12 Mainzer Attac-Thesen wider den globalen Kollaps

9. September 2011

Ein erster (verspäteter) Blick auf Material des Attac-Kongress „Jenseits des Wachstums?!“ (20.-22. Mai 2011, TU Berlin)

(Zum Thema siehe auch die Überlegungen zum „Fetischbegrff Wachstum“).

Die 12 Mainzer Attac-Thesen wider den globalen Kollaps waren nach Angaben deren Träger (Attac AG Mainz, Initiative Ökosozialismus VDAS) …

„…aus einem intensiven Diskussionsprozess innerhalb von Attac Mainz sowie mit BündnispartnerInnen und SympathisantInnen entstanden. Es zeigt auf, dass angesichts des Klimawandels und der Ressourcenknappheit ein radikaler Schrumpfungsprozess der Ökonomie unausweichlich ist. Die Thesen zielen vor allem darauf ab, diesen Schrumpfungsprozess solidarisch zu gestalten, um die drohende „Refeudalisierung“ unserer Gesellschaft zu vermeiden.“

Damit ist zwar noch nicht die Notwendigkeit formuliert,  Ressourcengebrauch weltgemeinschaftlich zu gestalten, aber „solidarisch“ geht möglicherweise  in eine solche Richtung. Die Menschheit stellt sich nach Marx ja nur Aufgaben, die sie lösen kann.  (Wozu sie sich allerdings auch erst als eine solche formieren müsste). Solcherart „weltkommunistische“ Perspektiven scheinen immer noch undenkbar. Leider schürt dieser Mangel „revolutionäre Ungeduld“, die wiederum meine Geduld auf die Probe stellt.

In These 3 heißt es:

„Technische Lösungen zur Reduzierung der CO2-Emission wie CO2 -Abscheidung und – Speicherung  (Carbon Capture and Storage ) oder das Elektro-Auto können zwar die CO2-Emission verringern. Diese Effekte werden aber nicht wesentlich zur CO2-Senkung beitragen. Auch durch eine sogenannte  „Effizienzrevolution“ ist die geforderte CO2-Reduktion nicht erreichbar.“

Diese Kritik ist nicht unberechtigt, verharrt aber selbst im Technischen. Nicht nur, weil das Wörtchen „nur“ oder „in erster Linie“ (technische Lösungen) fehlt und das Abwehr produziert wo ein kritisch-solidarisches Weiterentwickeln vonnöten wäre. Die Autoren verlängern die sozioökonomischen Rahmenbedingungen,  die noch (!) dafür sorgen, dass die sozialen bzw. ökologischen Effekte einer verbesserten Ressourceneffizienz (durch dadurch frei werdende Wachstumspotenziale) wieder „aufgefressen“  werden, schlicht in die Zukunft.

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Auch das noch: die 10 Weltrettungsgebote!

30. August 2011

Na schön. Kein Grund zur Aufregung, und als ein bekennender Öko-Humanist sollte ich mich auch nicht darüber lustig machen. Aber die 10 Empfehungen fürs individuelle Weltretten, die der Sozialpsychologe und Klimafolgen-Forscher (Taz-Angaben) Harald Welzer heute via Taz verbreiten lässt, haben es wirklich in sich. Zum Beispiel Gebot Nr. 5: „Beschließen Sie, ab so fort nicht mehr mitzumachen!“ Oder die Ermahnung an die Vorstände  der vier großen Energieunternehmen in Weltrettungsgebot Nr. 8: „Denken Sie ans Höllenfeuer!“

Dazu passt dann der gute Ratschlag in Gebot 10: „Vergessen Sie das ‚5 vor 12‘ Blabla der Ökobewegung und das Gerede von der ‚Weltgemeinschaft‘ und der Notwendigkeit globaler Lösungen.“

Sich Warnungen der Ökobewegung auch dann zu Gemüte führen, wenn die Diskrepanz zwischen Wissen und augenblicklichem Tunkönnen zur schmerzlichen Gewissheit wird,  erschiene dem neuen Gebieter offenbar als verbotenes Naschen vom Baum der Erkenntnis. Und der Gedanke an eine weltkommunistische Perspektive individueller Spielraumgestaltung als achte Todsünde!  „(Öko-)Kommunismus“ ist halt derzeit noch nichts für allzu ängstliche Naturen. Aber wie das Häschen aus der Schlangengrube finden könnte, wüsste ich auf Anhieb jetzt auch nicht.


