„Die kapitalistische Produktion entwickelt daher nur die Technik und Kombination des gesellschaftlichen Produktionsprozesses, indem sie zugleich die Springquellen allen Reichtums untergräbt: die Erde und den Arbeiter.”
Wie passt diese Diagnose aus dem KAPITAL zu Marx Ansicht, dass sich eine neue Grundlage des menschlichen Füreinanders nicht etablieren könne, solange die dafür notwendigen Produktivkräfte nicht entwickelt sind?
Welche Produktivkräfte verlangen heute nach Produktionsbedingungen, die ein ökologisch vernünftiges Miteinander erlauben?
Zur vertiefenden Diskussion dieser und anderer Rätsel der Geschichte rund um den grünen Marx wird parallel ein Internet-Blog geschaltet. (Vorkenntnisse und aktive Teilnahme am Blog sind von Vorteil aber keine Bedingung)
Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert,es kömmt darauf an, sie zu verändern
Marx berühmte 11.These zu Feuerbach bringt seine gemeinsam mit Engels verfasste Kritik der Junghegelianer auf den Punkt. Diese philosophische Strömung (der M&E einst selbst nahe gestanden waren) hatte sich der ideologiekritischen Aufklärung verschrieben. Die Junghegelianer fühlten sich berufen, einen Zustand der Vernunft zu kritisieren, bei dem die von sich selbst entfremdet ist – zum Beispiel in Gestalt der Religion oder, das unterschied sie von ihrem staatsergebenen Lehrmeister Hegel – des Staatswesens. Damit verbunden war die frohe Erwartung, dass die Vernunft durch die Kritik ihrer Entfremdung zu sich selbst kommt und den Menschen so dann ein Wohlgefallen sein wird – zum Beispiel in der Gestalt des Sebstbewusstseins, eines wohlverstandenen Egoismus usw.
Marx (und Engels) nannten das „Deutsche Ideologie„, die ihrer Ansicht nach Ausdruck erstarrter Verhältnisse in den (damaligen) deutschen Landen sei. Weil die keine wirklichen, d.h. keine sozialen bzw. politischen Fortschritte erlaubten, würden die fortschrittlichen Philosophen das Heil der Menschheit im Austausch der von ihnen als falsch erkannten Ideen suchen, und damit das Bestehende höchstens anders erkennen. Das würde nach Marx/Engels verkennen, dass den verkehrten Ideen verkehrte Verhältnisse zugrunde liegen, die, solange sie bestehen, die kritisierten Vorstellungen stets aufs Neue hervorbringen.
Obwohl der gleich nach Erscheinen als Appetidanreger veröffentlichte Candreis-Text eine arge Geduldsprobe war (Siehe u.a. meinen Kommentar vom 20.10.) ist meine Neugierde auf dem Rest vom Schützenfest noch ungebremst. Schließlich erwarten mich noch die Texte von Elmar Altvater, Raul Zelik oder Frieder Otto Wolf.
Zunächst aber zu Andreas Exner. Er sagt einiges Richtige wie dass …
„Wachstum des Kapitals (…) nicht ökologisch kompatibel sein, (kann) weil es mit steigendem Ressourcendurchsatz einhergeht. Den gilt es zu reduzieren, den Bergbau zurückzufahren und die Landnahme für Agrofuels und Nahrungsmittel zu stoppen.
Dass der Staat nicht mit Geld umgehenkönne und Steuern deshalb besser in privaten Händen verbleiben sollten (etwa denen des Hotel- und Gaststättengewerbes und dessen Kunden) gehört zu den zentralen Klassenkampfparolen unverbesserlich neoliberal geschniedelter Talkshowschnösel.
Die beiden hatten für eine Reichensteuer argumentiert, was ich, nebenbei bemerkt, für eine gute Idee halte, die aber eine noch bessere wäre, würde sie mit der Forderung nach einer sozio-ökologischen Reform der Mehrwertsteuer (national) und des Welthandelssystems (international) einhergehen, so dass es um mehr ginge, als um eine gerechtere Verteilung ökologisch desaströser Raubbaugewinne.
Neoliberalisten wissen in ihrer einschlägigen Borniertheit natürlich nicht, dass in der kapitalistischen Ära moderne Sozialstaaten unverzichtbare Instrumente zur Begrenzung von Kapitalismusversagen (man ist also versucht zu sagen: des eigenen Versagens) sind. Ohne Staaten gäbe es keinen Kapitalismus, keine private Verfügung über Produktions-, Transaktions- und Konsumtionsmittel, kein Geld, kein Lohn und Gehalt, keinen privaten Unternehmensgewinn, kein Marktgeschehen ohne ständige Anfechtung durch Betrug oder Raub und keine den Geschäftsinteressen angemessene (Wieder-)Herstellung bzw. Anreicherung von Humankapital.
Wer nach strukturellen Grundlagen ökologisch reflektierter Mitmenschlichkeit sucht, und die Marx/Engels-Erkentnisse und Ideen als eine hilfreiche Quelle der Inspiration und Erkenntnisgewinnung für eine solche Perspektive betrachtet, wird sich an Althussers Essay-Sammlung „Für Marx“ aus den 1960’er Jahren reiben müssen. (Zu Teil 2/2)
Das von der Böllstiftung und der Commons-Expertin Silke Helfrich herausgegebene 400 Seiten starke Lesebuch, in dem 90 Autor_innen aus 30 Ländern unter anderem darüber aufklären, was mehr wird wenn wir es teilen, ist natürlich ein MUSS. Werde mich hier also nach und nach mit seinen einzelnen Beiträgen auseinandersetzen.
