… angekommen. Dafür hätte er nicht schon gut ein Jahrzehnt vor dem 100sten Geburtstag sterben müssen. Wer hätte Georg Kreisler nicht noch einige Bonus-Jährchen irdisches Glück gegönnt …
Häppy Birthday ak :-)
21. November 2011Oh weh! Hätte ich die Webpräsenz des „Neuen Deutschland“ heut`nicht nach Wissenswertem durchstöbert, wäre mir der 40. Geburtstag meiner einstigen Laib- und Magenzeitung (ak) doch glatt entgangen.
Schade eigentlich, dass ich das Blatt inszwischen so sehr aus den Augen verloren habe. Der schöne Artikel aus dem ND vom 16.11. macht jedenfalls neuen Appetit – zumal ein Relaunch zu vermelden ist.
Herzlichen Glückwunsch ak!
Bin wirklich gespannt, wie`s weiter geht…
Zum „Prager Frühling“ Inteview mit Michael Hardt („Kommunismus neu denken“)
14. November 2011Kommunismus spukt inzwischen nicht mehr allein in seiner schreckgespenstischen Gestalt des untergegangenen „Realsozialismus“ durch die Köpfe, sondern kann offenbar zunehmend (wieder) als Verallgemeinerung sozialer Bewegungen identifiziert werden, die in einer freiheitlichen Weise (das jeweils Besondere also nicht gering achtend) gemeinsame Ziele bestimmen und zu erreichen trachten. Oder perspektivisch gesehen als Etablierung eines Weltsystems gemeinsamer Selbstbeherrschung, das den (weltweit) miteinander interagierenden Individuen und ihren Institutionen erlaubt, Produktion, Konsum und Wissenschaft sowie Reflexion und Wahrnehmung sozialer bzw. ökologischer Mitverantwortung rational, d.h. auf Basis weltgemeinschaftlich abgestimmter Zwecksetzungen zu regeln, die die Möglichkeit nachhaltigen Wohlergehens und -tuns kommender Generationen (und außermenschlicher Lebenszusammenhänge) im Blick hat.
Eines der hier und da aufblitzenden Zeichen für den gesellschaftlichen Neustart eines entsprechenden Verständnis von Kommunismus scheint das Buch „Commonwealt“ von Toni Negri und Micharel Hadt zu sein. Darauf deutet zumindest das Interview des „Prager Frühlings“ mit dem Mitautoren des „Commonwealth“ Michael Hardt hin. Da ich nicht weiß, ob ich jemals dazu kommen werde, mich durch diesen Wälzer durchzubeißen, (meine To Read List ist eh schon lang genug) bin ich doch recht dankbar für diesen kleinen Einblick in das derzeit viel diskutierte Werk.
Michael Hardt meinte in dem Interview folgendes:
Um den Kommunismus neu zu begründen, schlagen Toni und ich vor, mit der Perspektive des Gemeinsamen (Common) zu starten. Es bezeichnet Formen des Wohlstands (Wealth), den wir auf offene Art und Weise teilen. Einerseits sind die Erde und ihre Ökosysteme wie Wasser, Luft und Boden Gemeingüter – oder sollten es zumindest sein. Wir teilen alle die Vorzüge dieser Elemente und teilen auch die Folgen von steigender Umweltzerstörung. Auf der anderen Seite sind die Resultate der immateriellen Produktion, wie Ideen, Sprachen und Affekte Gemeingüter, also Commons. Wir meinen mit den Commons in beiden Hinsichten Gemeingüter, die weder Privateigentum noch Staatseigentum sind. Die Gemeingüter sind die Basis dafür, den Kommunismus neu zu denken.“
Kein schlechter Gedanke! Damit Kommunismus nicht nur neu gedacht sondern auch tatsächlich gemacht werden, d.h. sich als eine Perspektive sozialer Bewegungen entwickeln kann, die das kapitalistischen Füreinander tatsächlich zum ökohumanistischen Miteinander machen, (was sie aus den eigenen Existenzbedingungen heraus allerdings so explizit nicht im Programm haben können), sollte der Gedanke allerdings vertieft um nicht zu sagen, noch etwas besser fundiert werden.
Es sollte z.B. nicht der Fehler gemacht werden, sich Commons (Bereiche gemeinsamer Verantwortung) idealistisch als schon vorhanden vorzustellen. Das hieße ja, dass bereits (welt-)gemeinschaftlich über deren Nutzung und Pflege entschieden werden könnte. Diese Möglichkeit gilt es aber in der Regel erst herzustellen.