Dumpfbackenrethorik?

2. August 2011

Kulturalismus nervt. Schön, wenn mal wieder wer kritisiert, dass allzu oft „soziale Strukturen in menschliche Eigenschaften umgedicht“ werden. Das tat jüngst Kommunikationswissenschaftler Hans-Jürgen Arlt (in der Wochenend-Taz vom 30.31./07. 11).  im Hinblick auf gängige Erklärungsversuche für ökonomische Wachstumszwänge für die allzu oft „Neid, Machthunger, Sensations- oder Geldgier“ verantwortlich gemacht werden. Allerdings ist der Kritiker der Pappenheimer wohl selber einer. Denn er selbst nennt diese analytischen Kurzschlüsse schlicht „Dumpfbackenrethorik“ was den Gedanken nahe legt, dass Arlt selbst eben nicht nach sozialen Strukturen fahndet, die die falschen Schlüsse hervorbringen,  sondern eine verbreitete Eigenschaft (mangelnde Intelligenz) als Erklärug anbietet.

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Sarrazin und kein Ende der Hysterie

3. November 2010

Heute wars nur ne Kurzmeldung auf Seite 6 der Taz: „Thilo Sarrazin greift Wulff an“.
Die Taz berichtet heute von einem Interview mit der Bild am Sonntag, in der der Sarrazin meinte:

„Die deutsche Kultur ist weitgehend ohne Bezug auf den Islam entstanden“

Sarrazin mit schwarzem Heiligenloch

Wahrscheinlich ahnt er nicht, wie inslamfereundlich das war.

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Zur „Ökosozialistischen Konferenz“

7. April 2010

Die vom  SALZ und der Rosa Luxemburg Stiftung organisierte Ökosozialistische Konferenz in Kassel ist nun Geschichte. Sie unterstützte das „Ökosozialistische Manifest“ und hinterließ auch eine eigene Erklärung: „Für eine ökosozialistische Wende von unten! Ich war nicht dabei, werde mich aber nun nach und nach den Ergebnissen und begleitenden Texten zuwenden und das Eine oder Andere hier auch – soweit es mir zeitlich möglich ist – kommentieren.

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Anmerkungen zu Altvater und Zeliks „Vermessung der Utopie“

26. Februar 2010

Eine interessante Annäherung an die „S“ Frage nach „einer Gesellschaft jenseits des Kapitalismus“ verspricht Elmar Altvaters und Raul Zeliks „Vermessung der Utopie – Mythen des Kapitalismus und die kommende Gesellschaft“. Der auch im Netz zum freien Download bereit stehende Text basiert auf Mitschnitten von Gesprächen, was entschieden zu dem sympathischen Charakter des Sich-Vorwärts-Tastens beigetragen haben dürfte.

Als (guter) Einstieg sei die Lektüre der voran gestellten 10 Thesen empfohlen.

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Schröders Stamokap-Agenda war nicht nur verfassungswidrig

13. Februar 2010

Die Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe hätte eine Chance sein können für einen Eintritt ins garantierte Grundeinkommen und neue Modelle sozial gestalteter Tätigkeiten. (Oder glaubt wer an die Möglichkeit oder auch Sinnhaftigkeit einer Rückkehr zur Vollbeschäftigung?)

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Alles Gut(e) Kapital?

