Freiheit, Gleichheit (Öko-) Kommunismus! (2/2)

23. November 2017

Zweiter Teil meines assoziativen Nachdenkens über Freiheit, Gleichheit, (Öko-) Kommunismus im Anschluss eines im Rahmen der jour fixe Reihe zum Thema Antikapitalismus gehaltenen Vortrags von Michael Brie über die Idee des Erzkonservativen Burgs, Ordnung (des Eigentums) über Freiheit (des Pöbels) zu setzen.

Zum ersten Teil

Die spanndende Frage scheint zu sein: Können sich Liberale aus der geistigen Gefangenschaft befreien, für die ihr Mythos von der unbegrenzter Eigenverantwortlichkeit steht wie eine feste Burg?

Vom Standpunkt der Utopie einer planetarischen Ordnung, die hintreichend gesamtgesellschaftliche bzw. ökologische Vernunft erlaubte, ist  der liberale Grundmythos einer unbegrenzten Eigenverantwortlichkeit einerseits Ausdruck einer strukturellen Unfähigkeit kapitalistisch vergesellschafteter Individuen oder Institutionen, gemeinsame Verantwortung wahrzunehmen, andererseits mag er das starke Bedürnis  nach Überwindung der Grenzen zum Ausdruck bringen, die der eigenen Vernünftigkeit und Würde gesetzt sind, solange die kapitalistische „Entfremdung“ anhällt.  Die Frage hier wäre also die nach den in diesem fast religiös anmutenden Mythos möglicherweise angelegten Dispositiven der  eigenverantwortlichen Wahrnehmung gemeinsamer (d.h. kommunistisch bestimmter) Verantwortung.

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Kohei Saito: Marx Ökologie in seiner unvollendeten Kritik des Kapitalismus

10. November 2017

Manchmal findet man den Wald vor lauter Bäumen nicht. Mit dem Buch von Kohei Saito ging es mir umgekehrt. In der Monthly Review hatte ich schon einen Beitrag von Kohei Saito über „Marx ökologische Notizbücher“ gelesen und  so erfahren dass er an einer Veröffentlichung arbeitete. Ausgesprochen vielversprechend! Marx hatte sich nach der Veröffentlichung des ersten Kapital Bandes zunehmend mit naturwissenschaftlichen und eben auch mit ökologischen Problemen auseinandergesetzt.  Als ich Saitos Buch  neulich annonciert sah in der MR (Marx Ecosocialism) war die Freude groß, ich  entschied mich umgehen, es zu bestellen und fragte mich, wann wohl eine deutsche Ausgabe erscheinen wird.

Ha, während der neulich von der Rosa Luxemburg Stiftung  ausgerichteten „Marx-Herbstschule“ erfuhr ich nun, dass es natürlich zuerst auf deutsch erschienen war und das bereits vor über einem Jahr! Du meine Güte. Habe mich wohl etwas sehr abgekapselt. Irgend etwas muss ich unbedingt ändern.

Ok, so habe ich also bald – hoffentlich – beide Ausgaben auf dem Schreibtisch und damit  gleichzeitig ein tolles Mittel, mit dem Englischen voran zu kommen.  Nur sind beide Ausgaben bereits vergriffen!

Wie schön ist da meine heutige Entdeckung, dass Academica das Werk zum kostenlosen Download anbietet. Juhuuu.

Zu früh gefreut… Es ist nur ein Apetizer, nach 22 Seiten ist Schluss.

Nun heißt es weiter, abzuwarten.

Wieder Jubel: Die deutsche Fassung ist nun angekommen! Ich freue mich.

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Eine erste Anmerkung:

Wie das 1. Kapitel dieser Arbeit zeigen wird, behandelt Marx schon 1844 die Beziehung zwischen Mensch und Natur als zentrales Thema seiner Entfremdungstheorie. Er findet in der radikalen Auflösung der ursprünglichen Einheit zwischen Mensch und Natur die Entstehung des modernen entfremdeten Lebens und setzt dem die emanzipatorische Idee der Wiedervereinigung von Mensch und Natur als »Humanismus = Naturalismus« entgegen.

S. 14

Die Idee einer (öko-kommunistischen) WIEDERvereinigung  von Mensch und Natur gilt nicht wenigen Marx- bzw. Marxismuskritikern als idealisierende Setzung eines ursprünglich gegebenen Idealzustandes, und die Aussicht auf  die Wiederherstellung dieses Ideals als geschichtsphilosophisches Heilsversprechen. Das gilt es m.E. aber zu hinterfragen. (Und es ist auf den ersten Blick zu sehen, dass das Buch von Saito dafür auch eine große Menge wertvoller Anhaltspunkte enthalten dürfte).

