Plan A: dissidentes Drittel artikuliert sich und macht dadurch die Idee der Demokratie zu einem Drittel idealer (1/4)

1. Januar 2016

„Linke“ Perspektiven, die über die kapitalistischen Bedingungen menschlicher Interaktion hinaus weisen aber nicht utopistisch sein wollen, können nur sehr allgemein formuliert sein. Es könnte etwa die Notwendigkeit erörtert werden, zu Formen der Existenzsicherung und Bereicherung zu kommen, bei denen der Abbau gesamtgesellschaftlich bzw. ökologisch unvernünftiger Produktionszwecke bzw. -kapazität nicht länger von so vielen Menschen mit Sorge betrachtet werden muss, weil sie um ihre Arbeitsplätze und daran geknüpfte Wählerstimmen oder Steuereinnahmen fürchten müssen. Die in die Lage versetzen, Wachstum und Eingrenzung menschlicher Schaffenskräfte emanzipationsproduktiv, d.h. nach ökologisch verantwortungsbewusster Mitmenschenart zu managen. Sie können zu erklären versuchen, warum linke „Interventionen“ darauf zielen sollten, ein (welt-) gemeinschaftliches Nachhaltigkeitsmanagement zur Basis des globalisierten Für- und Voneinanders zu machen.

Dass der  Vorstandssprecher eines Instituts, das einmal Rot-Rot-Grüne Regierungskoalition emanzipationswissenschaftlich begleien möchte,solcherart „kommunistische“ Gedanken eher umschifft, ist nachvollziehbar, sorgt aber nicht unbedingt für eine bessere Orientierung.

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Taz-Chefreporter enthüllt: Sloterdijk kritisiert jetzt das Klima

10. Dezember 2015

Peter Sloterdijk hat jetzt eine Klimaphilosophie, und mit der will er „vom ICH zum WIR“ gelangen. So schreibt es Peter Unfried in der Taz vom 5.12.2015, und weiter: Sloterdijk „nennt den Preis, den Menschen für die Freiheit zu zahlen haben“ und fragt: „haben wir es mit der Individualisierung übertrieben?“

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Zum neuen grünen Wirtschaftskonzept

26. November 2015

Einst hatten die Grünen einen „ökologischen Umbau der Industriegesellschaft“ gefordert. Dagegen klingt das Motto des soeben verabschiedeten Wirtschaftskonzept  der Partei eher nach einem Blümchentext: „Grüner Wirtschaften für eine lebenswerte Zukunft“  Na gut, oder nicht so gut, weil langweilig.

Trotzdem lesen! Wer weiß.

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Über Moishe Postones Bemühungen, Marx anders zu interpretieren (1)

13. Juni 2015

Die Welt und was daran zu verändern ist kann tatsächlich nicht aus dem begriffen werden, was sich die Menschen vorstellen. „Die wirklichen Individuen, ihre Aktion und ihre materiellen Lebensbedingungen“ (Anm. 1) kritisch verstehend in den Blick zu nehmen heißt, den Warensinn  zu bedenken, dem sie notgedrungen unterliegen und der uns alle antreibt. Soziales Vermögen ist heute wesentlich Kaufkraft. Weil menschliche Existenzsicherung und Bereicherung gegenwärtig vor allem auf die Produktion von Waren basiert, die sich auf dem Markt zu behaupten haben.und die nur im Tausch gegen das allgemeine Warenaneignungsmittel Geld erworben werden können, gilt als sozial schwach, wer über wenig Geld verfügt, Es ist allerdings nicht mehr zu übersehen, dass der von  Marx / Engels konstatierte Widerspruch zwischen dem gesellschaftlichen (immer mehr auch weltgesellschaftlichen) Charakter kapitalistischer Produktion und der privateigentümlichen (nationalstaatlich leidlich regulierten) Aneignung der Produktionsergebnisse nicht länger nur ein formaler Widerspruch ist, der im Gegensatz zu einem tatsächlich sozialen Gegensatz niemanden wirklich zu interessieren bräuchte.

Diese Entfremdung, um den Philosophen verständlich zu bleiben (Anm. 2) scheint nun tatsächlich zur unerträglichen Macht zu werden. Da aber auch der Unmut darüber notwendig borniert ist, da von der gegenwärtigen Unmöglichkeit bestimmt, die Ergebnisse des Produzierens, (sowie deren Qualität, Voraussetzungen, Mengen, Bedingungen, Risiken und Nebenwirkungen) in gemeinsamen Abstimmungsprozessen mitzubestimmen, wären Theorien bzw. Theoretiker*innen an sich sehr gefragt, die an Marx Analysen anknüpfend helfen, eine Perspektive der Emanzipation aus dem gegenwärtigen Warensinn zu finden.