Produktivkräfte (wie etwa Sonnenschein, Software zur Errechnung eines Speicher – und Einspeiseoptimums für Solarenergie oder die steigende Möglichkeiten, Produktivitätsfortschritte in Industrie, Landwirtschaft oder der Energieversorgung und -nutzung) können womöglich das erste Mal in der (Vor-)Geschichte der Menschheit wirklich einer (welt-)gemeinschaftlichen Steuerung unterworfen werden. Aber die Notwendigkeit wie auch die Möglichkeiten dessen (sowie die mehr oder auch weniger bewussten Ansätze in eine solche Richtung), müssen tagtäglich neu herausgearbeitet und in soziale Energie zur Entwicklung bzw. Verallgemeinerung einer solchen Perspektive verwandelt werden.
Das ist auch deshalb nicht einfach, weil die Perspektive eines nicht privat und perspektivisch vielleicht nicht einmal staatlich regulierten Miteinanders sich nicht nur in Commons-Nischen entwickeln sondern eben auch explizit innerhalb des privat- oder nationalstaatseigentümlich vermittelten Füreinanders. Zum Beispiel als Einschränkung privater Willkür bzw. Eingrenzung der Belohnung von Raubbau durch den freien Markt durch Festlegung sozial bzw. ökologisch vernünftigerer Standards, Ökosteuern usw (die eben auch im internationalen bzw. globalistischen Füreinander zu etablieren sind was etwa die Frage nach einer ökologischen Reform der WTO aufwirft.)
[Habe den Text am 12.12.12 überarbeitet]
Bemerkungen zur Diskussionsgrundlage des ISM zur Bildung einer Allianz: „Sozialökologischer Gesellschaftsumbau auf dem Weg in eine Solidarische Moderne“
23. Oktober 2011Ich fände ja ein Institut attraktiver, das bereits mit dem Titel andeutete, das es die Entwicklung eines am Ende weltgemeinschaftlichen Nachhaltigkeitsmanagements anstrebt, das auf Basis sich turnusmäßig weiter entwickelnder Nachhaltigkeitsstrategien (auf lokaler, (über-)regionaler bis globaler Ebene) funktionierte. Aber nun gut: Das von der ISM artikulierte Bedürfnis nach einer solidarischeren Moderne ließe eine solche Perspektive immerhin zu.
Das ISM will eine Allianz schmieden.
„Unter dem Titel „Sozialökologischer Gesellschaftsumbau auf dem Weg in eine Solidarische Moderne“ hat das Institut Solidarische Moderne (ISM) ein Diskussionspapier zum sozialökologischen Gesellschaftsumbau veröffentlicht. Es möchte damit einen Beitrag für eine kulturelle, wissenschaftliche und politische Debatte gesellschaftlicher Alternativen leisten und darüber mit politischen Akteur_innen der politischen Linken diskutieren. Deshalb ist das Papier als Einladung an alle politisch Interessierten aus Politik, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und sozialen Bewegungen gedacht, mit dem Institut Solidarische Moderne zu den anstehenden sozialökologischen Herausforderungen in einen Meinungsaustausch zu treten.
Ziel ist, den programmatischen und strategischen Verständigungsprozess weiter voranzubringen, der in der gesellschaftlichen und politischen Linken wie in der kritischen Wissenschaft und Kultur schon in Gang gekommen ist und durch die Wende in der Atompolitik neuerlichen Auftrieb gewonnen hat.
Dabei möchte das ISM weniger eine möglichst vollständige und durchgearbeitete Auflistung der verschiedenen einzelnen Schritte eines sozialökologischen Gesellschaftsumbaus leisten. Vielmehr will es deutlich machen, dass ein solcher Umbau nur als ein zusammenhängendes soziales, kulturelles und politisches Projekt entworfen werden kann, als Projekt letztlich einer anderen Gesellschaft: einer Solidarischen Moderne. Zur fortlaufenden Ausgestaltung und Durchsetzung eines solchen Projekts muss sich eine breite Allianz verschiedener Akteur_innen herausbilden.
Dieser Allianz will das Institut Solidarische Moderne mit der Diskussion des vorliegenden Papiers erste Gelegenheiten der Zusammenkunft aufden Weg bringen.
