ATOMKRAFTGEGNER SCHALTEN SICH EIN!

23. August 2009

Impressionen vom 5.9.09 in Berlin

Ententfremdung: Die Gesellschaft beginnt, sich Gedanken über
ihre Produktionsmittel zu machen. Wer sollte über
deren Entwicklung und Einsatz (zu welchem Zweck)
wie entscheiden?
Greenpeace zum Thema Atomkraft
Greenpeace-Kalender 365 Gründe gegen Atomkraft
Eurosolar/IPPNW Fakten zur Atomenergie
BUND Themen: AtomkraftMütter gegen Atomkraft

 

BMU über Atomenergie und Strahlenschutz

IPPNW: Gesundheitliche Folgen von Tschernobyl – 20 Jahre nach der Reaktorkatastrophe
IPPNW: Atomenergie & Gesundheit
IPPNW: Atomenergie und das Atommüll-Problem
IPPNW: Atomenergie & Sicherheit
Stromwechsel jetzt! – Ökostrom statt Atom!

Den Rest des Beitrags lesen »


GREENWASHING

30. Juli 2009

Als ein Prozess sozialer Emanzipation innerhalb der gegebenen Verhältnisse sehe ich (Öko-) Sozialismus als  sukzessive Entwicklung und Verallgemeinerung der Möglichkeit, Zwecke und Mittel menschlicher Bereicherung in einer Weise miteinander abzustimmen, dass die  sozialen und ökologischen Voraussetzungen und Wirkungen der Produktion in die Entscheidung einbezogen werden müssen.

Bevor eine als solche handlungsfähige menschliche Weltgemeinschaft geschaffen und diese Befähigung damit der weltweit vorherrschende soziale Prozess werden kann,  geschieht sie notgedrungen ökokapitalistisch gebremst, sehr widersprüchlich und nimmt oft paradoxe Formen an.

So kann z.B.  Greenwashing durchaus zum  Moment des  Fortschritts sozialer Emanzipation werden, wenn,  oder besser in so weit es gelingt, gegenüber einer breiten Öffentlichkeit die Unterschiede zwischen wirklichen Fortschritten in der umweltbewussten Gestaltung und bloßen Wortschritten, die über den größten Teil der Wirklichkeit nur hinwegtäuschen, aufzudecken.

Weil sich Greenwasher immerhin dazu genötigt sehen,sich zu einer  umweltbewussten bzw. menschenwürdigen Produktion und Produktgestaltung zu bekennen, sind sie auch genötigt, sich gegenüber Vorwürfen der Irreführung zu rechtfertigen und für ihr gesamtes Handeln gerade stehen zu müssen

In dem Sinne sollen hier nach und nach einige Beispiele des Greenwashing zusammengetragen werden.

Den Rest des Beitrags lesen »


Der Focus spülte Leserkommentar in den Lokus

29. Juli 2009

Die in meinem Leserkommentar zur Focus-Online Ausgabe enthaltene Aufforderung, in der Berichterstattung über das Artensterben,  die Erkenntnis, dass „der Mensch“ Schuld  sei, zu spezifizieren und in der Angelegenheit mehr (Öko-) Sozialismus zu wagen, deutete die Onlineredaktion als „Verstoß gegen die Netiquette“ und spülte den Kommentar lieber in den Lokus, als ihn zu veröffentlichen.

Den Rest des Beitrags lesen »


Peterchens Mondfahrt!

13. Juni 2009

mondWer Marx hinterm Mond sucht, wird vor allem auf der dunklen Seite fündig. Projektor an: der alte Film mit den gewohnten Vorurteilen wird abgespult. Ein paar Erinnerungsfotos! Wow! Der philosophische Beweis ist erbracht: Marxisten leben hinterm Mond, haben sich als wahre Herren der Finsternis  erwiesen und sind sehr, sehr böse.