Tatsächlich nahm Marx ausdrücklich Abschied von einem IDEALISTISCHEN Verständnis von Dialektik nach dem sich die gesellschaftlichen Widersprüche in Begriffen zeigen, die Ideale repräsentieren und es darauf ankäme, die Illusion ihrer Widersruchsfreiheit mittels Reflektion immer neuer Faccetten der sie – mehr oder minder – zum Ausdruck bringenden Wirklichkeit in immer neuen Analyseschritten zu negieren um die so enthüllten Widersprüche am Ende auf einer nun realistischen Basis aufzuheben. Aus der ursprünglich Illusion von Widerspruchsfreiheit (Reinheit und Wirklichkeitstreue der Idee) würde so schließlich eine vom Widerspruch tatsächlich befreite Identität von Idee und Wirklichkeit (wobei wohl darüber gestritten wird, ob mit einer neuer Wirklichkeit. oder, wie Marx behauptet, nur einer neuen Interpretations von Wirklichkeit). Der am Ende nicht mehr vom falschen Leben beschmutzte Begriff  einer Wirklichkeit kehre dann, so die Vorstellung der idealistischen Dialektik,  „zu sich selbst“, d.h.  zu wirklicher Widerspruchsfreiheit „zurück“. Als Forderung an die gesellschaftliche Praxis (Tätigkeit zur Veränderung der gesellschaftlichen Wirklichkeit) ergäbe sich daraus, die Diskrepanz zwischen Ideal und Wirklichkeit aufzuheben.

Marx Kritik an dem Konzept war, dass nicht Begriffe Wirklichkeit sondern umgekehrt die Wirklichkeit deren Wahrnehmung bzw. Deutung hervorbringen. Aufklärung über Erscheinungen eines falschen Lebens, die bestimmten Begriffen (wie etwa Gott)  bzw. Idealen (z.B. Gottesfürchtigkeit) oder Vorstellungen (etwa:  Gott und Frömmigkeit werden uns retten) eigen sind, können nicht einfach mittels Aufklärung durch realistischere, die eigenen Interessen vielleicht besser zum Ausdruck bringende Begriffe, Ideale oder Vorstellungen über deren Mächtigkeit ersetzt werden.

Für den post-philosophischen Marx entstehen, halten oder ändern sich Begriffe wie etwa auch Humanismus oder Naturalismus (das gilt selbstverständlich auch für Kommunismus oder Sozialismus) niemals frei vom „falschen Leben“ und es könne deshalb nicht darum gehen, etwa eine verloren geglaubte „Totalität“ wiederherzustellen,  wie sie „eigentlich“ im Begriff bzw. der damit ausgedrückten Idee,  etwa der von  der Einheit von Humanismus und Naturalismus (der Behauptung Humanismus = Naturalismus) stecke. Das bedeutet nun aber wiederum nicht, dass dem „reifen Marx“ zufolge diesen Begriffen lediglich eine gewisse praktische Bedeutung als Orientierung verleihende Ideale zukommen dürfen, aber in einer WISSENSCHAFTLICHEN Reflexion bzw. einer THEORIE der möglichen (notwendigen und wünschenswerten)  Ablösung der kapitalistischen Interaktionsbedingungen durch eine sozialistische Ära des Übergangs zu (öko-) kommunistisch bestimmten  Interaktionsbedingungen nichts zu suchen hätten, wie Althusser in den 1960er Jahren in seinem Band „Für Marx“ behauptete.

Es wäre vielmehr zu fragen, welche Wirklichkeit mit der Behauptung einer „urspünglichen Identität von Humanismus und Humanismus“ bzw. einer „ursprünglichen Harmonie zwischen Mensch und Natur“ gemeint sein könnte und was es damit TATSÄCHICH auf sich haben könnte, d.h. jenseits romantischer Projektionen.  In Betracht zu ziehen wären beispielsweise die von Marx als „urkommunistsch“ oder „regionalen Kommunismus“ bezeichneten Mensch-Natur-Verhältnisse „prähistorischer“ Gesellschaften, die an ihr sehr begrenztes Territorium gekettet und also existenziell (einschließlich des Blickes auf die Kinder und Enkel) auf eine nachhaltige Bewirtschaftung und Entwicklung ihrer Naturumwelt (Naturmitwelt) angewiesen waren.  Nicht zuletzt die von Hans-Peter Harstick herausgegebenen „Ethnologischen Exzerpthefte“, auf die Saito verweist, zeigen, dass Marx die Frage keineswegs als kommunistischer Romantiker angegangen war, wie es vielfach unterstellt wird, sondern das ihn auch diesbezüglich lebenslang die wissenschaftlicher Neugierde angetrieben hatte. Der Text des späten Engels über den Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen“ (mit dem Marx konform ging) zeigte, dass auch die Frage des „Gattungswesens“ bein der beiden keineswegs bei einem kruden Essentialismus stehen geblieben war.