Das Papier ist nach einem vom Institut Solidarische Moderne entwickelten Crossover-Arbeitsprozess entstanden. Ziel des Prozesses ist es, möglichst viele Positionen einer Mosaik-Linken miteinander zu vermitteln, gegenseitiges Verständnis der Gemeinsamkeiten und Differenzen zu erzielen und diesen Prozess zugleich so partizipativ wie möglich zu gestalten.“
Zum Download: Sozialökologischer Gesellschaftsumbau auf dem Weg in eine Solidarische Moderne
Na, dann werde ich mein kleines Mosaiksteinchen mal einbringen in den Prozess der großen Allianzschaffe.
Anmerkungen zum Diskussionspapier
Über Bevökerungspolitik und Überausbeutung
12. Oktober 2011Weils auf „utopia.de“ grad Thema ist. Ein heikles Thema mit dem viel Schindluder getrieben werden kann, und deshalb ist der hervorragende 3Sat-Beitrag auch sehr wertvoll.
Meine Meinung: Das Problem heißt Kapitalismus und das Problem zu bewältigen heißt: weltweite Etablierung neuer Produktions/Aneignungsbedingungen die ein weltgemeinschaftliches Ressourcenmanagement bzw. Nachhaltigkeitsmanagement erlauben. Und das noch größere Problem heißt. Das muss in den nächsten Jahren bis Jahrzehnten auf den Weg gebracht sein.
Wo sich kapitalistische Verhältnisse neu entwickeln, produziert das immer noch – wie stets in der Geschichte – die Trennung der Landbevölkerung von ihren Produktions- bzw. Überlebensmitteln. Hunger gibt es derzeit vor allem in der Landbevölkerung.wo sich derartige Prozesse abspielen. Die Konkurrenz industriell erzeugter Güter und die Industrialisierung der Landwirtschaft enteignet die traditionellen Landbewirtschafter und bietet zugleich andere Existenzmöglichkeiten, die auf (kapitalistische) Trennung von Produktion und Konsum mit entsprechenden Bewusstseinslücken beruhen.
Erst in den Megastädten angekommen, ist Bevölkerungswachstum zugleich eine Wirkung von Armut und Perspektivlosigkeit und Grundlage deren Reproduktion. Das löste sich in der Geschichte immer wieder durch Produktivkraftentwicklungen auf, die allerdings zur Voraussetzung eine Minimierung der „Überbevölkerung“ haben – in Europa durch Hungersnöte und Auswanderung bewirkt, in Amerika u.a. durch Siedlerbewegungen. Dieses „Ventil“ versucht die EU grad zu verstopfen. Es funktionierte auch nicht mehr wirklich, und die Emanzipation der „Schwellenländer“ verschärft am Ende, wie wir wissen, sogar noch das Problem der Überausbeutung durch die hochproduktive Wirtschaft der Industrieländer.
Bevölkerungssoziologen des deutschen Hitlerfaschismus hatten die Entwicklungsbedingungen Europas und der USA studiert und daraus den Schluss gezogen, dass man das Problem mit Mord und Todschlag und einer Unterteilung der für „überlebenswert“ erachteten Bevölkerungsgruppen in gut lebende „Herrenvölker“ und aufs Existenzminimum reduzierte „Sklavenvölker“ „endlösen“ kann. Und es ist auch Teil des Wettlaufes in dem wir uns befinden, einer solchen – in Zukunft durchaus denkbaren – Option entgegen zu wirken.
Unter den Voraussetzung eines weltgemeinschaftlichen Nachhaltigkeitsmanagement könnten sich sicher mehr Menschen als sieben oder acht Milliarden ernähren, aber natürlich wird dabei die bloße Zahl der Menschen auch ein Thema sein müssen.
Sehenswert zum Thema auch das Interview mit Jean Zigler
Die kleine und die große Einheit
29. September 2011Kapitalismus? Der Staat des Klassenfeindes?
Und Marx?
Eine Karikatur ließ ihn „sorry“ sagen, und dass alles „nur so ’ne Idee von mir“ gewesen sei. Doch gerade Marx hatte davor gewarnt, einer fixen Idee folgend Utopien durchsetzen zu wollen, für die die materiellen Bedingungen noch nicht herangereift sind. Für Marx bedeutete Sozialismus (weltweite) Entwicklung und Verallgemeinerung der Möglichkeit, das menschliche und vom Menschen beeinflussbare Vermögen zur Herstellung und zum Genuss unserer Lebens- und Bereicherungsmittel (inklusive der Fähigkeit und den Willen zur Minimierung möglicher Risiken und Schäden) in öffentlichen Meinungsbildungs- und Abstimmungsprozessen entwickeln und anwenden zu können. Es geht also um ein (umwelt-)bewusstes, planvolles Zusammenspiel zwischen frei füreinander produzierenden Menschen und deren Institutionen, zwischen verschiedenen Regionen, unterschiedlichen Branchen oder zwischen Wissenschaft und Alltag – und dabei immer auch zwischen Produktion und Konsum.