Konkret klingt das in Etwa so:

Dschihad der gebenden Hand:

Für Marx beginnt Kapitalismus fälschlicherweise mit Landdiebstahl. Darauf baut er eine Theorie der Erbsünde auf mit deren Hilfe dann später zurückgeklaut werden soll! Das geschieht auch inzwischen. Der Staat und von ihm ernährte Schmarotzer klauen den Produktiven (produktive Arbeiter, Bestsellerautoren und Unternehmer)  ihr wohlverdientes Geld.  Sie haben einen Semisozialismus aufgebaut und enteignen damit  die Leistungsstarken.  Schuld daran tragen neben den Marxisten professionelle Geldverleiher deren Gier nach Zinsen der Staat befriedigen muss. Aber nicht mehr lange:

Gegen die raffende „Wissenschaft der nehmenden Hand“ aber gibt es bald die „Revolution der gebenden Hand“. Die gehört den produktiven Arbeitern der Stirn und der Faust sowie den ebenso produktiven Unternehmern. Und diese Hand wird dann schon den Dieben und Schmarotzern (Staatsdiener, Geldverleiher und Erwerbslose) die Hand abschlagen, deren Zwangssteuern abschaffen und dafür ein auf freiwillige Spenden beruhendes Freude-durch-Kraft-System aufbauen, welche dem Privateigentum wieder den ihm gebührenden Respekt zurückgibt, der ihm von  Marxisten und gierigen Geldverleihern geraubt worden war.

Was wie Oberlippenbartfantasien aus dem letzten Jahrhundert klingt,  ist ganz frisch und stammt von niemand anderem als dem prominenten Fernsehphilosoph Peter Sloterdijk.

Den Rest des Beitrags lesen »


Verschmutzungsrechtehandel – Keime einer sozialistischen Marktwirtschaft oder ökokapitalistischer Selbstbetrug?

19. Mai 2009

9703123

Global Umweltschutzziele festlegen, nach den lokal besten Aufwand-Nutzen Relationen schauen und die Umweltschutzmittel dort einsetzen, wo sie den größtmöglichen Nutzen bringen! Klingt wie ökosozialistisches Ressourcenmanagement, ist aber als Verschmutzungsrecht-Handel das ökokapitalistische Mittel der Wahl:

Den Rest des Beitrags lesen »


The Story of Stuff

9. Mai 2009


K.H. Tjadens Kritik „der“ Planwirtschaft, „des“ Bewusstseins und „des“ Sozialismus

5. Mai 2009

„Ich bin davon überzeugt, dass es nur einen Weg gibt, dieses Übel loszuwerden, nämlich den, ein sozialistisches Wirtschaftssystem zu etablieren, begleitet von einem Bildungssystem, das sich an sozialen Zielsetzungen orientiert. In solch einer Wirtschaft gehören die Produktionsmittel der Gesellschaft selbst und ihr Gebrauch wird geplant. Eine Planwirtschaft, die die Produktion auf den Bedarf der Gemeinschaft einstellt, würde die durchzuführende Arbeit unter all denjenigen verteilen, die in der Lage sind zu arbeiten und sie würde jedem Mann, jeder Frau und jedem Kind einen Lebensunterhalt garantieren. Die Bildung hätte zum Ziel, dass die Individuen zusätzlich zur Förderung ihrer eigenen angeborenen Fähigkeiten einen Verantwortungssinn für die Mitmenschen entwickeln anstelle der Verherrlichung von Macht und Erfolg in unserer gegenwärtigen Gesellschaft.

Dennoch ist es notwendig festzuhalten, dass eine Planwirtschaft noch kein Sozialismus ist. Eine Planwirtschaft als solche kann mit der totalen Versklavung des Individuums einhergehen.

Sozialismus erfordert die Lösung einiger äußerst schwieriger soziopolitischer Probleme: Wie ist es angesichts weitreichender Zentralisierung politischer und ökonomischer Kräfte möglich, eine Bürokratie daran zu hindern, allmächtig und maßlos zu werden? Wie können die Rechte des Einzelnen geschützt und dadurch ein demokratisches Gegengewicht zur Bürokratie gesichert werden?“

Albert Einstein

Anmerkung 1

Es versteht sich, daß die Aufhebung der Entfremdung immer von der Form der Entfremdung aus geschieht

Marx: Ökonomisch-philosophische Manuskripte aus dem Jahre 1844.MEW Bd. 40, S. 553

Begriffe wie “Freiheit”, “Gerechtigkeit”, “Entfremdung” ” Kapitalismus” , “Sozialismus”, “Staat”, “Markt”,  “Produktivkräfte”, “Fortschritt”, “Entwicklung”,  “Natur”,  “Politik”, “Gott”, “Rationalität”, “Bedarf”, “Bedürfnisse”,” Selbstbestimmung”, “Kritik”  oder auch  “Verdinglichung” erscheinen uns als Fixsterne des Denkens und Handelns!

