Zu Roman Rosdolskys „Der Gebrauchswert bei Karl Marx“ (2/2)

Zweiter Teil meines lauten Nachdenkens über den im Streifzüge Magazin dankenswerterweise veröffentlichten Beitrag von Roman Rosdolsky.

Streifzüge70/2017 hatte im Rahmen des Heftschwerpunktes zum möglichen Gebrauchswert des Gebrauchswertes für eine Theorie der Befreiung den Beitrag der Gebrauchswert bei Karl Marx von Roman Rosdolsky wiedergegeben.  Der historische Beitrag mit dem Untertitel

Eine Kritik der bisherigen Marx-Interpretation

war 1959 in KYKLOS erschienen. Internationale Zeitschrift für Sozialwissenschaften, Vol. XII 1959, Basel, S. 27-56 (redaktionell gekürzte Fassung)

 

In seiner „Gleichgültigkeit gegen die ökonomische Formbestimmung“ liegt der Gebrauchswert „jenseits des Betrachtungskreises der politischen Ökonomie. In ihren Kreis fällt nur, wo er selbst Formbestimmung.“

Mit anderen Worten: ob dem Gebrauchswert eine ökonomische Bedeutung zukomme, oder nicht, lässt sich nur nach seiner Beziehung zu den sozialen Produktionsverhältnissen beurteilen. Sofern er diese Verhältnisse beeinflusst oder selbst von ihnen beeinflusst wird, ist er gewiss eine ökonomische Kategorie. Sonst aber – in seiner bloß „natürlichen“ Eigenschaft – fällt er aus dem Bereich der Nationalökonomie heraus.

Oder, wie es weiter im Text der Grundrisse heißt:

„Die politische Ökonomie hat es mit den spezifischen gesellschaftlichen Formen des Reichtums oder vielmehr der Produktion des Reichtums zu tun. Der Stoff derselben, sei es subjektiv, wie Arbeit, oder objektiv, wie Gegenstände für die Befriedigung natürlicher oder geschichtlicher Bedürfnisse, erscheint zunächst allen Produktionsepochen gemeinsam. Dieser Stoff erscheint daher zunächst als bloße Voraussetzung, die ganz außerhalb der Betrachtung der politischen Ökonomie liegt, und erst dann in die Sphäre der Betrachtung fällt, wenn er modifiziert wird durch die Formverhältnisse oder als sie modifizierend erscheint.

(MEW 42, S. 741; vgl. auch die Parallelstelle, MEW 42, S. 767)

Alles richtig. Bin jetzt wirklich gespannt, wie es weiter geht.

Von diesem Gesichtspunkt aus bietet auch die Frage nach dem eigentlichen Unterschied zwischen Marx und Ricardo (hinsichtlich der Rolle des Gebrauchswerts in der Ökonomie) keine Schwierigkeiten mehr.

Dieser Unterschied kann sich unmöglich auf das Grundprinzip ihrer Wertlehre beziehen. Beide sind Arbeitswerttheoretiker; vom Standpunkt der Arbeitswerttheorie aus aber kann der Nützlichkeit oder dem Gebrauchswert der Arbeitsprodukte kein Einfluss auf die Wertschöpfung zugestanden werden, muss vielmehr ihr Gebrauchswert als eine bloße Voraussetzung ihrer Austauschbarkeit erscheinen. Woraus aber noch keineswegs folgt, dass dem Gebrauchswert überhaupt keine ökonomische Bedeutung zukomme, und dass er einfach aus dem Bereich der Ökonomie zu verweisen wäre.

Die Spannung steigt.

Rosdolsky erinneert nun daran, dass der Gebrauchswert lediglich unter Annahme eines „einfachen Warenaustausches“ (WGW) keine ökonomische Rolle spielt. Klar, ökonomisch wirds durch die Produktion, also mit der – möglichst günstigen – HERSTELLUNG von Gebrauchswertträgern. Kapitalistische Produktion heißt, zum Zwecke ihres Verkaufs unter Konkurrenzbedingungen Gebrauchswertträger produzieren zu lassen, zu diesem Zweck menschliche Arbeitskraft einzukaufen und sie  produktiv zu konsumieren, in anderen Worten: eingekaufte menschliche Arbeitskraft einzusetzen um Gebrauchswertträger eines – vermutlich – nachgefragten Gebrauchswertes HERSTELLEN zu lassen, damit deren Verkauf  mehr Geld einbringt, als zu diesem Zweck investiert werden musste.

Also:

Denn: „Der Gebrauchswert spielt selbst als ökonomische Kategorie eine Rolle. Wo er dies spielt, (…) wieweit der Gebrauchswert nicht nur als vorausgesetzter Stoff außerhalb der Ökonomie und ihrer Formbestimmung bleibt, und wieweit er in sie eingeht, geht aus der Entwicklung selbst hervor.“ (MEW 42, S. 546-547 und S. 193)

Ohne dass von den Konkurrenten frei einsetzbare menschliche Arbeitskraft  dazu benutzt werden kann, GEBRAUCHSWERTTRÄGER herzustellen,  für deren Erwerb Menschen oder Institutionen, die sich von dessen Erwerb einen Nutzen versprechen, bereit sind Geld zahlen, hätten kapitalistische Unternehmen natürlich nicht die Möglichkeit, sich den Tauschwert der Gebrauchswertträger anzueignen.