22. November 2009

Während man sich früher  in der Natur umschaute, wenn technische oder ökonomische Erscheinungen auf einen Begriff  zu bringen waren, ist es heute meist umgekehrt.  Arbeitsspeicher leer? Neustart notwendig? Liest sich wie ein Psycho-Ratgeber, oder? Die überraschende Erkenntnis: Erfahrungen mit Artefakten können zum besseren Naturverständnis beitragen.

Ob aber die Ausdehnung „des Kapitalbegriffes“ auf alle möglichen Formen sozialer und natürlicher Potenziale zur Schaffung eines Nutzens ein Gewinn ist?

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SCHWARZ-GELD regiert!

27. Oktober 2009

n-tv 12.07.2015

WM-Vergabe an Russland und Katar28 neue Hinweise auf Geldwäsche

Die Ermittler der Schweizer Bundesanwaltschaft finden immer mehr Hinweise auf Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaften an Katar und Russland. Die Spuren deuten auf Geldwäsche hin.

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Die Sachen hier sind ja inzwischen olle Kamellen. Aber manchmal gibt es doch richtig Neues vom falschen Alten

Spiegel Online am 30. November2014

„Die ungewöhnlich hohen Ausgaben der früheren FDP-Bundestagsfraktion für Öffentlichkeitsarbeit beschäftigen den Bundesrechnungshof. Allein in den Jahren 2009 bis 2013 gab die inzwischen aus dem Parlament ausgeschiedene Fraktion dafür 17,3 Millionen Euro aus – mehr als die Fraktionen von CDU/CSU, SPD und Grünen zusammen. Der Rechnungshof prüft nun, ob von diesem aus Steuergeldern gespeisten Etat die Partei in 2013 womöglich unrechtmäßig profitiert hat.“

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Spiegel-online 10.12.2011

Parteispenden Heckler & Koch zahlte an FDP

Die Waffenfirma Heckler & Koch hat der FDP in den vergangenen zwei Jahren 20.000 Euro gespendet – möglicherweise besteht ein Zusammenhang mit einem heiklen Mexiko-Geschäft. Das Geld floss unter anderem an den Ortsverband von Ernst Burgbacher, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium.

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Lobbyisten am Hebel der Macht

Experten warnen vor zunehmender Einflussnahme

  • Atomlobbyist im Umweltministerium
  • Ex-Bankmanager im Verkehrsministerium
  • Lobbyist im Gesundheitsministerium

Absteigprämie: Deutsche Hotellobby hatte die Sektkorken knallen lassen!

Als im November 2009 die Mauerfall-Gedenkfeiern gerade ihrem Höhepunkt entgegen gingen, hatten auch die Funktionäre des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga)  zur Party in die Parlamentarische Gesellschaft nahe des Brandenburger Tors geladen.

Anlass der Sause war, dass das Regierungskabinett gerade bei einer Sondersitzung ein Gesetz auf den Weg gebracht hatte, das der Branche milliardenschwere Subventionen beschert:

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Wunderbar: Wirtschaftsnobelpreis gegen den „Tragik der Allmende“ / „Homo-Ökonomikus“ Unsinn!

13. Oktober 2009

Mal ein gutes Zeitzeichen: Eine Politologin bekommt den Wirtschafts-Nobelpreis, die  dem neoliberalen „Tragik der Allmende“ Dogma, (das stets private, also nicht sozial vermittelte = miteinander nicht abgesproche  und abgestimmte Aneignung voraussetzt, als wäre das ein Naturgesetz),  mittels interdisziplinärer Forschung mit öko-anthropologischen und psychologischen Ansätzen Substanzielles entgegen setzt. Wunderbar!

Dass sich die sozialdemokratisch-keynsianistische FR enttäuscht zeigt, sagt wohl mehr über den Kritiker (den ansonsten geschätzten Robert Heusinger) aus als über die als „harmlos“ geschmähte Elinor Ostrom.

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