oder, wie es das liberale Glaubensbekenntnis lehrt, gerade wegen ihrer institutionalisierten Gleichgültigeit gegenüber irgendwelchen Menschheitsbelangen, der staunenden Welt stets neue und wundervollere Zivilisations- und Wohlstandsgewinne bescheren muss, solange der Lebenszweck der privaten Produktionsagenturen, nämlich ihr eigens bzw. das in sie investierte Selbstereicherungsvermögens zu vermehren, durch die gegenseitige Nötigung zu erfüllen ist, mit stets weniger Arbeitsaufwand stets mehr und „geilere“ Mittel der menschlichen Lebensgestaltung oder Bereicherung  anzubieten.

Es ist abzusehen, dass die Krise des liberalen Versprechens,

 

Hier beginnt die Baustelle

 

Wir werden nachzuvollziehen

 

in dessen Licht all die möglicherweise real existierenden Notlagen, Ungerechtigkeiten, Gewaltausbrüche, Krisen und Katastrophen der kapitalistischen Ära nur vorübergehende Abweichungen vom letztlichen unvermeidlichen Trend zu immer mehr Freiheit, Wohlstand und Nachhaltigkeit sein können.

 

 

 

 

Neben den Problemen und Ambivalenzen nationalstaatlicher Anstrengungen, die heillosen Interessensgegensätzen zu zivilisieren, in die Kapitalismus die unterschiedlichen Produktions-, Distributions- und Aneignungsbedürfnisse und -fähigkeiten notwendigerweise verstrickt, steht das dem Kapitalismus eigene Unvermögen im Zentrum des Interesses, die von gegensätzlichen Privatinteressen bestimmten Produktions-, Distributions- und Aneignungsbedürfnisse und –fähigkeiten im Rahmen vernunftgesteuerter (welt-) gesellschatlicher Evaluations-, Abwägungs- und Realisierungsprozesse mit den planetarischen Voraussetzungen und Folgen ihrer Befriedigung ins Benehmen zu setzen. Wir werden sehen, wie beides, sowohl die Grenzen und Ambivalenzen der nationalstaatlichen Zivilisierung kapitalistischer Interessensgegensätze als auch die Unmöglichkeit einer vernunftgeleiteten Vermittlung der unterschiedlichen Bedürfnisse und Fähigkeiten mit den planetarischen Bedingungen ihrer Anwendung bzw. Befriedigung, über kurz oder lang die nachhaltige Sicherung und Weiterentwicklung des auf diese Art der Existenzsicherung und Bereicherung gründenden Wohlstands verunmöglicht.

II. Emanzipation von der bloßen Unerträglichkeit  

Mit Kapitalismuskritik allein wäre allerdings noch nichts gewonnen. Mich interessiert, was diese so fundameltal verankerte, wirkmächtige und durchaus beliebte Weltmacht des Unvermögens, den anthropogenen Stoffaustausch in einer der menschlichen Natur adäquaten Weise zu gestalten, oder in Marx Worten, was diese „»Entfremdung«, um den Philosophen verständlich zu bleiben“ nicht nur  zu einer „unerträglichen Macht“ werden lassen könnte, „d.h. eine Macht, gegen die man revolutioniert“, sonndern auch, …

 

1 Marx/Engels: Die deutsche Ideologie. MEW Bd. 3, S. 34-35

2Ebd.

1 Vergl. Marx/Engels: Die deutsche Ideologie, MEW Bd. 3, S. 33

2Marx/Engels: Die deutsche Ideologie. MEW Bd. 3, S. 34

3 Bd. 25, S. 828

4 Eine eingehende Auseinandersetzung mit diesem Phänomen erfolgt im Kapitel … ab Seite

5Wenn ich fortan Marx als Referenz wähle, ist kein weiterer Beitrag zu

6 Marx/Engels: Die deutsche Ideologie, vgl. MEW Bd. 3, S. 26

7 Marx an Engels . 8. Januar 1868 MEW 32, S. 12

8 K. Marx, Deutsche Ideologie, MEW 3, 26f.

9 Marx: Zur Kritik der politischen Ökonomie, MEW Bd. 13, S. 9

10Dazu sieh Seite

11 Marx/Engels: Die deutsche Ideologie,MEW Bd. 3, S. 34-35

 

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