Man mag Marx Erwartung einer weltkommunistischen „Negation“ der mit der historischen Negation der „urkommunistischen“ Fesselung gemeinschaftlich organisierten  Stoffwechsels miteinender und mit der Naturumwelt an eine von Generation zu Generation vererbten Gemeindelokalität in die Welt gekommenen „Entfremdung“ voneinender, von den Naturbedingungen und dem „menschlichen Gattungswesen“ für eine fixe Idee halten, die den prinzipiell stets offenen Geschichtsverlauf in ein Dialektikschema (Negation, Negation der Negation bzw. deren Aufhebung auf einer neuen Stufenleiter) presst. Und tatsächlich zeigt nicht zuletzt die Geschichte des so genannten „real existierenden Sozialismus“, dass solch ein ideologischer Schematismus tatsächlich angewandt und Marx Erwartung (man müsste heute „seine Hypothese sagen) vielfach als fester Wille eines allmächtigen Geschichtsgeistes interpretiert wurde, als dessen Jünger sich zu küren berechtigt, einen „kommunistischen Gottesstaat“ zu materialisieren. Dennoch, oder vielmehr gerade deshalb erscheit es mir wesentlich sinnvoller, systematisch und nachvollziehbar Beweggründe und Anhaltspunkte eines solchen Geschichtsdialektik und was ihr entgegen steht bzw. entgegenstehen könnte zusammen zu tragen und zu erörtern.

Werde diesen Gedankenstrang an anderer Stelle weiter ausführen, Wichtig ist in diesem Zusammenhang etwa die Frage der spezifisch menschlichen Natur als „Einheit von Humanismus = Naturalismus“ zu behandeln, was auch von nicht wenigen Marxisten vielfach als längst überholter Essentialismus  abgetann wird. Dabei lässt sich m.E. plausibel zeigen, dass die Weiterentwicklung der der menschichen Natur gegebenen Fähigkeit zur zielgerichteten Her- und Bereitstellung eines als Nutzen bzw. Gewinns erfahrbaren Mittels der Bedürfnisbefredigung (einschließlich der Fähigkeit, aus den Fehlern vergangeger Versuche zu lernen)  notwendig die (öko-komunistische) Aufhebung von Entfremdung (dem Zwang zur Erfüllung fremder Zwecke) erfordert und dies etwa heißt, dass die kapitalistisch vereinzelten Einzelnen sich zum Zwecke ihrer Ent-Entfremdung als sich freiwillig und entsprechend der individuellen Fähigkeiten und Bedprfniisse als eine vereinigte Menschheit formieren, mit dere Hilfe sie sich in die Lage versetzen, den globalen Stoffaustausch gemeinschaftlich zu verantworten und damit zu errechen, dass ihnen nicht länger die eigenen Produktionsbedingungen als eine Naturgewalt gegenübersteht, diie sie nicht beherrschen können. Eben das wäre die Voraussetzung einer Entideologiisierung des Verständnisses von Naturbedürfnissen und -fähigkeiten und fortgesetzter Menschwerdung.

Aber nun mache ich mich endlich ans Lesen: Kohei Saito: Natur gegen Kapital – Marx in seiner unvollendeten Kritik des Kapitalismus., erschienen im Campusverlag Frakfort / New York

 


Zu Roman Rosdolskys „Der Gebrauchswert bei Karl Marx“ (2/2)

7. November 2017

Zweiter Teil meines lauten Nachdenkens über den im Streifzüge Magazin dankenswerterweise veröffentlichten Beitrag von Roman Rosdolsky.

Streifzüge70/2017 hatte im Rahmen des Heftschwerpunktes zum möglichen Gebrauchswert des Gebrauchswertes für eine Theorie der Befreiung den Beitrag der Gebrauchswert bei Karl Marx von Roman Rosdolsky wiedergegeben.  Der historische Beitrag mit dem Untertitel

Eine Kritik der bisherigen Marx-Interpretation

war 1959 in KYKLOS erschienen. Internationale Zeitschrift für Sozialwissenschaften, Vol. XII 1959, Basel, S. 27-56 (redaktionell gekürzte Fassung)

 

In seiner „Gleichgültigkeit gegen die ökonomische Formbestimmung“ liegt der Gebrauchswert „jenseits des Betrachtungskreises der politischen Ökonomie. In ihren Kreis fällt nur, wo er selbst Formbestimmung.“

Mit anderen Worten: ob dem Gebrauchswert eine ökonomische Bedeutung zukomme, oder nicht, lässt sich nur nach seiner Beziehung zu den sozialen Produktionsverhältnissen beurteilen. Sofern er diese Verhältnisse beeinflusst oder selbst von ihnen beeinflusst wird, ist er gewiss eine ökonomische Kategorie. Sonst aber – in seiner bloß „natürlichen“ Eigenschaft – fällt er aus dem Bereich der Nationalökonomie heraus.

Oder, wie es weiter im Text der Grundrisse heißt:

„Die politische Ökonomie hat es mit den spezifischen gesellschaftlichen Formen des Reichtums oder vielmehr der Produktion des Reichtums zu tun. Der Stoff derselben, sei es subjektiv, wie Arbeit, oder objektiv, wie Gegenstände für die Befriedigung natürlicher oder geschichtlicher Bedürfnisse, erscheint zunächst allen Produktionsepochen gemeinsam. Dieser Stoff erscheint daher zunächst als bloße Voraussetzung, die ganz außerhalb der Betrachtung der politischen Ökonomie liegt, und erst dann in die Sphäre der Betrachtung fällt, wenn er modifiziert wird durch die Formverhältnisse oder als sie modifizierend erscheint.