Rosdolsky weist zunächst – zurecht-  darauf hin, dass auch das Geld Ware mit gesellschaftlichem Tauschwert und Gebrauchswert ist und sich der Tauschwert des Geldes in der GEBRAUCHSWERTGESTALT der gegen es eintauschbaren Waren zeigt.  (Hier müsste allerdings ergänzt werden, dass die bei den anderen Waren normalerweise wertbildende Funktion der zur Reproduktion einer Ware gesellschaftlichen notwendigen Arbeitszeit bei den heutigen Banknoten ersetzt wird, durch die rechtlich gebotene (und durch Fälschungssicherheitsmaßnahmen technisch ermöglichte) Einschränkung der Reproduzierbarkeit).  Allerdings:

„…  von entscheidender Wichtigkeit ist das zweite Beispiel, auf welches Marx in den „Randglossen“ hinweist – der Austausch zwischen Kapital und Arbeit (…) wenn wir von diesem Austausch an der Oberfläche zu dem das Wesen der kapitalistischen Produktionsweise bestimmenden Austausch zwischen Kapital und Arbeit übergehen. Denn, wenn in der einfachen Warenzirkulation

„die Ware a gegen das Geld b ausgetauscht (wird), und dieses gegen die zur Konsumtion bestimmte Ware c – das ursprüngliche Objekt des Austauschs für a –, so fällt der Gebrauch der Ware c, ihr Konsum, ganz außerhalb der Zirkulation; geht die Form des Verhältnisses nichts an, (…) und ist rein stoffliches Interesse, das nur noch ein Verhältnis des Individuums in seiner Natürlichkeit zu einem Gegenstande seines vereinzelten Bedürfnisses ausdrückt. Was er mit der Ware c anfängt, ist eine Frage, die außerhalb des ökonomischen Verhältnisses liegt.“

(MEW 42, S. 200)

Wohingegen im Austausch zwischen Kapital und Arbeit eben der Gebrauchswert der vom Kapitalisten erworbenen Arbeitskraft die Voraussetzung des kapitalistischen Produktionsprozesses und des Kapitalverhältnisses selbst bildet. Der Kapitalist tauscht nämlich in dieser Transaktion eine Ware ein, deren Konsum

„unmittelbar mit der Vergegenständlichung der Arbeit, also der Setzung des Tauschwerts, zusammenfällt“

(MEGA II/2, S. 90).

War daher

„bei der einfachen Zirkulation der Inhalt des Gebrauchswerts gleichgültig“, so erscheint umgekehrt hier „der Gebrauchswert des gegen Geld Eingetauschten als besonderes ökonomisches Verhältnis“, gehört selbst „in die ökonomische Formbestimmtheit, (…) weil der Gebrauchswert hier selbst durch den Tauschwert bestimmt ist.“

„Dies unterscheidet also“

– unterstreicht Marx –

„schon formell den Austausch zwischen Kapital und Arbeit vom einfachen Austausch – zwei verschiedene Prozesse.“

(MEW 42, S. 232 und MEW 42, S. 200)

Für das Unternehmen liegt der Gebrauchswert der Arbeitskraft im vermehrten Tauschwert des durch dessen Anwendung (Arbeit) erzeugten  Gebrauchswert,  für den in dieser Hinsicht lebendigen Gebrauchswerträger  ist wiederum der Gebrauchswert seiner Arbeitskraft deren Tauschwert (z.B. in der Form von Lohn und Gehalt).

Wird so die Mehrwertschöpfung, also die Erhöhung des Tauschwerts des Kapitals, aus dem spezifischen Gebrauchswert der Ware Arbeitskraft hergeleitet, so muss andererseits die Nationalökonomie den dem Arbeiter zufallenden Anteil am Wertprodukt auf ein Äquivalent der zu seiner Erhaltung notwendigen Lebensmittel (im weiteren Sinn des Wortes) beschränken, also diesen Anteil im Grunde durch den Gebrauchswert bestimmen lassen.

„Hier finden wir also“

– heißt es im Rohentwurf – das zur Entlohnung der Arbeiter dienende Kapital

„auch nach der Seite des Gebrauchswerts hin bestimmt, als direkt in die individuelle Konsumtion eingehendes, und von ihr als Produkt aufzuzehrendes.“

(MEW 42, S. 576)

Also nicht „der Gebrauchswert“ als solcher bestimmt „den Tauschwert“ sondern der in Form von Lohnarbeit verausgabte Gebrauchswert des menschlichen Arbeitsvermögens schafft als Moment kapitalistischer (Re-) Produktionsbeziehungen Waren, d.h. zum Verkauf bzw. Kauf bestimmte Gebrauchswertträger mit einem Tauschwert (einem gesellschaftlichen Durschnittstauschwert) dessen Höhe letztlich auf die Zeit zurück geht, die der Gebrauchswert des „menschlichen Arbeitsvermögens“ (für kapitalistische Unternehmen) im gesellschaftlichen Durchschnitt genutzt werden muss, um die (von den Arbeitsvermögenden geschaffenen und nun im Besitz des Unternehmenns befindlichen) Gebrauchswertpotenziale her- und bereitzustellen. Ein Teil der vom Gebrauchswertträger „lohnarbeitsverögender Mensch“ im gesellschaftlichen Durchschnitt aufzuwendenden Arbeitszeit hat zudem den Gebrauchswert, die von den Lohnarbeitsvermögenden zur (Re-) Produktion des eigenen Daseins im gesellschaftlichen Durchschnitt benötigten Gebrauchswertträger her- und bereitzustellen. Da der dafür benötigte Anteil am geschaffenen Tauschwert als Lohn und Gehalt gezahlt werden muss, können die Gebrauchswerte, die der erweiterten Daseinssicherung bzw. (Re-) Produktion der Lohnarbeitsvermögenden dienen, im Tausch gegen diesen Teil des geschaffenen Tauschwertproduktes erworben  werden oder anders ausgedrückt, ein Teil der gesellschaftlich notwendigen Lohnarbeitszeit dient der (Re-) Produktion der Lohnarbeitsvermögenden selbst. Gebrauchswerte und Tauschwerte haben also einen Klassencharakter je nachdem, für wen sie in wellcher Hnsicht gerade Bedeutung haben. Es sind keine Eigenschaften von Dingen sondern Momente sozialer Bezehungen und zwar spezifisch kapitalistischer (Re-) Produktionsbeziehungen.  Setzten wir (öko-) kommunistisch (gemeinschaftlich) bestimmte (Re-) Produktionsbeziehungen voraus, wären Gebrauchswerte  als solche nicht verschwunden, hätten andere Bedeutungen (und Deutungen) und statt von Tauschwerten würde man wohl über soziale bzw. ökologische Kosten der Her- und Bereitstellung  erwünschter bzw. benötigter Gebrauchhswerte  (Mittel der individuellen wie gemeinschaftlichen Existezsicherung und Bereicherung)  zu reden haben.