Dass entsprechende Versuche nicht von heute auf morgen zu einem rundum brauchbaren Konzept führen, sollte auch nicht  verwundern. Das gilt auch für Moische Postones Bemühungen unter der Überschrift  „Marx neu denken“ (Anm. 3) Den Rest des Beitrags lesen »


Zu Christoph Jünkes Reflexionen über die Deutsche Linke und der lange Schatten des Stalinismus

21. Mai 2015
Unter dem Titel VERGANGENHEIT,DIE NICHT VERGEHT – Reflexionen über die Deutsche Linke und der lange Schatten des Stalinismus hat Christoph Jünke einen Text für die von der Rosa Luxemburg Stiftung herausgegebene Reihe Standpunkte veröffentlicht (Standpunkte 16/2015)
Der Titel macht neugierig. Bemühungen um eine Perspektive sozialer Emanzipation, die an Marx/Engels ökohumanistischen Kommunismus anknüpfen, dürfte von einer solcherart bestimmten Reflexion profitieren.
Gut, dass die Rosa Luxemburg Stiftung den Text  Online gestellt hat. Das erleichtert die Auseinandersetzung.

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Zu Althussers Kampf gegen sozialistischen Humanismus als Leitbegriff einer Theorie sozialer Emanzipation (2)

11. April 2015
Alles, was wir schreiben, ist natürlich von unserer Unerfahrenheit und unserer Unwissenheit geprägt: man findet da Ungereimtheiten und Irrtümer.  Unsere Texte und Formulierungen sind provisorisch und für eine Berichtigung bestimmt.In der Philosophie  ist es wie in der Politik: ohne Kritik keine Berichtigung.

Louis Althusser im Interview in Für Marx,  S. 341

Im ersten Teil dieser Erörterung hatte ich folgendes bemerkt:

Wie sehr die Theorie der „Diktatur des Proletariats“ als eine (fragwürdige) IDEOLOGIE  funktioniert(e) zeigte sich nicht zuletzt daran, dass Althusser in „Für Marx“ das Selbstbild des Stalinismus als „Diktatur des Proletariats“ und die der Chruschtschow-Administration  als „Überwindung der Diktatur des Proletariats und im Übergang zum Kommunismus befindlich“ umstandslos für bare Münze nahm. Den Stalinismus nannte Althusser damals ein (verbrecherisches) „Überbauphänomen“ auf einem sozialistischen Fundament. Bei einem halbwegs wissenschaftlichen Herangehen müsste aber die Frage (gegebenenfalls neu) aufgeworfen werden, was denn damals die Realität dieses Übergangs ausmachte (und damit die Realität des Kommunismus, in die UdSSR Chruschtschows angeblich überging)

Einer der Gründe für diese aus heutiger Sicht recht seltsam anmutende Idealisierung der sowjetischen Wirklichkeit der 1960er Jahre scheint mir in Althussers damaliger Weigerung zu liegen, dem Begriff der „Entfremdung“ irgend einen Gebrauchswert für die „marxistische“ Theoriebildung zuzugestehen. Aber wie sollte die gehen, ohne systematisches Bemühungen um ein hinreichendes Verständnis der historischen Gestalt, Bedeutung und Notwendigkeit nichtkommunikativer, hinter den Rücken der Akteure ablaufender, nicht zwischenmenschlich vermittelter Verhältnisse zu den sozio-ökologischen Voraussetzungen und Wirkungen des eigenen Handelns? Und wann und wodurch diese „Entfremdung“ unerträglich und (kommunistisch?) zu überwinden ist – und tatsächlich auch (kommunistisch!) überwunden werden kann?

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Ewig grüßt die Sozialismus-Illusion? Zu einem bereits in die Jahre gekommenen Grußwort K-H Tjadens

10. Februar 2015

Karl-Hermann Tjadens Grußwort für die bereits im Juni 2010 stattgefundene Konferenz über „ökologischen Sozialismus“ mit dem Titel Kapitalbewegung und Klimageschehen ist zwar nicht mehr so ganz druckfrisch, aber für den Versuch einer (öko-)kommunistischen Ortsbestimmung scheint mir eine Auseinandersetzung mit dem dort Ausgesagten nach wie vor lohnend. Der Anfang dieser Reflexion schmorte eine lange Zeit als „Entwurf“ vor sich hin und ich hatte das längst vergessen. Nach der kürzlichen Wiederentdeckung vor die Alternative gestellt, das nun ganz und gar sein zu lassen, zumal in meiner Auseinandersetzung mit dem ökosozialistischen Manifest das Meiste, was dazu zu bemerkenden wäre, bereits in aller Ausführlichkeit gesagt ist, habe ich das nun doch hervorgeholt und vervollständigt.

Vorerst eine Vorbemerkung zur Frage des Verallgemeinesungspotenzials sozialwissenschaftlicher Fachbegriffe. Anlass ist der von Tjaden gewählte Begriffs der „symbolischen Gewalt“.

Während des unlängst von der Rosa Luxemburg Stiftung veranstalteten dreitägigen Podium-Marathons zur Lage des Marxismus hatte jemand das Begehren geäußert, die vortragenden und miteinander diskutierenden Marxgelehrten mögen doch bitteschön den Ehrgeiz entwickeln, sich möglicht so auszudrücken, dass dies mit den Mitteln der Alltagssprache nachvollzogen bzw. überprüft werden könne. Alex Demirović von der RLS widersprach heftig.  Auch Fächer übergreifendes Verständigen über das Sein und Sollen sozialer Angelegenheiten benötigt Fachbegriffe, die als solche anerkannt sind. Und notfalls gelehrt (bzw. gelernt) werden müssen!