(MEW 42, S. 741; vgl. auch die Parallelstelle, MEW 42, S. 767)

Alles richtig. Bin jetzt wirklich gespannt, wie es weiter geht.

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Zu Roman Rosdolskys „Der Gebrauchswert bei Karl Marx“ (1/2)

28. Oktober 2017

Streifzüge70/2017 hatte im Rahmen des Heftschwerpunktes zum möglichen Gebrauchswert des Gebrauchswertes für eine Theorie der Befreiung den Beitrag der Gebrauchswert bei Karl Marx von Roman Rosdolsky wiedergegeben.  Der historische Beitrag mit dem Untertitel

Eine Kritik der bisherigen Marx-Interpretation

war 1959 in KYKLOS erschienen. Internationale Zeitschrift für Sozialwissenschaften, Vol. XII 1959, Basel, S. 27-56 (redaktionell gekürzte Fassung)

Zu Roman Rosdolskys „Der Gebrauchswert bei Karl Marx“ (2/2)

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Über den sehr unterschiedlichen Gebrauchswert des Gebrauchswerts und der Gebrauchswerte (3/3)

25. September 2017

Teil I | Teil II

Teil III meiner Auseinandersetzung mit  dem Beitrag Franz Schandls Beitrag (das unschuldige Ding) zum Schwerpunkt des „wertkritischen“ Magazin Streifzüge  70/2017 zur möglichen Bedeutung des  Gebrauchswerts für eine Theorie der Befreiung. 

Sich die Gebrauchswertseite der gegenwärtigen Vergesellschaftsbedingungen genauer anzuschauen und daraufhin den Gebrauchswert diesbezüglicher Reflexionen von Marx  für die Konstruktion vernünftiger Wegweiser aus dem kapitalistischen Chaos kritisch zu betrachten, ist ein Verdienst des Streifzüge Schwerpunktes. Bisher bleibt es mir allerdings ein Rätsel, worauf das Ganze hinauslaufen soll. Ich vermute Probleme mit zwei Dogmen, die in weiten Teilen einer sich „marxistisch“ verstehenden Weltanschaung eine Rolle spielen,  nämlich, dass 1.) im Kapitalismus Bedürfnisse (nach Verfügung über Gebrauchswerte) keine Rolle spielen und 2.) dass es darauf ankäme, die Bedürfnisse zur Macht zu verhelfen.

Wie in den Teilen I/III und  II/III gehe ich abschnittsweise vor Den Rest des Beitrags lesen »


Über den sehr unterschiedlichen Gebrauchswert des Gebrauchswerts und der Gebrauchswerte (2/3)

14. September 2017

Teil III

Im ersten Teil meiner Auseinandersetzung mit Franz Schandels Beitrag zum Streifzüge-Schwerkunft „Gebrauchswerte“ das unschuldige Ding entdeckten wir unter anderem Schandls Verwechsung von Kategorie und Wirklichkeit, und sahen Anzeichen einer Moralisierung von Begriffen der Wahrnehmung wie es auch im Folgenden recht klar zum Ausdruck kommt.

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Über den sehr unterschiedlichen Gebrauchswert des Gebrauchswerts und der Gebrauchswerte (1/2)

11. September 2017

Zu Teil 2 geht es HIER

Schwerpunkt des „wertkritischen“ Magazin Streifzüge  70/2017 ist die mögliche Bedeutung des  Gebrauchswerts für eine Theorie der Befreiung. 

Macht neugierig.  Schauen wir mal:

Etwa auf den Beitrag von Franz Schandl, der das unschuldige Ding unter die „wertkritische“ Lupe nimmt. Er reibt sich dabei an den folgenden Aussagen von Marx:

„Welches immer die gesellschaftliche Form des Reichtums sei, Gebrauchswerte bilden stets seinen gegen diese Form zunächst gleichgültigen Inhalt. Man schmeckt dem Weizen nicht an, wer ihn gebaut hat, russischer Leibeigner, französischer Parzellenbauer oder englischer Kapitalist. Obgleich Gegenstand gesellschaftlicher Bedürfnisse, und daher in gesellschaftlichem Zusammenhang, drückt der Gebrauchswert jedoch kein gesellschaftliches Produktionsverhältnis aus. Diese Ware als Gebrauchswert ist z.B. ein Diamant. Am Diamant ist nicht wahrzunehmen, dass er Ware ist. Wo er als Gebrauchswert dient, ästhetisch oder mechanisch, am Busen der Lorette oder in der Hand des Glasschleifers, ist er Diamant und nicht Ware. Gebrauchswert zu sein scheint notwendige Voraussetzung für die Ware, aber Ware zu sein gleichgültige Bestimmung für den Gebrauchswert. Der Gebrauchswert in dieser Gleichgültigkeit gegen die ökonomische Formbestimmung, d.h. der Gebrauchswert als Gebrauchswert, liegt jenseits des Betrachtungskreises der politischen Ökonomie. In ihren Kreis fällt er nur, wo er selbst Formbestimmung. Unmittelbar ist er die stoffliche Basis, woran sich ein bestimmtes ökonomisches Verhältnis darstellt, der Tauschwert.“

MEW 13, S. 15-16

Schandl meint:

Indes wird diese Unmittelbarkeit der stofflichen Basis von Marx ja selbst im ersten Zitat dementiert.