Sie gelten als die wahren Mittel der Erleuchtung oder zumindest der Beleuchtung des Elends dieser Welt oder deren Bändigung. Da sie der Orientierung inmitten unverstandener Zusammenhänge dienen und der sozialen Rückbindung (=Religion) privater (Un-) Lust an andere Privatbedürfnisse (nicht selten gegensätzlicher Natur), ist deren Deutung oft hart, manchmal blutig umkämpft.  Sie stehen für Protest gegen wirkliches Elend, für Seufzer bedrängter Kreaturen, sind Gemüt ungemütlicher Zeiten und Geist geistloser Zustände (vgl .  MEW Bd. 1, S. 378)  Manchen versetzt ihr Gebrauch in einen wohligen Rausch.  Aber Vorsicht! Vor Halluzinationen wird gewarnt.

Fern aller konkreten Beziehungen, Interessen und Instinkte wirklicher Menschen und deren Behauptungsbedingungen beginnen uns diese mit eigenem Geist beseelt vorgestellten Himmelserscheinungen auf der Nase herum zu tanzen und dem menschlichen Denken und Handeln mal diesen und mal jenen Geruch zu verleihen ohne dass sich deren  Spur ins stinknormale  Leben und deren  Luftveränderungsbedarf konkret nachvollziehen ließe.

Bei der Planwirtschaft kein Plan DS?

Wer „Planwirtschaft“ nur in der einen Form des geheimen Staatsdirigismus  gelten lässt, mit dem es sich in den einstigen Ostblockländern nach Herzenslust über die Bedürfnisse der Menschen hinweg schalten und walten ließ bis es krachte,  sollte bedenken, dass die Haltung von (und eben auch der Handel mit) Sklaven (als dominierendes Produktions- und Aneignungsverhältnis) auch eine „Marktwirtschaft“ war.

Sicher: der Mobilisierungswert eines Parteiprogramms, das heute eine „sozialistische Planwirtschaft“ versprechen würde, läge tief im Keller irgendwo in der Nähe „toxischer“  Wertpapiere.  Das liegt unter anderem daran, dass die blank geputzten Begriffe des sogenannten „realen Sozialismus“  grad auch vom „Klassenfeind“ gern als Wirklichkeitverkauft wurde.

Denn für das Funktionieren der auf kurzfristige Bereicherungsgewinne privater  Wettbewerber ausgerichteten Formen und Ausprägungen der Arbeitsteilung ist es rational (= zweckgerichtet), Fragen nach einer sozialen  Steuerung der Herstellung und des Gebrauchs der menschlichen Bereicherungsmittel generell für einen sozialromantischen Angriff auf die Lust an „der“ unbeschränkten Freiheit aller zu halten. Die irdische Verkörperung dieses Schreckgespenstes im „realsozialistischen“ Spuk kam dem entgegen.

Nach Formen der Arbeitsteilung zu fragen, mittels derer sich Beteiligte und Betroffene gegenseitig nötigen können, sich die sozialen bzw. ökologischen Voraussetzungen und Folgen ihrer Stoff- bzw. Energiewechsel mitsamt der damit verbundenen Zugriffsrechte und -pflichten vorher (!) durch den Kopf gehen zu lassen (und hnterher dafür auch gerade stehen zu können), zog und zieht nicht zuletzt wegen der Verwechslung von Begriff und Wirklichkeit (Vorstellung und wirkliche Herstellung)  unweigerlich die Rückfrage nach sich, ob im Oberstübchen noch alles Geschirr versammelt ist. (Zu den strukturellen Grundlagen dieses Phänomens siehe: Sind wir des Warensinns?).

Der Begriff, der Begriff, der  hat niemals recht!