Die Reale Existenz …
… eines solchen „Sozialismus“ wächst nicht durch staatlich garantierte Einbildung, Indoktrination und Kriminalisierung der Veröffentlichung abweichender Meinungen oder Erkenntnisse sondern mit der Verallgemeinerung der Möglichkeit, die unsichtbaren Grenzen zu überwinden, die an der Wahrnehmung der sozialen bzw. ökologischen Voraussetzungen und (Neben-)Folgen des menschlichen Schaffens hindern. Grenzen, wie sie gleichermaßen Gesellschaften eigen sind, die auf privateigentümliche oder auf bürokratische Aneignung und Steuerung gesellschaftlicher Reichtümer beruhen. Eine solche Grenzüberschreitung wird allerdings erst zum wirklichen Systemwechsel, wenn dies nachprüfbar – und zwar unabhängig von der dafür benutzten Begrifflichkeit – der weltgesellschaftlich vorherrschende soziale (!) Prozess ist. Die bisherigen Sozialismusversuche waren davon weit entfernt. Und sie sind nicht am Überfluss sondern am Mangel an Bewegung in eine solche Richtung gescheitert.
Und jetzt?
Ein Systemwandel ist keine Ware, deren Produktion einem nichts angeht und er kommt nicht aus dem Nichts. Der Übergang zum weltgemeinschaftlichen Nachhaltigkeitsmanagement, das auf Übereinkünfte freier Weltbürger/innen beruht, kann nur zum (weltweit) vorherrschenden Prozess werden, insoweit immer mehr Menschen lernen, die Bewältigung der großen Menschheitsprobleme zu ihrer persönlichen Angelegenheit zu machen. Jeder Zentimeter „wirkliche Bewegung“ zählt. Systemnotwendig Zu-kurz-Greifendes wie Ökosteuern, Ökoaudit, strategischer Konsum, Tarifkämpfe, Green New Deal oder auch der Ausbau von Commons-Nischen enthält stets auch ein beachtliches Emanzipationspotenzial. Was und wer auch immer zur Entwicklung von Möglichkeiten (und deren Verallgemeinerung) beiträgt, Produktionszwecke und deren Voraussetzungen und Wirkungen miteinander abzustimmen, bringt die „Vereinigte Menschheit“ voran, solange aus Opportunitätsgründen nicht das wirkliche Ausmaß der vorgefundenen Problemlagen und die Suche nach adäquateren Bedingungen ihrer Bewältigung aus dem Blick gerät. Es ist nicht falsch, unter allen Umständen das dafür Menschenmögliche zu tun – und sei es, durch Veränderung der Umstände.
hhh
Lesenswertes zum missratenen Sozialismusversuch
Dem Glasnost-Archiv entnommen)
12 Mainzer Attac-Thesen wider den globalen Kollaps
9. September 2011Ein erster (verspäteter) Blick auf Material des Attac-Kongress „Jenseits des Wachstums?!“ (20.-22. Mai 2011, TU Berlin)
(Zum Thema siehe auch die Überlegungen zum „Fetischbegrff Wachstum“).
Die 12 Mainzer Attac-Thesen wider den globalen Kollaps waren nach Angaben deren Träger (Attac AG Mainz, Initiative Ökosozialismus VDAS) …
„…aus einem intensiven Diskussionsprozess innerhalb von Attac Mainz sowie mit BündnispartnerInnen und SympathisantInnen entstanden. Es zeigt auf, dass angesichts des Klimawandels und der Ressourcenknappheit ein radikaler Schrumpfungsprozess der Ökonomie unausweichlich ist. Die Thesen zielen vor allem darauf ab, diesen Schrumpfungsprozess solidarisch zu gestalten, um die drohende „Refeudalisierung“ unserer Gesellschaft zu vermeiden.“
Damit ist zwar noch nicht die Notwendigkeit formuliert, Ressourcengebrauch weltgemeinschaftlich zu gestalten, aber „solidarisch“ geht möglicherweise in eine solche Richtung. Die Menschheit stellt sich nach Marx ja nur Aufgaben, die sie lösen kann. (Wozu sie sich allerdings auch erst als eine solche formieren müsste). Solcherart „weltkommunistische“ Perspektiven scheinen immer noch undenkbar. Leider schürt dieser Mangel „revolutionäre Ungeduld“, die wiederum meine Geduld auf die Probe stellt.