Gemeint war offenbar das folgende:

Der einfache oder exoterische Marx geht so:

„Die Gebrauchswerte sind unmittelbar Lebensmittel. Umgekehrt aber sind diese Lebensmittel selbst Produkte des gesellschaftlichen Lebens, Resultat verausgabter menschlicher Lebenskraft, vergegenständlichte Arbeit. Als Materiatur der gesellschaftlichen Arbeit sind alle Waren Kristallisationen derselben Einheit.“

(MEW 13, S. 16-17)

Hier sprach Marx allerdings nicht vom Gebrauchswert im Allgemeinen, sondern von der Gebrauchswerteigenschaft von Waren, also von Gebrauchswerten, deren materielle Träger gekauft werden müssen um sie sich aneignen zu können bzw. deren Träger zum Zwecke ihres Verkaufs (d.h. ihres Eintausches gegen die Überware Geld) her- und bereit gestellt werden.

Der Streifzüge-Autor wendet dagegen ein:

Durch die Vermittlung des Gebrauchswerts durch den Tauschwert wird Erstgenannter geprägt und durch die Kapitalherrschaft stets modifiziert. Der Gebrauchswert ist wie der Tauschwert (Wert) eine Bedingung der Ware, nicht bloß eine Voraussetzung. Am isolierten Stück mag zwar nicht wahrzunehmen sein, ob es eine Ware ist, wohl aber an dem Verhältnis, unter dem es produziert, zirkuliert und konsumiert wird. Kein Gegenstand ist heute ohne seine strukturbedingten Beziehungen zu denken, in denen er sich bewegt. Ware zu sein, wäre demnach das gültige Schicksal des Gebrauchswerts. Oder um es gegen Marx zu wenden: Was „gleichgültig“ ist, ist nicht ungültig, sondern gültig.

 Oder um es gegen Marx zu wenden: Was „gleichgültig“ ist, ist nicht ungültig, sondern gültig.

Er kommt zu dem Schluss:

Die profane Vorstellung, der Gebrauchswert sei ewig, aber seitdem der Tauschwert in die Welt gekommen ist, wird jener mit diesem zur Ware vereinigt, ist doch etwas simpel. Gerade die retrospektive Anwendung des Begriffs scheint nicht überzeugend. Die Verbindung von Gebrauchswert und Tauschwert muss in der Ware nicht erst arrangiert werden. Der Gebrauchswert ist gesellschaftlich konnotiert und nicht als Begriff zur Kennzeichnung unmittelbarer Bedürfnisbefriedigung von Selbstversorgern gedacht. Für die letztgenannte Bestimmung hätte er wenig Sinn.

Als „Beweis“ der Richtigkeit seiner Behauptung, dass „die Verbindung von Gebrauchswert und Tauschwert in der Ware nicht erst arrangiert werden muss“ präsentiert Schandl dann wieder eine Aussage von Marx über die Gesellschaftlichkeit des Gebrauchswerts von Waren:

„Um Ware zu produzieren, muss er nicht nur Gebrauchswert produzieren, sondern Gebrauchswert für andre, gesellschaftlichen Gebrauchswert.“ (MEW 23, S. 55) Das ist der obligate Fall.

Hier scheint eine Verwechslung vorzuliegen zwischen der Bezeichnung (der Kategorie, der allgemeinen Seinsbestimmung, der Klassifizierung usw.) und dem tatsächlichen, historischen, situationsgemäßen Dasein des Bezeichneten (des Kategorisierten, Klassifizierten, allgemein Bestimmten usw.). Die allgemeine Bestimmung von Gebrauchswert ist, sich von der Aneignung eines beliebigen Gebrauchswertträgers einen Nutzen zu versprechen bzw. versprechen zu können. Das gilt unabhängig davon, ob der Gebrauchswertträger Ergebnis gesellschaftlichen Tuns ist oder nicht (wie etwa Luft).

Tatsächlich ist der konkrete Charakter des Begehrens nach der Aneignung von Gebrauchswertträgern, also von Dingen oder Diensten, von deren Aneignung sich Menschen einen Nutzen versprechen (können), sprich, der konkrete Charakter von Gebrauchswerten IN DER REGEL,  (d.h. bis auf die, die ohne Vermittlung durch Mitmenschen der Natur entnommen werden können) GESELLSCHAFTLICH bestimmt, d.h. abhängig vom Stand der Produktivkraftentwicklung, der Art der (Re-) Produktionsbeziehungen und  der sozialen Stellung in ihr,  von Besonderheiten kultureller bzw. regionaler Natur, usw.