Hiernach erinnert Rosdolvsky daran, dass auch der Gebrauchswert der im Besitz der Bereicherungsvermögenden (des Kapitals) befindlichen Produktionsmitel an der Wertbildung (eigentlich der Wertübertragung) beteiligt ist, je nachdem wie sehr ihr Einsatz im Produktionsprozess sie verbraucht und Ersatz erfordert und damit also die Umschlagszeit des in sie investierten Kapitals beeinflusst. Mehr Verschleiß bedeutet höhere Kosten, die in die Preise der produzierten Waren eingehen.

Richtig, der Gebrauchswertfaktor „größere Haltbarkeit“ müsste die Tauschwerte der damit produzierten Gebrauchswertträger senken – wenn dem nicht etwas entgegen wirkt, wie beispiesweise ein „moralischer Verschleiß“, das heißt, verbesserte Maschinen erfunden werden, und der physikalisch mögliche Einsatz der alten Produktionsmittel ein Wettbewerbsnachteil bedeuten würde.

So erscheint in den Kategorien des fixen und des zirkulierenden Kapitals

„der Unterschied der Elemente als Gebrauchswerte zugleich (…), als qualitativer Unterschied des Kapitals selbst und als seine Gesamtbewegung (Umschlag) bestimmend“

(MEW 42, S. 592).

Hier tritt also wieder der Gebrauchswert als ökonomischer Faktor in den Prozess des Kapitals ein. In diesem Zusammenhang wäre auf Arbeitsmittel zu verweisen, die in der Form von Fabrikgebäuden, Eisenbahnen, Brücken, Tunnels, Docks usw.

„als mit dem Boden vermähltes Kapital“

(MEW 42, S. 587)

wirken. Der Umstand, dass solche Arbeitsmittel

„lokal fixiert sind, mit ihren Wurzeln im Grund und Boden feststecken, weist diesem Teil des fixen Kapitals eine eigene Rolle in der Ökonomie der Nationen zu. Sie können nicht ins Ausland geschickt werden, nicht als Waren auf dem Weltmarkt zirkulieren. Die Eigentumstitel an diesem fixen Kapital können wechseln, es kann gekauft und verkauft werden und sofern ideell zirkulieren. Diese Eigentumstitel können sogar auf fremden Märkten zirkulieren, zum Beispiel in der Form von Aktien. Aber durch den Wechsel der Personen, welche Eigentümer dieser Art von fixem Kapital sind, wechselt nicht das Verhältnis des stehenden, materiell fixierten Teils des Reichtums in einem Land zu dem beweglichen Teil desselben.“

(MEW 24, S. 163)

Eigentumstitel auf Immobilien jeder Art spielen natürlich eine Sonderrolle bei der Tauschwertbildung, weil hier trotz möglicher Wechsel der Eigentümer die (Re-) Produktion von deren Gebrauchswert nicht einfach durch Hinzu- oder Wegnahme von Lohnarbeitsvermögen an die Nachfrage danach angepasst bzw. reguliert werden kann, außer, in gewisser Weise, wenn mit Hilfe von zusätlich einsetzbarem Lohnarbeitsvermögen neue Immobilien erschlossen werden können.

Am klarsten aber tritt die Rolle des Gebrauchswerts im Reproduktionsprozess des Kapitals zutage, wie er sich im III. Abschnitt des II. Bandes des Kapitals darbietet. Schon zu Beginn seiner Analyse erklärt Marx:

„Solange wir die Wertproduktion und den Produktenwert des Kapitals individuell betrachteten, war die Naturalform des Warenprodukts für die Analyse ganz gleichgültig, ob sie zum Beispiel aus Maschinen bestand oder aus Korn oder aus Spiegeln. Es war dies immer Beispiel, und jeder beliebige Produktionszweig konnte gleichmässig zur Illustration dienen. Womit wir es zu tun hatten, war der unmittelbare Produktionsprozess selbst, der auf jedem Punkt als Prozess eines individuellen Kapitals sich darstellt. Soweit die Reproduktion in Betracht kam

(vgl. MEW 23, Kapitel 23 und 24),

genügte es, zu unterstellen, dass innerhalb der Zirkulationssphäre der Teil des Warenprodukts, welcher Kapitalwert darstellt, die Gelegenheit findet, sich in seine Produktionselemente, und daher in seine Gestalt als produktives Kapital rückzuverwandeln; ganz wie es genügte, zu unterstellen, dass Arbeiter und Kapitalist auf dem Markte die Waren vorfinden, worin sie Arbeitslohn und Mehrwert verausgaben. Diese nur formelle Manier der Darstellung genügt nicht mehr bei Betrachtung des gesellschaftlichen Gesamtkapitals und seines Produktenwerts. Die Rückverwandlung eines Teils des Produktenwerts in Kapital, das Eingehen eines andern Teils in die individuelle Konsumtion der Kapitalisten- wie der Arbeiterklasse bildet eine Bewegung innerhalb des Produktenwerts selbst, worin das Gesamtkapital resultiert hat; und diese Bewegung ist nicht nur Wertersatz, sondern Stoffersatz, und ist daher ebensosehr bedingt durch das gegenseitige Verhältnis der Wertbestandteile des gesellschaftlichen Produkts, wie durch ihren Gebrauchswert, ihre stoffliche Gestalt.“

(MEW 24, S. 393)

Wobei die zum Verständnis der Wirkungsmechanismen gewählten Beispiele zwar als mikroökonomisches Handeln dagestellt erscheinen (und auch hin und wieder entsprechend missverstanden werden), aber in Wirklichkeit bereits Gesamtkapital und Konkurrenz der einzelnen Unernnehmen vraussetzt.