Linke Kapitalismusgegner sind davor natürlich auch nicht gefeit. Das Gewahrwerden, dass soziale bzw. ökologische Mängel wie Überfischung, Erderwärmung oder Regenwaldzerstörung, die ja auch Folge privater Aneignungsrationalität sind,  über kurz oder lang anderen – in anderer Hinsicht rationalen – Zwecken widersprechen,  kann es geschehen, dass die Vorstellung einer Identität von Kapitalismus oder „westlicher Moderne“ mit „der Rationalität“ an und für sich ins genaue Gegenteitl umkippt mit dem verrückten Ergebnis, dass (ebenso wie beim „realen Sozialismus“) nicht die soziale Rückständigkeit der Verhältnisse mit ihren bornieren Möglichkeiten der Zweckbestimmung als das Problem gesehen wird, (etwa weil die zum Stand der technischen und intellektuellen Fähigkeiten der Menschen nicht mehr passen). Statt nach den Grundlagen falscher, nicht mehr zeitgemäßer  Zwecke und deren Rationalität zu fragen bzw. nach neuen Zwecken oder Zweckbestimmungsferverfahren  gilt der antikapitalistische  Angriff  „der“ angeblichen Kopflastigkeit eines „westlichen Entwicklungsmodells“ und dessen „Rationalitätsbegriff“. Und „Planwirtschaft“ (egal wie demokratisch-sozialistisch) gilt nur als die sichtbare Spitze des angeblich eisekalten weil mechanistischen „westlichen“ Rationalismus.

Aus der Erfahrung, dass ein Einheitsgriff für sämtliche Tassen aller Schränke  recht unpassend sein kann, wird also messerscharf gefolgert,  dass  an bestimmten Tassengriffen überhaupt nur gefährlicher Unsinn dran sein  kann.  Genau diesem Trugschluss scheint mir der ehrenwerte Öko-Soziologe Karl Hermann Tjaden zu unterliegen, wenn er ausgerechnet vor einer „trügerischen Dreieinigkeit von Bewusstsein, Planung und Sozialismus“ warnt, die er „Hirngespinste wie alle Begriffe“ nennt.

Von den Spinnen unterscheidet uns Menschen – nach Marx – allerdings, dass  wir uns unsere Gespinste (wie etwa „Sozialismus“) durch den Kopf gehen lassen und die Bedingungen ihrer Richtigkeit, Notwendigkeit und Möglichkeit im öffentlichen Diskurs  reflektieren können bevor (aber natürlich auch während) wir zielstrebig werden und das Gewünschte bzw. Notwendige bewusst, d.h. wissentlich und willentlich herstellen.

Tjaden lässt das nicht gelten und behauptet, dass Marx und Engels  eine solche Trinität nicht behauptet hatten.

Die Ausarbeitung eines Sachzusammenhangs von Bewusstsein, Planung und Sozialismus, behaupte ich, gibt es bei den Begründern des Historischen Materialismus nicht. Karl Marx und Friedrich Engels hatten, anders als es später hieß, nicht die Auffassung vertreten, zu den wesentlichen Merkmalen des Sozialismus gehöre, neben der Vergesellschaftung der Produktionsmittel, der Abschaffung der Ausbeutung und der Bedürfnisorientierung der Produktion, auch „die bewußte, planmäßige Leitung der Gesellschaft nach einem Gesamtwillen“. Aber: Sie hatten der Annahme einer Dreieinigkeit von Bewusstsein, Planung und sozialistischer Gesellschaft mit diversen Argumentslinien zugearbeitet. Vor allem gibt es das anthropologische Dogma Marx’ im „Kapital“, ein menschlicher „Baumeister“ unterscheide sich von allen (anderen) Tieren dadurch, dass er sein angestrebtes Werk in seiner „Vorstellung“ vorausdenke. Das scheint für Marx die Voraussetzung der Möglichkeit gewesen zu sein, dass die „Gestalt des gesellschaftlichen Lebensprozesses“ jenseits des Kapitalismus „unter bewußter planmäßiger Kontrolle steht“ – was Engels wiederum in seinem „Anti-Dühring“ so bewertete, dass „der Mensch“ im Sozialismus, „in gewissem Sinn, endgültig aus dem Tierreich [ausscheidet].“

Seltsame Beweisführung:  Marx/Engels hätten das „Nie Gesagte“ zwar eigentlich doch gesagt aber sie seien dabei ihrem eigenen Dogma vom Wesen des Menschseins bzw. Menschwerdens unterlegen und hätten deshalb eigentlich alles nicht so gemeint.

Den Rest des Beitrags lesen »


DGB Maiaufruf zur Klimakrise: besseres Arbeitsklima, besseres Investitutionsklima!