Sind die Gebrauchswertträger Dinge oder Dienste, die nur im Tausch gegen andere Gebrauchswertträger (in der Regel Geld) angeeignet werden können, also Waren, ist deren Gebrauchswert, wie bei ALLEN Gebrauchswertträgern, deren Existenz vom Tun und Lassen anderer Menschen abhängt, natürlich in IRGENDEINER spezifischen Weise gesellschaftlich bestimmt. Die historisch vorherrschende Weisen dieser gesellschaftlichen Bestimmung (Formierung) unterscheiden sich ebenso, wie deren Besonderheiten wie gegebenenfalls deren Klassencharakter, d.h. ob es als Mittel der Bereicherung UND Existenzsicherung (und dem Vergnügen) oder lediglich der Existenzsicherung (und ein wenig Vergnügen) dienlich ist).

Wenn Marx nun im Kapital die SPEZIFISCHE Weise der gesellschaftlichen Bestimmung von Gebrauchswerten in Warengestalt behandelt, bedeutet das keineswegs einen Wechsel der allgemeinen, überhistorisch für alle möglichen Produktionsverhältnisse gleichermaßen gültigen  Bestimmung von Gebrauchswerten.  Ein solcher Fehlschluss ist erklärungsbedürftig. Spielt hier etwa das Bedürfnis nach einer Moralisierung der Begriffe Wert und Gebrauchswerte hinein?  Etwa so? Da die ökonomische Wertgestalt der in Warengestalt auftretenden Gebrauchsträger als ein zentrales Element kapitalistischer Vergesellschaftung (dem Kaufen bzw. Verkaufen) erkannt, und Kapitalismus fraglos zu überwinden sei, müsse dann nicht also der von Marx als „neutral“ klassifizierte Gebrauchswert eigentlich als ein sozialistischer Himmelsbote des ersehnten Reichs gesehen werden in dem allein die Bedürfnisse regieren? „Aber nein“, folgt darauf der Einwand, seht, was Marx schrieb:

„Der Tauschwert jeder Ware drückt sich in dem Gebrauchswert jeder andern Ware aus, sei es in ganzen Größen oder in Brüchen dieses Gebrauchswerts.“

MEW 13, S. 28

Da sich die Tauschwerte der Waren nach Marx im Gebrauchswert der gegen sie eintauschbare Waren zeigen (und der Gebrauchswert des Geldes ist, den Tauschwert der gegen es eintauschbaren Gebrauchswertträger zu repräsentieren), kann ja „der Gebrauchswert“ auch nicht mehr „neutral“ sein. Gehörte er dann also nicht zusammen mit seinem Tauschwert gleich mit abgeschafft?

Falls ich mit meiner Vermutung richtig liege, könnte das immerhin als beginnende Ahnung gesehen werden, dass die vom linken Anti-Kapitalismus verbreitete Idee einer „befreiten Gesellschaft“ , in der allein die Bedürfnisse regieren (also der omnipotente Zugriff aller auf alle ersehnten Gebrauchswerte) nicht der Weisheit letzter Schluss sein kann, und dass es vielmehr darum gehen müsste, die sozialen Bedürfnisse mit den zu ihrer Befriedigung  aufzubringenden Kosten (sozialer bzw. ökologischer Natur) ins Benehmen zu bringen.

Wie weit es aber noch bis zu dieser Erkenntnis ist zeigt Schandl einige Zeilen weiter:

Dem Markt ist die stoffliche Seite des Produkts, soweit es den Tauschwert nicht tangiert, egal. Er nimmt alles, sofern es absetzbar ist.

Natürlich stimmt das so nicht. Die hier zum Ausdruck kommende Verdinglichung des Begriffs „Markt“ versperrt offenbar die Sicht auf die tatsächlich handelnden (und ihr Handeln bedenkenden) Marktsubjekte. Den potenziellen oder tatsächlichen Käufern der Ware  ist die stoffliche Seite der Ware nämlich alles andere als egal. Sie trägt den Gebrauchswert, wovon die kaufenden Marktsubjekte in der Regel nicht genug bekommen können. Am gesellschaftlichen (Tausch-) Wert bzw. an den Warenpreisen, die notwendig um diesen oszillieren, wertschätze sie meist eher deren Niedrigkeit.  Am besten, er tendiert gegen Null. Kaum wer hätte etwas gegen lebenslang allzeit erreichbares Freibier. Außer natürlich die Marktsubjekte, die mit der Herstellung und dem Verkauf des Bieres (oder etwa der Behandlung von Folgen übermäßigen Bierkonsums) ihre Existenz beschreiten müssen bzw. können. Sie wertschätzen eher einen hohen Marktpreis – besonders, wenn sie selbst den von den Kunden begehrten Gebrauchswert für einen niedrigeren Preis anbieten können als die Konkurrenz es vermag. Der Gebrauchswert der zu dem Zweck angeeigneten Produktionsmittel oder sonstiger Mittel der Beschleunigung zeigt sich ihnen im Extraprofit – bis die Konkurrenz gleichzieht und sich entsprechend des nun zum gesellschaftlichen Durchschnitt gewordenen Produktionsfortschritts ein neuer Marktpreis etabliert. Auch Mittel, mit denen sich die Fähigkeit herstellen und verteidigen lassen, einen von den (potenziellen) Kunden begehrten Gebrauchswert – für eine Weile – exklusiv anbieten zu können, haben für Waren „anbietende“ Marktsubjekte den Gebrauchswert, Mittel der Generierung von Extraprofit zu sein. Weshalb beispielsweise die Marktsubjekte, die vom Geschäftserfolg der Firma Apple abhängig sind bzw. von ihm profitieren, den Gebrauchswert des von ihnen eingekauften Arbeitsvermögens (der von hnen eingekauften Produktivkraft) von Produktentwicklern und Werbefachleuten für die Produktion des besagten Extraprofits so sehr wertschätzen.