Worauf hier Rosdolsky anzusprechen scheint, ist der im zweiten Kapital-Band deutlich werdende Klassencharakter von Gebrauchswerten, je nachdem, ob sie dem Konsum von Funktionären des Kapitals,   und der Mehrung ihres Bereicherungsvermöggens  (Geld, Produktionsmittel etc.) denen oder Existenzmittel

Welches sind nun nach Marx die Fälle, wo der Gebrauchswert als solcher durch die Formverhältnisse der bürgerlichen Ökonomie modifiziert wird, oder wo er seinerseits in diese Formverhältnisse modifizierend eingreift – also selbst zu „ökonomischer Formbestimmung“ wird?

Ein Gebrauchswert als solcher, also ein Nutzpotenzial irgend einer Art, über das Menschen verfügen möchten und über das sie unter bestimmten Umständen verfügen können, ist allerdings eine Abstraktion, bei der STETS von allen historisch vorherrschenden Besonderheiten abgesehen wird. Es ist also keine ursrüngliche Wirklichkeit, die erst später – kapitalistisch – verformt wurde. Kapitalistische Formen der Existenz von Gebrauchswerten sind Waren. Und Gebrauchswerte von Waren haben eine ökonomische Wirklichkeit bzw. Potenz, etwa als Tauschwertproduzenten (dem Gebrauchswert der Arbeitskraft). Warengebrauchswerte bestimmen ihre Tauschrelationen mit insofern für die (Re-) Produktion ihrer speziellen Qualität mehr oder weniger Lohnarbeitszeit zu verausgaben ist. Allerdings: Zwar ist in einem höher entwickelten Gebrauchswert sehr oft mehr notwendige Arbeitszeit vergegenständlicht und der Tauschwert entsprechend höher, aber Produktivitätsfortschritte entwerten die Tauschwerte auch höherwertiger Gebrauchswerte, so dass eine qualitative Verbesserung nicht teurer sein muss  – und sie ist günstiger soweit sich Produktivitätsfortschritte verallgemeinern.

 Derselbe Standpunkt findet sich wieder in den Theorien, nur dass Marx hier expressis verbis auf die Bedeutung des Gebrauchswerts als einer ökonomischen Kategorie hinweist.

„Bei der Betrachtung des Mehrwerts als solchen – ist die Naturalform des Produkts, also (auch) des Mehrprodukts, gleichgültig. Bei der Betrachtung des wirklichen Reproduktionsprozesses wird sie wichtig, teils um seine Formen selbst zu verstehen, teils um den Einfluss, den Luxusproduktion usw. auf die Reproduktion übt.“

„Hier“

– unterstreicht Marx –

„erhalten wir wieder ein Beispiel, wie der Gebrauchswert als solcher ökonomische Wichtigkeit erhält.“

(MEW 26.3, S. 248)

Bezw. die in Tauschwerten ausgedrückte Mehrwertrate sich umgekehrt auch im Verhältnis von Produktions- und Luxusgütern und notwendigen Lebensmittel ausdrückt.

An einer anderen Stelle desselben Werkes untersucht Marx die Frage,

„ob ein Teil des Mehrprodukts, worin sich der Mehrwert darstellt, direkt wieder als Produktionsmittel in seine eigene Produktionssphäre eingehen kann, ohne vorher veräußert zu werden.“

„Es gibt in den Industriebezirken“

– schreibt er –

„Maschinenbauer, die ganze Fabriken für die Fabrikanten bauen. Gesetzt, ein Zehntel ihres Produkts sei Mehrprodukt oder unbezahlte Arbeit. Ob dieser Zehntel des Mehrprodukts in Fabrikgebäuden sich darstellt, die für Dritte gebaut und an sie verkauft sind, oder in einem Fabrikgebäude, das der Produzent für sich bauen lässt, an sich selbst verkauft, ändert offenbar nichts an der Sache. Es handelt sich hier nur um die Art des Gebrauchswerts, worin die Mehrarbeit sich darstellt, ob sie wieder als Produktionsmittel in die Produktionssphäre des Kapitalisten eingehen kann, dem das Mehrprodukt gehört. Hier haben wir wieder ein Beispiel von der Wichtigkeit des Gebrauchswerts für die ökonomischen Formbestimmungen.“

(MEW 26.2, S. 489)

Ja.

Die Wichtigkeit des Gebrauchswerts zeigt sich aber ebenso in bezug auf die Profitrate, insofern diese von den Wertschwankungen der Rohstoffe abhängt. Denn

„es sind namentlich eigentlich Agrikulturprodukte, der organischen Natur entstammende Rohstoffe, die solchen Wertschwankungen infolge wechselnder Ernteerträge usw. (…) unterworfen sind. Dasselbe Quantum Arbeit kann sich infolge unkontrollierbarer Naturverhältnisse, der Gunst oder Ungunst der Jahreszeiten usw. in sehr verschiedenen Mengen von Gebrauchswerten darstellen, und ein bestimmtes Maß dieser Gebrauchswerte wird danach einen sehr verschiedenen Preis haben.“

(MEW 25, S. 127-128)

Ja, verändern Wetterunbilden das Angebot an bestimmten Nahrungsmitteln so lässt sich das nicht einfach durch den vermehrten oder einen verminderten Einsatz von Lohnarbeitsvermögen ausgleichen — obwohl auf lange Sicht  die für die Erschließung und Absicherung neuer Länderreien oder etwa der Gewächshaustechnik aufzuwendene Arbeitszeit wieder hinein spielt.