1. Mai 2009

Schön und gut:

Für die Gewerkschaften stehen die Menschen vor den Märkten. Deshalb fordern wir eine neue solidarische Ordnung der Wirtschaft und Gesellschaft. Eine Ordnung, die Arbeitsplätze erhält, die Mindestlöhne einführt und sichert. Eine Ordnung für mehr gute Arbeit und ein gutes Leben, eine Ordnung mit mehr Mitbestimmung, Teilhabe und Gleichberechtigung. Wir fordern einen handlungsfähigen Staat, der auch morgen in der Lage ist, seine Aufgaben wahrzunehmen.

Aus dem DGB Aufruf zum 1. Mai 2009

Erderwärmung War da was?

Schön und gut wie gesagt. Aber warum kein Wort darüber, was im Lichte ökologischer Nachhaltigkeit „gute“ Arbeit und „gutes“ Leben  bedeuten oder wer was im Angesicht der Erderwärmung  mitbestimmen können und wer wie daran gleichberechtigt teilhaben soll? Oder habe ich etwas übersehen?

Wie passt die altertümliche Ausklammerung der großen ökologischen Menschheitsprobleme aus der To-do-Liste der dringend zu vertretenden Arbeiter(innen)belange, (was die menschliche Würde geldvermögensloser Arbeitsvermögender in den engen Grenzen ihrer – potenziellen – Funktion als  „variables Kapital“  hält),  zur Phrase, dass  für die Gewerkschaften „die Menschen vor den Märkten stehen„?

Dass die Menschen ihre Gesellschaft (also ihr globales Miteinender) bzw. ihre Wirtschaft (die weltweite Prodution und Bereitstellung der Güter und Dienste)  solidarisch ordnen können sollen, ist eine großartige Perspektive.

Sich dieser ungewöhnlich weitsichtigen Ein- und Aussicht wenigstens gedanklich nähern zu können macht es aber erforderlich, konkret (!) zu benennen, was sie so notwendigt und dringlich macht. Dazu gehört heute unabdingbar, dass das (mit dem solidarischen Ordnen)  zu erreichende  „gute Leben“ außer Mindestlohn und Arbeitsplatzsicherheit auch weltweite Ernährungssicherheit und -souveränität,  ökologische Stabilität und daher eine drastische Reduktion der Schadstofemissionen und „Naturverbräuche“ (und damit auch Stoffumsätze) einschließen muss.

Schließlich:

Wir fordern einen handlungsfähigen Staat, der auch morgen in der Lage ist, seine Aufgaben wahrzunehmen.

„Seine“ Aufgaben?  Staatliche Aufgaben stehen ebenso wie Aufgaben des Marktes in keinem bestimmten Verhältnis  zu „den Menschen“, also  zu konkret zu bestimmenden (mit-)menschlichen Belangen – und umgekehrt. Mitmenschliche und  in Bezug auf die Naturumwelt mitweltliche Belange stehen derzeit in keiner (mitmenschlich) bestimmten Beziehung zu Aufgaben des Staates oder des Marktes.  Vorrang für „die Menschen“ oder besser „der Menschen“ kann sinnvollerweise nur bedeuten, diese jeweiligen Aufgaben – konkret (!) – mitzubestimmen.

Unbestimmte Ziele wie gutes Leben, Mitbestimmung und Aufgabenerfüllung des Staates helfen nicht wirklich voran und scheinen mir mehr Ausdruck der Entfremdung von der Perspektive eines mitmenschlichen Ordnens  als Ausdruck der Emanzipation aus inhumanen  Sachzwängen des Staat-Markt-Komplexes zu sein.

Gruß hh


Fetischbegriffe 2.) „qualitatives Wachstum“ (im Nov. 2012 und im Juni 2013 leicht überarbeitet)

7. April 2009


Kein Mensch bekämpft die Freiheit; er bekämpft höchstens die Freiheit der anderen.

Marx:  MEW Bd. 1, S. 51

Es versteht sich, daß die Aufhebung der Entfremdung immer von der Form der Entfremdung aus geschieht

Marx: Ökonomisch-philosophische Manuskripte aus dem Jahre 1844.MEW Bd. 40, S. 553

Begriffe wie “Freiheit”, “Gerechtigkeit”, “Entfremdung” ” Kapitalismus” , “Sozialismus”, „Staat“, „Markt“,  “Produktivkräfte”, “Fortschritt”, “Entwicklung”,  “Natur”,  “Politik”, “Gott”, “Rationalität”, “Bedarf”, “Bedürfnisse”,” Selbstbestimmung”, “Kritik”  oder auch  “Fetischisierung” erscheinen uns als Fixsterne des Denkens und Handelns!