In These 3 heißt es:
„Technische Lösungen zur Reduzierung der CO2-Emission wie CO2 -Abscheidung und – Speicherung (Carbon Capture and Storage ) oder das Elektro-Auto können zwar die CO2-Emission verringern. Diese Effekte werden aber nicht wesentlich zur CO2-Senkung beitragen. Auch durch eine sogenannte „Effizienzrevolution“ ist die geforderte CO2-Reduktion nicht erreichbar.“
Diese Kritik ist nicht unberechtigt, verharrt aber selbst im Technischen. Nicht nur, weil das Wörtchen „nur“ oder „in erster Linie“ (technische Lösungen) fehlt und das Abwehr produziert wo ein kritisch-solidarisches Weiterentwickeln vonnöten wäre. Die Autoren verlängern die sozioökonomischen Rahmenbedingungen, die noch (!) dafür sorgen, dass die sozialen bzw. ökologischen Effekte einer verbesserten Ressourceneffizienz (durch dadurch frei werdende Wachstumspotenziale) wieder „aufgefressen“ werden, schlicht in die Zukunft.
Auch das noch: die 10 Weltrettungsgebote!
30. August 2011Na schön. Kein Grund zur Aufregung, und als ein bekennender Öko-Humanist sollte ich mich auch nicht darüber lustig machen. Aber die 10 Empfehungen fürs individuelle Weltretten, die der Sozialpsychologe und Klimafolgen-Forscher (Taz-Angaben) Harald Welzer heute via Taz verbreiten lässt, haben es wirklich in sich. Zum Beispiel Gebot Nr. 5: „Beschließen Sie, ab so fort nicht mehr mitzumachen!“ Oder die Ermahnung an die Vorstände der vier großen Energieunternehmen in Weltrettungsgebot Nr. 8: „Denken Sie ans Höllenfeuer!“
Dazu passt dann der gute Ratschlag in Gebot 10: „Vergessen Sie das ‚5 vor 12‘ Blabla der Ökobewegung und das Gerede von der ‚Weltgemeinschaft‘ und der Notwendigkeit globaler Lösungen.“
Sich Warnungen der Ökobewegung auch dann zu Gemüte führen, wenn die Diskrepanz zwischen Wissen und augenblicklichem Tunkönnen zur schmerzlichen Gewissheit wird, erschiene dem neuen Gebieter offenbar als verbotenes Naschen vom Baum der Erkenntnis. Und der Gedanke an eine weltkommunistische Perspektive individueller Spielraumgestaltung als achte Todsünde! „(Öko-)Kommunismus“ ist halt derzeit noch nichts für allzu ängstliche Naturen. Aber wie das Häschen aus der Schlangengrube finden könnte, wüsste ich auf Anhieb jetzt auch nicht.
Dumpfbackenrethorik?
2. August 2011Kulturalismus nervt. Schön, wenn mal wieder wer kritisiert, dass allzu oft „soziale Strukturen in menschliche Eigenschaften umgedicht“ werden. Das tat jüngst Kommunikationswissenschaftler Hans-Jürgen Arlt (in der Wochenend-Taz vom 30.31./07. 11). im Hinblick auf gängige Erklärungsversuche für ökonomische Wachstumszwänge für die allzu oft „Neid, Machthunger, Sensations- oder Geldgier“ verantwortlich gemacht werden. Allerdings ist der Kritiker der Pappenheimer wohl selber einer. Denn er selbst nennt diese analytischen Kurzschlüsse schlicht „Dumpfbackenrethorik“ was den Gedanken nahe legt, dass Arlt selbst eben nicht nach sozialen Strukturen fahndet, die die falschen Schlüsse hervorbringen, sondern eine verbreitete Eigenschaft (mangelnde Intelligenz) als Erklärug anbietet.
Pedition: Für den sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie ohne Rückkehrmöglichkeiten!
6. Juli 2011Von: Ute Schlumpberger aus Perl
Veröffentlicht von Hans-Hermann Hirschelmann 