Solche Variationen der Preise aber

„affizieren stets die Profitrate, auch wenn sie den Arbeitslohn, also die Rate und Masse des Mehrwerts, ganz unberührt lassen.“

(MEW 25, S. 115)

Gerade bei der unmittelbaren Lebensmitteproduktion sorgen Globalisierung,  technologische Erneuerungen, die Produktion und Transport beständig beschleunigen, die große Nachfragemacht von Handelsunternehmen die sich aber auch selbst gegeneinander zu behaupten haben, usw. also alles, wenn man so will,  Gebrauchswertfaktren, für geringe Profitraten die aber für die beteiligten Unternehmen aufgrund iher schieren Größe dennoch eine riesige Profitmasse erlauben.

Besonders hervorgehoben werden muss der Einfluss des Gebrauchswerts auf die Kapitalakkumulation.

„Man hat bisher in der marxistischen Literatur“

– schreibt H. Grossmann –

„immer wieder bloß die Tatsache betont, dass im Fortschritt der kapitalistischen Produktion und der Kapitalakkumulation, mit der Steigerung der Produktivität der Arbeit und dem Übergang zur höheren organischen Zusammensetzung des Kapitals, die Wertmasse des konstanten Kapitals absolut und im Verhältnis zum variablen wächst. Dieses Phänomen bildet jedoch bloß die eine Seite des Akkumulationsprozesses, soweit man ihn nämlich nur von der Wertseite betrachtet. Aber, wie nicht oft genug wiederholt werden kann, der Reproduktionsprozess ist nicht bloß ein Verwertungsprozess, sondern auch ein Arbeitsprozess, er produziert nicht bloß Werte, sondern auch Gebrauchswerte.“

Und

„von der Gebrauchswertseite betrachtet, wirkt die Steigerung der Produktivkraft nicht bloß in der Richtung der Entwertung des vorhandenen Kapitals, sondern auch in der Richtung der mengenmäßigen Steigerung der Gebrauchsdinge.“

(H. Grossmann, Das Akkumulations- und Zusammenbruchsgesetz des kapitalistischen Systems, Leipzig 1929, S. 326-328)

Das ist wahr und bildet die wesentliche Grundlage der Hoffnung auf einen stetigen Wohlstandsgewinns für alle. Wenn man nur für genug freien Wettbewerb sorgt wird man Beschleunigung, Produktinovationen usw. und also einen stets größeren Reichtum an Warenangebot ernten! Was allerdings  einen sehr großen Optimismus voraussetzt bzw. die Erwartung,  dass die mit den technologischen Erneuerungen, Globalisierngsprozessen usw einhergehende Überflüssigmachung von lebendiger Arbeit durch eine mindest ebenso große Ausdehnung der Produktion bzw.  Lohnarbeitsplätzen aufgefangen werden kann und dass es Dinge wie ökologische Grenzen des Wachstums (bzw. deren Vernunft) nicht geben kann.

Wie sich das auf den Prozess der Kapitalakkumulation auswirkt, kann man im Band III des Kapitals nachlesen:

„Direkt kann die Steigerung der Produktivkraft (…) die Wertgröße des Kapitals nur vermehren, wenn sie durch Erhöhung der Profitrate den Wertteil des jährlichen Produkts vermehrt, der in Kapital rückverwandelt wird (…) Aber indirekt trägt die Entwicklung der Produktivkraft bei zur Vermehrung des vorhandenen Kapitalwerts, indem sie die Masse und Mannigfaltigkeit der Gebrauchswerte vermehrt, worin sich derselbe Tauschwert darstellt, und die das materielle Substrat, die sachlichen Elemente des Kapitals bilden, die stofflichen Gegenstände, woraus das konstante Kapital direkt und das variable wenigstens indirekt besteht. Mit demselben Kapital und derselben Arbeit werden mehr Dinge geschaffen, die in Kapital verwandelt werden können, abgesehen von ihrem Tauschwert. Dinge, die dazu dienen können, zusätzliche Arbeit einzusaugen, also auch zusätzliche Mehrarbeit, und so zusätzliches Kapital zu bilden.“

Denn:

„Die Masse Arbeit, die das Kapital kommandieren kann, hängt nicht ab von seinem Wert, sondern von der Masse Roh- und Hilfsstoffe, der Maschinerie und Elemente des fixen Kapitals, der Lebensmittel, woraus es zusammengesetzt ist, was immer deren Wert sei. Indem damit die Masse der angewandten Arbeit, also auch Mehrarbeit wächst, wächst auch der Wert des reproduzierten Kapitals und der ihm neu zugesetzte Surpluswert.“

(MEW 25, S. 258-259)

Siehe mein Kommentar oben.

Mit besonderer Ausführlichkeit wird in Band III des Kapitals das Problem der Nachfrage und Zufuhr (des Angebots) behandelt. Dieses Problem hängt aufs engste mit der vieldiskutierten Frage der gesellschaftlich notwendigen Arbeitszeit zusammen, deren eingehende Erörterung schon in unserem ersten, dem Marxschen Rohentwurf gewidmeten Kyklos-Artikel (Bd. VI, Nr. 2, S. 162-163, Anm. 65) angesagt wurde.

„Gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit“

– lesen wir gleich zu Beginn des I. Bandes des Kapitals,

„ist Arbeitszeit, erheischt, um irgendeinen Gebrauchswert mit den vorhandenen gesellschaftlich-normalen Produktionsbedingııngen und dem gesellschaftlichen Durchschnittsgrad von Geschick und Intensität der Arbeit darzustellen“, und es ist „nur die zur Herstellung eines Gebrauchswerts gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit (in diesem Sinne), welche seine Wertgröße bestimmt.“

(MEW 23, S. 53-54)

Wird es nocc einmal spannend?

Dieser „technologischen“ Deutung des Begriffs der gesellschaftlich notwendigen Arbeitszeit begegnen wir immer wieder im Kapital und in anderen Marxschen Werken. Daneben findet sich aber auch eine andere Deutung, wonach nur jene Arbeit als „gesellschaftlich notwendig“ gelten könne, die dem gesellschaftlichen Gesamtbedarf nach einem bestimmten Gebrauchswert entspreche.