Das passt aber nicht ins anti-kapitalistische Schema. Schandl gets the blues.

Stets geht es um die Verwertung und nicht um die Bedürfnisbefriedigung oder gar um das Vergnügen.

Hier kann man sehr gut die ideologisierende Wirkung der (anti-) politischen Passivform studieren, an die kein Pamphlet oder Theorieversuch des „linken“ Anti-Kapitalismus  herumzukommen scheint. Man ahnt, warum die Leideform unter den Dialektik und Materialismus vergessenen Kapitalismuskritikern so beliebt ist, und warum sie zugleich zu deren relativen Erfolg als auch zu deren Mangel an Perspektive beiträgt. Die Passivform beamt die tatsächlich handelden Subjekte mitsamt ihrer Besonderheiten und Widersprüchlichkeiten (und der Besonderheiten und Widerspruchen ihres jeweiligen Eingebundenseins) aus dem Sinn der Betrachtenden. Beginnt ein Satz mit „Es geht um …“   ist nicht mehr die Frage, ob es für die möglicherweise sehr unterschiedlich auf- und eingestellten Subjekte des „Es-Geht-Um…“ Geschehens“ um jeweils ganz verschiedene Dinge gehen könnte.

Bei dem zitierten Satz wirkt die Passivform als ein Mittel der Fetischisierung des Begriffs „Bedürfnisse“. Das so scheinbar mit eigenem Geist beseelte Wort wird so zum höheren Wesen, von dem erwartet wird, dass es uns vom Kapitalismus rettet. Der gute Dämon „Bedürfnisoriientierung“ weist die kapitalistischen Schlaraffenbürger den Weg in „die befreite Gesellschaft „. Dort würden dann alle Hindernissen der unmittelbaren Bedürfnisbefriedigung beseitigt sein. Wer käme da auf die Idee, dass es fragwürdige Bedürfnisse geben könnte und solche, dere Erfüllung große Probleme bereiten müsste, und dass es vielleicht eher darauf ankäme, die unterschiedlchen Bedürfnisse und Fähgkeiten mit den zu ihrer Befriedigung notwendigen Kosten (sozialer bzw. ökologischher Natur) auf eine Weise ins Benehmen bringen zu können, die

Wie im anti-kapitalistschen Diskurs üblich greift Schandl sich stattdessen, einen Part im Reproduktionsprozess des Kapitals heraus, den anzuklagen das kulturelle Kapital des Anti-Kapitalismus zu maximieren verspricht. Kapitalismus heißt aber nicht, dass der Blickwinkel des Kapital alles ist bzw. dass, worum „es“ im Kapitaismus ausschließlich „geht“.  Schandl schreibt:

Der Zweck des Gebrauchswerts besteht darin, entäußert zu werden. Entäußerung ist das unbedingte Ziel, Nützlichkeit nur die bedingte Option. Wenn wir von ihm sprechen, sprechen wir also von gesellschaftlichen Gebrauchswerten. „Gebrauchswerte werden hier überhaupt nur produziert, weil und sofern sie materielles Substrat, Träger des Tauschwerts sind.“ (MEW 23, S. 201)

Für das Kapital ist der Gebrauchswert der Waren, die unter seiner Regie produziert wurden und nun zur Veräußerung anstehenden, ihnen als Gegenstände des Tausches gegen Geld zu dienen um so den mit dem Herstellungsprozess verfolgten Zweck eines  Zuwachs an Tauschwertbesitz bzw. Kaufkraft zu erreichen, realisieren zu können. Das ist die unabdingbare Existenzbedigung kapitalistischer Produktionsstätten. Es ist auch von Relevanz, dass staatlichen Apparate ohne diesen Zugewinn nicht existieren könnten. Auch Staaten sind auf die vom Kaufkraftgewinn abgeleiteten Steuern und Abgaben existenziell angewiesen. Nicht zuletzt sind es die abhängig Beschäftigten. Unzweifelhat hat deren Arbeitsvermögen für das Kapital den Gebrauchswert, Gebrauchswertträger herstellen zu können, deren Aneignung  von hinreichend vielen und zahlungskräftigen Marktsubjekten (Menschen oder Institutionen) begehrt sein muss, DAMIT sie dafür das vom Kapital begehrte Geld zahlen.