Sie gelten als die wahren Mittel der Erleuchtung oder zumindest der Beleuchtung des Elends dieser Welt – oder deren Bändigung. Da sie der Orientierung dienen und der sozialen Rückbindung (=Religion) privater (Un-) Lust mit anderen Privatbedürfnissen (nicht selten gegensätzlicher Natur), ist deren Deutung oft hart, manchmal blutig umkämpft.

Sie stehen für Protest gegen wirkliches Elend, für Seufzer  bedrängter Kreaturen, sind Gemüt ungemütlicher Zeiten und Geist geistloser Zustände (vgl .  MEW Bd. 1, S. 378)  Manchen versetzt ihr Gebrauch in einen wohligen Rausch.  Aber Vorsicht! Vor Halluzinationen wird gewarnt.

Fern aller konkreten Beziehungen, Interessen und Instinkte wirklicher Menschen und deren Behauptungsbedingungen beginnen uns diese mit eigenem Geist beseelt vorgestellten Erscheinungen auf der Nase herum zu tanzen und dem menschlichen Denken und Handeln mal diesen und mal jenen Geruch zu verleihen ohne dass sich deren  Spur ins alltägliche (eben stinknormale) Leben nachvollziehen ließe.

Oder doch?

  1. Bedarfsgerechtigkeit!
  2. Qualitatives Wachstum

2. ) „Qualitatives Wachstum

Kapitalismus, also

  • (zwischen-) staatlich, d.h. mittes (entspechend der gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse politisch bestimmtem) Recht- und Gesetz abgesicherte
  • Entwicklung und Anwendung von privatem Herstellungsvermögen (Beherrschung von Produktionsstätten und Transportmittel,  Maschinen, Vorprodukte, Arbeitskräfte,  andere genutzte Naturkräfte bzw. -gegenstände und zur Aneignung all dessen ermächtigendes Geld)
  • und Veräußerung bzw. (auf Seiten der Konsumierenden) Aneignung der dabei  geschaffenen Gebrauchswerte vermittels einem Markt (also in Konkurrenz ums attraktivste Angebot) gegen wiederum Geld (zu einem Preis, dessen Auf und Ab  unter Bedingungen freier Konkurrenz der Privatakteure vom zur Aneignung der begehrten Gebrauchswerte gesellschaftlich notwendigen Arbeitsaufwand  gesteuert ist)

ist eine ausgesprochen dynamische Art der Existenzsicherung und Bereicherung (und deren Weiterentwicklung) mit einem großen und dabei nur ungenügend steuerbaren  Zerstörungspotenzial.

Doch Stillstand bedeutet den sozialen Tod. Expansion privater Bedürfnisse und Mittel zu ihrer Befriedigung, technischer Fortschritt und entsprechende Verfahrens- und Produktinnovationen sind Überlebensbedingung am Markt.

Aber was geschieht, wenn kein Gras (Regenwald oder andere Produktionsstätten des Lebens) mehr wächst, wo der kapitalistisch automatisierte Fortschritt auftritt?

Solange  genug andere soziale bzw. geographische Felder der Ausbeutung abgegrast werden können, ist das erst einmal für alle gut, die einen privaten Vorteil von der Einsparung der Reproduktionskosten haben, ob sie von billigerem Holz, billigeren Palmöl-Produkten oder billigerem Fleisch der mit „Soya-statt Regenwald“ gefütterten Rinder profitieren oder vom Raubbau an menschlicher Arbeitskraft. Das gilt beileibe nicht nur für die großen Player der Plusmacherei. Es gilt sogar im besonderen Maße für die so genannten Endverbraucher/innen.

Auf der Kapitalseite profiteren vor allem die von Raubbau, die bei der Finanzierung, Produktion und Bereitstellung der durch die Einsparung von Reproduktionskosen so schön billigen Produkte die Nase vorn haben. Sie können ihr Aneignungsvermögen (in der Form von Geldbesitz) mittels des so gegebenen Konkurrenzvorteils steigern. (Sei es, um sich auch in Zukunft am Markt behaupten zu können oder weil sie ihr gerade nicht selbst selbst benötigtes Geld gewinnbringend anlegen).