So heißt es schon im I. Band des Kapitals:

„Gesetzt (…) jedes auf dem Markt vorhandene Stück Leinwand enthalte nur gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit (im technologischen Sinn; R. R.). Trotzdem kann die Gesamtsumme dieser Stücke überflüssig verausgabte Arbeitszeit enthalten. Vermag der Marktmagen das Gesamtquantum Leinwand, zum Normalpreis von 2 Schilling per Elle, nicht zu absorbieren, so beweist das, dass ein zu großer Teil der gesellschaftlichen Gesamtarbeitszeit in der Form der Leinweberei verausgabt wurde. Die Wirkung ist dieselbe, als hätte jeder einzelne Leinweber mehr als die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit auf sein individuelles Produkt verwandt. Hier heisst’s: mitgefangen, mitgehangen. Alle Leinwand auf dem Markt gilt nur als ein Handelsartikel, jedes Stück nur als aliquoter Teil. Und in der Tat ist der Wert jeder individuellen Elle ja auch nur die Materiatur eines Teils des im Gesamtquantum der Ellen verausgabten gesellschaftlichen Arbeitsquantums.“

(MEW 23, S. 121-122)

Ich denke, dass der hier gemachte Unterschied, zwischen einer technologischen Bestimmung von Wertgrößen und eine, die die Wirkung der Nachfrage einschließt, auf ein Missverständnis beruht. Was nicht verkauft wird ist offensicchtlich nicht „gesellschaftlich notwendig“.  Ich sehe da keine technologische Bestimmung, die von der Nachfrage absieht.

In demselben Sinn aber äußert sich Marx auch an zahlreichen anderen Stellen. Und Friedrich Engels fasst sogar beide Deutungen in einer Definition zusammen, indem er gegen Rodbertus sagt:

„Hätte er untersucht, wodurch und wie die Arbeit Wert schafft und daher auch bestimmt und misst, so kam er auf die gesellschaftlich notwendige Arbeit – notwendig für das einzelne Produkt sowohl gegenüber andern Produkten derselben Art, wie auch gegenüber dem gesellschaftlichen Gesamtbedarf.“

(MEW 21, S. 185)

Genau.

Die Verquickung dieser beiden Deutungen der „gesellschaftlich notwendigen Arbeit“ wurde von zahlreichen Autoren als ein unerträglicher Widerspruch empfunden. In Wirklichkeit ist der Widerspruch nur scheinbar; es handelt sich eben um zwei verschiedene Stufen der Untersuchung, die das Operieren mit zwei verschiedenen, aber einander ergänzenden Begriffen erforderten. Darüber heißt es in Band III des Kapitals:

„Dass die Ware Gebrauchswert hat, heißt nur, dass sie irgendein gesellschaftliches Bedürfnis befriedigt. Solange wir nur von den einzelnen Waren handelten, konnten wir unterstellen, dass das Bedürfnis für diese bestimmte Ware – in dem Preis schon ihr Quantum eingeschlossen – vorhanden sei, ohne uns auf das Quantum des zu befriedigenden Bedürfnisses weiter einzulassen. Dieses Quantum wird aber ein wesentliches Moment, sobald das Produkt eines ganzen Produktionszweiges auf der einen Seite, und das gesellschaftliche Bedürfnis auf der anderen Seite steht. Es wird jetzt notwendig, das Maß, das heißt das Quantum dieses gesellschaftlichen Bedürfnisses, zu betrachten.“

(MEW 25, S. 194)

So ist es, wie bereits erwähnt: der Gkaube, Marx stelle im ersten Band Marx smikroökonomische Prozesse dar beruht auf einem Missverständnis.

Ähnlich heißt es schon im Rohentwurf:

„Zunächst, ganz oberflächlich betrachtet, ist die Ware nur Tauschwert, insofern sie zugleich Gebrauchswert, das heißt Objekt der Konsumtion ist (…).“

Der Gebrauchswert ist aber immer ein

bestimmter, einseitiger, qualitativer Gebrauchswert. (…) Der Gebrauchswert an sich hat nicht die Maßlosigkeit des Werts als solchen. Nur bis zu einem gewissen Grade können gewisse Gegenstände konsumiert werden und sind sie Gegenstände des Bedürfnisses. Zum Beispiel: Es wird nur bestimmtes Quantum Getreide verzehrt usw. Als Gebrauchswert hat daher das Produkt in sich selbst eine Schranke – eben die Schranke des Bedürfnisses danach –, die aber nicht am Bedürfnis der Produzenten, sondern dem Gesamtbedürfnis der Austauschenden nun gemessen wird. Wo der Bedarf von einem bestimmten Gebrauchswert aufhört, hört er auf, Gebrauchswert zu sein.“

Damit ist aber

„die Gleichgültigkeit des Werts als solchen gegen den Gebrauchswert (…) ebenso in falsche Position gebracht, wie andererseits die Substanz und das Maß des Werts als vergegenständlichte Arbeit überhaupt.“

(MEW 42, S. 318-320)

Der gesellschaftliche Durchschnittstauschwert ist unter der Voraussetzung von Lohnarbeit und Kapital, freie Konkurrez usw von der Arbeitszeit bestimmt, die für die Reproduktion eines Gebrauchswerts im gesellschaftlichen Durchschnitt notwendig aufzubrigen ist (wobei Arbeitskraft,  deren Reproduktion mehr menschliche Arbeit überhaupt erfordert, als potenzierte einfache Arbeit wirkt). Also hat ein Gebrauchswert, für deren Reproduktion mehr  Arbeitszeit vonnöten ist, natürlich einen höheren Wert, aber auch qualitativ höherwertigere Produkte, deren (Re-) Produktion zu einem früheren Zeitpunkt tatsächlich mehr Arbeitsaufwand erfordert hätte, können nach der Verallgemeinerung eines höheren Produktivitätsniveaus einen kleineren (Tausch-) Wert haben als der qualitativ mindere Gebrauchswert vor der allgemeinen Produktivitätssteigerung. Das stört aber nicht die allgemeine Bestimmung, dass ein Tauschwert  (der Tauschwert einer Ware) IRGENDEIN Gebrauchswert zur Voraussetzung hat.