Stimmt natürlich. Trotzdem wäre es nicht verkehrt, die intuitive Verallgemeinerungsfähigkeit von Begriffen im Blick zu behalten. Das wird z.B. erschwert, insoweit sie bewährten Bedeutungsgewohnheiten widersprechen. Wird etwa über symbolische Interaktionen geredet nervt mein vom Alltag gehobelter Verstand mit der dämlichen Frage, ob  die gemeinte Interaktion etwa nur eine symbolische sei und also nicht wirklich wirklich stattfindet. In Wörtern, Gesten, Kleidung, Ritualen, Diskursen usw für etwas Bestimmtes stehende Zeichen (Symbole) sind allerdings nicht die Wirklichkeit der Interaktion sondern sondern vermitteln sie. Das wäre also mit den Wörtern symbolvermittelte Interaktion“ sehr viel beser auf den Begriff gebracht.

Vielleicht würde mir der folgende Satz aus Karl Hermann Tjadens Grußwort an die „Konferenz für Ökologie und Sozialismus“ weniger rätselhaft erscheinen, hätte er vom Wirken symbolvermittelter Gewalt auf Denkschranken aus Unmündigkeit geredet statt vom Wirken „symbolischer Gewalt“.

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Vladimir Putin`s Long Shadow – the fifth estate

23. Januar 2015

Putins Klemptrokratie steht für ein Russland, das derzeit zur (öko-) kommunistischen Perspektive eines Für- und Voneinanders, das auf Grundlage eines – am Ende weltgemeinschaftlichen – Nachhaltigkeitsmanagements funktioniert, einen exakten Gegenpol bildet. Die bitterböse Ironie der 70 Jahre währenden historischen Landnahme eines wahrlich realen SCHRECKGESPENSTES des Kommunismus, scheint zu sein, einen Kapitalismus mit feudalistischem Anlitz hervorgebracht zu haben, mitsamt Blut und Boden Ideologie, geostrategischem Größenwahn und einer entsprechenden reaktionären Familienideologie.

Gefunden im Blog RT- Russion Truth

Siehe auch: Putin’s corrupt moral convictions imposed on entire Russian society

Von Paul Goble  http://euromaidanpress.com/2015/05/19/putins-corrupt-moral-convictions-imposed-on-entire-russian-society/


Wahrheit statt Kommunismus? Zu Carolin Amlingers „verkehrte Wahrheit“

9. November 2014

Die von der Soziologin und Philosophin Carolin Amlinger verfassten Reflexionen über Die verkehrte Wahrheit hatte meine Neugierde geweckt. Das 2014 in der Edition LAIKAtheorie erschienene Buch verspricht Erhellendes „zum Verhältnis von Ideologie und Wahrheit bei Marx/Engels, Lukács, Adorno/Horkheimer, Althusser und Žižek„. Allein der Buchdeckel, hell, abwaschbar, doch mit griffiger Oberflächenstruktur, macht, dass man das Buch gern in die Hand nimmt. Durch jeweils nach innen geknickte Enden lässt sich der Buchdeckel von vorn wie von hinten als Lesezeichen verwenden. Das alles signalisiert den Willen des Verlags, Lesevergnügen zu bereiten.

Den nach innen geklappten „Lesezeichenenden“ lassen sich der Anlass der Mühe entnehmen:

Slavoj Žižek und Allain Badiou setzen der [im postmodernen Diskurs] postulierten Unmöglichkeit von Sinn im sozialen System positiv das Fundament der Wahrheit entgegen.“

Damit kommt es nach Meinung der Autorin „zur Renaissance von zwei Begriffen, die in der Philosophie des 21. Jahrhunderts  bislang nur noch rudimentär eine Rolle spielten: Ideologie und Wahrheit“.

Oh! Die Vorstellung, mich durch eine beinahe 200 Seiten starke Suche nach Ideologie und Wahrheit an und für sich, einem entsprechend korrekten Ideologie- und Wahrheitsbegriff usw. beißen zu müssen, dämpfte zunächst einmal meinen Frohgemut.

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Kleine Pause – bin bald wieder da

4. Juli 2014

Grundgesicherte Zeitsouveränität ist wunderbar, aber sie hat auch ihre Fallen. Man kann an sich selbst studieren, wie gerade Reichtum zur Armutsfalle werden kann. Das gilt offenbar nicht nur für den Warenüberfluss im kapitalistischen Krisenparadox und auch jenseits der Herstellung und Garantie von Konkurrenzfähigkeit auf einem Markt. Zwar scheint die Entwicklung meiner frei umher assoziierenden „Produktivkräfte“ immer noch auf das Prächtigste vom Zeitreichtum zu profitieren. Aber trotz ihrer sozialen Brauchbarkeit, wie ich finde, lässt deren „(öko-) kommunistische“ Vergesellschaftung doch immer noch weitgehend auf sich warten. Höchste Zeit also, einmal verstärkt auch die höchstpersönlich eigenen „Produktionsverhältnisse“ unter die Lupe zu nehmen.

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