16. Januar 2016
Thomas Seibert, Philosoph und Autor, Vorstandssprecher des Instituts für Solidarische Moderne, Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Rosa Luxemburg-Stiftung und seit vielen Jahren politischer Aktivist hat ein Strategiepapier für linke Perspektiven in Europa vorgelegt.
Angelehnt an die Ankündigung der griechischen Regierung, für den Fall des Scheiterns der Verhandlungen um Schuldenschnitt vs. Kreditverlängerung bei ruinösen Auflagen einen Plan B vorzulegen, was dann aber ausblieb, will Seibert die Formulierung eines Plan A anstoßen, der für die europäische Linke insgesamt handlungsanleitend sein soll.
Die Grundfrage so eines Plans müsse nach Seibert sein:
Kann das dissidente Drittel der deutschen wie überhaupt der europäischen Gesellschaften zum artikulierten Drittel der Idee der Demokratie werden?
Die ist der dritte von vier Teilen einer kritischen Reflexion des Papiers – aus einer (öko-) kommunistischen Perspektive. Mein Hauptkritikpunkt ist bisher, dass das Schielen auf ein „dissidentes Drittel“ der Bevölkerung inhaltliche Unschärfe zum Ausdruck bringt und reproduziert. Fragen kurz- mittel und langfristiger Ziele, die einen bunten Strauß an mehr oder weniger temporärer Gemeinsamkeiten und Differenzen mit allen möglichen Kräften bzw. Institutionen (Bedürfnissen, Fertigkeiten, Möglichkeiten) geraten in der Tendenz zu reinen Machtfragen, begünstigen Projektionen und mindern Klarheit.
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Anti-Kapitalismus, Entfremdung, Gesellschaft, Kommunismus | Verschlagwortet: Thomas Seibert; Institut für eine Solidarische Moderne; Demokratie; Idealismus |
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Veröffentlicht von Hans-Hermann Hirschelmann
13. Januar 2016
Thomas Seibert, Philosoph und Autor, Vorstandssprecher des Instituts für Solidarische Moderne, Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Rosa Luxemburg-Stiftung und seit vielen Jahren politischer Aktivist schlägt vor, einen Plan für eine Perspektive linker Intervention in Europa zu erarbeiten.
Der soll einem von ihm vorgelegten Strategiepapier zufolge „das dissidente Drittel“ der Gesellschaft ermutigen, seine Stimme zu erheben auf dass dies „die Idee der Demokratie“ bereichern möge. Bezugnehmend auf ein von der griechischen Sypras-Partei angekündigten aber dann doch nicht ins Feld geführten Plan B, schlägt Seibert vor, diesen Plan, Plan A zu nennen.
Es folgt der zweite Teil meiner Bedenken zu dem Papier, mit dem Seibert eine Diskussion um ein solches Projekt anschieben möchte. Den ersten Teil gibt es hier…
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Gesellschaft |
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Veröffentlicht von Hans-Hermann Hirschelmann
1. Januar 2016
„Linke“ Perspektiven, die über die kapitalistischen Bedingungen menschlicher Interaktion hinaus weisen aber nicht utopistisch sein wollen, können nur sehr allgemein formuliert sein. Es könnte etwa die Notwendigkeit erörtert werden, zu Formen der Existenzsicherung und Bereicherung zu kommen, bei denen der Abbau gesamtgesellschaftlich bzw. ökologisch unvernünftiger Produktionszwecke bzw. -kapazität nicht länger von so vielen Menschen mit Sorge betrachtet werden muss, weil sie um ihre Arbeitsplätze und daran geknüpfte Wählerstimmen oder Steuereinnahmen fürchten müssen. Die in die Lage versetzen, Wachstum und Eingrenzung menschlicher Schaffenskräfte emanzipationsproduktiv, d.h. nach ökologisch verantwortungsbewusster Mitmenschenart zu managen. Sie können zu erklären versuchen, warum linke „Interventionen“ darauf zielen sollten, ein (welt-) gemeinschaftliches Nachhaltigkeitsmanagement zur Basis des globalisierten Für- und Voneinanders zu machen.