In der bisherigen Untersuchung wurde von einer Reihe vereinfachender Annahmen ausgegangen. Es wurde erstens angenommen, dass die Waren sich zu ihren Werten austauschen, und zweitens, dass sie immer ihre Käufer finden. Nur auf diesem Wege war es möglich, den Produktions- und den Zirkulationsprozess des Kapitals in reiner Gestalt, ohne Einwirkung „störender Nebenumstände“, zu entwickeln. Nun aber muss das bisher vernachlässigte Moment der Nachfrage und Zufuhr zu seinem Recht kommen, in die ökonomische Analyse miteinbezogen werden.

Weiil die durch Angebot und Nachfrage systematisch erzeugten Abweichungen der Preise zum schließlich ermitteltenn Wert letzlich die in der Produktion (fürdie Her- und Bereitstellung) gesellschaftlich notwendige aufzuwendende Arbeitszeit ERMITTELN (nicht herstellen, sondern ermitteln).

Was die Zufuhr anbetrifft, so bedeutet das zunächst, dass wir an Stelle einer einzelnen Ware (oder des von einem einzelnen Kapitalisten produzierten Warenquantums) das Gesamtprodukt eines ganzen Produktionszweiges zu setzen haben.

Weil die Wertbildung (Bildung eines gesellschaftlichen Durchschnitttauschwertes einer Ware) entsprechend der GESELLSCHAFTLICH NOTWENDIGEN Arbeitszeit natürlich freie Konkurrenz vieler Anbieter um Her- und Bereitstellung möglichst preisgünstig zu erwerbender und für möglichst brauchbar gehaltenen Träger eines begehrten Gebrauchswertes voraussetzt.

Für die einzelne Ware ging die Bestimmung der gesellschaftlich notwendigen Arbeitszeit daraufhinaus, dass

„der individuelle Wert (und was unter dieser Voraussetzung dasselbe, der Verkaufspreis) der Ware (…) mit ihrem gesellschaftlichen Wert zusammenfalle“

(MEW 25, S. 191).

Woraus sich das Missverständnis erklärt, Marx würde auf der Ebene mikroökonomische Prozesse beschreiben, was aber entgegen dem ersten Anschein keineswegs der Fall ist.

Ganz anders, wenn es sich um das Gesamtprodukt eines Produktionszweiges handelt. Hier kann die Bedingung der gesellschaftlich notwendigen Arbeitszeit nur für die ganze Warenmasse zutreffen; hier muss daher zwischen dem individuellen Wert der Waren und ihrem gesellschaftlichen Wert unterschieden werden.

Wobei „individueller Wert der Waren“ meines Erachtens ein wenig missverständnich ist. Aus Sicht des individuellen Unternehmens ermöglicht ein bestimmter Marktpreis  je nach der individuellen Möglichkeit der miteinander konkurrierenden Unternehmen, Arbeitsaufwand (vergegenständlichten und neu hinzuzufügenden) zu minimieren (oder auch einen  qualitativ augenblicklich singulär darstehenden Gebrauchswert anzubieten) für die einen mehr und für die anderen weniger Profit und damit Erfüllung der eigenen, individuellen Existenzbedingung.

Der gesellschaftliche Wert nimmt jetzt die Form des Marktwerts an, der den Durchschnittswert der Warenmasse darstellt, und von dem deshalb die individuellen Werte einiger Waren immer abweichen müssen – sei es, dass sie über oder unter dem genannten Marktwert stehen. Denn in jedem Produktionszweig lassen sich im allgemeinen drei Klassen von Produzenten unterscheiden: Produzenten, die bei durchschnittlichen, bei über- und bei unterdurchschnittlichen Bedingungen produzieren.

„Es wird namentlich von dem numerischen Verhältnis oder dem proportionellen Größenverhältnis der Klassen abhängen, welche den Durchschnittswert definitiv settled.“

(MEW 26.2, S. 202).

In der Regel wird es die mittlere Klasse sein; in diesem Falle wird der unter schlechteren Bedingungen produzierte Teil der Warenmasse unter seinem individuellen Wert losgeschlagen werden müssen, während die unter besseren als durchschnittlichen Bedingungen erzeugten Waren einen Extraprofit erzielen. Es kann aber auch vorkommen, dass gerade die über oder die unter den Durchschnittsbedingungen stehende Klasse stark überwiegt; im ersten Falle werden deshalb die unter besseren, im zweiten die unter schlechteren Bedingungen erzeugten Waren den Marktwert bestimmen.

Ja.

So stellt sich die Bestimmung des Marktwerts dar, wenn wir nur die auf den Markt geworfene Warenmasse betrachten und von der Möglichkeit einer Inkongruenz zwischen der Zufuhr und der Nachfrage absehen. Ist nämlich

„die Nachfrage geradeso groß (…), um die Warenmasse zu ihrem so festgesetzten Werte zu absorbieren“,

dann

„wird die Ware zu ihrem Marktwert verkauft, welcher der drei vorhin untersuchten Fälle auch diesen Marktwert regulieren möge. Die Warenmasse befriedigt nicht nur ein Bedürfnis, sondern sie befriedigt es in seinem gesellschaftlichen Umfang.“

(MEW 25, S. 195)