Für die Käufer der Waren ist deren Gebrauchswert aber eben nicht durch die Eigenschaft gegeben, Substrat von Tauschwert zu sein. Es gibt zwar auch hier das Motiv der Wertanlage. Aber in der Regel  bestet der Gebrauchswert  in dem, was die stoffliche Eigenschaft des Eingekauften an  Vergnügen, Nutzen, Befriedigung oder Gewinn  verspricht.

Nur Gebrauchswerte vermögen sich als Tauschwerte. Gebrauchswerte werden hergestellt, um gekauft zu werden.

Und werden gekauft um deren Aneignung genießen zu können.

Sie werden nicht produziert, um unmittelbar konsumiert zu werden. Das werden sie zwar gelegentlich auch, aber das ist lediglich nachrangig.

Hier deutet sich ein weiterer Fehlschluss an. Auch wenn einmal kein Tausch mehr stattfinden und der notwendige Arbeitsaufwand oder die Breitschaft, ihn zu leisten nicht mehr mit Hilfe von Lohn, Preis und Profit (und sonstiger Geldfunktionen) ermittelt, repräsentiert, ermöglicht bzw. gemanagt werden sollte und nicht mehr Institutionen, die miteinander um die Fähigkeit konkurrieren, Mittel der privaten (d.h. von sozialer  Reflektion und Veranntwortung befreiter) Bedürfnisbefriedigung her und bereit zu stellen, damit sie ihre zenrale Existenzbedingung erfüllen, aus ihrer Verfügung über das zentrale Bereicherungsmittel Kaufkraft mehr Kaufkraft zu machen sondern über die zu erfüllenden Zwecke, Standards und Grenzen der Produktion, Herstellung und Garantie der notwendigen (Re-) Produktionsbedingungen, Kontrolle der Nebenwirkungen usw. weitgehend gemeinschaftlich (= kommunistisch) bestimmt werden könnte, hieße das keineswegs,  dass die her- und bereit gestellten Gebrauchswertträger UNMITTELBAR bzw. UNVERMITTELT für den Konsum hergestellt würden. Vermittlung, Ermittlung und Kontrolle bzw. Garantie des zu Tuenden, in welchen Grenzen es zu geschehen hat usw.  geschehe auf Grundlagen gemeinsam entworfener und durchgeführter Erhebungen und Berechnungen, Meinungsbildungsprozessen und Abstimmungen. Es kann ja nicht einfach koste es an Ressourcen, Mühen usw.  was es wolle, die Befiedigung der ermittelten Bedürfnisse verordnet (erzwungen) werden.

Der Gebrauchswert, von dem wir hier reden, ist immer formbestimmt gewesen, er ist gesetzt und nicht vorausgesetzt.

Noch einnmal: Es ist zu unterscheiden zwischen allgemeiner Bestimmung von Gebrauchswert, nämlich, als Erwartung, aus der Möglichkeit der Verfügung über einen Gebrauchswertträger IRGEND einen Nutzen ziehen zu können und dem konkreten Dasein von Gebrauchswerten (bzw. konkreter Erwartungen an die Möglichkeit, über Dinge, Handlungen oder Wirkungen verfügen zu können. Die konkrete Gesellschaftlichkeit dieses Verlangens und der Mittel seiner möglichen Befriedigung hängt selbstverständlich von den Formen ab, in denen die (Re-) Produktion der Gebrauchswertträger (z.B. Gebrauchsgegenstände) und der (Re-) Produktion der Bedingungen ihrer (Re-)Produktion  mit deren Aneignung vermittelt werden (was im Übrigen stets auch eine Frage des Stands der Produktivkraftentwicklung ist).

Alleine dass sich das ominöse Wörtchen Wert in den Begriff eingeschlichen hat, hätte auf diese Fährte führen können.

Das „ominöse Wörtchen“ Wert hat allerdings keinen anderen Sinn, als dass jedes Verlangen nach irgend etwas, ebenso wie die Einschäätzung des gegenstands des Verlangens einen bestimmten Grad an Quantität und Qualität hat, dessen Werte sich mehr oder weniger Präzise erfassen und auswerten lassen. (Oha. Auswerten! Auch so ein ominöses Wörtchen).

Kornelia Hafner ist uneingeschränkt zuzustimmen, wenn sie behauptet: „Insofern aber der Begriff Wert in dem des Gebrauchswerts enthalten ist, scheint der Gebrauchswert auch bei Marx nicht hinreichend präzisiert.“ (Gebrauchswertfetischismus, S. 64)

Nein, dem ist nun wirklich nicht zuzustimmen, denn anscheinend wird hier nur der eigene Begriffsfetischismus Marx unterschoben. .

Marx und noch mehr der Marxismus haben hier einiges zur Begriffsverwirrung in puncto Wert und Werten beigetragen. Die Welt beherbergt nicht einfach Gebrauchswerte, sondern diese werden erst selbst durch die Herrschaft der Ware resp. des Kapitals ausgebildet und geschaffen.

Und so falsch  weiter und so falsch fort.

Der Gebrauchswert ist nicht das unschuldige Ding, das da vom Tauschwert befallen wird.

Ha, wusste ichs doch :-).

Fortsetzung folgt im Bälde