Dass der Vorstandssprecher eines Instituts, das einmal Rot-Rot-Grüne Regierungskoalition emanzipationswissenschaftlich begleien möchte,solcherart „kommunistische“ Gedanken eher umschifft, ist nachvollziehbar, sorgt aber nicht unbedingt für eine bessere Orientierung.
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Gesellschaft, Globalisierung, Kommunismus, Menschwerdung, Produktionsverhältnisse, Produktivkräfte, revolutionärer Reformismus | Verschlagwortet: Institut für eine Solidarische Moderne;, Plan A; Thomas Seibert |
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Veröffentlicht von Hans-Hermann Hirschelmann
10. Dezember 2015
Peter Sloterdijk hat jetzt eine Klimaphilosophie, und mit der will er „vom ICH zum WIR“ gelangen. So schreibt es Peter Unfried in der Taz vom 5.12.2015, und weiter: Sloterdijk „nennt den Preis, den Menschen für die Freiheit zu zahlen haben“ und fragt: „haben wir es mit der Individualisierung übertrieben?“
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Entfremdung, Gesellschaft, Persönlichkeiten, Produktionsverhältnisse, Produktivkräfte | Verschlagwortet: Eigentum, Entfremdung, Sein und Bewusstsein, Sloterdijk |
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Veröffentlicht von Hans-Hermann Hirschelmann
26. November 2015
Einst hatten die Grünen einen „ökologischen Umbau der Industriegesellschaft“ gefordert. Dagegen klingt das Motto des soeben verabschiedeten Wirtschaftskonzept der Partei eher nach einem Blümchentext: „Grüner Wirtschaften für eine lebenswerte Zukunft“ Na gut, oder nicht so gut, weil langweilig.
Trotzdem lesen! Wer weiß.
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ökologischer New Deal, Entfremdung, Gesellschaft, Grüne, Green New Deal, Zukunft |
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Veröffentlicht von Hans-Hermann Hirschelmann
26. November 2015
Ein herrschaftsfreier Diskurs über die Notwendigkeit der Etablierung einer als solche tatsächlich handlungsfähigen Menschheit, die es den Globalisierten dieser Erde möglich machte, ihre Produktivkräfte auf öko-kommunistische Art zu entwickeln und anzuwenden, ist nicht ganz einfach. Schwierig macht das nicht nur das verbreitete Bedürfnis nach der Illusion eines richtigen Lebens im falschen, wie sie dem Antikommunismus zugrunde liegt, oder die bitteren Erfahrungen mit sieben Jahrzehnten realer Existenz einer weithin als „Kommunismus“ missverstandenen Gespensterstunde. Auch gängige Varianten des Anti-Kapitalismus machen die Sache nicht einfacher.
Ein häufig vorgebrachtes Antika-Dogma besagt, dass jegliche „positive Philosophie“ korrumpiert und die Reinheit der eigenen Perspektive nur erhalten werden kann, wenn man sich auf Kritik des Kapitalismus beschränkt. Es muss alles verdammt werden, was die Menschen dazu verführen könnte, „mitzumachen“ und sich, weil sie etwas ausrichten möchten, im Kapitalismus einrichten.
Eine solche, an mich gerichtete Kritik habe ich zum Anlass genommen, das mühselige (und wenig erquickliche) Durcharbeiten verschiedener Reflexionen der Kommunismusfrage (wie die drei Bände von „die Idee des Kommunismus“) einmal für eine Zeit zu unterbrechen, und ohne groß nach links oder rechts zu schauen, mein bisheriges Verständnis einer (öko-) kommunistischen Transformationsperspektive zusammenzutragen. Ich gehe im Folgen u.a. der Frage nach, wie an Marx ökohumanistischen Kommunismus (bzw. ökokommunistischen Humanismus) anknüpfend kommunistische Philosophie möglich ist, die eben keine Ideologie ist im Sinne einer dogmatischen Setzung, die auf Wissenschaft verzichtet, und Analyse des Zusammenspiels von Produktivkräften und Produktionsverhältnissen einbezieht. Die Sache endet mit 13 Thesen zur Notwendigkeit, Möglichkeit und möglichen Gestalt einer ökokommunistischen Transformationsperspektive.