Wir wissen aber: in der kapitalistischen Produktionsweise

„existiert kein notwendiger, sondern nur zufälliger Zusammenhang zwischen dem Gesamtquantum der gesellschaftlichen Arbeit, das auf einen gesellschaftlichen Artikel verwandt ist (…) einerseits, und zwischen dem Umfang andererseits, worin die Gesellschaft Befriedigung des durch jenen bestimmten Artikel gestillten Bedürfnisses verlangt. Obgleich jeder einzelne Artikel oder jedes bestimmte Quantum einer Warensorte nur die zu seiner Produktion erheischte gesellschaftliche Arbeit enthalten mag, und von dieser Seite her betrachtet der Marktwert dieser gesamten Warensorte nur notwendige Arbeit darstellt, so ist doch, wenn die bestimmte Ware in einem das gesellschaftliche Bedürfnis dermalen überschreitenden Maß produziert worden, ein Teil der gesellschaftlichen Arbeitszeit vergeudet, und die Warenmasse repräsentiert dann auf dem Markt ein viel kleineres Quantum gesellschaftlicher Arbeit, als wirklich in ihr enthalten ist. (…) Umgekehrt, wenn der Umfang der auf die Produktion einer bestimmten Warensorte verwandten gesellschaftlichen Arbeit zu klein für den Umfang des durch das Produkt zu befriedigenden besonderen gesellschaftlichen Bedürfnisses.“

(MEW 25, S. 196-197)

Grundwissen, deshalb ist ja auch von gesellschaftlich NOTWENDIGEM Arbeitsaufwand die Rede.

In beiden Fällen wird die früher

„abstrakt dargestellte Festsetzung des Marktwerts“

modifiziert, und zwar so,

„dass wenn das Quantum (der Zufuhr) zu klein, stets die unter den schlechtesten Bedingungen produzierte Ware den Marktwert reguliert, und wenn zu groß, stets die unter den besten Bedingungen produzierte; dass also eines der Extreme den Marktwert bestimmt, trotzdem dass nach dem bloßen Verhältnis der Massen, die unter den verschiedenen Bedingungen produziert sind, ein anderes Resultat stattfinden müsste.“

(MEW 25, S. 195)

Ja.

Worauf es uns hier ankam, war ja nur, zu zeigen, dass Marx mit strenger Folgerichtigkeit das Problem der „gesellschaftlich notwendigen Arbeitszeit“ auf zwei verschiedenen Stufen behandelt, und dass er auf diesem Wege eben das Moment des gesellschaftlichen Bedarfs, das heißt des Gebrauchswerts, ins richtige Licht setzen wollte.

„Denn Bedingung“

– heißt es an einer Stelle des III. Bandes –

„bleibt der Gebrauchswert. Wenn aber der Gebrauchswert bei der einzelnen Ware davon abhängt, dass sie an und für sich ein Bedürfnis befriedigt, so bei der gesellschaftlichen Produktenmasse davon, dass sie dem quantitativ bestimmten gesellschaftlichen Bedürfnis für jede besondere Art von Produkt adäquat, und die Arbeit daher im Verhältnis dieser gesellschaftlichen Bedürfnisse, die quantitativ umschrieben sind, in die verschiedenen Produktionssphären proportionell verteilt ist. (…) Das gesellschaftliche Bedürfnis, das heißt der Gebrauchswert auf gesellschaftlicher Potenz, erscheint hier bestimmend für die Quota der gesellschaftlichen Gesamtarbeitszeit, die den verschiedenen besonderen Produktionssphären anheimfallen. Es ist aber nur dasselbe Gesetz, das sich schon bei der einzelnen Ware zeigte, nämlich: dass ihr Gebrauchswert Voraussetzung ihres Tauschwerts und damit ihres Werts ist (…) Diese quantitative Schranke der auf die verschiedenen besonderen Produktionssphären verwendbaren Quoten der gesellschaftlichen Arbeitszeit ist nur weiterentwickelter Ausdruck des Wertgesetzes überhaupt; obgleich die notwendige Arbeitszeit hier einen andern Sinn erhält. Es ist nur soundso viel davon notwendig zur Befriedigung des gesellschaftlichen Bedürfnisses. Die Beschränkung tritt hier ein durch den Gebrauchswert.“

(MEW 25, S. 648-649)

Ja.

Auch hier zeigt es sich also, wie der Gebrauchswert als solcher in die Verhältnisse der auf Tauschwert gegründeten bürgerlichen Ökonomie hineinspielt, wie er daher selbst zu einer ökonomischenKategorie wird.

Was allerdings keine wirklich neue Erkenntnis ist.

Mit diesem letzten Beispiel kann unsere Untersuchung abgeschlossen werden. Ob die zahlreichen, von uns gebrachten Auszüge aus dem Rohentwurf und anderen Werken uns Recht geben und tatsächlich, wie wir glauben, zu einer teilweisen Revision der bisherigen Auslegungen der ökonomischen Theorie von Marx führen müssen, wird von der künftigen Marx-Forschung entschieden werden.

Dazu müsste man sich allerdings mit Beispielen diese Auslegungen konkret auseinandersetzten.

Allgemein bestätigt der – unzweifelhaft sehr wertvolle und aus meiner Sicht untadelige – Rosdolvsky-Text (großen Dank an die Streifzüge Redaktion für die Präsentation) die Wichtigkeit einer genauen Analyse der Gebrauchswertseite kapitalistischer Warenproduktion und –aneignung. Er zeigt auch die Lächerlichkeit der „anti-kapitalistischen“  Behauptung der „Gebrauchswertvergessenheit“ von Gesellschaften auf Basis kapitalistischer (Re-) Produktionsbedingungen. Ein Mangel, der sich beispielsweise offenbart, wenn linke Anti-Kapitalisten das innerhalb öko-kapitalistischer Reformansätze  (Öko- bzw. CO2-Steuern, Ökoaudit, Bio- und Fairtrade Ware usw.) schlummernde (Öko-) Kommunismuspotenzial verkennen und tapfer gegen eine Kapitalismusbegrünung polemisieren statt gedare dieses Potezial zu wecken und deren Gebrauchswert zu nutzen und zu vermehren.

So weit erst einmal.

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