„Man muss, wenn von Freiheit gesprochen wird, immer wohl achtgeben, ob es nicht Privatinteressen sind, von denen gesprochen wird.“
(Hegel)
Die Helle Panke hatte zum Austausch über „Historischen Materialismus und/oder Geschichtsphilosophie?“ geladen. Und ich war mehr her- als hingerissen. Hingerissen wegen der zu erwartenen Anregungen und Hinweise für mich philosophiegeschichtlich bildungsfernen Menschen, den nichts desto trotz die Frage nach dem Potenzial einer explizit (öko-)humanistischen Perspektive des historschen Materialismus á la Marx umtreibt, (gerade im Hinblick auf – in Widerspruch zur alten Ordnung geratenen – Prodktivkräften und welche Rolle dabei Philosohie und Wissenschaft jeweils spielen – sollten). Hergerissen weil mich philosophische Diskurse doch oft sehr nerven.
Das gilt insbesondere für das Hantieren mit Begriffen von diesem und jenem, die als Fetisch funktionierenden sobald sie vom jeweiligen Kontext lösgelöst benutzt werden. Und sodann als ideologische Fixterne erstrahlen, die Orientierung versprechen. Freiheit und Selbstbestimmung sind z.B. solche Begriffe. Als mit eigenem Geist beseelt vorgestellte fixe Ideen steigen sie zu neuen Göttern auf, deren Macht es gegebenenfalls zu maximieren gilt. Gewiss eine unendliche Quelle der Inspiration. Aber als solche auch der (Selbst-)Suggestion mit relegiös anmutenden Weihen. Den Rest des Beitrags lesen »
Deutschland ist Schlusslicht beim Klimaschutz im Verkehr. Das liegt vor allem an den steuerlichen Anreizsystemen, kritisiert die Deutsche Umwelthilfe. In Berlin stellte die Organisation einen Vergleich unter den EU-Staaten vor. Und der zeigt, dass Steuern tatsächlich in die richtige Richtung steuern können.
Rio + 20 war ohne die erhoffe institutionelle Aufwertung des UN-Nachaltigkeitsprozesses zuende gegangen. In Richtung einer “grünen Witschaft” und dem Schutz vor Überfischung der Meere sind nur unverbindliche Absichtserklärungen formuliert. Und für die Erarbeitung von Nachhaltigkeitszielen unter Einschluss von Konsumzielen wurde erst einmal ein Arbeitskreis gebildet. Der soll nun bis 2014 die entsprechende Erweiterung der Millenium Development Goals erarbeiten.Immerhin! Eine kritische Begleitung dieses Prozesses mit Betonung auf Konsumziele und intelligente Finanzierungskonzepte nach dem Grundsatz der gemeinsamen aber differenzierten Verantwortung könnte sich für die „emanzipatorischen“ Kräfte der „Zivilgesellschaft“ zu einem durchaus aufregenden Feld des organisierten Eingreifens entwickeln.
Die scheinbare Radikalität vieler Kapitalismusgegner, die sich bei näherem Hinsehen nicht selten in Warnungen erschöpft, irgendwelchen sozialen Reformprojekten (die ja zwangsläufig immer kapitalistisch sind) ja nicht auf dem Leim zu gehen, verweist m.E. auf einen Mangel an Vorstellungen darüber, wie dieser schreckliche Kapitalismus denn nun zu überwinden wäre, und dass das – wie auch immer – mit einem zielbewusst, (d.h. als ein Projekt) zu verfolgenden gesellschaftlichen Prozess der Herausbildung einer als solche handlungsfähigen Menschheit zu tun hat.
Die mag am Ende jenseits von Staat und Markt agieren. Aber eine wie auch immer gestaltete menschliche Gemeinschaft, die als solche zu einem sozial bzw. ökologisch verantwortlichen Handeln fähig wäre (bzw. befähigen könnte), kann nur als Ergebnis sozialer Bewegung innerhalbder derzeit bestehenden Verhältnisse erwachsen. Und die Ansichten derer, die sich heute in Richtung sozialer bzw. ökologischer Vernunft bewegen, werden im Hinbick auf solch weitreichende Perspekiven immer bunt gemischt sein MÜSSEN und niemals (bereits) in Gänze „ökokommunistisch“ gesonnen sein KÖNNEN. Deren Projekte, Erfolge usw. müssen notwendig Phasen der Institutionalisierung (in Staat und Marktgeschehen, wo sonst?) durchlaufen, um bessere Handlungsbedingungen zu erreichen – und manchmal auch bessere Institutionen. Wesentlich ist zum einen, dass sich zunehmend mehr Menschen und Institutionen zu selbstbewussten Subkjeten des Geschehens entwickeln / entwicklungsfähig sind bzw. werden, und andererseits, dass die Perspektive der als solche handlungsfähigen Menschheit allmälich hinzukommt, und deren Möglichkeit wie Notwendigkeit erst Schritt für Schritt klarer, plausibler und machbarer wird. Den Rest des Beitrags lesen »