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ökohumanistischer Kommunismus, ökokommunistischer Humanismus, Dialektik, Fetischcharakter, Gesellschaft, Klasse, Kommunismus, Marx, Produktionsverhältnisse, Produktionszweck, Produktivkräfte, revolutionärer Reformismus, Sozialismus als Prozess, Utopie, Wachstum, Zukunft |
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Veröffentlicht von Hans-Hermann Hirschelmann
13. Juni 2015
Die Welt und was daran zu verändern ist kann tatsächlich nicht aus dem begriffen werden, was sich die Menschen vorstellen. „Die wirklichen Individuen, ihre Aktion und ihre materiellen Lebensbedingungen“ (Anm. 1) kritisch verstehend in den Blick zu nehmen heißt, den Warensinn zu bedenken, dem sie notgedrungen unterliegen und der uns alle antreibt. Soziales Vermögen ist heute wesentlich Kaufkraft. Weil menschliche Existenzsicherung und Bereicherung gegenwärtig vor allem auf die Produktion von Waren basiert, die sich auf dem Markt zu behaupten haben.und die nur im Tausch gegen das allgemeine Warenaneignungsmittel Geld erworben werden können, gilt als sozial schwach, wer über wenig Geld verfügt, Es ist allerdings nicht mehr zu übersehen, dass der von Marx / Engels konstatierte Widerspruch zwischen dem gesellschaftlichen (immer mehr auch weltgesellschaftlichen) Charakter kapitalistischer Produktion und der privateigentümlichen (nationalstaatlich leidlich regulierten) Aneignung der Produktionsergebnisse nicht länger nur ein formaler Widerspruch ist, der im Gegensatz zu einem tatsächlich sozialen Gegensatz niemanden wirklich zu interessieren bräuchte.
Diese Entfremdung, um den Philosophen verständlich zu bleiben (Anm. 2) scheint nun tatsächlich zur unerträglichen Macht zu werden. Da aber auch der Unmut darüber notwendig borniert ist, da von der gegenwärtigen Unmöglichkeit bestimmt, die Ergebnisse des Produzierens, (sowie deren Qualität, Voraussetzungen, Mengen, Bedingungen, Risiken und Nebenwirkungen) in gemeinsamen Abstimmungsprozessen mitzubestimmen, wären Theorien bzw. Theoretiker*innen an sich sehr gefragt, die an Marx Analysen anknüpfend helfen, eine Perspektive der Emanzipation aus dem gegenwärtigen Warensinn zu finden.
Dass entsprechende Versuche nicht von heute auf morgen zu einem rundum brauchbaren Konzept führen, sollte auch nicht verwundern. Das gilt auch für Moische Postones Bemühungen unter der Überschrift „Marx neu denken“ (Anm. 3) Den Rest des Beitrags lesen »
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Dialektik, Entfremdung, Gesellschaft, Klasse, Kommunismus, Marx, Produktionszweck, Produktivkräfte, Utopie | Verschlagwortet: Arbeit, Aufhebung von Entfremdung, Begriffe, Begriffsfetisch, Entfremdung, Essentialismus, Kommunismus, Moishe Postone |
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Veröffentlicht von Hans-Hermann Hirschelmann
21. Mai 2015
Der Titel macht neugierig. Bemühungen um eine Perspektive sozialer Emanzipation, die an Marx/Engels ökohumanistischen Kommunismus anknüpfen, dürfte von einer solcherart bestimmten Reflexion profitieren.
Gut, dass die Rosa Luxemburg Stiftung den Text Online gestellt hat. Das erleichtert die Auseinandersetzung.
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die Linke, Gesellschaft, Globalisierung, Kommunismus, Marx, Menschwerdung, nachhaltige Entwicklung, Sozialismus als Prozess, Stalinismus, Utopie, Zukunft | Verschlagwortet: Stalinismus |
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Veröffentlicht von Hans-Hermann Hirschelmann
11. April 2015
Alles, was wir schreiben, ist natürlich von unserer Unerfahrenheit und unserer Unwissenheit geprägt: man findet da Ungereimtheiten und Irrtümer. Unsere Texte und Formulierungen sind provisorisch und für eine Berichtigung bestimmt.In der Philosophie ist es wie in der Politik: ohne Kritik keine Berichtigung.