Technischer Fortschritt, Verfahrens- und Produktinnovationen bringen einem Unternehmen allerdings nur solange mehr Geld, wie die Konkurrenz nicht gleich ziehen kann. Danach kann (und muss!)  fürs gleiche Geld (für den gleichen Gewinn) mehr Gebrauchswerte hergestellt und also auch der Natur abverlangt werden.

Dies ist die materielle Behauptungsgrundlage des nun so oft kritisierten „Wachstumsdenkens“ und  sollte heute zum Grundwissen eines jeden Menschen gehören. Schon damit das Elend all der vielstimmigen Forderungen aufhört, sich „den Wachstumswahn“ mittels Umdenken aus dem Kopf zu schlagen statt nach Veränderungsmöglichkeiten der im wahrsten Sinne (selbst-) mörderisch gewordenen Behauptungsbedingungen am Markt und damit auch in der Produktion zu schauen. (Vergl. „Sind wir des Warensinns?)

Das Vergnügen der Endverbraucher/innen an „kleinen Preisen“ steigert allerdings für das gesamte Kapital (für alle Geldvermehrungsgeselschaften) die so genannte „Mehrwertrate“ weil der Raubbau das zur Reproduktion derArbeitskraft benötigte Arbeitsquantum zunächst einmal senkt. Allerdings git das nur bei gleichem Konsumniveau. Wächst der, schmälert das  die Mehrwertrate wiederum oder sie bleibt gleich.

Die sich ausweitenden bzw. globalisierenden Produktions- bzw. Aneignungsbedingungen der kapitalistischen Natur ist die von der Soziologie in der Tradition Webers und Tönnies  „modern“ genannte Vergesellschaftung, die in dieser Perspektive als ein überhistorisch gültiger Ausdruck sozialen Fortschritts gesehen wird und Emanzipation aus den alten Zuständen der Vergemeinschaftung und Gemeinschaften, die als altbacken, repressiv und Hort von Korruption gesehen werden.

Die privateigentümliche Vergesellschaftung der Produktivitätsgewinne bildet tatsächlich die materielle Grundlage für all die modernen Seeräuberdemokratien, die im Philosophenlatein „die Moderne“ oder „westliche Wertegemeinschaften“ heißen. (Wer den Begriff „Seeräuberdemoktatie“ für eine übertrieben polemische Metapher hält, möge sich vergegenwärtigen, dass Mauretanien seine Fischereirechte für 86 Millionen Euro an die EU übertrug, die nun jährlich Fisch im Marktwert von eineinhalb Milliarden Euro aus dem Meer holt während die Mauretanischen Fischer ihre Boote noch für waghalsige Versuche benutzen können, dem so geschaffenen Elend über das Meer zu entkommen (Vergl. konkret Heft 10 / Oktober 2008).)  Siehe dazu auch:  DIE ZEIT, Ausgabe 49, 27.11.2008 Wer ist hier der Pirat?

Vielfach ist nun zu hören, dass das quantitative Wachstum in qualitatives Wachstum verwandelt werden soll. Dieser neue Fixsternwechsel am Wünsch-Dir-Was-Himmel zeigt zwar ein einigermaßen richtiges Streben im falschen Leben an. Davon zeugen etwa Mahnungen, dass auch  eine  anzustrebende „Faktor 4 Effizienz“ (der doppelte Wohlstand  mit nur halb so viel Ressourcenverbrauch) durch mehr Suffizienz (in etwa: die Fähigkeit, sozial bzw. ökologisch verantwortbare Gründe des Wohlbefindens / des guten Lebens mit dazu geeigneten Mitteln herstellen) ergänzt werden müsse. (Diese Perspektive ist  durchaus keine Erfindung linker Kapitalismuskritiker).

Ohne allerdings zu bennen, welche Qualität denn nun (warum und wodurch) anstelle welcher anderen Qualität wachsen soll, wirkt auch dieser neue Begriff als Fetisch. Dessen Geist soll sich als Segen für die Schöpfung eines nachhaltigen Wohlstands erweisen wo viemehr die Entwicklung einer neuen Arbeitsteilung gefragt sein solte,mit deren Hilfe sich die handenden Subjekte in die Lage vesetzten, miteinander die Zwecke, Methoden, Regionen oder  Mengen des zu Produzierenden auf ihre sozialen bzw. ökologischen Implikationen hin zu untersuchen und in Richtung  eines gemeinsam zu verantwortenden Weltwirtschaftens abzustimmen!

Solange  der neue Fortschrittsbegriff „qalitatives Wachstum“ nicht in die Entwicklung neuer Formen der Arbeitsteilung eingebunden ist, wirkt er als Fetisch, der nicht nur befreiend wirkt sondern auch das alte mysifizieren hilft.

Es ist doch schlicht so: Alle Dinge haben zu jeder Zeit eine quantitative und eine qualitative Seiten. Und gerade die „qualitativen“ Seiten der kapitalistischen Mehrung des menschlichen Bereicherungsvermögens sind legendär – und (siehe Atom- oder Karbonstrom) und sind – gerade weil Quelle der einkaufsparadiesischen Freude am Konsum – eben auch Teil des geschilderten Problems.

Das Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung, das wohl über jeden Verdacht erhaben ist, irgendwelchen sozialistischen Ideen anzuhängen, ist in der Beziehung sehr viel weiter als  die typischen  Statements und Programme aus „der Linken“ bzw. der umweltbewegten Organisationen und Kommentator(inn)en des Weltgeschehens,  wenn es angesichts der Notwendigkeit, steigenden Bedarf an Lebensmittelproduktion  und Schutz der biologischen Vielfalt miteinender zu vereinbaren, ein globales Ressourcenmanagement fordert.

Zu erkennen gilt, dass „die Vereinbarkeit“ von menschlicher Entwicklung und Natur- und Umweltschutz wirkliche Vereinbarungen über die Bedingungen eines (weltweit) guten Zusammenlebens benötigt. Der Wunsch nach einem ökologisch korrekten Lebensstil ist verständlich und gut. Aber mehr oder weniger sanftes „Nehmen Sie mal ne umweltgerechte Haltung an!- Rufen“ reicht nicht.  Die materiellen, d.h. strukturellen Bedingungen des ökologisch „stilvollen Lebens“ und seiner Verallgemeinerungsfähigkeit und also entsprechende internationale Vereinbarungen  gehören  ins Zentrum der Aufmerksamkeit und damit die Veränderbarkeit der das Verhalten bestimmenden Verhältnisse – zu denen allerdings auch die (künftigen) Lebensbedingungen der vom Wachstumszwang Abhängigen und die Frage nach globaler Entwicklungsgerechtigkeit gehört.

hh


Die Produktions- und Austauschformen passen nicht mehr zur Produktivkraftentwicklung. Die darauf nicht zugeschnittene alte Gesellschaftsordnung wird zum Problem

4. März 2009

Friedriich Engels

Die erwachende Einsicht, daß die bestehenden gesellschaftlichen Einrichtungen unvernünftig und ungerecht sind, daß Vernunft Unsinn, Wohltat Plage geworden, ist nur ein Anzeichen davon, daß in den Produktionsmethoden und Austauschformen in aller Stille Veränderungen vor sich gegangen sind, zu denen die auf frühere ökonomische Bedingungen zugeschnittne gesellschaftliche Ordnung nicht mehr stimmt.

Engels: Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft,

MEW Bd. 19, S. 210

cropped-marxbah.jpg

In der Entwicklung der Produktivkräfte tritt eine Stufe ein, auf welcher Produktionskräfte und Verkehrsmittel hervorgerufen werden, welche unter den bestehenden Verhältnissen nur Unheil anrichten, welche keine Produktionskräfte mehr sind, sondern Destruktionskräfte (Maschinerie, Geld)…

Marx/Engels: Die deutsche Ideologie. MEW Bd. 3,  S. 69

Auf einer gewissen Stufe ihrer Entwicklung geraten die materiellen Produktivkräfte der Gesellschaft in Widerspruch mit den vorhandenen Produktionsverhältnissen oder, was nur ein juristischer Ausdruck dafür ist, mit den Eigentumsverhältnissen, innerhalb deren sie sich bisher bewegt hatten.

Aus Entwicklungsformen der Produktivkräfte schlagen diese Verhältnisse in Fesseln derselben um. Es tritt dann eine Epoche sozialer Revolution ein.

Marx: Zur Kritik der politischen Ökonomie, MEW Bd. 13, S. 8-9

Den Rest des Beitrags lesen »