Louis Althusser im Interview in Für Marx, S. 341
Im ersten Teil dieser Erörterung hatte ich folgendes bemerkt:
Wie sehr die Theorie der „Diktatur des Proletariats“ als eine (fragwürdige) IDEOLOGIE funktioniert(e) zeigte sich nicht zuletzt daran, dass Althusser in „Für Marx“ das Selbstbild des Stalinismus als „Diktatur des Proletariats“ und die der Chruschtschow-Administration als „Überwindung der Diktatur des Proletariats und im Übergang zum Kommunismus befindlich“ umstandslos für bare Münze nahm. Den Stalinismus nannte Althusser damals ein (verbrecherisches) „Überbauphänomen“ auf einem sozialistischen Fundament. Bei einem halbwegs wissenschaftlichen Herangehen müsste aber die Frage (gegebenenfalls neu) aufgeworfen werden, was denn damals die Realität dieses Übergangs ausmachte (und damit die Realität des Kommunismus, in die UdSSR Chruschtschows angeblich überging)
Einer der Gründe für diese aus heutiger Sicht recht seltsam anmutende Idealisierung der sowjetischen Wirklichkeit der 1960er Jahre scheint mir in Althussers damaliger Weigerung zu liegen, dem Begriff der „Entfremdung“ irgend einen Gebrauchswert für die „marxistische“ Theoriebildung zuzugestehen. Aber wie sollte die gehen, ohne systematisches Bemühungen um ein hinreichendes Verständnis der historischen Gestalt, Bedeutung und Notwendigkeit nichtkommunikativer, hinter den Rücken der Akteure ablaufender, nicht zwischenmenschlich vermittelter Verhältnisse zu den sozio-ökologischen Voraussetzungen und Wirkungen des eigenen Handelns? Und wann und wodurch diese „Entfremdung“ unerträglich und (kommunistisch?) zu überwinden ist – und tatsächlich auch (kommunistisch!) überwunden werden kann?
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Dialektik, Entfremdung, Fetischcharakter, Gesellschaft, Kommunismus, Marx, Menschwerdung, Produktionszweck, Produktivkräfte | Verschlagwortet: Althusser, Aufhebung von Entfremdung, Basis und Überbau, Begriffsfetisch, Eigentum, Entfremdung, sozialistischer Humanismus |
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Veröffentlicht von Hans-Hermann Hirschelmann
13. März 2015
Mit Alain Badious Idee des wahren Kommunismus und die Beiträge zu den drei gleichnamigen, von ihm maßgeblich organisierten und inspirierten Konferenzen, die LAIKAtheorie in drei Sammelbänden zusammengetragen hat, werde ich mich in den nächsten Monaten vertieft auseinandersetzen. Über den Beitrag in der WOZ, auf den ich mich hier beziehe, war ich zufällig gestolpert. Für eine systematische Kritik an Badious Ideen, die seine Sicht hinreichend gerecht wird, taugt das sicher nur begrenzt. Trotzdem: IAlain Badiou ist 78, Philosoph, gilt vielen als bedeutender Denker und streitet für die Idee des Kommunismus. Für die in diesem Blog zu erörternde Idee, dass es jetzt höchste Zeit sei, mehr (Öko-) Kommunismus zu wagen, muss das von Interesse sein. Andererseits: was genau versteht Badiou unter „DIE Idee DES Kommunismus“? Und was nicht? Warum nur für die Idee und nicht für eine tatsächliche Entwicklungsperspektive deren Kommunismusgestalt erst noch zu bestimmen wäre? Den Rest des Beitrags lesen »
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Ökosozialismus, Badiou, Dialektik, Gesellschaft, Klasse, Kommunismus, Marx, nachhaltige Entwicklung, Produktivkräfte, Religion, Sozialismus als Prozess |
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Veröffentlicht von Hans-Hermann Hirschelmann